Ausgabe 
9.9.1906
 
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Nr. 36.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

nach Ablauf von fünf Wochen noch nicht nach⸗

wesen seien, den Gewerkvereinssekretär Effertz⸗ Altenessen als Vorsitzenden der Siebenerkommis⸗ ston aufgefordert habe, in kürzester Frist eine Revierkonferenz der Ruhrbergleute einzuberufen, um über die Frage der Verschmelzung der Bergarbeiterverbände zu beraten. Da Effertz diesem durch Eiuschreibebrief gestellten Verlangen

gekommen sei, so sehe man sich genötigt, sich öffentlich an die deutschen Bergarbeiter zu wenden, um diese für die Sache der Verschmel⸗ zung zu gewinnen.

Durch eine derartige Verschmelzung würde ein Verband von 175000 Mitgliedern geschaffen werden; die Organisation würde natürlich auch größere Einheitlichkeit und Schlagkraft erhalten, was von unschätzbarem Vorteile für die gesamte Bergarbeiterschaft wäre. Alle Arbeiter sollten ebenso einheitlich organistert sein, als die Unter⸗ nehmer!

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Von Nah und Lern.

Vom guten Magen der Kirche.

Vor kurzem starb in Mainz eine allein⸗ stehende ältere Dame und vermachte ihr ganzes Vermögen in der Höhe von 60,000 Mk. der Stephanskirche. Nun besitzt aber die Verstorbene einen nahen Verwandten, einen armen Dach⸗ decker, welcher schon längere Zeit krank ist und von seiner Frau mit acht kleinen Kindern durch Zeitungstragen kümmerlich ernährt wird. Die Frau wandte sich in ihrer Not an die Kirchen⸗ behörde und bat um Ueberlassung eines kleinen Teils des Vermögens. Es wurde jedoch der Bescheid, daß das Vermächtnis eine Schenkung an die Kirche seitens der Verstorbenen sei, wäre das Geld testamentarisch vermacht, so könnte das Testament angefochten werden, so jedoch sei der Betrag unanfechtbar. Die arme Frau schleppt also ihre Zeitungen weiter, während die Kirche um 60,000 Mk. reicher ist. Stolz aber prangt auf dem Dom die Reiter⸗ statue des heiligen Martin als Schutzheiliger der Mainzer Kirche, desselben Martin, der seinen Mantel mit dem Schwerte teilte, um 155 Armen die Hälfte zu geben, der am Wege

ror.

Ein erschütterndes Bild aus dem Gegenwartsstaate. i

Ein Opfer der miserablen sozialen Verhält⸗ nisse, unter denen es aufgewachsen, ist das 13jährige Schulmädchen Gottwald in Hartha bei Waldheim geworden, das vom Landgericht Chem⸗ nitz wegen Diebstahls zu einer Gesamtstrafe von elf Monaten einen Tag Gefäng⸗ nis verurteilt wurde. Der Vater des bedauerns⸗ werten Opfers ist Scherenschleifer. Für ihn mußte die Verurteilte Arbeit in den Häusern zusammenholen; tagaus, tagein, treppauf, trepp⸗ ab, bei jeder Witterung galt es, Arbeit für den Vater zu schaffen, und doch war Schmalhans Küchenmeister daheim. Um die Beköstigung wenigstens für sich in etwas zu verbessern, be⸗ nutzte sie die Gelegenheiten, die sich ihr boten, zum Stehlen. Sie war deshalb schon vor kurzer Zeit mit fünf Monaten Gefängnis⸗ strafe belegt worden, doch hatte man ihr eine vierjährige Bewährungsfrist zugebilligt. Da ste aus den alten Verhältnissen aber nicht heraus genommen wurde, benutzte sie auch ferner die sich bietenden Gelegenheiten zum Stehlen. Da kennt der Klassenstaat kein anderes Mittel, als das Gefängnis, in das nun das Kind beinahe ein ganzes Jahr gesteckt wird. Schuld an dem Fall des Kindes sind aber die traurigen soztalen Verhältnisse, in die es gesetzt wurde.

Auf dem Friedhof.

Skizze von Th. W. in V. Ein heißer Julitag. Nach des Tages Last und Mühen sieht man ein altes Mütterchen mit einer Hand voll Feldblumen die staubige Chaussee entlang gehen. An dem Friedhofsgitter bleibt die Alte be⸗

Toten. Vorsichtig, als fürchte sie, diesen zu zerstören, legt sie die Blumen darauf.

sitzt stie hier, ihr Haus aufzusuchen. Hat er doch schon manchen von ihren Lieben das Grab aufgeworfen.

Dann betritt die Alte den Ruheplatz der An einem Hügel macht sie Halt.

hockt sie nieder auf die Erde. Lange bis der Totengräber sie ermahnt, Er kennt die Alte.

Daun

Aber keines von den Gräbern besucht sie; nur dieses, auf welches die Alte heute die Blumen niedergelegt. Merkwürdige Frau, sagt der Totengräber zu einem des Weges kommenden Bekannten, de ähr am wenigsten angeiht, de besocht se ümmer, de annern nich. Wißt ihr denn, Hüter der Toten, was es mit dem da auf sich hat? Und ob ich das weiß, entgegnete der Totengräber.Da liggt die Hanne ünner, was die Tochter von dem Mann sein Bruder war. Hebbt Sei haben Sie die Geschichte noch nicht gehört? Nein, wollt Ihr mir die Geschichte erzählen? Der Alte kraut sich den Kopf. Sonnerbare Geschichte. Die Hanne, wo hier liegt, war bei ihre Tante groß geworden, weil sie selbst keine Kinner haren und Haune's Vater früh starb. Un Hanne schlug ganz gut ein. Sie lernte Schneidern un war auch fix in ihrem Fach. Un verdeubelt hübsch war die Hanne. Dann kam das so. Hanne lernte in Offizier kennen der sie wohl mächtig was vorgeschnackt haben muß. Alles Sagen von ihrer Tante halfen nick ts. Sie ging immer wieder nach ihm hin. Und eines Abends war sie mit noch annere Mächens bei ihm im Hause gewesen, und da haben sie denn Wein getrunken und die Hanne hatte zu viel davon gekriegt, so daß sie betrunken war. Als sie dann nachts nach Hause kam, hat ihre Tante sie rausge⸗ schmissen und so zu ihr gesagt, daß sie sich man lieber versaufen sollte, ehe ste zur 98 würde. Das muß die Hanne sich dann mächtig zu Herzen genommen haben. Als es am andern Morgen war, kam sie immer noch nicht wieder. Und gegen Mittag brachte man Zeug von Hanne zu ihre Tante. Und als noch'n paar Tage vorbei waren, da wurde die Hanne im Wasser gefunden; sie hatte sich wirklich ver⸗ soffen. Und seit der Zeit ist die Alte ganz anners geworden. Sie ist nach'n Kommandeur gelaufen und hat sich über den Offizier beschwert un dieser is auch zu ihr ins Haus gekommen und hat ihr Geld gegeben. Aber was half das allens, Hanne wurde durch dieses Geld nich wieder lebendig. Der Offtzier mußte dann bald weg. Aber's die Alte machte sich immer die Vorwürfe, daß sie daran Schuld war, daß alles so gekommen. Aber's sagen Sie, ist das nicht Gemeinheit von dem Leutnant, daß er die Mächens betrunken machte, um sein Vergnügen mit ihr zu haben? Wenn ich der Vater gewesen wär', ich hätte ihn das Genick umgedreht. Aber's so ist's nun einmal. Wenn ein annerer das gewesen wär, dann hätt' man ihn schließlich noch bestraft. Nun ist's aber so ein; daversetzt man ihn einfach und damit ist's dann gut. Der Alke ist in eine ehrliche Wut geraten. Er hat in seiuer schlichten Art eine Geschichle erzählt, die alt und doch immer wieder neu ist. Unwillkürlich fallen mir die Worte Geibels ein... Dann steht ihr wohl und klagt euch an. Doch keiner Träne heißer Reu', macht eine welke Rose blüh'n, erweckt kein totes Herz aufs neu!

Der Sohn seines Vaters.

Von E. Romann.

Es ist nun einmal so, der Höherstehende schaut immer herab auf den, der arm ist. Schon in der Schule wird das von den Kindern ge⸗ übt. Ein Realschüler wird nur selten einen Volksschüler als ebenbürtig betrachten. Uns Volksschüler kränkte natürlich eine solch offen⸗ kundige Herabsetzung. Um nun in unserer eigenen Achtung wenigstens zu steigen, erhoben wir, wie eben Buben handeln, unsere Schule

stehen; sie muß Luft holen, der weite Weg hat sie ermüdet.

dem städtischen Holzplatz mit Holzsägen be⸗ schäftigt waren, zu unseren Mitschülern zählten, nannten wir nach diesen unsere SchuleHolz⸗ spältergymnastum.

Ich ging schon in die letzte Klasse dieses Gymnasiums, als wir einen neuen Klassen⸗ schüler bekamen. Dieser Schüler war eines Stadtbaurats Sohn, der schon eine höhere Schule vollständig erfolglos besucht hatte und nun, da er dort in keiner Weise mitkam, seineStudien bei uns beschließen sollte. Da unsere Klasse sich größtenteils aus Söhnen armer Taglöhner zu⸗ sammensetzte, kann man sich leicht denken, mit welch scheuer Achtung wir den neuen Schüler betrachteten. Das gar nicht stolze Benehmen des Neuen, der uns vom ersten Augenblick an wie seinesgleichen behandelte, schien uns die äußerste Herablassung zu sein. Kein Wunder, wenn ein jeder bestrebt war, mit ihm Freund⸗ schaft zu schließen, denn einen Bauratssohn zum Freunde zu haben, war ein Gefühl, das nahe anGrößenwahn! grenzte.

Aber sonderbar. Mit jedem neuen Tage, den der Ratssohn bei uns war, flaute die Be⸗ geisterung für ihn ab. Denn immer klarer stellte es sich heraus, daß der Genannte einen eigentümlichen Fehler hatte, einen Fehler, den selbst ein Voltsschüler seinem Freunde nicht verzeiht und wenn der ein Prinz wäre unser Freund war nämlich du m m, so dumm, daß Schülern und Lehrern vor einem solchen Phänomen bald der eigene Verstand stillgestanden wäre. Was immer in der Schule getrieben wurde, unsern Freund störte dies nicht im mindesten. Behaglich schaute er zum Fenster hinaus oder kaute mit größter Gelassenheit au seinen Fingernägeln und durch kein Mittel war er dazu zu bringen, eine Aufmerksamkeit, die er nun einmal nicht hatte, zu heucheln. Unternahm es der Lehrer, ihn besonders anzureden, dann schob der aus seinen Träumen Aufgestörte den Finger in den Mund, wie es kleine Kinder machen und lachte ohne jeden Grund so lange, als mit ihm gesprochen wurde. Des Lehrers Diagnose war: harmloser, unver⸗ besserlicher Idiot. 8

Nach unserer Schulentlassung kamen wir anderen Schüler meistens zu Handwerksmeistern in die Lehre. Wir hatten da Zeit und Ge⸗ legenheit, den oft gepriesenen goldenen Boden

des Handwerks näher kennen zu lernen. Wie so manches war auch dieser nur Illusion. Da⸗

gegen waren des Meisters tatkräftige Ermah⸗ nungen und der Gesellen kurzgefaßte Anweisungen bedeutend realere Dinge, sodaß ich ihrer noch heute voll schmerzlicher Rührung gedenke. Unser baurätlicher Mitschüler, der ohne die schwere Bürde des Wissens ins Leben trat, wurde trotzdem gleich in eine bessere Sphäre versetzt. Es wäre auch gegen alles Herkommen gewesen, wenn der Sohn eines Baurats zu einem Schuster oder Schneider in die Lehre gekommen wäre, selbst wenn er das nötige Talent dazu gehabt hätte. Dank dem Einflusse seines Vaters kam der junge Mann gleich zum, Magistrate, allerdings vorerst nur in der untergeordneten Stellung eines Schreibers. Was ihm an Fähigkeiten abging, das ersetzte die Protektion seines Vaters und deshalb behielten jene auch recht, die ihm, weil er der Sohn seines Vaters war, eine glänzende Zukunft prophezeiten. Denn heute, wo seine Schulkameraden von da⸗ mals sich als einfache Handwerksgesellen ihr Brot mühselig genug verdienen müssen, ist er ein Mann in augesehener, sicherer Staats⸗ stellung. Wohl lacht er noch immer, wenn man mit ihm redet, doch hat er sichs abgewöhnt, dabei den Finger in den Mund zu stecken.

5 Humoristisches.

Der Unterschied. Richter:Sie haben ja Ihren Patienten die gleiche Salbe für alle möglichen Krankheiten verordnet! Kurpfuscher:Bitte, Herr Richter, der Preis war aber verschieden!

r Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Aenne von Uhren⸗ Gold⸗ und Silberwaren auf das Ange egent⸗

Die Firma D.

aus eigener Machtbefugnis zum Gymnastum. Da wir viele Armenhäusler,

deren Eltern auf

lichste empfohlen. Reparaturen und Gravierungen prompt und preiswert.

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