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Nr. 34.
Gießen, den 20. August 1905.
12. Jahrgang.
Redaktion: Nirchenplatz 11, Schloßgasse.
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Zum Parteitag der hessischen Sozialdemokraten.
Unsere alljährliche hessische„Landeskonferenz“ wird diesmal in dem etwas abgelegenen hessischen Städtchen Alzey abgehalten. Wie im Vorjahre sind für ihre Verhandlungen zwei Tage vor⸗ gesehen, allerdings nicht zwei volle Tage, son⸗ dern die Verhandlungen beginnen am Samstag Abend und werden voraussichtlich bis Sonntag Abend dauern. Diese Einrichtung hat stch als durchaus notwendig herausgestellt, bei den früheren Konferenzen zeigte sich, daß ein Sonntag zur Bewältigung des vorliegenden Materials nicht ausreichend ist, vleles in Hast durchge⸗ peitscht wurde, anderes ganz unerledigt bleiben mußte. Und an Beratungsstoff fehlt es wirk⸗ lich nicht. Denn wir haben uns ja nicht nur mit den allgemeinen Fragen, die die Partei im ganzen Reiche angehen, zu befassen, sondern auch mit den speziell hessischen Parteiangelegen⸗ heiten und den Fragen der Landespolitik. An eine erschöpfende Erörterung aller dieser Dinge ist natürlich auch jetzt, bei zweitägiger Verhand⸗ lung noch nicht zu denken, selbst wenn stch die Konferenz noch einen, sagen wir, tyrannischeren Prästdenten wählte, als es Genosse Ulrich ist!
Die Tagesordnung ist von denen früherer Landesparteitage nicht sehr verschieden und weist scheinbar keine besonders„interessanten“ Punkte auf, fast alle sind geschäftlicher Art. Trotzdem sind sie für unsere hessische Partei von großer Wichtigkeit und die Debatten werden für jeden Genossen viel des Interessanten bieten. Bei dem Berichte des Landeskomitees wird's an Kritik nicht fehlen und es muß ja gesagt werden, daß namentlich wir in Oberhessen herzlich wenig von seiner Tätigkeit in agitatorischer Beziehung spüren. Aber wir geben gerne zu, daß die im ganzen Ländle versprengten fünf Mitglieder des Komitees nicht mehr leisten konnten. Daß aber mehr Agitationstätigkeit entfaltet werden muß, fühlt jeder Genosse und auch das Landes⸗ Komitee will Besserung schaffen und es stellt deshalb diesen Antrag:
Die Landes⸗Konferenz wolle beschließen, zur Agitation und 1 90 im Großherzogtum wird ein Landes⸗Partei⸗ Sekretär angestellt und das Landes⸗ Komitee beauftragt, die dazu erforder⸗ lichen Schritte zu tun. 5
Der Landes ⸗Partei⸗Sekretär muß am Orte des Sitzes des Landes-Komitees wohnen.
Wir sind sicher, daß dieser Antrag allge⸗ meine Zustimmung finden wird. Allgemein ist man heute zu der Erkenntnis gekommen, daß wir fest angestellte Personen für die Partei⸗ tätigkeit haben müssen, wenn wir unsere Sache vorwärts bringen wollen. Meinungsverschieden⸗ heiten werden sich höchstens bei Diskusston der Frage ergeben, in welchem Orte Landeskomitee nebst Sekretär seinen Sitz haben soll. Darum streiten sich die drei größten Städte des Landes. Man wird sich aber darüber leicht einigen.
Ueber die Organisations frage wird es zu einer lebhaften Aussprache bet dem dritten Punkte: Parteitag in Jena kommen. Diese Frage ist seit mehr als Jahresfrist in unserer Parteipresse und den Versammlungen ausgiebig erörtert worden. Gegen den Entwurf eines
neuen Parteistatuts, den die auf dem Bremer Parteitage für Ausarbeitung eines solchen ein⸗ gesetzte Kommission vorgelegt hat— wir haben ihn in Nr. 16 veröffentlicht— hat sich vielfach Widerspruch erhoben. Auf die einzelnen Ein⸗ wendungen können wir an dieser Stelle nicht eingehen. Nur eins möchten wir bemerken: Genosse Dittmann, der Frankfurter Partei⸗ sekretär, hat Vorschläge gemacht, die auf Be⸗ seitigung der Landesorganisationen und Ein⸗ teilung des Reiches in Bezirke ohne Rücksicht auf die Landesgrenzen hinauslaufen. Diese Vorschläge halten wir nicht für annehmbar, sind vielmehr der Meinung, daß die Landes⸗ organisationen aus einer Reihe von Gründen beibehalten werden müssen. In dieser Beziehung stimmen wir durchaus mit dem überein, was Ulrich darüber auf der Offenbacher Kreiskonfe⸗ renz ausführte und wobei er besonders auf die gute Entwickelung hinwies, die die hessische Landesorganisation bisher genommen habe.
Der Bericht über die Tätigkeit der Landtagsfraktion dürfte weniger zu Kritiken Veranlassung geben. Jeder Genosse wird anerkennen, daß die wenigen sozialdemo⸗ kratischen Vertreter im hessischen Landtage ihre Schuldigkeit vollkommen getan haben. Sie sind besonders bemüht gewesen, ein einiger⸗ maßen gerechtes Wahlrecht zu schaffen. Es ist ihnen trotz allen Entgegenkommens nicht gelungen. Unsere Aufgabe muß es daher sein, bei der bevorstehenden Wahl ihnen noch mehr Kollegen zuzugesellen und die offenen und ver⸗ steckten Wahlrechtsfeinde aus dem Landtage hinaus zu werfen!
Den Beratungen der Konferenz, die dazu mit beitragen sollen, wünschen wir besten Erfolg und grüßen herzlichst die Vertreter der hessischen Sozialdemokraten, die in Alzey zu ernster Beratung zusammenkommen!
Podbielski und die Fleischnot.
Ein prächtiger Kerl ist der Herr Landwirt⸗ schaftsminister schon in seiner„kernigen“ Aus⸗ drucksweise, er, der sich„mit keinem Lausekanal vor den Bauch stoßen läßt.“ Er ist es aber auch in der Praxis, wo er von einer kernigen Vertretung seiner groß⸗agrarischen Interessen sich durch keines„Gedankens kränkelnde Blässe“ beschränken laßt. Er läßt sich auch mit allen Petitionen und Resoluttonen in Betreff der sich täglich steigernden Fleischnot nicht vor den Bauch stoßen. In Berlin haben die Vertreter der Landwirtschaftskammer eine Konferenz wegen der Fleischfrage abgehalten. Die Wölfe haben beraten, ob unter shrem Wolfs-Hunger das Schafsvolk wirklich so arg zu leiden hätte, wie es klagt, und sind bei dieser Veratung zu dem merkwürdigen aber erfreulichen Resultat gekommen, daß die Schafe sich über ihre Leiden stark übertriebene Sorgen machen und daß sie, die Wölfe, keinen Grund haben, ihrem gesunden Egoismus bei Vertretung ihrer Wolfsinteressen weitere Schranken zu setzen. So werden sich die Herren von der notleidenden Vandwirtschaft im Vollgefühl ihrer gänzlichen Unschuld und in der Hoffnung auf ein weiteres„gesundes“ Anziehen aller Nahrungsmittelpreise zu dem Festessen zusammengefunden haben, das sich an die so glücklich verlaufene Konferenz anschloß.
Und da faßte noch einmal der Landwirtschafts⸗ minister(wie trefflich der Titel hier paßt, da Mintister auf Deutsch recht eigentlich„Diener“ heißt!) die Gefühle agrarischer Seelen in trefflichen Worten zusammen. Mit der ver⸗ blüffenden Leichtigkeit eines gewandten Jong⸗ leurs schafft er den schweren Hauptstein des Anstoßes, den viele für so unbeweglich gehalten haben, aus dem Weg: Man dürfe nur von einer„Fleischteuerung“ reden, es bestehe gar keine„Fleischnot“. Und damit ist allerdings die„Not“ beseitigt. Podbielski meint mit diesem kostbaren Wortspiel, es sei in Wahrheit gar keine Not, kein Mangel an Fleisch vor⸗ handen, es sei nur das genügend vorhandene Fleisch halt„teuer“. Und das ist natürlich für sein agrarisches Herz kein großer Kummer. Wer Geld hat, kann ja eben für ein paar Pfennig mehr doch genug Fleisch haben. Und wer kein Geld hat— nun für solche Leute ist natürlich unsre weise Handelspolitik nicht ge⸗ macht.„Denn ein Recht zu leben, Lump, haben nur, die etwas haben“, heißt es bei Heine. Wegen der Hungerleider eine Grenzöffnung zu gestatten, das wäre doch, wie jeder— Agrarier einsteht, ein frevelhafter Eingriff in die heiligsten Rechte der Nation, nämlich in das Portemonnaie ihrer Agrarier. Und was für„Egoisten“ und „Materialisten“ und„Volksverhetzer“ müssen das sein, die jenen geheiligten„nationalen“ Rechten Gesundheit und„Magenfragen“ der Habenichtse voranzustellen wagen! Und ange⸗ sichts des herrlichen nationalen Zolltarifs wundert sich Podbielski, daß der Kampf zwischen Stadt und Land wieder aufflackerte, den er nun für so lange Zeit beschwichtigt glaubte. Hatte er doch gehofft, daß im Schatten eines blühenden Großagrariertums das Volk jetzt ganz in„nationaler Arbeit“ friedlich aufgehen könnte! Aber„was find Hoffnungen, was sind Entwürfe“, die von Bülows und Podbielskis aufgebaut werden„auf dem schwankenden Grunde“ der Volksmeinung, die sich nun so gar nicht von oben her will kommandieren lassen, die so grob ist, es offen einzugestehen, wenn sie Hunger spürt, trotzdem man ihr in so gewandten Reden beweist, daß das ein Irr⸗ tum sein müsse! So ungeberdig ist dieses Volk von heute, daß es unter seiner Masse gar viel mehr gibt, die sich über Podbielskis Ver⸗ wunderung wundern, als solche, die sich mit ihm über den erneuten Kampfe gegen die Agrarpolitik wundern, trotzdem natürlich nur diese letzteren die„Nation“ repräsentieren und ihre Forderungen mit dem Stempel„national“ versehen können. Jene andre große Masse ist eben irregeleitet durch einen groben Trugschluß, wie Podbielski meint. Die„Hetzer“ lügen dem Volke vor, daß die teuren Fleischpreise die Folge des neuen Zolltarifs seien, der aber doch erst am 1. März 1906 in Kraft trete.
Ach nein, Herr Landwirtschaftsminister, Sie haben doch wohl eine gar zu verächtliche Auf⸗ fassung von der Gehirntätigkeit der großen Mehrzahl der Menschen, wenn Sie meinen, mit so handgreiflichen Irrtümern könne man eine so mächtige allgemeine Mißstimmung er⸗ zeugen, wie sie eben unser Volk gegen die ein⸗ seitige Agrarierinteressenpolitik beherrscht. Was wir dem Volk sagen, ist nur dies: Diese tegern, für viele von euch einfach unerschwinglichen Preise für das bei eurer anstrengenden körper⸗


