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Nr. 17.
Gießen, den 23. April 1905.
12. Jahrgang.
Redaktion:
KArthenplatz 11. Schloßgasse.
Sonntags⸗Jeitu
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Nuferstanden! fluferstanden
Sind wir lange schon zum Licht! Frohn und Zwang hielt uns in Banden, Doch sie binden länger nicht!
Unsere Fesseln schmelzen, sinken
Dor der Freiheit heilgem Strahl,
Wie der Frühlingssonne Blinken Schmilzt den letßten Schnee zu Tal!
Huferstehen! fluferstehen!
Frũhling rauscht durch Schilf und Dorn Und wir schreiten aus und säen Unserer Jukunft Samenkorn.
Tiefe Furchen sind gerissen
Mit der Pflugschar scharf und breit,— Und der Pflug ist unser Wissen,
Und es pflügt der Geist der Zeit!
ö g ö
fie, die ihr fern uns steht! ö Fühlt ihr's nicht, wie's aller Landen
Schwellend sich im Frühlingswind—
Der Arbeit Osterlied.
Nuferstanden! fuferstanden
Rings von Frühlingsstürmen weht? Unsichtbare Fahnen bauschen
Und ein Brausen und ein Rauschen Durch die braunen Zweige rinnt.
Huferstehen! fuferstehen!
Schaut: Die Erde ist erhellt,
und es wird in Blüte stehen
Bald die ganze, weite Welt!
Unser Samenkorn wird tragen Reiche Frucht im reifen Kleid,
Wenn einst wird die Stunde schlagen Für der Hirbeit Erntezeit!
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Frühlingsfeier.
Ostern wurde, wie feststeht, schon lange vor Christus von den Völkern unserer Zone gefeiert. Man beging es wahrscheinlich als das Fest der wiedererwachenden Natur, man feierte den Eintritt des Zeitpunktes, wo die Natur sich anschickt, mehr Wärme und damit Nahrung zu spenden. Dem Naturfeste legten vielleicht auch schon die Priester der vorchrist⸗ lichen Religionen eine religiöse Bedeutung unter. Das Christentum aber gab und zwar ziemlich spät(im 4. Jahrhundert nach Christus) dem Osterfeste den Charakter einer Feier der Auf⸗ erstehung des Gottessohnes, der durch seinen Opfertod die Menschheit erlöst habe. Nachdem die alten Deutschen dem Christentum gewonnen waren, nahm das Osterfest vielfach heidnische Bräuche an, wie sie die Germanen zur Ehrung ihrer Göttin Ostara übten. Die Feier der Auferstehung des Gottessohnes war durchweht von der Freude über den Sieg des Frühlings, der endgültig die Macht des Winters und des Eises zerbrochen.
In unserer Zeit, die den religiösen Dingen gleichgültiger gegenübersteht. hat das Osterfest mehr und mehr wieder den Charakter einer Naturfeier angenommen. Namentlich der Städter, den der Winter in das Weichbild der Stadt gebannt, feiert zu Ostern die Auferstehung aus des Winters Banden,„aus der Straßen quetschender Enge“, um mit Weib und Kind trotz aller Unbill ber Witterung seinen ersten Frühlingsausflung zu unternehmen. Schon Goethe hat in seinem vielzitierten Osterspazier⸗ gang diese Ostererlösung des modernen Menschen wundervoll geschildert. 5
So sehen wir, daß der Naturmythos über die priesterliche Deutung den Sieg davon⸗ getragen hat. Freilich ist die Naturfeier des
modernen Menschen doch eine wesentlich andere, als die des unkultivierten Menschen, der der Frühlingsgottheit Opfer darbrachte. Unser Naturgefüsl hat sich vertieft, unsere Oster⸗ andacht ist eine inbrünstigere, aber wir stehen der Natur ganz anders gegenüber als der frühere Mensch, der nur dumpfe, dunkle Schauer der Ehrfurcht oder ungestümes Lustempfinden kannte. Die Natur ist uns kein Buch mit sieben Siegeln mehr, wir vermögen ihre Runen zu entziffern, wir haben ihre Kräfte gebändigt und in den Dienst der Kultur geschirrt. Freilich wissen wir gerade deshalb nur zu genau, daß der Menschheit noch unendlich mehr zu tun übrig bleibt, als sie bisher schon geleistet hat. Gerade weil wir dem Schicksal der Natur, der Gottheit nicht mehr in stummer, tatenloser Ergebung gegenüberstehen, nicht mehr die Lose hinnehmen zu müssen glauben, wie ste fallen, hat sich der Horizont unseres Schicksals er⸗ weitert, sehen wir uns vor die Lösung von Aufgaben gestellt, an die frühere Generationen der Menschheit kaum zu denken wagen konnten.
Der christliche Ostermythos vermag den modernen Menschen nur wenig zu befriedigen. So sympathisch und rührend die Gestalt des um der Menschenerlösung willen sich selbst opfernden Gottes ist,— wir wissen heute: Die Menschheit ist noch nicht erlöst, sie kann auch durch kein so edles Opfer erlöst werden, sie muß sich selbst erlösen! Jeder einzelne muß sich innerlich selbst erlösen in ernstem Erlösungsdrange, in strenger Selbsterziehung. Aber diese Selbsterlösaug des Indiyduums erlöst noch lange nicht die Menschheit als Ganzes. Die Menschheiterlösung kann nur ein sozialer Akt sein, eine kollektive Wiedergeburt, die auch kein Dritter zu vollbringen vermag, sondern einzig die um ihre Erlösung ringende Mensch⸗ heft selbst. Und diese Erlösung kann auch
nicht erfolgen durch ein Opfer, durch die Preis⸗ gabe phystscher Glückseligkeit, durch weltflüchtige Selbstzerfleischung, sondern durch weltbejahenden, zukunftsfreudigen Kampf. Und es erfordert schließlich mehr Idealismus, trotz mancher Enttäuschungen und Widerwärtigkeiten in diesem Kampfe auszuharren, als überempfindlich vor den Beschwerden dieses Kampfes zurückzuschrecken und sich resigniert in das Innere zurückzuziehen.
Der heidnische Osterjubel ist dem moder nen Kämpfer darum ebenso fremd wie der christliche Osterjubel. Wir sind dem Kindheitsalter der Menschheit zu sehr entwachsen, um uns der Freude des Augenblicks in trunkener Selbst⸗ vergessenheit hinzugeben. Wir genießen die Osterfreude, das Erwachen der allernährenden Natur voller Hingabe, aber wir sammeln in solchen Stunden wohliger Daseinsfreude neue Kräfte für den großen, erlösenden Menschheits⸗ kampf, als dessen Soldaten wir uns in stolzer Bescheidenheit fühlen.
Patriotische Anmaßung und patriotische Märchen.
In einer der letzten Reichstagssttzungen hat der Abgeordnete Dr. Wallau, der liberal⸗bündlerische Deputierte für Alsfeld⸗ Lauterbach, in einer Polendebatte die Be⸗ hauptung aufgestellt, das deutsche Reich handle noch sehr anständig und vornehm, wenn es die mit polnischen Adressen versehenen Briefschaften seiner polnischen Untertanen überhaupt befördere. Dieser Standpunkt, den, mehr oder weniger scharf, alle bürgerlichen Parteien des Reichstages vertreten— schreibt Gen. Dr. Michels in der „Frkftr. Volksstimme“— ist uns kein neuer. Er setzt eine Meinungsart voraus, wie sie von Seiten unserer herrschenden Klassen ja auch den Dänen in Nordschleswig und den Franzosen in Loth⸗ ringen gegenüber genügend zum Ausdruck ge⸗ bracht wird: die zum deutschen Reiche gehörigen fremdsprachlichen Elemente sind nur geduldete. Sie haben Pflichten— so z. B. dürfen sie sich für Gott, König und Vaterland totschteßen lassen. Von Rechten aber haben sie nur eines: ihre Sprache und ihr Volkstum zu Gunsten der regierenden Teutoburger Wäldlinge aufzugeben. Die logischen Folgen dieser Denk⸗ ungsart sind die Polenpolitik, der Hakatismus, die Dänenausweisungen, die Hintansetzung El⸗ saß⸗Vothringens, kurz die zwangsweise Germani⸗ sierung aller in Deutschland lebenden Nicht⸗ deutschen.
Nun drängt sich uns die Frage auf: haben die fremden Nationen, die Polen, Dänen und Franzosen, die durch die Wandlungen der dy⸗ nastischen Räuber⸗Geschichte nun einmal in die Grenzen des deutschen Reiches hineingepfercht worden sind, denn wirklich kein Recht auf ihren Boden, ihre Sprache, ihre Kultur, kurz ihr Volkstum?
Die sozialdemokratische Arbeiterschaft hat eine sehr einfache Lösung bereit für alle diese „nationalen Fragen“. Sie erkennt jedem Volks⸗ stamm ohne Weiteres im vollsten Umfange das Recht auf die Selbstbestimmung zu. Dieses ist ihr oberstes Gesetz völkischer Moral. Jedes Volk, und sei es noch so klein, hat das Recht, nach eigenem Ermessen über sich zu verfügen,


