Ausgabe 
17.9.1905
 
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Mr. 38.

Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite 5.

Generalversamm lung ab. Voraussichtlich wird ste verlaufen wie immer. Die Mitglieder, die sich zu mindestens neun Zehntel aus Ar⸗ beitern zusammensetzen, überlassen ganz und gar die Leitung der Genosseuschaft, den Fabrik⸗ besitzern, Direktoren c. Daß unter sucger Umständen kein gesunder genossenschaftlicher Geist einziehen kann, ist fast selbstverständlich. Aber die Teilnahmslosigkeit der Mitglieder ist so groß, daß man oft hören kann, wenn man zum Besuche der Generalversammlung auf⸗ fordert:Ach, das hat ja doch keinen Zweck, die Herren machen ja doch, was sie wollen. Daher sind auch die Versammlungen von 2030 Teilnehmern besucht, bei etwa 2000 Mitgliedern! Und deshalb ist es keine Seltenheit, daß sich die alte Leitung mit Hülfe rückgratfester Be⸗ amten immer selbst wieder wählt! Wie diese aber ihre Aufgabe auffaßt, beweist der Umstand, daß sie nie einen Finger krumm gemacht hat, um den schon seit Jahren geforderten Fisch⸗ bezug in die Wege zu leiten. Wie gut wäre es, wenn die Mitglieder bei den hohen Fleisch⸗ preisen billige Fische haben könnten!

h. Die unschöne Rolle eines Streik⸗ brechers spielt der Arbeiter Emil Wagner von hier. Er ist trotz aller Abmahnungen seinen Bekannten bei der Firma Schaffstaedt in Gießen als Arbeitswilliger eingesprungen. Dieses nützliche Element trieb sich fast ein ganzes Jahr hier ohne Arbeit herum und fiel seinen Angehörigen zur Last, anstatt sich ernstlich nach Arbeit umzutun. Solcher Leute bedient stch die vornehme Firma als Herausreißer, während sie ihre langjährigen tüchtigen Arbeiter wegen bescheidenen Forderungen streiken läßt!(Beim Gießener Schneiderstreik behalf sich das Unter- nehmertum auch mit solchen Elementen, es hat aber damit schlechte Erfahrungen gemacht. D. R.)

h. Böse Zustän de herrschen in Tkefen⸗ bach. Wenn nämlich der dort durchflleßende Bach bei etwas starkem Regen anschwillt, so läuft das Wasser munter durch Küche und Hausflur der anliegenden Wohuhäuser. Es wäre vor allen Dingen nötig, hier etwas für Regulierung zu tun und dadurch diese Miß⸗ stände zu beseitigen. Solche notwendige Dinge werden aber immer bis zum Nimmerleins⸗ lage aufgeschoben, da fehlt immer das Geld. Jeden Augenblick ließt man aber von Errich⸗ tung irgend eines Turmes oder Ausblickes mit hochklingenden Namen zurVerschönerung der Umgegend von Braunfels ꝛc.

k. Soztalisten bekämpfung in Krof⸗ dorf. Nach vieler Mühe, die sich verschiedene Leute in Krofdorf, besonders der Herr Pfarrer, damit gegeben haben, einen Vereln von Ordnungsleuten zu schaffen, ist es nun endlich dazu gekommen. Am Mittwoch Abend wurde in Ludwigs Wirtschaft einBürgerverein gegründet und der Vorstand gewählt. Unter diesem harmlosen Namen denkt man Leute zu finden, die sich als Mit⸗ läufer im Kampfe gegen denUmsturz gebrauchen lassen, was dem Krlegerverein und dem Pfarrer vorher nicht gelungen war. Manche haben vielleicht aus Geschäfts⸗ interessen mitgetan, andere wissen nicht recht was eigentlich los ist und so hat man ein paar Leute zusammenge⸗ trommelt. Als Vorsitzender wurde Herr Hahn mit 30 Stimmen, als Schriftführer Röhrsheim 25 und Moos als Kassterer mit 24 Stimmen gewählt. Für unsere Genossen muß diese Tätigkeit der Gegner ein Ansporn zu nachhaltiger Agltationsarbeit sein.

Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.

Stadtverordnetenwahlen. Die Agitation für die im November vorzunehmende Stadtverordnetenwahl scheint sich diesmal be⸗ sonders ruhig anzulassen. Während es bei den früheren 17 schon Monate lang vorher einenWahlkampf absetzte zwischen den ein⸗ zelnen Vereinen und Stammtischgesellschaften, hört man jetzt noch kein Wort. Selbst die Kandidatenfrage scheint schon bei den diversen gutgesinuten Vereinen gelöst zu sein, wenigstens lassen sie die Oeffentlichkeit nichts davon merken, ein Zeichen, daß alles inOrdnung ist. Selbst der so brühmte und allein seligmachende Bürgerverein, der doch sonst bei den Wahlen schon lange Zeit vorher seine Kandidaten prä⸗ sentierte, auch er rührt sich nicht, oder will sich nicht rühren, bis die Arbeiter ihre Kandidaten bekannt gemacht haben, um gegebenenfalls dann Gegen⸗Kandidaten aus den einzelnen Berufen

aufzustellen, um die Stimmen der Arbeiter zu fangen. Alle Marburger Vereine warten nämlich mit Schmerzen darauf, wer von den Arbeitern als Kandidat aufgestellt wird. Es zirkuliert schon das Gerücht, daß sämtliche hiesigen gutgesinnten Vereine gemeinschaftliche Kandidaten aufstellen wollen, um so einemje⸗ den gerecht zu werden. Dieses Manöver soll natürlich nichts anderes bedeuten, als daß man die Arbeiter abschrecken will, eigene Kandidaten aufzustellen. Auf diesen Leim werden wir na⸗ türlich nicht kriechen. In der 3. Wähler⸗ klasse, und diese kommt für uns nur in Be⸗ tracht, scheiden zum 1. Jauuar aus: Rentier Dörr, Schrein ermstr. Fr. Bang und Schlosser⸗ meister Ferd. Laubscheer. Außerdem hat eine Ersatzwahl statt zufinden für Kreissekretär Voß, dessen Wahl für ungültig erklärt wurde. In der 2. Wählerklasse scheiden aus: Bäcker⸗ meister Runckel, Buchbindermeister E. Schaaf, Möbelfabrikant A. Schäfer, Schlossermeister Seelinger(verstorben). In der 1. Wähler⸗ klasse scheiden aus: Professor Weiß, Bauunter⸗ nehmer Reising und Kaufmaun Schwaner.

Opfer der Arbeit.

Einen grausigen Tod erlitt in einer Schreinerwerkstelle in Kassel ein junger Mann. Dieser war beschäftigt, einen Treibriemen über eine Holzscheibe zu legen. Dabei stürzte er herab und fiel gerade auf das Blatt einer großen im Gange befindlichen Kreissäge. Der Unglückliche wurde in der Mitte durchge⸗ schnitten. Selbstverständlich trat der Tod auf der Stelle ein. In Essen stürzte am Samstag der Neubau des liberalen Reichstags⸗ kandidaten Niemeyer ein. Drei Arbeiter wurden dabei getötet und vier verletzt. In Leipzig ereignete sich ebenfalls ein Bau⸗ unglück, wobei zwei Arbeiter getötet wurden.

Unteroffizier als Zuhälter.

Vom Kriegsgericht in Düsseldorf wurde am Samstag der Unteroffizier Meurer von der 4. Kompagnie des Infanterie⸗Regiments Nr. 53 in Kalk wegen Zuhälterei und wiederholter brutaler Mißhandlung einer Pro⸗ stituierten zu 4 Monaten Gefängnis und De⸗ gradation verurteilt. Der Gerichtsvorsitzende bezeichnete den Fall als einzigstehend im mili⸗ tärischen Gerichtsverfahren. Allerdings ein schlechterVolkserzieher, als welche unsere 7 den Korporal angesehen wissen wollen.

Patrioten in Verzweiflung.

Ein beweglich Klagelied stimmt dieThür. Landesztg. darüber an, daß es mit der Sedan⸗ feier nichts mehr ist:Zu der Sedaufeier hat in der Stadt Gotha wenigstens in der in⸗ neren Stadt kein Mensch geflaggt! Dies in des Wortes ureigenster Bedeutung gesagt; selbst die Fahnenstöcke auf Schloß, Ministerium und Rathaus ragen leer in die Luft! Was bedeutet das? Will man den nationalen Fest⸗ tag hier fallen lassen, so habe man doch auch den Mut, die Feier in den Schulen einzustellen. Woher soll unserer jungen Generation die Be⸗ geisterung kommen, wenn sie draußen den Tag vollständig ignoriert steht!?

Die Landtagswahlen

in Sachsen finden in diesen Tagen statt. Zur Stunde liegen noch keine Nachrichten über den Ausfall der am Donnerstag erfolgten Wahlmännerwahlen der dritten Klasse vor. Nur aus Leipzig wird berichtet, daß die sozial⸗ demokratische Liste die absolute Mehrheit im dritten und fünften. Leipziger Kreise erzielte.

Die Cholera in den Ostgebieten Deutschlands hat bis jetzt 66 Opfer gefordert. Im ganzen sind 183 Er⸗ krankungen amtlich festgestellt worden. Es kom⸗ men täglich noch zahlreiche Fälle vor.

Der autisem. Reichstagsabg. Bruhn benahm sich im Ostseebade Ahlbeck so unanständig, daß er von dem Kapellmeister der Kurkapelle

eohrfeigt wurde. Die Pücklerleute sind fas alle vom gleichen Kaliber.

Kleine Mitteilungen.

l Mord in Büdingen. Am Montag Abend erschoß ein Kanalarbeiter aus Worms in Büdingen einen dortigen Einwohner im Streite.

Milchpantscher. Das Schöffengericht in Hanau kürzlich verurteilte die Frau des Oekonomen Stieb ing wegen Milchfälschung zu 100 Mk. Geldstr afe. Die Frau hatte der Milch, die sie einer Armenun ter⸗ stützungsempfängerin lieferte, 37 Prozent mehr als ein Drittel! Wasser zugesetzt. Der Amtsanw alt hatte vier Wochen Gefängnis beantragt. Der mitange⸗ klagte Ehemann wurde freigesprochen.

Arbeiterbewegung.

In dem Fürther Holzarbeiterstreik, an dem 1500 Arbeiter beteiligt sind, verhan⸗ delte das Gewerbegericht als Einigungsamt zwei Tage. Die Arbeiter haben ihre Forder⸗ ungen etwas ermäßigt, bestehen aber auf 54⸗ stündiger Wochenarbeitszeit und etwas erhöhten Lohnsätzen, während die Arbeitgeber nur 55¼ Stunden bei deu bisherigen Lohnsätzen zuge⸗ stehen wollen. Deshalb vertagte sich das Eini⸗ gungsamt. Die Hanauer Silberar⸗ beiter verhandelten mit ihren Arbeitgebern wegen Regelung ihrer Arbeitsverhältuisse. Zwei große Silberfabriken bewilligten die Forderungen der Arbeiter. Der Holzarbeiterstreik in Köln dauert fort. Die Christlichen schicken noch immer Streikbrecher dort hin.

Partei-Nachrichten.

Parteipresse. Die ElberfelderFreie Presse, die im letzten Jahre etwa 1000 Abonnenten gewonnen hat, wird vom 1. Januar an in eigener Druckerei her⸗ gestellt werden. Die Druckerei der Magdeburgischen Volksstimme wird am 1. Oktober in Partei⸗ eigentum übergehen.

Der Neue Weltkalender ist reichhaltig wie immer erschlenen. Der Preis beträgt 40 Pfg. Be⸗ stellungen wollen die Parteigenossen baldigst an die Ex⸗ pedition der Mitteldeutschen Sonntagszektung machen.

Berichterstattung vom Parteitag. Die Parteiorte, welche Versammlungen wünschen, in denen Bericht über den Parteitag gegeben werden soll, wollen sich rechtzeitig bei dem Kreisvereinsvorsitzenden Gg. Beck⸗ mann zu melden oder sich direkt an Gen. Vetters wenden. Wo es möglich ist, wolle man diese Versamm⸗ lungen auf Werktage verlegen. Von Sonntag, den 1. Oktober kann jeder Tag mit Ausnahme von Dienstag, (3.) gewählt werden.

Zum Parteisekretär für Hessen hat das Landeskomitee den Genossen Dr. David gewählt, der dem Beschlusse der Landeskonferenz gemäß, am 1. Ok⸗ tober nach Offenbach übersiedeln wird. Bis dahin ist seine Adresse Mainz, Allcestr. 2. So sehr uns die Wahl Davids freut, fürchten wir doch, daß es ihm schwer werden wird, bei der ihm durch das Reichstags⸗ und Landtagsmandat auferlegten Arbeitslast die Masse der Kleinarbeit zu leisten, die man von einem Parteisekretär fordert. Darum müssen unsere Genossen im Lande ihn nach dieser Richtung hin kräftig unterstützen.

Parteigenossen des Großherzogtums Hessen!

Das Stenogramm über die Verhand⸗ lungen der Landeskonferenz in Alzey liegt jetzt vor. Es wird vorausst htlich ca. 200 Druckseiten un'fassen und einen Selbstkostenpreis von mindestens 50 Pfg. erheischen. Um nun festzustellen, wie hoch die Auflage sein muß, bitten wir uns bis zum 1. Oktober cr. mitzu⸗ teilen, wie viel Exemplare die einzelnen Kreise brauchen.

Das Landes⸗Komitee. C. Ulrich, Offenbach, Große Marktstraße 23.

Versammlungskalender. Samstag, den 16. September. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof). Metall⸗ arbeiter. Abends Uhr Versammlung bei Orbig.

Gießen. Tabakarbeiter. Abends 6 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof).

Lollar. Wahlverein. Abends 8 Uhr Versamm⸗ lung bei Wirt Schupp. Zahlreich erscheinen!

Briefkasten. Zuschriften für Nr. 39 und 40 ersuchen wir möglichst frühzeitig einsenden zu wollen.