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Nr. 39.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

nickte dem Gaste vertraulich zu, und hätte es ihn nicht gefragt, wie er die erste Nacht in Eulenried geschlafen habe, so würde er das erste Wort trotz seiner guten Vorsätze nicht ge⸗ funden haben. Sie hatte wohl schon bemerkt, wie blöde und ungeschickt er war, und so schob sie ihn sachte weiter. Ob er in der Nacht etwas Schönes getraͤumt habe? Das sollte er stch merken, denn es würde wahr. Da bäumte der Schulmeister in ihm auf. Daß sei Aberglaube und Torheit, daran zu glauben.Nu, wer kann das wissen? antwortete sie mit einem leichten Zucken der runden Schultern.Es mag Einer doch gar zu gern hinter den Vor hang gucken. Und wenn der Traum nachher auch nicht Wahrheit wird, was tut's? Wenn Einer nur weiß, was er will.

Und das wissen Sie, Fräulein Anna? fragte er mit einem tiefen Blick.

Ich sollt's halt meinen, lachte sie ein wenig verlegen und lief nach der Küche, aus der eben die Sonnenwirtin mit hochrotem Ge⸗ sicht von dem Herdfeuer in die Stube kam. Eher zu früh gesattelt als zu spät, sagte sie und gab dem Lehrer die Hand. Darauf wandte ste sich zu den Bauern:Nu, Herrschaft, zaukt Ihr Euch noch immer? Eure Frauen schauen schon längst nach Euch aus. Denn das Mittag- essen brennt an oder wird kalt.

Der Aeltere von ihnen sah nach der Stuben⸗ uhr und rief: Kreuzi und Türken, schon Zwölf vorüber! Zahlen! Aber aus und tot ist die Sach noch lange nit. Ich hab' Recht und werd's beweisen!

Na, dann ist's noch so! höhnten die beiden Anderen; aber alle Drei zahlten, standen auf und gingen.

Man hat seine Plag' jetzt, wo nach dem Tod meines Mannes Gott hab' ihn selig die ganze Last der Wirtschaft auf mir ruht, seufzte die Sonnenwirtin. Das Annerl trug eine gewaltige große Schüssel herein und die Mutter sagte, indem sie vorlegte:Jetzt aber, Herr Lehrer, das sag' ich Ihnen, wenn Sie nicht rechtschaffen zulange, nachher ist's aus mit unserer Freundschaft. Ste schauen ja aus wie das gekreuzigte Leiden Christi. Sie müssen tüchtig esse.

Nun, der Appetit Greiner's befriedigte ste. Er selbst gewann dabei allmählich mehr Zuver⸗ sicht dem Weiblichen gegenüber. Die Frauen lockten ihn aus sich heraus, er mußte ihnen von seiner Wasen au den erzählen, und das Mitleid, das er dabei in dem hübschen leicht gebräunten Gesicht des Mädchens las, verursachte ihm ein gar wohliges Gefühl.

Es muß doch schön sein, eine Schwester zu haben, dachte er, als er nach dem Essen durch das Dorf schlenderte, um sich mit der neuen Heimat bekannt zu machen; der kann man alles anvertrauen, Die sonnig über den Bäumen und Häusern aufragenden Berggipfel lockten ihn zu sich. Er kam an einen Bach, über den eine schmale Brücke führte. Wie er die Anschüttung zu ihr hinaufstieg, stutzte er, denn auf der anderen Seite tauchten gleichzeitig eine männ⸗ liche und eine weibliche Gestalt auf. Er er- kannte den Pastor Köschke, blieb stehen und lüpfte den Hut. Der Pastor, dem sein Bäuch⸗ lein ein Stück voraus war, machte nur mit der fleischigen Rechten eine Bewegung gegen seinen Hut.Guten Tag, mein Lieber! Ist recht, daß Sie sich in Gottes schöner Natur ergehen; das giebt Arbeitsfreudigkeit.

Damit blieb er mit seiner Begleiterin bei Greiner stehen. Diese mochte des Lebens Mai schon eine Weile hinter sich haben, und ihre jungfräulichen Reize begannen einzutrocknen. Es lag etwas Verdrießliches in ihrem langen schmalen Gesicht, aus dem zwei blasse Augen den Lehrer scharf musterten, ohne es zu ver⸗ bergen. Er fühlte es und wurde rot. Der eistliche Herr fuhr fort:Ich habe heut' Morgen

hr Orgelspiel belauscht, ha! ha! ha! Recht brav, recht brav! Fahren Ste nur fort, fleißig zu üben; darin steckt Zukunft. Seine fahl⸗ blonde Begleiterin räusperte sich, und Köschke rief:Da will ich Sie denn auch gleich mit meinem Töchterchen Amalie bekannt machen, die Freude meines Alters, mein einziges Kind, das ich noch im Hause habe.

Ruprecht riß den Hut vom Kopfe, indem er eine linkische Verbeugung machte. Fräulein Amalie nickte kaum, aber sie spitzte die schmalen, blutleeren Lippen zu einem süßen Lächeln. Der Vater fragte:Aber warum bleiben wir in der Sonne stehen? Kommen Sie mit, Greiner, wenn Sie nichts Anderes zu tun haben. Mutter wird schon mit dem Kaffee auf uns warten.

Sie setzten sich in Bewegung, Ruprecht auf der linken Seite des Pfarrers, aber stets einen halben Schritt hinter ihm zurück. Die ihnen begegneten Dorfinsassen grüßten, und Pfarrer Köschke dankte allen leutselig.O, Papa wird so geliebt von seiner Gemeinde, sagte die Tochter und fügte mit einem schwärmerischen Blick hin- zu:Wenn ich ein Mann wäre, so würde ich nur Geistlicher geworden sein. Der junge Schulmeister wäre gern entschlüpft. Es war ihm so schrecklich bange, als ob er zum Gericht geschleppt würde. Aber es gab kein Entrinnen, und die Frau Pfarrer wartete in der Tat schon mit dem Kaffee. Sie war anfangs über den unerwarteten Gast kaum weniger befangen als

seser selbst, der nur auf der Kante des Stuhles

zu sitzen wagte. Es war eine bläßliche Frau mit verschüchterten Mienen, die bei allem was sie sprach, den Gatten ansah, um zu erforschen, ob er ihre Rede auch billigte. Er saß bequem in einem Lehnstuhl, ließ es sich schmecken und begann dann dicke Rauchwolken aus einer langen Pfeife zu ziehen, die ihm Amalie inzwischen gestopft und an deren Tabak sie mit einem scherz haften Knix einen Fidibus hielt. Die Rauch⸗ wolken wehrte ste mit den beiden Händen von sich ab, hustete und rief:Ach, dieses Rauchen ist schrecklich, aber was vertragen wir Frauen nicht aus Liebe? Der Papa lachte aus vollem Halse hinter seinen Wolken.Hörten Sie, Greiner, Sie dürfen es sich nie angewöhnen. Nun, Sie lieben die Blumen wohl mehr? Jedenfalls sind Sie auch Botaniker? Ruprecht bejahte und Amalie rief:Ach, wie reizend! und schlug mit kindlicher Fröhlichkeit die Hände zusammen.Ja, wieso denn? fragte die Mutter verwundert, erhielt jedoch keine Antwort, und der Pastor sagte:Meine Tochter ist eine vorzügliche Kennerin der Flora unserer Land⸗ schaft. Sie könnten keine bessere Führerin als sie auf Ihren botanischen Ausflügen finden. Die Tochter schlug bescheiden die Augen nieder, der Vater aber rief:Potz Tausend, man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Sie sind ja nach Schluß der Nachmittagsschule fref, üteber Greiner. Nun also! Ruprecht schaute in kläglicher Verlegenheit drein. Amalie lächelte ihm jedoch Mut zu und schüttelte seine Hand auf's Kräftigste, als gelte es, irgend einem feindlichen Geschicke Trotz zu bieten.Ach, noch mehr trockene Blumen, seufzte die Mutter, ohne daß die Ihrigen darauf achteten.

Ruprecht Greiner fühlte sich von all' der Freundlichkeit und Herzlichkeit wie von Sturz wellen überschüttet. Erst als die Tür des Pfarr hauses hinter ihm zufiel, konnte er wieder auf tauchen und Luft schöpfen.

(Fortsetzung folgt.)

Hund und Arbeiter.

von Heinrich Kleukens.

Es ist Abend. Ich liege im Fenster und schaue in den prachtvollen Garten meines Nach⸗ barn hinab. Ruhe. Nur die Bäume flüstern. In der Klematis umrankten Laube Tellerge⸗ klirr. Nun ein Geheul von einem getretenen Hund. Leises Sprechen..... Fast wider Willen spitze ich die Ohren und lausche:Mußt nicht Anna, ein Tier hat doch auch Gefühle. Du solltest mal lieber eine Karte an den N schreiben, damit er den Köter ab⸗ olt.

Aber Frauchen, das kann doch dein Ernst nicht sein, Nero dem Schinder über⸗ geben... 21 Aber nein, das wäre un⸗ dankbar, das wäre roh. Bedenke, Anna, 17 Jahre haben wir ihn schon, 17 Jahre hat er treu unser Haus bewacht und mir auf der 0 d Dienste geleistet, die ich nimmer ver⸗ gessen...

Das hat er, aber für das Gewesene gibt der Jude nichts. Bedenke nur, heute morgen

kam ein Bettler in den Vorgarten, meinst du, daß er auch nur einen Ton don sich gab? und was wollen wir mit einem solchen Hunde? Füttern für nichts?

Du bist hart und herzlos! Dieselbe Stimme leiser, wie seufzend:Ja, ja, Undank ist der Welt! Dann zärtlich und schmeichelnd:Komm Nero, komm mein Jung- ecken. Hast gehört, was Muttern sagte? Aber beruhige dich: so lange ich leb', soll dir kein Haar gekrümmt werden. Du hast ja dein Gnadenbrot redlich verdient.

Schweigen und Tellergeklirr....

Es öffnet sich die Hintertüre des Hauses, heraus tritt ein haubengeschmücktes Dienst⸗ mädchen, welches mit schnellen Schritten zur Laube geht und in derselben verschwindet.

Ein Arbeiter wünscht den Herrn zu sprechen.

Mich?

Ja, gnädiger Herr.

Was ist denn das wieder für'n Kerl.

Derselbe, der gestern abend da war.

Ah, der alte Frerking. Sagen Sie ihm nur, ich wär nicht da.

Ja aber ich habe schon gesagt, daß der gnädtge Herr da seien.

Dummes Ding na dann sagen ihm meinetwegen, Sie hätten sich geirrt, ich wäre doch vor kurzem fortgegangen. Verstanden?

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Das Mädchen verläßt die Laube und geht ins Haus.

Wie dumm und frech doch diese Menschen sind. Läuft sich fast die Beine aus, um wieder bei mir in Arbeit zu treten. Beruft und stützt sich darauf, daß er fast 30 Jahre in meiner Fabrik gearbeitet hat, grad als wenn ich Schuld sei, daß die Zeit so schnell aht

Warum hast du ihn denn entlassen 2

Warum? War schon zu alt, zu alt, konnte nicht mehr leisten, was junge Leute spielend machen können. Man kann doch nicht verlangen, daß ich ihn bis an sein Ende durch füttere?

Humoristisches.

Vererbung.Wissen Sie, Hochwürden, die Llebe und Verehrung für die heilige Kirche llegt mir eben schon im Blute. Meine Mutter war ja Pfarrers⸗ köchin.(Simpl.)

Das

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