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denn es fiel auf sein Loos,
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Witteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 7.
Ansicht nach war es unmöglich, daß Herr Morsen etwas unpassendes tat. Malvine sollte entscheiden, aber sie hatte nicht darauf geachtet.
„Kinder, ich glaube, daß es Zeit für euch ist,“ sagte Werner, als er zurückkam, nachdem er seinen Besuch bis zur Haustüre begleitet hatte, und die Kinder gingen mit Ausnahme von Jranz, der jedoch auf Ersuchen seines Vaters den Kleineren leuchten mußte. Er be⸗ griff sehr wohl, daß er nur fortgeschickt wurde, er, ein Mann mit 200 Talern jährlichem Gehalt; er war sehr verdrießlich!
„Und hast du Herrn Morsen um Geld er⸗ sucht?“ frug Frau Werrer sofort.
Werner schüttelte verneinend den Kopf.
„Aber Gott im Himmel, Werner, was sollen wir denn anfangen?“
„Still, still, Mütterchen, warum soll der Vater einen Fremden um Geld ersuchen, wenn seine Kinder es ihm leihen können? Wie viel hast du nötig, Vater? Nenne ohne Scheu eine gute Summe!“ Und bei diesen Worten holte Malvine ihr Arbeitskästchen zum Vorschein, das ganz mit Bankscheinen gefüllt war.
Werner glaubte sich in das Reich von Tausend und eine Nacht versetzt; er fiel aus einem Erstaunen in das andere.
„Ist das Geld von Taubermann?“ frug Frau Werner. 5 n
„Ja und nein; eigentlich käme es ihm zu, welches er mir am Geburtstage seiner Frau scherzend zum Geschenke gemacht hatte; aber so viel ich auch darauf drang, er hat den Gewinn weder an⸗ nehmen noch teilen wollen und zuletzt hat er nur die Bedingung gemacht, daß ich es gut anlegen soll.“
„Und— du bringst es hierher,“ sagte Werner.
„Um es anzulegen, allerdings, ater! Du kaufft dafür einen unbefleckten Ruf, eine gute Erziehung für die Kinder, ein ruhiges Alter für dich und die Mutter, eine Exlstenz für die . und ich genieße jedes Jahr zehnfache
ente.“
„Aber dein Kapital?“.
„Erhalte ich zurück, sobald eure Lage so verbessert ist, daß ihr es zurückgeben könnt.“
„Aber vergiß dich nicht, Malvine!“ sagte Frau Werner.
„Mich? O, ich werde schon zurecht kommen und vorerst denke ich nicht daran, von Tauber⸗ manns fortzugehen.“
„Nicht?“ frug Werner bedeutungsvoll.
Malvine schwieg. Und Frau Werner sah ihren Gatten verwundert an.„Nun freilich, Werner,“ sagte ste,„das versteht sich doch von
selbst.“ (Fortsetzung folgt.)
Gesellensahrten.
Eine Weih nachtsgeschichte von Philipp Schei demanu 10 Nachdr. verb. (Schluß.)
Heftiger pochte der Alte an das Fensterkreuz; Hermann und ich begannen gerade das schöne Lied von einem gewissen Nagelschmied anzu⸗ stimmen, da wurde das Fenster heftig aufge⸗ rissen und wie eine Furie keifte ein altes Weib heraus: ihr verfluchten Nachteulen, da habt ihr was für euren Spektakel— und dabei goß sie meinem lieben Schwiegervater, den sie in der Dunkelheit nicht erkennen konnte, einen Schöpfer voll Wasser ins Gesicht. Ratsch war die Klappe wieder zu und die Jalousie rasselte herunter, vielleicht zum ersten Male seit vielen Jahren.
Eine Sekunde lang stand der Alte tatsäch⸗ lich wie ein begossener Pudel da. Dann aber schien er sehr ernüchtert zu sein und nun fluchte er sehr unchristlich und begann seinen Freund Jensen, den guten Jensen zu bedauern. Der brave Mensch, warum mußte der gerade so 'nen Drachen zur Frau kriegen.
Wir hatten Mühe, den Alten zu beruhigen und heimzukriegen.
Am andern Morgen verzieh der alte Dierksen uns alle Jugendstreiche. Er begriff jetzt, daß man Schilder aushängen, Regentonnen um⸗ werfen und Katzenmustken veranstalten könnte. Nur wollte er nicht begreifen, warum er uns
und speziell mir das alles früher so übel ge⸗ nommen hätte.— *
Und wiederum war es Weihnachten. Ein Jahr später. Diesmal stand Liesbeth im Myrthenkranz vor mir und ich hatte einen schwarzen Gehrock an. Ich kam mir vor, wie ein prämiiertes Ausstellungsschaf. In das Knopfloch hatten sie mir ein Sträußchen gesteckt und die Hände wurden mir siedeheiß in den dummen Glaces. Die ganze Aufmachung gefiel mir wenig. Und erst alle die Freunde und Freundinnen! Was hatten die denn noch an meiner Liesbeth herumzumustern!
„Na“, so fuhr Gottlieb fort,„auch diese Stunden gingen vorüber—“
In diesem Augenblick traten unsere Frauen, die ganz bestimmt an der Türe gehorcht hatten, wieder in das Zimmer, vergnügt lachend und Nüsse knackend.
„— auch diese Stunden gingen vorüber und schließlich konnte ich mein Weibchen in die Arme nehmen und rufen: Endlich allein!“
„Ja, nun halte aber hübsch den Mund“, fiel hier Frau Schulze ihrem Gatten in's Wort.
„Aber warum denn, Alte?“ fragte Gottlieb, sich sehr verwundert stellend,„aber hast wohl recht, ich will lieber aufhören, denn jetzt müßte meine Erzählung doch eine sehr scharfe Wendung nehmen.“
„Wieso?“ meinte nun seine Frau.
„Na, nach der Hochzeit warst Du doch garz anders, wie vorher!“
Schwapp, da hatte er auch schon einen Klaps auf die große Glatze gekriegt.
Aber lustig faßte er sein Weibchen bei den Armen und sang:
„Auch ich war ein Jüngling mit lockigem
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Fritz gib die Zigarrenkiste her! Und Du Freund Karl, schenkst ein! So! Und nun, Kinder laßt uns anstoßen:
Es lebe die Liebe und es lebe das Fest der Liebe! Prosit!
Allerlei.
Statistik der Alters⸗ und Juvaliden⸗ versicherung. Im Reichsamt des Innern hat man ausgerechnet, daß am 1. Januar 1906 ein Bestand von etwa 909 500 Invaliden und Altersrenten vorhanden ist, von denen im Jahre 1906 87400 in Wegfall kommen dürften. Der Zugang von Renten ist auf etwa 141000 zu schätzen, von denen 15 100 im Laufe des Jahres 1906 wegfallen. Setzt mau als Reichszuschug für jede am 1. Januar 1906 laufende Rente einen Beitrag von 50 Mk. und für jede im Jahre in Zugang kommende einen solchen von 45. Mk. an und zieht man für jeden Wegfall einer Rente am 1. Januar 1906 25 Mk., so⸗ wie für jeden Wegfall einer im Jahre 1906 neu bewilligten Rente 12,50 Mk, ab, so ergibt sich ein Reichszuschuß für Invallden⸗ unb Alters⸗ rente im Betrag von 49 446 250 Mk. Für den Reichszuschuß und die Leistungen auf Grund der Krankenverstcherung wird voraussichtlich der Betrag von 1 Million Mark erforderlich sein, während die Belastung des Reiches aus Renten⸗ anteilen für militärische Dienstleistungen 200000 Mark betragen dürften. Die Ausgaben des Reiches für Beitragserstattungen werden wie früher mit 1000 Mk. genügend hoch bemessen sein. Demnach würde das Reich mit 50 647 250 Mark auf Grund der Versicherungsgesetzgebung belastet sein.
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Splitter.
Einem Pessimisten. Wenn das Leben gar zu sauer, Nur der Tod das Geück allein— Ei, du Mann der ew'gen Trauer, Stirb und lass' das Flennen sein
Peschkau. * Heine ⸗Worte. Alle Menschen, gleich geboren, Sind ein adliges Geschlecht.
(„Bergidylle.“)
Humoristisches.
Ein Fluch.„Mit Wachskerzen sollst De handeln müssen auf der Sonn'!“
Indirekte Wirkung.„. Ja, ja, lieber Freund, der Wein löst die Zunge!... Wenn ich abends so meine paar Flaschen getrunken hab' und dann nach Hause komm', dann solltest du meine Frau reden hören!“(Fl. Bl.)
Hohe Politik in Algeciras.„Der luxem⸗ burgische Gesandte scheint neue Justruktionen erhalten zu haben, es liegt ihm plötzlich so viel an schneller Beendigung der Konferenz.!“—„Das wohl weniger, aber den Flirt seiner Gemahlin mit dem spanischen Marquis möchte er gern abkürzen,“
Erhebendes Bewußtsein. Staatsanwalt: „'s ist schon öfters vorgekon men, daß bei so'ner Hin⸗ richtung einem Geschworenen übel wurde. Also nur teene Angst: Stelle sich nur jeder vor, wie froh er sei kann, daß er nicht der Delinquent ist!“ n
(„Simpl.“) TTT
Geschichtskalender.
4. März. 1900 Große Künstlerversammlung gegen die„Lex Heinze“ in Berlin. 1871 Erste Wahlen zum Deutschen Reichstag.
5. Bülow spricht im Reichstage für Brotzollerhöhung. 1827 Volta, berühmter Physiker, f.
6. 1880 Erste Sozialistengesetz⸗Verlängerung. 1877 Johann Jakoby,.
7. 1901 Großes Grubenunglück auf der Zeche „Konsolidation“(Ruhr), 10 Tode.
8. Staatsanwalt Tessendorf löst die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands auf.
9. 1897 Reichsratswahlen in Wien, 88000 sozial⸗ demokratische Stimmen.
10. 1793 Einsezung des Revolutionstribunals durch Danton,
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Literarisches.
Die„Kommunale Schulpolitik“ behandelt Paul Hirsch im vierten Heft der von ihm heraus⸗ gebenen, im Verlage der Buchhandlung Vorwärts er⸗ schleuenen„Kommunalpolitischen Abhandlungen“. Die 5 Bogen starke Broschüre zerfällt in fünf Kapitel. Nach⸗ dem der Verfasser zunächst die Wohnungsnot und ihre Ursachen dargestellt hat, untersucht er die Ursachen der Wohnungsnot und knüpft an diese Untersuchungen eine Schilderung der Wohnungsnot. Das nächste Kapitel behandelt die bisherigen Maßnahmen einer Reihe von Gemeinden zur Förderung des Wohnungsbaues. Im Schlußkapitel endlich werden die Forderungen der Sozialdemokratie begründet. Die Broschüre ist in erster Linte für Gemeindevertreter geschrteben, die darin eine Menge wertvollen und übersichtlich angeordneten Materials finden dürften. Aber auch jeder andere Parteigenosse, ja jeder Soztalpolititer, der sich auch für die wichtige Wohnungsfrage interesstert, wird beim Studium der Arbeit auf seine Rechnung kommen. Der Preis der Broschüre beträgt 1.— Mk.; eine Agttatlonsausgabe kostet 50 Pfennig. Jede Buchhandlung und jeder Kol porteur liefert die Broschüre.
Ein römisch⸗katholischer Pfarrer als Sozialdemokrat. Vor einiger Zeit erregte es all⸗ gemeines Aufsehen in weiten Kreisen namentlich der ka⸗ tholischen Bevölkerung, daß ein römisch⸗katholischer Priester in Holland, Dr. J. van den Brink, sich offen für die Sozlaldemotratle und ihre Forderungen erklärte. Sein Wirken zog ihm denn auch bald den Haß und die Ver⸗ folgungen seiner frommen Kollegen und seiner christl chen Vorgesetzten zu, die es in threm chr istlichen Eifer an Verleumdungen und Verdrehungen aller Ant nicht fehlen ließen. In einer Schrift verwahrt sich v. d. Brinck gegen die wieder ihn erhobenen Vorwürse. Er zeigt in dieser aber auch, wie thn der Widerspruch zwischen den nach seiner Ansicht wahren Lehren des Christen⸗ tums und den heutigen Bekennern desselben zum Sozia⸗ lismus getrieben und die Erkenntnis vom Klassencharakter des Staates ihn zu einem Sozialdemokraten gemacht haben. Diese Darlegungen hat die Buchhandlung Vor⸗ wärts übersetzen und als Broschüre erscheinen lassen. Sind auch vom Standpunkt unserer Partei aus betrachtet nicht alle Ausführungen unbedingt zu unterschreiben, so sind doch seine Worte beherzigenswert. Ein Nachwort wahrt den Standpunkt unserer Partei.— Die Broschüre kostet 10 Pfg. und ist in allen Parteibuchhandlungen zu haben. Eine Agitationsausgabe, die nur an Vereine, Vertrauensleute usw. abgegeben wird, kann vom Verlag
bezogen werden.


