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1 5 die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(G. ⸗Z. K. 5107) 33% und bei mindestens 22 mal. Aufgabe 500 Rabatt
f Steigerung der Lebenshaltungskosten.
Nr. 26.
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Gießen, den 1. Juli 1906. 13. Jahrgang. Redaktion: 2 Redaktion ß Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donuorstag Nachniteg 4 Uhr 7—————
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Dem hessischen Landtage sind seit dem Herbste zahlreiche Eingaben und„Vorstellungen“ von Beamten aller Art zugegangen, in denen Gehalts⸗ erhöhung gefordert wird. Es gibt wohl kaum eine einzige Beamtenkategorie in Hessen, die bei dem allgemeinen Petitionssturme fehlte und nicht um Erhöhung ihrer Bezüge, oder„ander⸗ weite Regelung ihrer Gehaltsverhältnisse“— was genau dasselbe ist— vorstellig geworden wäre. Richter, Justizbeamte, Kanzleiinspektoren, Ministertalkanzlisten, Feldbereintgungsgeometer, Lehrer, Forstwarte, Poltzisten, sowie die Unter⸗ beamten(Eisenbahn, Post ꝛc.), kurz alles was Beamter heißt, oder sich dafür ansieht, verlangt mehr Gehalt, freie Wohnung, Wohnungsgeld⸗ zuschuß oder Teuerungszulage. Begründet werden die Forderungen mit den Teuerungs⸗
berhältnissen, der Preissteigerung der Lebens⸗
bedürfnisse. von der Hand zu weisen.
Und diese Gründe sind keineswegs Wenn aber bei Beamten mit Gehältern von 3000-6000 Mk. sich die Teuerung so fühlbar macht und sie mit
ihren bisherigen Bezügen nicht mehr auskommen,
was sollen dann die Arbeiter sagen, die mit
dem dritten, vierten oder fünften Teile dessen, was ein solcher notleidender Beamter bekommt, haushalten müssen? In der Tat, eine Erhöhung des Lohnein⸗ kommens der gewerblichen Arbeiterschaft ist un⸗ bedingt notwendig, soll ihre Lebenshaltung sich nicht erheblich verschlechtern. Das lehrt ein Blick auf die seit Jahresfrist eingetretene Steige⸗ rung der Haushaltskosten. Eine annähernd richtige Vorstellung von dem Grade dieser Steigerung erhält man, schreibt R. C. in der Parteipresse, wenn man die letzten Berechnungen der Berliner Halbmonatsschrift„Der Arbeits⸗ markt“ über den wöchentlichen Lebensmittel⸗ bedarf einer Arbeiterfamilie mit denen im Vor⸗ fahre vergleicht. Als wöchentlicher Bedarf an Lebensmitteln ist die Verpflegungsration des deutschen Marinesoldaten zugrunde gelegt, da es für den industriellen Arbeiter keine einheitliche Normalration gibt. Wenn aber die Ration des Marinesoldaten unterstellt wird, so geschieht dies in der Absicht, um vergleichbare Resultate zu gewinnen und die Bewegung der Kosten des wöchentlichen Nahrungsaufwandes veranschau⸗ lichen zu können. Denn daß auf grund der Veränderungen der Kosten, die für die Ver⸗ pflegungsration des deutschen Marinesoldaten aufgewendet werden müssen, im großen und ganzen ohne weiteres auf eine Verteuerung oder erbilligung der Volksernährung geschlossen werden kann, ergibt sich, wenn man erwägt, daß in der Verpflegungsration des Marine⸗ soldaten alle wichtigen Volksnahrungsmittel in
einem recht glücklichen Verhältnis vertreten sind.
Für eine vierköpfige Arbeiterfamilie ist der wöchentliche Nahrungsaufwand in der Weise angenommen, daß man zwei Kinder für eine dawachsene Person, also das dreifache der Jormalration des Marinesoldaten für die ganze Familie berechnet. Die einzelnen Lebensmittel⸗
engen, aus denen sich die Ration zusammen⸗
sitzt, sind zu den niedrigsten Markthallenpreisen Ahiter Zuschlag einer fünfzehnprozentigen Er⸗ pöhung berechnet, da die niedrigen Preise be⸗ Knntlich nicht die häufigsten sind. Stellen wir
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nun sür die Städte Danzig, Berlin, Dresden, Chemnitz, Leipzig, Stuttgart und München den durchschnittlichen Kostenaufwand pro Woche für Mai 1905 und 1906 zusammen, so erhalten wir folgende Uebersicht. Der wöchentliche Kosten⸗
aufwand betrug im Mai 1905 1906
in Mark
mehr() oder weniger(—) 1906
Danzig 1977 21.81 + 2,04 Berlin 2 21,64 + 0,49 Dresden 20,46 22,48—+ 2,02 Chemnitz 23,32 23,18— 0, 14 Leipzig 21,94 21,67— 0727 Stuttgart 20,46 22,81 + 2,45 München 23,05 23,64—+ 0,29
Mit Ausnahme der zwei sächsischen Plätze Chemnitz und Leipzig ist die Verteuerung all⸗ gemein und der Grad der Verteuerung oft auch ziemlich erheblich. Man nehme nur Danzig, Dresden und Stuttgart. Und natürlich gilt dies im allgemeinen auch für die dazwischen liegenden größeren und kleineren Orte. Die Ursache der starken Verteuerung ist vornehmlich in der Erhöhung der Fleischpreise zu suchen. Nirgends sind gegenüber dem Vorjahr die Fleischpreise zurückgegangen. Es ist auch aller Voraussicht nach vorläufig nicht mit einer Preisherabsetzung zu rechnen. Man muß viel⸗ mehr froh sein, wenn keine neue kräftige Steige⸗ rung der Preise eintritt. Die Konsumenten müssen sich also auf die gegenwärtigen Preise für längere Zeit einrichten.
Uebrigens nicht nur die Steigerung der Fleischpreise trägt schuld an der Erhöhung der Haushaltskosten, es ist teilweise auch das Brot teurer geworden, und ebenso zeigen Mehl, Butter, Eier ꝛc. gegenüber dem Vorjahr steigende Ten⸗ denz, während bei Kartoffeln eine allgemeine Preisermäßigung eingetreten ist. Angefichts dieser Bewegung der Lebens mittelpreise ist eine entsprechende Erhöhung der Löhne um so nötiger, als die Kosten nicht nur für die Ernährung, sondern für die Befriedigung so ziemlich aller Bedürfnisse gestiegen oder noch im Steigen be⸗ griffen sind. Bekleidung, Wohnung verursachen auch Mehrausgaben, sodaß der Normallohn schon ziemlich kräftig steigen muß, wenn die Arbeiterfamilie ihre Lebenshaltung nicht ver⸗ schlechtern will. Bei der gegenwärtigen Gunst der Konjunktur wollen vielmehr die Arbeiter ihre Lage gegen 1905 verbessern. Dazu müssen aber die Löhne noch mehr steigen als die Waren⸗ preise und da das Unternehmertum niemals freiwillig eine Lohnaufbesserung zugesteht, so müssen eben die Arbeiter um jeden Pfennig schwere Kämpfe führen.
Und tun sie das, stellen sie Forderungen, so schreit der Spießer und das Ordnungsblatt über„Begehrlichkeit und Genußsucht“ der Ar⸗ beiter. Bei den Beamten aber, wenigstens bei den höheren(um die Unterbeamten kümmert sich auch kein Teufel, wenns die Soztaldemo⸗ kratie nicht tut) lautet das Urteil anders, da wird eine Aufbesserung für unbedingt nötig gehalten. Daß sich ein Beamter mit 4200 Mk. Gehalt in einer„kaum weniger schwierigen Lage“ wie der Arbeiter befinde, suchte am Dienstag im Gießener Anzeiger eine„geschätzte Seite“ dem Landtagsabg. Joutz gegenüber nachzu⸗ weisen, der in der Kammer die Forderungen der Beamten als Uaverschämtheit bezeichnet hatte.
Nebenbei bemerkt, hätte Herrn Joutz hierbei
etwas mehr Reserbe besser angestanden. Jeder ist eben nicht in der Lage durch Eisenbahn⸗ Spekulationen Zehntausende im Handumdrehen zu„verdienen“. Also die geschätzte Seite im Anzeiger rechnet im Einzeln vor, daß mit 4 200 Mk. nicht auszukommen ist. Es bleiben ganze 10 Mk. monatlich übrig, wovon alle kleinen Bedürfnisse(Zeitungen, Ausbessern ꝛc.) und auch die Ausgaben für Erholung bestritten werden sollen. Kurz, mit 4 200 Mk. läßt sich eben heute nicht menschenwürdig, oder sagen wir nicht„standesgemäß“ leben. Wir behaupten nun durchaus nicht, daß ein mittlerer Beamter bei einem derartigen Gehalt Schätze aufhäufen könnte. Wir geben zu, daß ein solcher Auf⸗ wendungen machen muß die vielleicht ein Ar⸗ beiter oder Kleinbauer nicht zu machen braucht. Leben läßt sich aber mit 4— 5000 Mk. schon einigermaßen. Was wir jedoch besonders her⸗ vorheben möchten: Dieselben Leute, die mit einem derartigen Jahresgehalt nicht aus⸗ kommen können, räsonieren weidlich über die Arbeiter, wenn diese eine kleine Verbesserung ihrer kärglichen Löhne anstreben. Dieselben Leute sind es auch, die bei Wahlen als Wort⸗ führer der Ordnungsparteien gegen die Sozial⸗ demokratie zu Felde ziehen, zum Danke dafür, daß unsere Vertreter jederzeit für anständige Bezahlung aller Staatsangestellten eingetreten sind. Das taten sie natürlich auch nicht um von dieser oder jener Seite Dank zu ernten— danach fragt bekanntlich kein Sozialdemokrat— sondern ste beurteilen und entscheiden jede Frage vom sachlichen und prinzipiellen Stand⸗ punkte. Doch sollten unsere Landtagsabg.— das ist die Meinung in Parteikreisen— in erster Linie den untersten am schlechtesten ge⸗ stellten Beamten und Staatsarbeitern ihre Fuͤr⸗ sorge angedeihen lassen, die Sorge für die höheren Beamten können sie den bürgerlichen Parteien überlassen.
Politische Rundschau.
Gießen, den 28. Juni 1906.
Die Folgen der deutschen Zollpolitik
machen sich in einer für die deutsche Industrie höchst unangenehmen Weise bemerkbar und schon flüchten zahlreiche industrielle Betriebe in's Aus⸗ land, um den verheerenden Wirkungen der agraristerten Handelsverträge zu entgehen. Aus Sachsen z. B. wird nach Feststellung der Chemnitzer Handelskammer berichtet, daß eine ganze Reihe sächsischer Fabriken(Luxus⸗ papierfabriken, Stickereien, Wäsche⸗ fabriken und Bronzewarenfabriken) Betriebe in dem böhmischen Orte Weipert errichtet haben, damit sie den durch den neuen öster⸗ reichischen Zolltarif gefährdeten Absatz in Oester⸗ reich aufrechterhalten können.— Und Herr Bueck, der Sekretär des berüchtigten Ver⸗ bandes der Industriellen hielt vor einigen Tagen auf dem Delegiertentage in Nürnberg eine Rede, in der er u. a. sagte:
„Die Wirkung des Zolltarifs und der neuen Handels verträge ist noch nicht zu übersehen; sicher zu erwarten sind schwere Schädi⸗ gungen in der Kammgarnindustrie, der Maschinen⸗Baumwollweberei, der Spinnerei von gröberen Garnen und Veredelung von Garnen
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