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Nr. 27.
Mitteldeutsche Sountags⸗geitung.
Zitternd ruhte ihre Hand auf seinem Haar, als er Abschied nahm. Sie dachte an seinen Vater. Doch sie drängte die Tränen zurück und segnete ihn.
Es ging ihr tief ins Herz.
Seine Briefe waren ihr heilig. Kein fremdes Auge durfte ihr die ungelenke, liebe Schrift mit seinem Blick berühren; es wäre ihr wie eine Entweihung gewesen. Sie verschloß sie ängstlich in ihrem Schranke und nahm sie nur Sonntags hervor und las einen nach dem andern.
Als einmal ein Brief ausblieb, wurde sie unruhig und verstört, und als ihr mitgeteilt wurde, daß ihr Sohn in den braunen Fluten des chinesischen Meeres ertrunken sei, da wurde ste noch einmal schwach in ihrem Leben.
Ein Schlaganfall lähmte die linke Seite.
Sie sank allmählich in sich zusammen, wurde still und wunschlos.
Eines Morgens fanden wir sie tot in ihrem Stuhle am Fenster, in dem sie monatelang fast Tag und Racht gesessen hatte.
Das Legendenbuch, das sie von ihrer Muhme geerbt hatte, lag aufgeschlagen auf ihrem Schoß, darüber die Briefe von ihrem Sohne.
Die alte Hornbrille lag zerschellt am Boden.
Lene hatte ihren Zweck erfüllt.
Auf ihr Grab pflanzten wir Rosen und Etlien, und wer da stehen bleibt und den kleinen Hügel betrachtet, der mag nicht wahrnehmen, welches Glück und welches Leid das Herz er⸗ tragen hat, das darunter langsam ver modert. Es unterscheidet sich ja auch nicht von den Gräbern derer, die„sittsamer“ gelebt hatten als sie, denn der Tod macht alles gleich und still und spricht auch von keiner Etebe, die mächtiger war als alle„Tugend“.
——
Allerlei.
Eine Konzession an die Dummheit.
Es kommt heute noch vor, daß die Zahl von 13 Teilnehmer zu Tische bei manchen un⸗ angenehme Gefühle wachruft, und daß die Haus⸗ nummer— wie in Frankreich— durch 12a oder 12 bis ersetzt wird. Wenn das ein ein⸗ zelner tut, lächelt man darüber. In Hannover hat aber, wie der„Hann. Cour.“ mitteilt, die dortige Straßenbahngesellschaft sich ein Stücklein solchen Aberglaubens geletstet, das mehr als lächerlich ist. In ihrer Liste der Straßenbahnwagen fehlt die Zahl 13! Im 20. Jahrhundert wagt es eine große Ver⸗ kehrsanstalt nicht, die Zahl 13 an ihre Wagen anbringen zu lassen, weil diese Zahl seit Jahr⸗ tausenden als Unglückszahl gilt, und die Be⸗ fürchtung besteht, daß das Publikum sich scheuen werde, einen Wagen mit der Zahl 13 zu be⸗
nutzen.
Monarchenreisen.
Wer Geld hat, um im Mai zu reis en, Der Heimat und dem Alltag fern, Und an der table d'höte zu speisen, Nur der versteht die hohen Heren,
Auch sie verspüren Maigefühle:
Es treibt sie, einmal zu entflieh'n Des Hofes monotoner Kühle,
Und wär's nur von Berlin nach Wien.
Zwar sind der Etikette Normen
Auch jetzt nicht abgeschafft— o nein! Doch sieht man and're Uniformen Und schlüpft mitunter selbst hinein.
Zwar wird man mit denselben Worten Fast angehimmelt, dort wie hier; Doch sind jetzt an den Ehrenpforten Dle Rosen nicht mehr von Papier.
Zwar bleibt Parade stehts Parade
Und jede Front ein Lineal;
Doch wie verschieden wirkt die Grade Durch andern Helmschmuck, größ're Zahl!
Zwar kehrt man, wenn man's satt geworden, Wie stets, per Extrazug nach Haus.
Doch teilt man diesmal andere Orden, Wofern noch welche da sind, aus.
Zwar hat das Ganze, abgesehen Vom Reisen selber, keinen Zweck. Die Welt, als wäre nichts geschehen, Steht nachher auf demselben Fleck.
Doch schmiert trotzdem in jeder Zeitung Ein Tintenkuli, tief gebückt, Etwas von tieferer Bedeutung, Und alle Leser sind entzückt. 0 Der„Zwickauer“ im„Simpl.“ 2
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Humoristisches.
Fatales Mißverständnis. Wirt:„Es ist schrecklich, wie mir die Katzen im Hof über die Tauben gehen!“ Gast:„So schlachten Sie sie doch lieber.“ Wirt:„Geht auch nicht. Dann nehmen wieder die Mäuse überhand.“
Schlau. Kaufmann(als der kleine Moritz durchaus aufs Karussel will):„Wozu brauchst Du Dich erst aufs Karussel zu setzen, Moritzl,... wo sich ja dreht die ganze Erde?!—
Arbeitsteilung. Hausherr:„Wie— zwölf Mark für das bischen Arbeit, eine Türe abzuhobeln— und da steht noch, drei Mann eine Türe gehobelt!“ Lehrling:„Ja, wissen S', Herr Maier, dös is a so: der G'sell hat gohobelt, ich hab's Werkzeug tragen und der Meister hat— zug' schaut!“
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10 jähriges Stiftungsfest des Arbeiter⸗Gesangvereins Fängerkranz Wieseg.
Samstag, den 14. und Sonntag, den 15. Juli 1906: Fest⸗Programm:
Samstag, den 14. Juli, abends 8/ Uhr Festkommers auf dem Festplatze.
Sonntag, den 15. Juli, morgens 6 Uhr Weckruf; 10—12 Uhr Frühschoppen; 12—1 Uhr Eapfang auswärtiger und hiesi ger Vereine; 2 Uhr Aufstellung des Festzuges auf auf dem Festplatze, alsdann Festzug durch die Hauptstraßen des Ortes nach dem Festplatze:
Daselbst: Begrüßung der Festgäste durch den Präsident.
Festrede gehalten durch den Vorsitz. des Rhein⸗ u. Maingau⸗Arb.⸗Sängerbundes Georg ladung.
augs vorträge, Gruppen⸗ und Masseuchöre der Bezirksvereine ö 1 des Bezirkes Gießen⸗Friedberg⸗Marburg.
bpvolksfest
Gambrinus⸗Garten(Festwirt B. Wacker).
Konzert
Turnerische Aufführungen der freien Turnerschaft Gießen. Abend 6 Uhr Aufstieg eines Riesen⸗ Luftballons. Bei eintretender Dunkelheit: Großes Brillaut⸗Feuerwerk. Eintrittspreis: Dauerkarten 30 Pfg., Einzelkarten 20 Pfg. pro Person. N. B. Der Festplatz befindet sich in dem schönen gelegenen Wiesengrund unterhalb des
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