Nr. 22.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zenmung.
Seue 7.
wieder von mir warf und von dem Gelde nur die Hälfte behielt. Ich wollte für einen per⸗ sönlichen Feind des Erschossenen, aber nicht für seinen Räuber gehalten sein.
(Fortsetzung folgt.)
Eine Erinnerung. Von Reinmar d. Alten.
Vor einigen Wochen besuchte mich ein Ge⸗ nosse, den ich volle 20 Jahre nicht gesehen und nüt dem ich in dieser langen Zeit auch nicht in brieflichem Verkehr gestanden hatte. Kein Wunder, daß ich mich seiner nicht mehr erinnern konnte. Der fremde Besucher half meinem Gedächtnis mit folgenden Worten nach:„Na, fönnen Sie sich nicht mehr an den Morgen nach der Hinrichtung des Polizeirats Rumpf er⸗ nern? Da wurden Sie und ich von Schutz⸗ leuten nach der Polizeidtrektion gebracht; wir waren die einzigen organisterten Frankfurter Genossen, die gleich nach dem Attentat verhaftet Wurden.“
Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen; ich wußte nun, wen ich vor mir hatte. Die Erinnerung an die damalige Zeit wurde durch den Besuch aufs neue lebendig in mir, und da ein kurzer Rückblick sicher auch für die jüngere Generation von Interesse ist, sei nach⸗ stehendes hier mitgeteilt:
Es waren Ende Januar 1905 gerade 20 Jahre, daß in Frankfurt a. M. der Polizeirat Rumpf ermordet wurde. In der achten Stunde abends fand man ihn am Eingange des Hauses, in dem sich seine Wohnung befand, mit einer tiefen Stichwunde in einer Blutlache liegend auf. Der todbringende Stoß mußte bon kundiger Hand mit ungeheuerer Wucht aus⸗ geführt worden sein. Merkwürdig— von den zahlreichen Bewohnern des betreffenden Hauses hatte niemand von der Tat etwas bemerkt. Liebknecht schrieb damals im Züricher Sozial⸗ demokrat am Schlusse eines Artikels:„Das war ein Attentat!“ Das war es freilich, und zwar ein nur zu gut gelungenes.
Rumpf war das Haupt der gegen die Sozialdemokraten dressierten politischen Poli⸗ zisten Frankfurts. Gegen ihn war der Mün⸗ chener Gehret der reine Waisenknabe. Eine große Zahl von Familien war durch seine un⸗ heilvolle Tätigkeit ins Unglück gestürzt worden. Die raffinierten Schikanen gegen unsere Genossen — auch ich könnte ein Lied davon singen—, die er oft mit ausgesuchter Bosheit erfand, schienen manchmal geradezu darauf angelegt,
den Widerstand der Betroffenen hervorzurufen. Rumpf brauchte keinen Belagerungszustand, es ging auch so. Kein Wunder, daß ihm von uns niemand eine Träne nachweinte. Die Heldentaten Rumpfs hatten aber auch andere Kreise Frankfurts in Erregung versetzt; man sah den Mord allenthalben als einen Akt der Wiedervergeltung an. Frankfurt atmete auf, als wäre es von einem drückenden Alp befreit. Wir aber überlegten die Folgen, die das Attentat haben konnte.
Die„Schüler Rumpfs“ fahndeten nun eifrig nach den Attentätern. Daß sie in den Reihen der bekannteren Sozialdemokraten nicht zu suchen waren, leuchtete der Polizei wohl bald ein. Der Instinkt führte sie zu den Anarchisten, mit denen der Ermordete auf freundschaftlichem Fuß gestanden haben sollte. Hatte es doch der Schriftsetzer und Anarchist Reinsdorff, der im Jahre 1886 in Halle hingerichtet wurde, fertig gebracht, den Gewaltigen sogar anzupumpen. Der Anarchist Schuhmacher Liske wurde durch recht fragwürdigen Indtzienbeweis des Mordes „überführt“ und vom Frankfurter Schwurgericht zum Tode verurteilt, und das Urteil wurde auch an ihm vollstreckt. Man sprach damals von einem Justizmord, ob mit Recht, muß da⸗ hin gestellt bleiben. Aber die Meinung ging allenthalben dahin, Liske könne den Mord nicht ausgeführt haben.
Daß die preußische Regierung die Wirksam⸗ keit Rumpfs so hoch anschlug, daß man auch beschloß, seine Kinder auf Staatskosten erziehen zu lassen, zeugt nur von der Kurzsichtigkeit der Regierer, die nicht bedenken, daß Gesetze, wie das Sozialistengesetz, den Anarchismus geradezu groß ziehen und Attentate gegen die Werkzeuge solcher Gesetzesmacherei mit Naturnotwendigkeit erzeugen müssen.
Für mich persönlich hatte das Attentat eine unangenehme Folge. Ich gehörte zu den Ge⸗ nossen, die sich der besonderen Aufmerksamkeit Rumpfs zu erfreuen hatten; in seinen Proto⸗ kollen war mein Name des öfteren genannt und deshalb hielt„man“ es für angezeigt, mich einem peinlichen Verhör zu unterziehen. Zu dem Zwecke waren zwei„Geheime“ beordert, mich zu„sistieren“ und nach der Polizeidirektion abzuführen. Das wurde nun in möglichst auf⸗ fälliger Weise ins Werk gesetzt. Den beiden Herren begegnete ich, wie ich ins Geschäft ging, unweit meiner Wohnung. Obgleich sie mich recht wohl kannten, ließen sie mich ruhig vorbei passieren. Bereits war ich an der Arbeit, als die Schutzengel im Geschäft erschienen und sich
im Kontor beim Prinzipal vorstellten, ihm ihre Mission geheimnisvoll mitteilten und meine Auslieferung forderten. Die Polizei bezweckte durch solche„Kunststückchen“, den mit ihrer Aufmerksamkeit Beglückten brotlos zu machen, was ihr aber in diesem Fall nicht gelang. Ich mußte also mit nach der Polizeidirektion, wo ich mein Alibi beweisen sollte; d. h. ich sollte nachweisen, wo ich mich zur Zeit der Mord⸗ affäre aufgehalten.
Dies hatte jedoch seine Schwierigkeiten. Wir sozialistengesetzlich organisierten Genossen hatten an diesem Abend eine große„geheime“ Versammlung gehabt, und zwar in Sachsen⸗ hausen. Da ich am direkt entgegengesetzten Ende Frankfurts wohnte, hatte ich nicht Zeit gehabt, zuvor nach Hause zu gehen, ich ging in der Nähe des Geschäfts inmitten der Stadt in eine Wirtschaft, um dort zu Abend zu essen. In dieser Wirtschaft war ich völlig unbekannt. Meine Lage war eine kritische. Daß wir eine Versammlung abgehalten hatten, durfte ich unter keinen Umständen aussagen, die„geheime“ Or- ganisation wäre dann verraten gewesen. Ich mußte nun zunächst mit meinen beiden Begleitern den Marsch nach der Wirtschaft antreten, um mein Alibi nachzuweisen. Wider Erwarten hatte der Kellner, der mich bedient hatte, ein so gutes Gedächtnis, daß er bestätigen konnte, daß ich am Vorabend zwischen 7 und 8 Uhr in der Wirtschaft gewesen war. Wiederum Marsch nach dem Clesern Hof, wo ich ermahnt wurde, etwaige Wahrnehmungen in Bezug auf den Mord im Interesse meiner Partei„anhero“ mitzuteilen. Ich danke höflichst für Obst. In⸗ folge des mehrmaligen Hin⸗ und Herführens durch die Straßen Frankfurts in so stadtbe⸗ kannter Begleitung, wie die beiden Detektivs waren, hatte sich bald das Gerücht von meiner „Verhaftung“ verbreitet, doch die mich kannten, glaubten nicht, daß ich irgendwie an dem Rumpfmord beteiligt sein könnte, und selbst die Polizei hatte daran nicht geglaubt. Am Abend trafen wir uns in der Kneipe eines bekannten Genossen und freuten uns königlich, daß keiner der Genossen fehlte.— Einige Monate später verließ ich Frankfurt für immer.
Humoristisches.
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