Ausgabe 
29.10.1905
 
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Nr. 44.

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Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

lange der über alles geliebten Muttersprache entsagen mußte, fern, fremd, ein Fremder unter Fremden; auch einer von denen, welche sich aus allen Nationen dort zusammenfanden, um ihr Glück zu suchen und zu finden, oder im Unglück unterzugehen, um schließlich das müde Haupt, den morschen Leib in fremder Erde zu betten.

Nun, er hatte das Glück erzwungen, er hatte dem Schicksal in hartem Ringen etwas abgetrotzt, soviel, daß er jetzt als einigermaßen wohlhabend gelten konnte.

Doch nun hatte ihn eine mächtige Sehnsucht nach der Heimat getrieben! Noch einmal wollte er ste sehen, und dann zurück in die neue 19 ein Abschied für immer vom Vater⸗ ande.

Aber es war auch noch ein anderer Wunsch, ein anderes Sehnen dabei; er wollte auch das Mädchen, welches er über alles geliebt, als er von der Heimat fortzog, wiedersehen, um zu sehen, ob sie ihren Schwur gehalten hatte, ihm ewig treu zu bleiben, oder ob ste wenigstens glücklich sei.

Gestern waren es fünfzehn Jahre gewesen, als ihm, dem damals 23jährigen, ihr Vater, ein Getreibespekulant, ein Mann, voll von Vor⸗ urteilen und protzig, wie die meisten Empor⸗ kömmlinge, jeden weiteren Verkehr mit seiner 18jährigen Tochter Martha untersagte, mit der Motivierung, daß er als armer Schlossergesell sich Eine suchen sollte, welche ihm ebenbürtig sei; jedem ersten besten Lump gebe er seine To chter nicht.

Das hatte ihn tief getroffen.

Wie Faustschläge ins Gesicht hatte er die rohen Worte gefühlt und halb wahnsinnig vor Schmerz und Zorn war er gegangen.

Wohin und wielange er gelaufen war, wußte er nicht, denn es dunkelte bereits stark, als er sich plötzlich angerufen hörte.

Hermann!

Wie vom Blitz getroffen fuhr er herum und erkannte Martha.

Schnell wollte er weiter, doch schon hatte sie ihn umschlungen und einen heißen Kuß auf seinen zitternden Mund gedrückt.

Und dann waren ste gegangen weit hinaus in den Wald, um dort in dem hohen heiligen Dom der Natur hatten sie sich geschworen, nie einen anderen zu gehören, sich ewig treu zu zu bleiben, bis übers Grab hinaus. 8

Dann waren sie wieder zur Stadt zurück⸗ gewandert, Arm in Arm und nach einem letzten innigen Kuß hatten sie sich getrennt.

Gestern waren es genau 15 Jahre gewesen; wo war die Zeit geblieben? Es deuchte ihm, es sei erst gestern gewesen, mit so wunderbarer Genauigkeit vergegenwärtigte er sich diesen Tag mit seinen inhaltsschweren Ereignissen; denn dieser Tag hatte ihn zum Flüchtling, zum Heimatlosen gemacht!

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An all das dachte er, indem er langsam der Stadt zuschlenderte, und als er die ersten Straßen durchschritten hatte, wunderte er sich, daß ihm keiner einen fröhlichen Gruß zurief, denn es war ihm, als ob er gestera erst hier gegangen wäre.

Und weiter ging er, immer weiter; keiner kannte ihn mehr, ja es wurde ihm immermehr klar, daß Hermann Köhler gestorben und er ein ganz anderer war, nur daß er zufällig den⸗ selben Namen führte.

Er betrat ein Hotel.

Lauter fremde Gesichter, und wenn es wirk⸗ lich die alten waren ste hatten sich geändert, ste waren fremd geworden.

Nachdem er sich an einen Tisch gesetzt hatte, bestellte er sich einen Trunk und ergriff mechanisch eine Zeitung.

Zerstreut blickte er hinein.

Hier und da ein bekannter Name, er er⸗ innerte an die Jugendzeit, doch sonst vermochte nichts seine Aufmerksamkeit zu fesseln.

Schon wollte er die Zeitung beiseite legen, als sein Auge plötzlich an einem Namen haften blieb.

Gespannt überflog er den Artikel; einmal, dann sprang er plötzlich auf, zahlte, und stürmte hinaus.

Schnell, immer schneller lief er, sodaß ihm, die Leute verwundert nachsahen. Doch was kümmert ihn das, nur weiter, zur Charttee.

Im Getste durchging er immer wieder die Notiz: Die Lebensmüde, welche gestern versuchte, den Tod in der Elbe zu finden, ist als die Tochter des vor zweit Jahren auf so schmäh⸗ liche Weise zugrunde gegangen Getreidehänders Karl Holm rekognosziert worden. Dieselbe ist noch nicht vernehmungsfähig und scheint wenig Hoffnung auf die Erhaltung ihres Lebens vorhanden zu sein. Es scheint, daß die Not ste zu diesem traurigen Schritte veranlaßt hat.

Kein Zweifel, es war seine Martha. Armes Mädchen, was mußt du gelitten haben! Der Vater schmählig zugrunde gegangen und du im tiefsten Elend! Wenn ste nur nicht stürbe, bevor er ihr noch einmal sagen könnte, daß er seinen Schwur gehalten habe, treu geblieben wie sie, bis übers Grab hinaus.

Und wieder fing er an zu rennen.

Endlich war er da.

Auf seine erregte Bitte, die Kranke zu sehen wurde er an ihr Bett geführt.

Bleich und abgezehrt lag sie da wie eine Tote.

Er ließ sich auf den Stuhl an ihrem Bette nieder und nahm ihre feuchtekalte Hand in die seine.

Sein Schluchzen veranlaßte die Schwester sich diskret zurückzuziehen.

Immer heftiger, immer verzweifelter schluchzte er, wie ein Kind, und große Tränen tropften

auf die kalte Hand, auf welche er immer wieder die bebenden Lippen preßte.

Martha, Martha! entrang es sich seiner Brust, doch stumm lag die Gerufene da.

Da beugte er sich über sie und drückte einen heißen langen Kuß auf die schmalen, blutleeren Lippen.

Jetzt hoben sich die Lider der Daliegenden und ein langer Blick traf das über ste geneigte gebräunte Männerantlitz.

Martha! rief er.

Plötzlich flog es wie ein Erkennen über die sich langsam rötenden Züge und indem ste beide Arme um seinen Hals schlang, flüsterte ste mit schwacher Stimme:Du hast mich zu lange warten lassen, ich konnte nicht mehr, doch nun bleibst Du bet mir, nicht war, Herman?

Für immer, mein armers Mädchen! ent⸗ rang es sich seiner mächtig arbeitenden Brust, und die Schwester, welche eben die Tür ein wenig geöffnet hatte, flüsterte leise:

Gere tet!

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von D. Kaminka befindet sich jetzt Marktplatz II

am Kriegerdenkmal.

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Humoristisches

Warum, darum. Wie kommt es nur, daß die russische Staatsmaschine noch immer funktioniert? Weil die Beamten sovielgeschmiert werden!

Auf dem Balle.Sehen Sie da beim Fenster die hübsche Blondine? Ich bin ganz wahnsinnig verliebt in sie. Glauben Sie, daß ich da irgend welche Aussichten habe?Das kann ich wirklich nicht sagen; aber wenn Sie ihr Ziel erreichen sollten, lassen Sie es mich, bitte, wissen: ich bin nämlich ihr Mann.

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Was doch im hellen Sachsen

Für seltsame Pflanzen wachsen!

Da preist sich, versteht es tief,

Herr Dürr, ein Kandidate an

AksKonservativ⸗

Frelkonservativer Mittelstandsmann

Mit liberalen Ideen.

Also in Sachsen geschehen!

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