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Nr. 21.
Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeuung.
Seite 7.
„Na, das wäre doch nicht so schlimm ge⸗ wesen. Es sind immerhin drei Stimmen.“
„Die stimmen auch so für unsere Forde— rungen.“
„Et, sehen Sie doch an, lieber Kollege, die stimmen auch so für unsere Forderungen? Woher wissen Sie das denn so genau?“
Leo blieb die Antwort schuldig und steckte statt dessen die Zigarre kokett in den linken Mundwinkel.
„Jetzt habe ich Sie, lieber Vizefeldwebel, wo ich Sie haben wollte. Weil die Leute doch für uns stimmen, da brauchen Sie sie nicht aufzusuchen, da können Sie sogar über sie ulken und ihre Maifeter als höheren Blödsinn be⸗ zeichnen.“
„Aber, lieber Schmidt, was hat denn die Maifeier damit zu tun?“
„Weil sie ein ganz prägnanter Ausdruck der Gesinnung jener Partei ist. Die Partei fragt nicht, ob unter den Lehrern, für deren Gehaltsansprüche sie eintritt, Sozialdemokraten sind oder nicht. Selbst wenn sie wüßte, daß Leute, wie Sie, Kollege Leo, darunter sind, würde sie sich, glaube ich, dadurch nicht beein⸗ flussen lassen und doch für die Gehaltserhöhung eintreten. Sozialdemokraten sind eben Leute von Prinzipien——“
„Aber die Maifeier——“
„Die Maffeier ist ein wirkungsvolles Mittel zur Stärkung und Befestigung der Prinzipien dieser Partei, besonders des Gefühls der Zu⸗ sammengehörigkeit aller Unterdrückten und Schlechtentlohnten. Gehören Sie zu den Gut- entlohnten, Herr Kollege?“
Ein schriller Klingelton verkündete das Ende der Pause und enthob Leo der Antwort....
(E. Almsloh in der Frankf.„Volksstimme“.)
Schillers Beerdigung.
Schillers Bestattung ist unter sehr trüben, unwürdigen Verhältnissen vor sich gegangen.
Schiller hatte am 29. April zum letztenmal das Theater besucht und war vom 30. an bettlägerig gewesen. Am 9. Mai hauchte er seine edle Seele aus. Die durch dies harte Geschick schwer betroffene Gattin war fassungs⸗ los. Sie hatte nicht nur den liebevollsten, reinsten und hochstrebenstden Mann, sondern auch den Ernährer verloren. Sie sah sich mit ihren Kindern der schweren Sorge und dem Mangel preisgegeben. Außer dem jungen Heinrich Voß, der den Kranken treu gepflegt hatte und jetzt den verlassenen Hinterbliebenen ebenso treu zur Seite stand, scheint sich niemand um die Leiche noch um die Insassen des Trauerhauses ge⸗ kümmert zu haben. Goethes Abneigung gegen die äußere Erscheinung des Todes ist bekannt. Wie immer, wenn ein ihm Nahestehender starb, war er krank und hütete das Zimmer. Der Herzog und der Hof waren in Weimar nicht anwesend. Wie gleichgültig sich die Bevölkerung und das„hochverehrte Publikum“ von Weimar gegenüber einem solchen Todesfalle verhielten, geht daraus hervor, daß am Todestage im Schauspielhause wie gewöhnlich Vorstellung sein sollte. Nur die energische Weigerung der Schauspielerin Jägemann⸗Heigendorf, an diesem Tage die Bühne zu betreten, verhinderte eine solch unbegreifliche Gefühllosigkeit. 8
Heinrich Voß hatte die traurige Pflicht zu übernehmen, den Sarg für den Verstorbenen zu bestellen. Er mußte dem Tischlermeister Eichenhauer, der gern etwas Besonderes liefern wollte, die größte Sparsamkeit anempfehlen. So wurde ein ganz gewöhnlicher Sarg für drei Taler und wenige Groschen hergestellt, um einen solchen Toten aufzunehmen!
Die Nacht vom 11. auf den 12. Mat war für das Begräbnis festgesetzt. Die Träger dafür stellten damals die verschiedenen Zünfte der Reihenfolge nach. In dieser Nacht war die Schneiderzunft an der Reihe, die auch das Bahrtuch, mit den betreffenden Wahrzeichen geschmückt, zu liefern hatte.
Nur dem Eingreifen des Bürgermeisters Schwabe am Abend des 11. Mai ist es zu verdanken, daß eine Anzahl rasch zusammen⸗ gerufener Schillerfreunde statt der Schneider die Bahre hinaustrugen.
Auf dem Markte angekommen, wurde von den Trägern etwas angehalten, um zu wechseln. Zwei Fackeln spendeten das nötige Licht, zu spärlich noch, um eine eben aus der Seitenstraße tretende, tief in den Mantel gehüllte männliche Gestalt erkennen zu lassen. Sie folgte den Trägern in immer gleich weiter Entfernung nach dem Kirchhofe. Hier angelangt, traten diese zu dem geöffneten alten Kassengewölbe, einer großen, feuchten Totengruft. Mit Hilfe des harrenden Totengräbers wurde der Sarg zu den zehn bereits früher hier eingesenkten gestellt. Da wurde jene hohe männliche Gestalt an der Wand des Kirchhofs wieder sichtbar, und tiefer, lange verhaltener Schmerz wand sich schluchzend los. Später ist Wilhelm von Wolzogen, der Schwager Schillers, als jener einsame Leidtragende festgestellt worden.
Conrad Ferdinand Meyer hat die für die Zeitgenossen Schillers so unwürdige Art der Beerdigung des großen Toten in einem kleinen Gedichtchen behandelt:
Ein ärmlich düster brennend Fackelpaar, das Sturm Und Regen jeden Augenblick zu löschen droht.
Ein flatternd Bahrtuch. Ein gemeiner Tannensarg Mit keinem Kranz, dem kargsten nicht, und kein Geleit! Als brächte eilig einen Frevel man zu Grab.
Die Träger hasteten. Ein Unbekannter nur,
Von eines weiten Mantels kühnem Schwung umweht, Schritt dieser Bahre nach. Der Menschheit Genius wars.
Schillerworte.
Brotgelehrte.
Wer hält den Fortgang nützlicher Revolu⸗ tionen im Reich des Wissens mehr auf als der Haufe der Brotgelehrten? Jedes Licht, das durch ein glückliches Genie angezündet wird, macht ihre Dürftigkeit sichtbar. Sie fechten mit Erbitterung, mit Heimtücke, weil ste bei dem Schulsystem, das sie verteidigen, zugleich für ihr ganzes Dasein fechten.
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Immer strebe zum Ganzen und kannst du selber kein Ganzes
Werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an.
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Verbunden werden auch die Schwachen mächtig.
Allerlei.
Kaiserbilder auf Bettkattun.
Es ist erstaunlich, was nicht unsere Industrie alles auf den Markt bringt, um die Liebe und Anhänglichkeit an das„angestammte Herrscher⸗ haus“ wachzurufen und zu erhalten. Zahlreich sind die Objekte, die man mit den Bildnissen von„allverehrten“ Fürsten geschmückt, um auf die Weise dem patriotischen Empfinden, oder besser gesagt, der kapitalistischen Ausbeutung des letzteren Ausdruck zu geben. Einen starken Re⸗ kord in dieser Richtung— schreibt man der Frkftr. Volksstimme— hat in den letzten Tagen eine elsässische Textilfirma geschlagen, indem ste — Bettkattun in den Handel bringt, auf welchem die Brustbilder des deutschen Kaiserpaares mit einem frommen Wunsch darüber eingedruckt sind. Es gibt wohl kaum einen besseren Platz für solche Bilder; vermag der getreue Untertan zusehen, daß er ste immer hübsch an der Außen⸗ seite seines Bettes hält. Wenn sie nach der Innenseite und in Berührung mit gewissen Körperteilen kommen, könnte der Lohn für die königstreue Gesinnung am Ende gar eine— Majestätsbeleidigungsklage werden!
Elne großartige Zerstreuung.
Im Jahre 1822 schrieb der damalige Prinz, spätere Kaiser Wilhelm I., einen Brief an den General Witzleben, der u. a. folgendes enthielt: „... die schönen kriegerischen Aussichten sind verschwunden. Auch hat der König meine Bitte nicht sehr gnädig aufgenommen, warum weiß ich nicht, weil er mir die wenigen Worte nur schrieb: es gibt keinen Krieg. Wie mich das betroffen und erschüttert hat, können sie sich denken, denn meine Hoffnung hatte ich auf diese großartige Zerstreuung gelegt...“—
Die Zerstreuung von Untertanenknochen ist ein altes fürstliches Vergnügen!
Liebliche Liebestaten.
Für Leute, die nicht wissen, was ste mit ihren Fleisch⸗, Gewüsc⸗, Käse⸗ ꝛc. Resten an⸗ fangen sollen, erteilt das„Haus wirtschaftliche Echo“ seinen Leserinnen eine Reihe von Rat⸗ schlägen, die darauf hinauslaufen, nichts um⸗ kommen zu lassen und jene Reste in neuer Form zum zweiten Male auf den Tisch zu bringen. Das Blatt fügt hinzu:„Ja, aber von diesen Resten werden womöglich wieder Reste übrig bleiben, was damit?“ Preisfrage! Das„Echo“ antwortet selbst:„Das gib den Armen, und du hast ein gutes Werk getan!“ Die Reste der Reste den Armen! Wie der Landmann alle Mahlzeitüberbleibsel seinen Schweinen vorwirft, so macht's die moderne christliche Gesellschaft mit ihren Opfern— von der hohen Politik und staatlichen„Armen⸗ fürsorge“ angefangen bis hinunter zur privaten „Mildtätigkeit“!! Wo ist die Scham?— Bei den Hunden.
N
Preßlakaien.
Hör ich Lakaien loben Die Kirche und den Thron Und jeden, der nach oben Bewährt als Stütze schon;
Hör ich Lakaien schmeicheln Der Menge Unve stand, Und sehe, wie sie streicheln Was Flitter bleibt und Tand:
Dann nmeiß ich, daß die Edlen In ihres Herzens Grund Nicht anders können als wedeln Wie ein gemeiner Hund.
Solch nord'scher Byzantiner Bellt nicht um schnöden Lohn, Er ist schon Hund und Diener Vereinigt in Person.
Numoristisches.
Protest. In einem Dorfe soll beim Bürgermelster eine Erbschaft geteilt werden. Während der Verhand⸗ lung entsteht Streit und bald ist eine Rauferei im Gange, in die man auch den Bürgermeister hineinzieht. „Laßt mich aus!“ ruft er—„Ich erb' ja gar nicht mit!“
Allerdings. Schutzmann:„Wie der Kerl ausschaut! Es ist eine wahre Schande, mit ihm zu gehen!“—„Na, mit dem Herrn Schutzmann zu gehen, is och keene Auszeichnung!“(Fl. Bl.)
Literaris ches
Georg Herwegh, dem im Oktober v. J. zu Liestal in der Schweiz ein ehernes Denkmal gesetzt wurde, hat mit der soeben in Max Hesses Volksbücherei erschienenen Neu-Ausgabe seiner weltberühmten„Ge⸗ dichte eines Lebendigen“, die seinerzeit in kaum zwei Jahren sechs Auflagen erlebten, nun auch ein literarisches Denkmal erhalten. Und mit vollem Recht! Noch heute, nach über 50 Jahren, wirkt Her⸗ weghs Poesie ebenso hinreißend wie damals, und ist auch die Zeit eine andere geworden, seine Gedichte dürfen heute noch mit vollem Recht die„Gedichte eines Lebendigen“ genannt werden! Was die Ausgabe besonders auszeichnet, ist, daß sie von dem Sohne des Dichters sorgfältig durchgesehen und mit ergänzenden Anmerkungen versehen worden ist. Außerdem aber ent⸗ hält sie eine literarisch wertvolle biographische Einleitung von Victor Fleury, der mit Georg Herwegh persönlich befreundet war und wie kein anderer dazu berufen er⸗ scheint, uns ein klares Bild von seinem Leben und Schaffen zu geben, sowie ein bisher unbekanntes, auf Kunstdruckpapier hergestelltes Bildnis und eine Hand⸗ schriftprobe des Dichters. Der Preis des mit großer und klarer Schrift gedruckten, hübsch ausgestatteten Bandes(broschiert 60 Pfg., gebunden Mk. 1.—), muß geradezu erstaunlich billig genannt werden; wir können seine Anschaffung nur bestens empfehlen.— Die Expe⸗ dition der„Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung“ nimmt Bestellungen auf das Werkchen entgegen.
7 8 Bemüht Parteifreunde! cnc ue nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der
Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung!
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SSS K
1 + 4. 115
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