Ausgabe 
24.12.1905
 
Einzelbild herunterladen

E 1

Seite R.

t 145 230 Mk. kommt. Von

1 5 8 ö Nr. 52. Gießen, den 24. Dezember 1905. Donnorsde Prozent der gesetzlichen Zeben werden der Son⸗

Mitteld eutsche zugeführt. Die

g 0 Rirchenplatz 11, Schloßgasse. r 8. 2 4* im Vorfahr * Bestellungen Juserate 1

Abonnementspreis: Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt. Ansträger frei ins Hans geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens

Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.-K. 5107) 331/% und bei mindestens 2 mal. Aufgabe 50% Rabatt. 0

* A

Redaktion:

Der neue Nessias ist auf dem Wege,

Rasch öffnet die lugen und öffnet das Ohr Schon dröhnen am Zeitenuhrwerk die Schläge, Zum Zeichen wie nah er, rasch öffnet das Lor! er kommt, der messias, zu helfen den Hrmen, In allen stöten, mit Cieb' und Erbarmen,

Das Recht ihm zu bringen, das lang er verlor!

fliede auf Erden! S 9

Friede auf Erden! So schallen die Glocken, er ist uns geboren, der Sieger der Welt!

Und tausendstimmig klingt das Frohlocken, hinaus in die sündenbeladene Welt hinaus in den hader und Streit der parteien. Friede auf Erden, der Ilensch soll sich freuen! Die Sonne des Friedens die Erde erhellt!

ls großer Sieger wird er sich uns zeigen, im herrlichen Lichte der künftigen Zeit, Die finsteren Mächte müssen sich beugen Und alles Unrecht sein fngesicht scheut.

Wo leuchtet des Friedens lichtgoldener Schimmer? Wir schau'n nicht den Stern, den die eisen gesehn Uns schrecken des Unfriedens düstere Trümmer

ge e εανννÖe.

Und des Lebens Wogen, die stürmisch gehn o daß uns ein kriedensglanz lockte und riefe, Das Dunkel muß wie ein Schatten vergehen, f Ein Sehnsuchtsschrei dringt aus der gähnenden liefe, Und über allem wird leuchtend erstehen bon Stimmen, die sich den Retter erflehn! Ein neues Reich, das die lenschhest erfreut! 8

Dann werden die glänzenden Weihnachtskerzen Ein Zeichen des 6lückes, der Freude sein,

Die flugen leuchten, frohlocken die Herzen,

Daf endlich zog Freiheit und Friede hier ein! ja, dann erst der Ruf wird zur Wahrheit werden. Friede, herrlicher Friede auf Erden.

U A T

9 1 kriede auf erden= und nicht nur zum Schein! Aulen Prizlaff K 0 100 Nee 3 85 EDE Sede DS Dee ede a 0 * 5 und dürfen aufmerksam machen auf die großen werden von den Machthabern sogar im Namen U Erlöset Euch selbst! kit den 9 e e. 7 günbaen hr Werk gesetzt! Selbst die 5 5 mit den Lehren des Chr entums und der Weih- allergläubigsten Christen werden ihren Priestern tag des Erlsers Ae e ves Fed das nachts⸗ und Friedensbotschaft. nicht glauben können, wenn sie versuchen, jeue 70 nach Lehre des Christentums einer hehren Feier Friede und dem Menschen ein Scheußlichkeiten mit dem Christentum in Ein⸗ 1 des Evangeliums derewigen Liebe And des Wohlgefallen! Eine herrliche, liebliche] klang zu bringen. a. M. Botschaft! Daß sie für alle Menschen zur Schwerlich wird ihnen das auch mit unseren

. 19]«a˙L E᷑;œfr1

.

Friedens gelten soll.

Vor mehr als 1900 Jahren soll stch nach der christlichen Lehre in Nazareth in Palästina dasgrößte und heiligste Wunder ereignet haben: dieMenschwerdung des Sohnes Gottes zu dem Zwecke, durch blutiges Martyrium die Mensch⸗ heit zu erlösen von allem Uebel. War doch von jeher das Wunder des Glaubens liebstes Kind. Zur Erinnerung an dieses Wunder hat frommer Wahn das Weihnachtsfest gesetzt, DieGeburt des Erlösers verherrlicht heute der eherne Klang der Kirchenglocken, die Predigt der Priester und der Jubelsang ihrer Gläubigen. Predigt und Sang preist die ewige Macht der göttlichen Liebe, in der die menschliche ihre Quelle und ihr Vorbild haben soll.

Seit Jahrhunderten wird allen Völkern dieses Wunder, diese Heils und Friedens⸗ botschaft verkündet, Millionen von Men⸗ schen glauben daran. Daß es heute noch so viele Menschen gibt, die an Wunder glauben, statt ihre Blicke frei auf die Wirklichkeit, auf die Welt der Tatsachen zu richten, muß uns mit Mitleid erfüllen. Es zeigt uns die tatsächliche Rückständigkeit unserer Kultur. Aber wir machen den wirklich Gläubigen keinen

Wahrheit werden möge! Daß Freiheit, Glück und Wohlfahrt allen Menschen zuteil werde; wer wünschte es nicht? Für die Verwirklichung der hohen Idee der Gleichheit und Brüderlich⸗ keit kämpfte und strebte jener Zimmermanns⸗ sohn von Nazareth, den religiöser Wahn zum Gott erhoben hat. Die Herrschenden, die Machthaber von heute, die sich seine Anhänger nennen, diechristlichen Staaten wollen von dieser Idee nichts wissen. Heute sind es die in der Sozialdemokratie organisterten Massen der Unterdrückten, welche die Lehren Christi in die Tat umzusetzen bemüht sind. Wenn je die Weihnachtsbotschaft mit ihrem Frieden auf Erden ein grimm iger Hohn auf die Wirklichleit war, so in diesem Jahre. Selten sind noch in einem Jahre sovtel Menschen hingemordet worden und der Habgier der anderen zum Opfer gefallen, als in dem ver⸗ flossenen. Man denke an die vielen Tausende, die ihr Leben im russtsch⸗japanischen Kriege lassen mußten; man erinnere sich der Menschen⸗ opfer, die für die deutsche Kultur in Afrika ge⸗ bracht wurden! sich in dem christlichsten Staate Rußland ab. Das um seine elementarsten Rechte

Das Entseslichste aber spielt dringe; daß die Begeisterung für das hohe

allgemeinen Zuständen gelingen. Wohin wir blicken Unrecht, Unchristlichkeit! Mil⸗ lionen leben in Not, Elend und Sorge dahin, haben, erwerben trotz allem Fleiße nicht das Notwendigste für ein menschenwürdiges Dasein. Sie haben nichts, was das Leben lebenswert macht. Auf der anderen Seite dagegen sehen wir die ungeheuerliche Verschwendung und stenkioket, gepaart mit Anmaßung und Herrsch⸗ 1

Die Habgier der Besitzenden verteuert dem sarbeitenden Volke die notwendigsten Lebens⸗ mittel, ihre Herrsucht vorenthält dem Volke die selbstverständlichsten Rechte. Die große Masse desselben ist von der Mitberatung über die Angelegenheiten der Staatsgemeinschaft, für die sie doch arbeiten und Pflichten erfüllen muß, ausgeschlossen. Und diese Ungerechtigkeit, Aus⸗ beutung und Unterdrückung wird als christliche gott gewollte Ordnung verteidigt!

Gegen dieseOrdnung zu kämpfen sei unsere Aufgabe, sei die Aufgabe jedes Arbeiters! Jeder sorge dafür, daß die Aufklärung über die heutigen Zustaände in immer weitere Kreise

Menschheitsideal immer mächtiger und allge⸗ meiner aufflamme, daß die Kämpfer für seine

eil Vorwurf, wir hassen sie nicht und beschimpfen kämpfende Volk wird von den frommen, christ⸗

sie nicht. Doch wir dürfen sie hinweisen auf lichen Machthabern mißhandelt, gefoltert, und Verwirklichung sich in immer größeren Heer⸗ 18 die Tatfachen und die wirklichen Zustände, die in Massen getötet! Grauenvollster Massen⸗ haufen zusammenschließen, und endlich die Er⸗ 116 sie um sich herum selbst wahrnehmen können mord, alle nur denkbaren Schändlichkeiten lösung des Volkes herbeiführen!