Ausgabe 
22.10.1905
 
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Nr. 43.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

kommen? Kein rettender Ausweg aus diesem furchtbaren Labyrinth des Elends zeigte sich ihm.

Weiter und weiter schritt er, Verzweiflung in der Brust. So kam er auf eine der Brücken, die den Fluß überspannten. Er schob den Hut zurück und erhoffte von dem scharfen Wind Kühlung für seine brennende Stirn. Mechanisch beugte er sich über das Geländer und starrte hinunter in die rauschend dahin⸗ etlenden Fluten. Je länger er auf die schwarze Wasserfläche da unten hinsah, desto eigentüm⸗ licher ward ihm zu Mute. Er glaubte Stimmen aus dem Rauschen des Wassers herauszuhören, die ihn riefen! Da unten auf dem kühlen Grund hätte er endlich Ruhe, keine Sorge würde da mehr an seinem armen, zermarterten Hirn nagen. O, nur Ruhe! Ruhe! Tiefer neigte er sich herab, um das Gemurmel

besser verstehen zu können. Schon hatte er das

Vorgefühl des Friedens da einen kleinen Ruck nach vorn und wie Elektrizität ging es durch seinen Körper. Sein Weib, seine Kinder! Dieser Gedanke verlieh ihm über⸗ menschliche Kraft und er vermochte sich mit den Fußspitzen und Knieen am Geländer festzuhalten. Nach Anspannung des letzten Restes von Kraft gelang es ihm, sich zurück auf die Brücke zu retten. Hier brach er zusammen. Doch nur wenige Minuten lag er da, dann richtete er stch auf, sein Entschluß stand fest. Wie kleinlich, wie feige kam er sich vor? Er wollte sich durch ein plötzlichen Tod Ruhe holen und sein Weib, seine Kinder im Unglück lassen, dem Verderben, allen Qualen, die Hunger und Not mit sich bringen, allein überlassen! Nimmermehr. Also den Kampf mit den Scheußlichkeiten des herr⸗ schenden Unrechts aufzunehmen.

Aber wie? Das Verbrechen verabscheute er auch jetzt noch, er will nicht Räuber und Mörder werden wie Karl Moor, auch betteln will er nicht. Er will offen und frei sein natürliches Recht fordern, er will Arbeit und Existenzmittel verlangen. Nicht von Privaten, nein von der Gesellschaft, vom Staat, deren Beamten wir ja auch alle gemeinsam er⸗ holten müssen, will er sie fordern.

Des Morgens steht er vor dem städtischen Oberhaupt. Ein Lakat, der ihn zurückhalten will, wird einfach beiseite gestoßen.

Was würden Sie tun, fragte er das städtische Oberhaupt,wenn Sie vom Unglück verfolgt, wenn Sie trotz allem ehrlichen Willen keine Arbeit finden könnten, wenn Sie mit Weib und Kindern wochenlang hungern müßten,

wenn Sie ein totkrankes Kind hätten, wenn Sie jeden Augenblick vom Hauswirt auf die Straße gesetzt werden könnten. Was würden Sie tun?

Der Stadtgewaltige sah den kühnen Sprecher sprachlos an, doch dieser wiederholte mit ver⸗ stärkter Stimme:Was würden Sie tun? Bitte antworten Sie mir!

Dem Stadtoberhaupt wur de unheimlich zu Mute, es lag etwas Bezwingendes in dem Auf⸗ treten dieses Mannes.Was würden Sie tun? erscholl es von neuem!

Ich werde Ihre Sache untersuchen lassen.

Wenn mein Kind unter der Erde und ich mit meiner Frau auf der Straße liegen.

Aber ich mutz doch erst wissen ich kenne Sie ja nicht.

Ja, Sie kennen nur die reichen Leute. Ist es die Pflicht der Obrigkeit die Leute verhungern, verderben, sterben zu lassen. Ist das Gemein⸗ wesen nicht dafür da, daß den unglücklichen Gemeindegliedern geholfen wird, dann ist es wert, daß es zugrunde geht so schnell wie möglich. Bet diesen Worten richtete der Aermste einen durchbohrenden Blick auf das Stadtoberhaupt.

Ich werde die Erledigung ihrer Sache be schleunigen lassen.

Nicht von der Stelle gehe ich, bis ich weiß, daß ich Hülfe bekomme.

Schröder erlangte sein Recht, ihm wurde von der Stadt Arbeit angewiesen und einen Gutschein erhielt er, der ihm das Notwendigste garantierte.

Und die Moral aus der Geschicht? Wie hier der Einzelne, statt aus Feigheit über Bord springend, sich mutvoll sein Recht erkämpfte, so müssen es alle Unterdrückten machen. Und da die heutige Gesellschaft nicht allen Leidenden helfen kann, so müssen diese zusammenhalten und gemeinsam mit Energie und Tatkraft den Kampf für eine andere, eine bessere Gesellschaftsordnung führen, die allen ihren Gliedern ein men schenwürdiges Dasein zu garantieren fähig ist.

5 Splitter.

Oft ist die Heiligkeit,

Womit sich kleine Seelen bläh'n,

Bloß Mangel an Gelegenheit,

Die Fehler and'rer zu begehen. Pfeffel.

Die Einsicht in das Mögliche und; Unmög⸗

liche ist es, die den Helden vom Abenteurer scheidet.

Theodor Mommsen.

So viel mag der wirklich Tüchtige immer vor Augen haben: sich um der Gunst des Tages willen abzuhetzen, bringt keinen Vorteil für morgen und übermorgen.

Goethe *

Nicht daß der Mensch atme, daß er froh atme, darauf kommt es an. Börne.

Das

Uhren- und Goldwarengeschäft

von D. Kaminka befindet sich jetzt Marktplatz I

Ermahnung. Rittmeister:Wen ich heute in der Vorinstruktion frage, springt auf, steht stramm, reißt's Maul auf und antwortet laut und deutlich. Was is ganz schnuppe, und wenn's Bibel⸗ verse sind!(Simpl.)

Zutreffend.Kinder vertragt euch doch! Friede ernährt Unfriede verzehrt. Schwieger⸗ sohn(Rechtsanwalt):Mama, ich bin ganz der gegenteiligen Meinung.(Megg. Bl.)

Der sächsische Landtag.

Sie saßen lange Zeit allein im Saale, Recht unter sich bei reichbesetztem Mahle, Verteilten Braten unter sich und Fisch.

Ein Brosam fiel dem Volk von ihrem Tisch.

So war es gut und schön die langen Jahre,

Das Recht, es war wie jede andre Ware,

Wer es bezahlte, hatte es das Recht

Und war ein Herr Der Arme blieb ein Knecht.

Das Volt stand harrend vor verschlossnen Türen, Die drinnen saßen, ließen sich nicht rühren, Sie waren satt und lächelten dazu,

Der Lärm von außen störte nicht die Ruh. Ein Armer überschreitet jetzt die Schwelle.

Die andern fahren auf, denn Tageshelle

Dringt hinter diesem Einen in den Saal

Und stört die Freude am gedeckten Mahl.

(Peter Schlemihl im Simpllcissimus.)

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