Ausgabe 
6.5.1906
 
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Nr. 18.

Mitteldentsche Souutags⸗Zeitung.

Seite 7.

ernten und von dem himmlischen Vater doch ö ernährt werden, wie es in der Bergpredigt des Nazareners heißt. Ach ja, diese Ber predigt, sie gibt einem Gemüt, wie es Ernst besaß, eine Menge Stoff zu Betrachtungen.

Ju solche Betrachtungen war Ernst ver⸗ sunken, als er plötzlich durch einen ehemaligen Schulkameraden gestört wurde.

Was ist's Ernst, bauest wohl Luftschlösser, he, nimm Dich in Acht, daß sie nicht einstürzen, rief ihm dieser zu.

Um Ernst's Lippen spielte wieder das bittere Lächeln, er antwortete mit einem kurzen, aber

Kosten, und die Reichen nicht, weil es ihnen

entschtedenen:Laß mich in Ruh'.

Der Ankömmling war der einzige Sohn eines der begütertsten Bauern im Dorfe. Er haßte Ernst, weil dieser in der Schule ihm so manchmal über gewesen war und Lob bekam, während er das Prädikat Dummkopf nach Hause tragen konnte. Jetzt hielt er den Augen⸗ blick für günstig, um sich dafür zu rächen. Sag Freigeist, vom nächsten Monat besuche ich das Gymnastum in L.

Die erwartete Wirkung dieser Worte blieb nicht aus, Ernst war tatsächlich an einer wunden Stelle getroffen worden. Das bittere Lächeln verschwand, um der Zornesglut Platz zu machen. Nun ja, Dein Vater hat ja noch mehr Ochsen zu Hause, rief er ihm zu, sprang auf und ging davon.

Dieser anscheinend unbedeutende Zwischenfall hatte bei Ernst den Gedanken gerefft, daß es mit dem Träumen nicht getan sei. Was er aber machen sollte, davon hatte er vorläufig noch keine Ahnung bei den mannigfachen Ge⸗ danken, die im wilden Chaos sein Gehirn durch⸗ kreuzten.

Eine Woche später sollte er indes schon Gelegenheit bekommen, seine ersterevolutionäre Tat zu vollbringen, freilich in recht eigenartiger Weise. Er hatte durch die bitteren Erfahrungen seines jungen Lebens nicht allein die gesellschaft⸗ lichen Ungerechtigkeiten hassen gelernt, sondern auch so manche alten Gebräuche, an denen das Dorf so reich ist, waren ihm zuwider geworden.

Ein Verwandter von ihm hatte Kindtaufe. Zwei Tage vorher erschien dieser in Kampfes Wohnung, nud nach einigen allgemeinen Redens⸗ arten über das Wetter begann er:Ja, was ich sagen wollte, Ernst, Du sollst mein Kind aus der Taufe heben.

Am liebsten hätte Ernst den Verwandten in diesem Augenblick nach dem Blocksberge ver⸗ wünscht, oder doch in aller Form für die Ehre gedankt, aber dieser Unhöflichkeit wollte er sich

des Kindes gleichfalls ein armer Teufel war und sich in solchen Fällen so leicht Niemand findet, der nachdieser Ehr, welche macht den Beutel leer geizt: die Armen nicht wegen der

da nicht gut genug ist.

Ernst nahm also die Einladung an, aber er hatte sofort seinen Plan gefaßt. In Hütten⸗ berge besteht nämlich die Sitte, daß zu Kind⸗ taufen die Patens mit riesigen, die ganze linke Brustseite bedeckenden Sträußen, hergestellt aus Rosmarinzweigen und breiten seidenen Bändern, die Patinnen dagegen mit einem aus Perlen und Bändern zusammengebauten Ungetüm auf dem Kopfe erscheinen, für welch' letzteres sich schwer ein Vergleich finden läßt.

Ernst war nun durch keine Macht der Welt zu bewegen, diesen Strauß anzulegen. Das war sofort zuchbar geworden und nun kamen junge Mädchen und alte Weiber beiderlei Ge⸗ schlechts, welche sich ins Zeug legten. Aber sedesmal, so oft ste Ernst den Strauß anheften wollten, ertönte ein: Hände weg!

Als die Geschichte vorbet war und Ernst die Kirche verließ, mußte er den mühsam zurück⸗ gehaltenen Redestrom der in ihren heiligsten Gefühlen verletzten Bäuerinnen über sich ergehen lassen.Der hat den Namen Freigeist mit Recht,der Satan muß in den Buben gefahren sein,der Teufel hält ihn gepackt,die arme Louise, wie ste betrübt neben ihn stand, ste ist mit blamiert, so schwirrte es durch einander.

All das Gerede war Ernst gleichgültig, nur die letzten Worte nicht so ganz. Seine Part⸗ nerin, die Schneiders Louise, wollte er durch die Ablehnung des Straußes nicht beleidigen.

ie war ihm zwar sehr gleichgültig, aber sie hatte ihm auch nichts zu Leide getan. Er warf letzt einen verstohlenen Blick nach ihr, aber dieses halb zur Erde gesenkte Gesicht war ihm ein Rätsel. Es war weder Zorn noch Freude, fact 1 keine Gleichgültigkest, was auf ihm agerte.

(Schluß folgt.)

Kür unsere Frauen.

Reinlichkeit und Regelmäßigkeit bei der körperlichen Pflege deines Kindes sind Grundlagen seiner Gesundheit und Charakter⸗ bildung. Die physische und psychische Erziehung beginnt mit der Gewöhnung des Säuglings an Reinlichkeit und Regelmäßigkeit des äußeren

selben, kaunst du es leicht dazu erziehen, auch jeden Schmutz, jeden Flecken der Seele zu ver⸗ abscheuen. Indem du bei der Gestaltung seines Lebens strenge Regelmäßigkeit beobachtest, lehrst du es Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Ord⸗ nung, Pflichttreue und jene Selbstzucht üben, die mit Ueberwindung augenblicklicher Stim⸗ mungen und Wünsche jederzeit das als nötig und recht Erkannte tut. Nicht etwa, daß du dein Kind gewöhnen sollst, bei Spiel und Ar⸗ beit ängstlich jede Beschmutzung von Körper und Kleidung zu vermeiden. Du würdest ihm da⸗ mit Freuden rauben und Möglichkeiten, die Kräfte seines Körpers und Geistes zu betätigen; du würdest es damit überbedenklich, zaghaft und unbehilflich machen. Wohl aber soll dein Kind die Unsauberkeit als solche empfinden und das Bedürfnis lernen, sich nach Spiel und Arbeit ordentlich zu reinigen. Du sollst auch nicht gedankenlos und ohne Berücksichtigung auftre⸗ tender Umstände die Regelmäßigkeit in der Zebenshaltung deines Kindes aufrecht halten. Dein Kind darf nicht zum Pedanten werden, der das Nötigste, Nützlichste und Angenehmste unterläßt, weil es das geregelte Uhrwerk seiner Lebensführung unterbrechen würde. Wohl aber sollst du es dazu erziehen, die dem Me schen körperlich und geistig notwendige Ordnung und Disziplin nicht jederzeit um flüchtiger Zaunen und Neigungen wegen zu durchbrechen.

Ga. in derGleichheit.)

Splitter.

Zwang hindert vielleicht manche Vergehung, raubt aber selbst den gesetzmäßigen Handlungen von ihrer Schönheit. Freiheit veranlaßt vlel⸗ leicht manche Vergehung, gibt aber selbst dem Laster eine minder unedle Gestalt.

W. v. Humboldt.

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um so weniger schuldtg machen, als der Vater

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