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Nr. 4.
Gießen, den 22. Januar 1905.
12. Jahrgang.
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Sonnt
Mitteldeutsche
Medbaktionsschluk⸗
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Der Bergarbeiterkampf im Nuhrrevier.
Der Generalstreik im Ruhrrevier ist erklärt! Diese Meldung trug der Tele⸗ graph am Montag in alle Welt. Die Würfel find gefallen, nachdem die im bergbaulichen Verein Rheinlands und Westfalens organi⸗ sierten Kohlenbarone ihre schroff ablehnen de Antwort auf die überaus bescheidenen Forde⸗ rungen der Arbeiter gegeben hatten. Man konnte, ja mußte diese Antwort voraussehen, denn es ließ sich denken, daß die Gruben⸗ milltonäre keinesfalls zu irgendwelchen Zuge⸗ ständnissen bereit sein würden, nachdem sie seit langer Zeit auf den Streik hinarbeiteten. Sie oollten ihn ja, um dadurch eine ungeheuere Preissteigerung der Kohlen herbeizuführen und sich Riesensummen zu„verdienen“. Ergaunern wäre wohl ein richtigerer Ausdruck für diese Ausbeuterpolitik des Kohlensyndikats, dessen Manipulationen hundertfach gemeingefährlicher find, als das Spiel des geriebensten Börsen⸗ räubers. Der Ausstand war noch nicht pro⸗ klamiert, als schon die Kohlenpreise rapid in die Höhe gingen; es wurden Nachrichten über Kohlenmangel in die Welt gesetzt, wo noch ungeheure Vorräte vorhanden sein mußten!
Während für jeden Einsichtigen feststeht, daß die Kohlenbarone den Kampf provoziert haben, stellt ihn die Scharfmacherpresse als Werk „sozialdemokratischer Hetzer“ hin und auch im preußischen Dreiklassenhause hatte der National⸗ liberale— die Sorte ist zu allem fähig— die Stirn, eine gleiche Behauptung aufzustellen. Dabei gaben sich die Führer der Bergleute fast übermenschliche Mühe, den Ausstand zu ver⸗ hüten, nachdem ihnen das nicht gelungen ist, versteht es sich doch von selbst, daß ste nicht feige davonlaufen, sondern in treuer Pflicht⸗ erfüllung auf den ihnen anvertrauten Posten ausharren.
Natürlich halten die Zechenkapitalisten diese Gelegenheit für günstig, der verhaßten Organi⸗ sation der Bergarbeiter einen tödlichen Schlag zu versetzen. Ihre Presse verbreitet Schreckens⸗ nachrichten über angebliche Ausschreitungen und schreit nach Gendarmen und Militär, mit Flinte und Säbel solleu die armen Lohnsklaven zu Paaren getrieben werden. Doch die Führer der Organisationen wenden sich in eindringlichen Aufrufen an die Arbeiter, Disziplin zu halten, unter keinen Umständen die Ruhe zu stören und den Alkohol zu meiden. So wird es ihnen hoffentlich gelingen, die Sehnsucht der Kohlen⸗ barone nach Putschen und Arbeiterschlachten mit nachfolgenden Ksebelgesetzen zu nichte zu machen. 3
Und was tut der Staat, dessen Aufgabe es wäre über das Gemeinwohl zu wachen? Wenn er das im Auge behielte, so müßte er die Bergwerke sofort in Besitz der Allge⸗ meinheit überführen. Gehören die Schätze der Erde nur einer Handvoll reicher Leute oder nicht vielmehr a lchen Menschen? Das zu tun hüteten sich aber die Leiter des„Staates“, die bekanntlich nichts weiter sind, als der Verwal⸗ tungsausschuß der besitzenden Klassen. Sie zeigen sich im Gegenteil bereit, bei der geringsten Veranlassung mit der bewaffneten Macht für das Inreresse der Geldsäcke einzugreifen.
Was forderten die armen
Einige der Hauprforderungen sind: A ch r- stündige Schichtzeit, einschließlich Ein⸗ und Ausfahrt, und zwar fürs laufende Jahr wie bisher, jedoch nicht über 9 Stunden, von 1906 ab 8½ und von 1907 ab 8 Stunden. Sonntags- und Ueberschichten sind nur zur Rettung von Menschenleben und bei außer⸗ ordentlichen Betriebsstörungen zulässig. Das
Wagennullen(diese unerhörte Prellerei
der Arbeiter) wird sofort beseitigt. Ferner wird die Errichtung eines Arbeiteraus⸗ schusses, Einführung von Wagen⸗ und Grubenkontrolleuren, Reform des Knappsch aftswesens, vierteljährliche Kün⸗ digungszeit in den Zechenwohnungen, Regulie⸗ rung der Löhne, die trotz ungeheuerer Gewinne der Gesellschaften in den letzten Jahren sinkende Tendenz zeigen und schließlich Anerkennung der Arbeiterorganisationen.
Der bergbauliche Verein, die Ver⸗ tretung der Grubenkapitalisten, antwortete auf diese bescheidenen Forderungen mit glatter A b⸗ lehnung, er weigert sich sogar, mit den Arbeiterorganisationen überhaupt in Ver⸗ handlung zu treten! In dem Antwortschreiben heißt es unter anderem:„Unsern Mitgliedern werden wir niemals empfehlen können, auf diejenigen grundsätzlichen Aenderungen des Arbeitsvertrags einzugehen, welche in Ihrer Zuschrift aufgezählt find. Ihre Annahme würde der Ruin des rheinisch⸗westfäli⸗ schen Bergbaues und der für denselben so unerläßlicher Disziplin sein.“ Natürlich,„Ruin des Bergbaues“, wenn die Arbeiter anständige Behandlung und Löhne, daß sie leben können, fordern! Mißstände bestehen nicht nach Ansicht der Grubenherren!
Nun ist ein sozialer Kampf ausgebrochen, wie ihn die Welt noch kaum gesehen hat. Bis Mittwoch Abend wurden 207000 Streikende gezählt! Wie der Kampf ausgeht, ist nicht vorauszusehen, wie der Ausgang aber immer sein mag, sicher ist, daß er vielen tausenden Arbeitern die Augen öffnen und sie zum Klassenbewußtsein bringen wird. Wie in voriger Nummer bereits hervorgehoben wurde, sind die Bergarbeiter Organisationen: Berg⸗ arbeiterverband(freie Gewerkschaften), Christ⸗ licher Gewerkverein und Hirsch-Dunkerscher Gewerkverein, vollkommen einig und gehen ge⸗ meinsam in den Kampf. Und wenn die Eini⸗ gung der sich bisher befehdenden Verbände eine dauernde wird, so ist viel gewonnen und dem Uebermute der Grubenbarone die richtige Ant⸗ wort gegeben.
Die Arbeiterschaft Deutschlands steht hinter den Bergarbeitern und kämpft ihren Kampf mit. Und wenn sie mit ihnen auch unterliegen sollte, wie aus allen Kämpfen, welche die Ar⸗ beiterklasse bisher geführt hat, mochten sie nun mit ihrem Siege oder ibrer Niederlage endigen, so wird auch aus diesem der proletarische Be⸗ freiungsgedanke gestärkt hervorgehen.
Die Arbeiterschaft der Welt, allen voran die Arbeiterschaft Deutschlands wird aufs Neue jenen Geist der Solidarität, der brüderlich⸗ aufopfernden Hilfsbereitschaft beweisen, der selbst ihre Feinde zu atemloser Bewunderung zwingt, und der ollein die Gewähr ihres künftigen
endgiltigen Sieges ist. Der Kampf hat begonnen, er muß durch⸗
Bergstlaven? efochten werden, und wir alle kämpfeng
ihn mit! Was immer das Ende sei— es ist keine Zeit danach zu fragen— so liegt es in der Hand der Arbeiter, den Massenstreik im Ruhrrevier zu einem der ruhmvollsten Kapitel ihrer Geschichte zu gestalten.
*
Der sozialdemokratische Parteivorstand
erließ einen Aufruf, aus dem wir folgende Sätze wiedergeben:
Arbeiter, Parteigenossen!
Der allgemeine Streik der Bergarbeiter des Ruhrreviers ist proklamiert. Die Vertretung der Unternehmer, der Verein für die bergbau⸗ lichen Interessen, hat auf das höfliche Ersuchen der Vertreter der Bergarbeiter schroff und höhnisch ablehnend geantwortet. Die Gruben- herren wollen überhaupt nicht mit den beauftragten Vertretern der Arbeiter verhandeln. Weil ein Teil der Bergleute, des unerträglichen Drucks müde, in Verzweiflung die Hacke hin⸗ geworfen haben, deshalb, so höhnen jetzt die Unternehmer, sei keine Garantie für die„Zurück- führung der Arbeiter auf den gesetzlichen Weg“ vorhanden.
Auf diese hohnvolle Zurückweisung verkün⸗ deten die Arbeiterdelegierten, gemäß dem von den Vertretern aller Organisationen gefaßten Essener Beschluß, den allgemeinen Streik!
Damit beginnt ein Kampf, wie ihn Deutsch⸗ lands Arbeiterschaft noch nicht auszukämpfen hatte. Hunderttausende Bergarbeiter sind auf⸗ gestanden, um dem mächtigsten Unternehmertum, den vereinigten Grubenmillionären, die Aner⸗ kennung ihres Menschenrechts abzuringen.
Nur ein wenig Licht und Luft, nur eine
geringfügige Aufbesserung des armseligen Lohnes, nur die Beseitigung der dreisten Betrügerei des
Wagennullens, nur Garantie für die Sicherheit
ihres Lebens und Anerkennung des Menschen im Arbeiter, das sind die Forderungen der
Bergleute. Die Unternehmer aber erklären voll Hohn, es bestehen überhaupt keine Mißstände! Sie wollten den Kampf! Sie haben ihn!
Die Sache der Bergarbeiter ist die Sache aller Arbeiter. Die Bergarbeiter haben den Kampf aufgenommen im Bemwußtsein ihres guten Rechts und der Erwartung, daß die ganze deutsche Arbeiterschaft hinter ihnen steht. Und sie steht hinter ihnen! Die deutschen Ar⸗ beiter dürfen nicht tatlos zusehen, wie ihre Brüder im Ruhrrevier um ihr gutes Recht, ein wenig mehr Anteil an den Gütern, kämpfen, die sie unter steter Einsetzung ihres Lebens schaffen.—
Wir fordern deshalb die Arbeiter auf, un⸗ verzüglich Sammlungen einzulekten und alles daran zu setzen, um die Käm pfenden so reichlich als möglich zu unterstützen.
Gewaltige Summen werden notwendig sein, soll in der nächsten Zeit der Hunger aus dem Hause des Ruhrbergmanns ferngehalten werden. Auf daß nicht der Jammer über den Hunger der Kinder die Väter knirschend zwingt, die Hand der harten Herren zu küssen und demütig um Brot zu betteln: Gebt, was Ihr könnt!
Wir appellieren aa die Opfer willigkeit der klassenbewußten Arbeiter, die sich so oft glänzend bewährt hat, wir appellieren an alle, die nicht wollen, daß der Schaffer aller Werte, der Bergmann, der die Kohle schürft, diese Grun ⸗ lage der deutschen Industrie, daß diese Hundert⸗


