.
— ihlle ig zeln
hier den arg. bor igen
oben Aber
en te, u.
Ver-
12; del⸗ len
Jol⸗ af
jolge al.
Ne..
Milteldentsche Sonutags⸗Zeitung.
Seite 7.
werbe, baß sie in ihrem Alter, welches durch ihre Stellung als Erzieherin nicht verändert war, einen Herrn aufsuche; aber Morsen war in ihren Augen, wenngleich er sein Möglichstes tat, um jünger zu erschienen, auf derselben Alterstufe wie ihr Vater. Ein ältlicher, gut⸗ mütiger Herr mit jugendlichem Aussehen— was konnte man darin finden, daß sie zu ihm ging, um seine Fürsprache für ihren Bruder zu erbitten? Aber als ste in das rote Zimmer eingetreten war und Morsen gegenüber saß, der im Schlafrock jünger aussah wie sonst; hatte sie all ihren Mut und ihr Selbstvertrauen nötig, um ihre Absicht auszuführen. Nun schten ihr mit einem Male die ganze Ange⸗ legenheit, weshalb ste kam, eine unbedeutende Frage und nur wie ein Vorwand zu einem Besuche. Nun erst sah sie ein, daß Morsen gar nichts für ihren Bruder tun konnte, und daß die ganze Protektionsgeschichte nur eine Einbildung ihres Vaters war. Sie saß nun aber einmal in dem roten Zimmer und je länger sie saß, um so mehr harmonierte ihre Gesichtsfarbe mit dem herrschenden Colorit, ge⸗ rade wie die des Bewohners, der vielleicht noch verlegener war als seine Besucherin. Sie mußte nun doch endlich sprechen.
Das Diner an seiner Table d'höte war diesen Mittag besonders schlecht gewesen und Morsen fühlte mit erneuter Kraft alle Uabe⸗ hag lichkeiten des Cölebates, die jeden Tag schwerer ins Gewicht fielen. In der letzten Zeit hatte er eine Menge menschlicher Gebrechen kennen gelernt. Seine Freunde wurden lau, sein Wein matt, Cigarren waren eigentlich nicht mehr zu haben, im Theater führte man nur alte Stücke auf, sein Zimmer verlor mehr und mehr die Eleganz, das Essen wurde immer schlechter, die Presse lieferte nichts neues mehr, alles ging entweder rückwärts, oder so unbe⸗ sonnen voraus, daß es nicht Stand halten konnte, und Morsen empfand zum ersten Male seit seinen Kinderjahren, daß er sich langweilen konnte. Alles das bedrückte sein Gemüt und als Gegenbild stieg darin die Gestalt eines ge⸗ wissen Morsen auf, der mit einer äußerst liebens⸗ würdigen Frau verheiratet und von ein Paar äußerst reizenden Kindern umgeben, ein äußerst
lückliches Leben führte, worauf der unver⸗ kate Herr Morsen alle Ursache hatte eifer⸗ süchtig zu sein.
Als er in seinem Nachsinnen so weit ge— kommen war, wurde eine Dame angemeldet und Morsen mußte wirklich nicht, ob er wachte oder träumte, als er Malvinens hübsche Gestalt in das Zimmer eintreten sah.
Nachdem er sich rasch umgesehen hatte, ob noch mehr ungewöhnliche Erscheinungen ihn überzeugen könnten, daß er träumte und dies nicht der Fall war, forderte er die anmutige Erscheinung auf Platz zu nehmen, worauf Malbine sich ihm als die Tochter seines Amts⸗ genossen zu erkennen gab, welche ihn um eine Gefälligkeit bitten wollte.
„Es soll mir sehr angenehm sein, wenn ich Ihnen— Ihrem Herrn Vater einen Dienst erweisen kann,“ sagte Morsen, während er 75 wärts den Versuch machte in den Spiegel zu sehen, um seine Toilette etwas in Ordnung zu bringen. Aber der Spiegel hing unglücklicher⸗ weise so, daß er von dem Platze, wo er saß, unmöglich hineinsehen konnte.
„Ich komme meines Bruders Franz wegen,“ begann Malvine und versuchte ebenfalls in den Sptegel zu sehen, um zu erfahren, wie stark ste errötet sei.
„So? Wenn ich nicht irre, ist er auf der Universität?“ Bei diesen Worten rückte Mor⸗ sen unbemerkt etwas weiter, um sich im Spiegel betrachten zu können.
„Um Verzeihung, er ist noch immer zu Hause, er sucht eine Stellung und—“ sie ge⸗ riet so in Verwirrung, daß ste stockte.
„Ein schwieriges Suchen, mein Fräulein,“ entgegnete Morsen und rückte wieder ein wenig mit seinem Stuhle, während Malvine zugleich nochmals den Versuch machte, ihr Gesicht im Spiegel zu sehen, da ste befürchtete, entsetzlich rot zu sein.
„Franz drangte so, daß wir Ste um Rat fragen möchten, und da der Vater sich nicht entschließen konnte, habe ich versprochen, mit Ihnen zu reden.“
ortsetzung folgt.)
Rh. M. V. Zur Urgeschichte des Wester⸗ waldes. Im Jahre 1902 erregte die Ent⸗ deckung einer Anstedelung aus der sogenannten Hallstädter Periode bei Neuheusel durch den hessischen Ministeralrat W. Soldan großes Aufsehen. In Massen und dichtgedrängt fand er im Bimssteinsand die Löcher, in denen Pfosten der kleinen Hütten gestanden hatten, dazwischen feste„Tennen“, die er als Feuerstellen und in einigen Fällen als Wasserbehälter deutete, und um das Ganze Reste von Verhauen. Er schloß darauf eine dichte Besiedelung des Westerwaldes schon einige hundert Jahre vor unserer Zeit⸗ rechnung. In dem Jahrgang 58 des Jahr⸗ buches des nassauischen Vereins für Naturkunde geht Herr Oberförster Behlen in Haiger mit dieser alten Kultur schwer ins Gericht. Er sieht in den Pfostenlöchern, welche sämtlich durch den Sand bis auf den steinigen Ton gehen, nur die Höhlungen von Fichtenstämmchen, die bei dem großen Ausbruch des Krufter Ofens am Laacher See verbrannt wurden, in den Tennen, vom Wind umgebrochene Stämme, die einen Teil des Tonbodens zwischen ihren
Wurzeln an die Oberfläche brachten, in den
sogenannten Zugkanälchen der Feuerstellen die ausgefaulten Wurzeln der gefallenen Stämme. Aehnliche Baumlöcher fanden sich an vielen im Neuwieder Becken und am Abhang des Wester⸗ waldes, wo Bimsstein hoch genug gefallen ist, um die Bäume zu töten und die Stümpfe nachher vor der Verwitterung zu schützen. Dr. Kobelt.
Splitter.
Freude an der Arbeit kann ohne den be⸗ rechtigten Stolz nicht bestehen.
Lazerus. **
*
Wer eine Kunst nicht selbst übt, hat sein Lob und seinen Tadel an bestimmter Stelle schweigen zu lassen, nämlich da, wo das man⸗ gelnde Können auch sein Wollen lahm legt.
Th. Fontane .
* Jedem Menschen für sein Leben Ist ein Maß von Kraft gegeben Das er nicht enweitern kann; Aber nach den rechten Zielen Stets die Kräfte lassen spielen, Soll und kann ein rechter Mann.
** *
Du bist ein Mensch!
Laß dich nicht schinden!
Du sollst dich nicht treten lassen.
Du sollst dich nicht unterdrücken lassen.
Du sollst dich nicht aussaugen lassen.
Du sollst den Sklavenfinn von dir tun.
Du sollst die Knechtseligkeit vou dir tun.
Du sollst dich nicht bücken vor einem lebendigen Menschen, denn er ist nicht mehr als du.
Leopold Jacoby.
A ker,
Humoristisches.
Der Herr Baron.„Diese Uhr ist ein Weih⸗ nachtsgeschenk, Josef. Ich knüpfe jedoch die Bedingung daran, daß ich jederzeit das Recht habe, sie zu versetzen.“
a(Simpliz.)
Die gestörte sächsische Gemietlichkeit. „Wenn nur die roten Ludersch nächsten Sonntag keene Reffoluzion machen. Sonndag hat meene Carline Ausgang!“(„Jugend“.)
Eine Reifeschilderung über Deutschland. Ein Kameruner kam nach Deutschland. Ueber den Ein⸗ druck befragt, den die Neue Welt auf ihn machte, er⸗ klärte er:„Alles arbeitet in diesem Lande. Monn ar⸗ beitet, Frau arbeitet, Kind arbeitet, Pferd arbeitet, Ochs und Esel arbeitet, Dampf arbeitet, Wasser arbeitet. Bloß Schwein arbeitet nicht. Schwein ist der einzige Edelmann im Lande.“
—
Literarisches.
„Sonntag eines großstädtischen Arbeiters in der Natur.“ Unter diesem Titel hat die Buch⸗ handlung Vorwärts in Berlin ein kleines, hübsch aus⸗ gestattetes Büchelchen herausgegeben mit gesammelten Aufsätzen von dem jüngst auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Curt Grottewitz. Dem Verkchen hat Wilh. Bölsche ein Geleitwort geschrieben. Der Verfasser ist weiteren Kreisen von Naturfreunden ein guter Bekannter, hat er doch ein Jahrzehnt lang zahl⸗ relche populär geschriebene Abhandlungen und Plaudereien aus allen Gebieten der Naturwissenenschaften in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Durch alle seine Ar⸗ beiten geht ein tiefes Verstehen der Natur, ein Verstehen nicht nur mit dem Kopfe, sondern auch mit dem Herzen, Davon ist das vorliegende Büchlein ein Zeugnis. Wir machen mit dem Sonntagswanderer in jedem Monat einen Spaziergang; vorbei an kleinen Bächen und weiten Seen, durch Buchen und Kiefernwälder, die Landstraße entlang, kurz, mitten in die Natur hinein. Und wir finden zuletzt daß wir aus diesen liebevolleu Natur⸗ schilderungen, dieser charakteristischen Monatsbildern auch eine Menge wirklicher, natur wissenschaftlicher Kenntnlsse davongetragen haben, die uns zu weiteren selbständigem Beobachten anregen. Das Buch kostet broschürt 60 Pfg-, gebunden 1 Mk. Wir können es allen unseren Lesern auf das wärmste empfehlen.
—*—.
Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren⸗Gold⸗ und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste empfohlen. Reparaturen und Gravierungen
prompt und preiswert.
Arbeiter!
Willst Du die Lüge, oder willst Du die Wahrheit?
Willst Du in den Tagen, da der große Kampf zwischen den„Höchsten“ und den „Niedrigsten“ zu neuen Flammen empor⸗ lodert, täglich der Stimme der Wahrheit lauschen, oder der Stimme der Lüge?
Wer wagt es in Deutschland nach oben— hin die Wahrheit zu sagen? Wer beugt sich nicht vor Unternehmern, nicht vor reichen Herren, nicht vor Ministern, nicht vor Grafen? Wer sagt den Richtern ohne Zaudern, ob sie Recht oder Unrecht ge— sprochen haben? Wer schützt die Soͤhne des Volkes vor Mißhandlungen beim Militär?
Wer steht dem Arbeiter in jedem Lohnkampfe fest zur Seite? Wer überwacht die heimlichen Kniffe und Schliche der Spekulanten und Unternehmer? Wer stellt die Fleischverteurer, die Wohnungs⸗ wucherer, die Lebensmittelfälscher unbarm⸗ herzig an den Pranger? Wer schützt in dieser Welt des Unrechts den Schwachen vor dem Starken, den Gutmütigen vor den Hinterlistigen, den Redlichen vor dem Spitzbuben?
Arbeiter, wir fragen Dich: Ists nicht die sozialdemokratische Zeitung, die Dir beisteht in Deinen schweren Kämpfen?
Ernste Zeiten stehen vor der Tür! Der Kampf gegen die Verteurer des Fleisches, des Brotes, der Kampf gegen die Zinsgeier wird täglich schärfer. Kein Arbeiter darf in so ernsten Zeiten der bürgerlichen Presse seine Unterstützung geben!
Wer die Wahrheit hören will, der halte das Arbeiterblatt!.
Arbeiter! Freundel Rüttelt die Lauen auf! Weckt die Gleich⸗ giltigen! Werbet zum Siege des Volkes über seine gewissenlosen Unterdrücker und Beherrscher, werbet für Euer wichtiges Kampfmittel, werbet für Euere Zeitung!


