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Nr. 26.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeuung.
Seite 7.
Doch Ausdauer hat schon manchen Sieg errungen, und Martin war ausdauernd.
Eines Tages war Margareth auf dem Dach— boden über der Tenne, um das Getreide umzu⸗ schaufeln. Während sie eine kleine Pause in der Arbeit machte, um auszuruhen, hörte sie das Scheunentor öffnen und wieder schließen. Sie verhielt sich still. Da vernahm sie unter sich zweier Leute Stimmen, eine männliche und eine weibliche. Neugierig sind wir ja Alle, und so legte sich Margareth auf den Boden und guckte durch eine Fuge zwischen den Brettern hinunter. Im Halbdunkel bemerkte sie Martin, der seinen Arm um Anna gelegt hatte und ihr liebend in's Auge sah. f
Und Martin sprach auf Anna ein:„Annerl, goldige Dirn, siehst Du denn nicht, wie gern ich Dich hab'? Ist's denn möglich, daß Dein Herz so ruhig bleibt, wo meines wie mit tausend Hämmern mir die Brust zersprengt? Annerl, schau, ein Wort und ich bin der glück⸗ lichste Mensch, oder ein anderes Wort, und ich werf' mein Leben in den Mühlbach!“
Margareth wurde es auf dem Dachboden oben ganz warm um's Herz.
Anna lehnte ihren Kopf an Martin's breite Brust:„Schau, Mertin, so redet Ihr Männer ja immer, wenn Ihr ein Mädel in's Unglück stürzen wollt. Heut' sprichst Du so zu mir, morgen zu einer Anderen.“
Da hob Martin die dret Finger seiner rechten Hand gen Himmel.„Gott soll mich strafen!“ rief er, daß es feierlich durch die Tenne hallte.„Gott soll mich strafen, wenn ich eine außer Dir gern hab' und wenn ich Dir
Anng's Stelle wäre... Sie verscheuchte rasch die sündhaften Gedanken.
Unten aber wurde es stiller und stiller. Man hörte Anna schluchzen.
Margareth wollte sich erheben. Da fiel ihr ein, daß dies Lärm gemacht und ihre Anwesenheit verraten hätte. Sie durfte sich also nicht rühren. Und ste konnte sich auch nicht. Wie wenn eine unsichtbare Hand sie niedergehalten hätte, so drückte es ihren Kopf nieder und ihr Gesicht an die Bretter. Nicht einmal die Augen ver⸗ mochte ste zu schließen. Und doch wollte sie gar nicht hinuntersehen, wollte es nicht sehen, wie.
Es war schon dunkel, als das Pärchen die Tenne verließ und Margareth die Leiter vom Dachboden herunterstieg. Diese Nacht hatte Margareth sehr schlecht geschlafen.“
(Fortsetzung folgt.)
Literarisches
„Religion ist Privatsache! Erläuterungen zu Punkt 6 des Erfurter Programms.“ So betitelt sich eine vom Genossen Fr. Stampfer ver⸗ faßte Broschüre, die soeben im Verlag der Buchhandlung Vorwärts erschienen ist. Die Schrift behandelt in drei Abschnitten Fragen der allgemeinen Weltanschauung, der Sittenlehre und der Politik. In dem ersten dieser Ab⸗ schnitte kommt der Verfasser zu dem Ergebnis, daß die Stellung der Sozialdemokratie zur Religion keine andere als die der Wissenschaft sein könne. Eine Religion, die der Wissenschaft die freie Forschung und die praktische Anwendung gewonnener Erkenntnisse verwehren wolle, sei auch Gegnerin der Sozialdemokral ie und müsse als solche bekämpft werden.— Der zweite
und daß der gehorsame Sohn der Kirche darum nicht Sozialdemokrat sein darf, weil er auch kein Christ im Sinne der evangelischen Kirche sein kann.— Im dritten Abschnitt rechnet der Verfasser zunächst mit den Gegnern ab, die den Satz:„Religion ist Privatsache“ verwerfen, weil der Staat nach„christlichen Grundsätzen“ regiert werden müsse, indem er zeigt, daß solche einheitliche Grundsätze einer christlichen Politik überhaupt nicht existieren. Eine Kirche, die von ihrem Beruf überzeugt und von ehrlichen Absichten erfüllt sei, könne mit einem staatlichen Zustande, der der Forderung des sozialdemo⸗ kratischen Programms entspreche, völlig zufrieden sein.
Die Broschüre kostet nur 20 Pfennig und ist in der Buchhandlung der„Mitteldeutschen Sonntags⸗ Zeitung“ zu haben.
Humoristisches
Im Kriegerverein.„Als ehemaliger Milltär⸗ angehöriger haben Sie in mir den Vorgesetzten zu respektieren. Ich bin Leutnant der Reserve.“—„Und t bin Metzgermoaster in Landsturm, da kinna Sie mir auf'n Buckel naufsteig'n.“
Verdächtige Entrüstung.„Entschuldigen Sie, wo ist denn das Obdachlosenasyl?“—„Weiß ich nicht, Sie Esel! Können Sie mir das nicht ansehen, daß ich das nicht wissen kann.“
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1 6 5 1ů Abschnitt dient im Wesentlichen dem Nachweise, daß Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ jemals sollte untreu werden! i christliche und sozialdemokratische Sittenlehre zwar nicht trier. Wöchentlich ein Heft à. 10 Pfg. Margareth zuckte zusammen. Sie benetdete identisch, aber doch einander noch näher verwandt sind, Die Volksschule, wie sie sein soll. Von Otto Anna ganz ernstlich. Wenn sie da unten an! als die Lehre des Evangeliums der Praxis der Kirche, Rühle. Preis 30 Pfg. A
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