Ausgabe 
15.10.1905
 
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Nr. 42.

Mittel deutsche Sounutags⸗Zeitung.

Seite 7.

Die Kunde, daß Pastors Amalie vor dem Sonnenkinde die Segel hatte streichen müssen, verbreitete sich rasch genug im Dorfe. Schaden⸗ froh lachten sich die Bauern in's Fäustchen, und so tat auch der Herr Baron von Quecke; aber nicht heimlich. Er lachte mit seinem Basse dröhnend auf, als er die Kunde vernahm. Denn er und der Pastor waren zu treue . im Kampfe für Thron und Altar, als daß er dem geistlichen Hirten die persönliche Niederlage nicht gegönnt hätte. Leider trug der Wind von dem man weiß, woher er kommt und wohin er weht, den lachenden Schall nach der Pfarre, und Pastor Köschke gewann daraus eine Veranlassung mehr, die Prophe⸗ zeihung der Sonnenwirtin nicht zu Schanden werden zu lassen.

Sobald die Pfingstwoche zu Ende war, genoß Ruprecht recht häufig die Ehre, den Pfarrer bald in dieser, bald in jener Unterrichts- stunde zu Gast zu haben. Ehrwürden fand jedoch in allen Schüsseln, die der Lehrer auf⸗ trug, ein Haar, unterbrach ihn, tadelte ihn und gutzte ihn vor den Kindern herunter, daß es unt so eine Art hatte. Einmal rief er Greiner verächtlich zu, daß er lieber ein Schusterbursche hätte werden sollen, und ein andermal spottete er seiner so, daß die Kinder in ein Gelächter über den Herrn Lehrer ausbrachen.

Ruprecht knirschte mit den Zähnen und machte die Faust in der Tasche. Die Haut der Blödigkeit, in der er nach Eulenried gekommen war, hatte er wohl abgestreift, allein die Zu⸗ kunft feiner Liebe stand auf dem Spiele, und noch wollte die Hoffnung ihm zuflüstern, daß es ihm wohl gelingen möchte, eine andere und bessere Stelle an einer städtischen Schule zu bekommen, wenn er von dem Pfarrer Köschke im Guten schiede. Aber da schlug der Teufel den Topf entzwei.

Eines Vormittags sah man den Pfarrer Köschke in würdeloser Hast und etwas bleich das Schulhaus verlassen. Er hätte mit Schiller deklamiren können:Vor dem Sklaven zittre, wenn er die Ketten bricht. Denn Greiner hatte ihm mit blitzenden Augen zugerufen:Ich tue meine Pflicht, Ehrwürden, und lasse mich nicht länger von Ihnen mit Füßen treten; auch ein Dorfschulmeister ist so⸗ zusagen ein Mensch!

Ach, wie erleichtert, wie wohl Ruprecht im ersten Augenblick sich fühlte, sein Inneres her⸗ ausgerehrt zu haben! Und ehe noch das Feuer erloschen war, schrieb er mit fliegender Feder dem Pfarrer, daß er auf seine Stelle in Eulen⸗ ried verzichte. Aber was nun weiter? Wo⸗ von auch nur leben, bis er irgend eine andere Beschäftigung gefunden? Anna und ihre Mutter tauchten anklagend vor ihm auf. Alles, Alles verloren!

Nein, nicht Alles! Das Annerl stand treu und fest zu ihm, ob auch die Mutter zürnte, grollte und schmollte. Das Kind liebte ihn nicht nur, sondern es dachte auch für ihn. Als es eines Abends noch spät in der leeren Gast⸗ stube der Mutter gegenüber saß, diese endlich ihr Rechenbuch zuschlug und sich ermüdet zu⸗ rücklehnte, da legte auch Anna ihre Arbeit zu⸗ sammen und sagte:Muttchen, es liegt gar zu viel auf Dir; Du solltest es Dir etwas leichter machen. Außer der Gast⸗ und Hauswirtschaft auch noch die Bewirtschaftung unserer Wiesen und Felder! Wenn Du diese Einem übergiebst, der selbständig ist... Unser Großknecht ist ja ein ehrlicher Mensch und auch fleißig, aber Du mußt doch immer nachsehen und schieben.

Das weiß Gott, seufzte die Mutter.Bist ein sehr kluges Mädel. Weiß schon was Du im Sinne hast. Aber mit dem Ruprecht, da laß' mich aus! Der ist dazu noch viel zu jung, und von der Land wirtschaft versteht er ja auch rein gar nix.

Das Annerl errötete ein wenig, als es seine geheime Abstcht durchschaut sah. Dann legte es Hand schmeichelnd auf die der Mutter und sagte:Schau, Muttchen, er wird noch älter werden, und was er jetzt noch nicht versteht, das kann er noch lernen. Es braucht ja nicht schon morgen zu sein, daß Du ihm die Außen⸗ wirtschaft auvertraust; wir können ja Beide noch warten. Unser Großknecht wird ihn anlernen. Daß er das Herz auf dem richtigen Fleck hat, das hat er bewiesen, und so wird er auch den richtigen Verstand haben.

Die Mutter widerstrebte. Die Tochter war jedoch ebenso zäh und fuhr fort, das Eisen zu schmieden, weil es einmal warm war. Auch der Ruprecht ergab sich nicht sogleich, als sie zum ersten Male mit ihm davon sprach. Die aner⸗ zogene Pedanterie des Schulmeisters stak ihm noch zu sehr in den Knochen.Aber auf diese Art wirst Du für's ganze Leben frei, und und Das Blut, was ihr lebhaft die Wangen rötete, verriet ihm, was die Zunge nicht aussprechen wollte. Er zog ste an stch und küßte sie, bis sie Beide atemlos waren. Dann rief er:Hast Recht, Annerl; so lang' die Pfaffen die Aufsicht führen, wird aus den Schulen nichts, und die Lehrer bleiben ihr Leben lang Knechte. Wenn ich Dich zu meinem lieben Weiblein gewinnen kann, ist mir jede Arbeit recht. Und ich mein' halt, daß, wenn der Mensch ehrlich ist, dann ist's auch jede Arbeit, die er betreibt.

Mit welchem Erfolg Annerl den Kampf zu Ende führte, das erwies sich, als Ruprecht Greiner mit dem Beginn der Kartoffelferien die Schulmeisteret an den Nagel hängen konnte. Mochte Pastor Köschke, um seine Niederlage vor den Dörflern zu verbergen, immerhin er⸗

klären:Da sieht man wieder deutlich, daß Hochmut vor dem Falle kommt. Ruprecht Greiner ging bei dem Großknecht der Sonnen⸗ wirtin und deren Erfahrungen in die Lehre, und die Zeit brachte es mit sich, daß er nicht nur mit jedem Tage älter wurde, sondern auch das Annerl als sein Weib heimführte und zu⸗ letzt die Außenwirtschaft derSonne selbst⸗ ständig leitete, ein im Kampf um das Dasein gereifter Mann.

Das Uhren- und Goldwarengeschäft von D. Kaminka befindet sich jetzt Marktplatz 11

am Kriegerdenkmal.

Literarisches.

Sozialdemokratische Gemeindepolitik. Um unsern in der Gemeindeverwaltung tätigen Genossen Material an die Hand zu geben und die breite Masse des Volkes über die Bedeutung einer planmäßigen, vom sozialdemokratischen Standpunkt aus betriebenen Gemeindepolitik aufzuklären, gibt die Buchhandlung Vor⸗ wärts eine Sammlung kommunalpolitischer Abhandlungen heraus, die unter dem SammeltitelSozialdemokratische Gemeindepolitik in zwanglosen Heften erscheinen. Das Werk, mit dessen Leitung Genosse Paul Hirsch, Char⸗ lottenburg betraut ist, legt ohne daß die Theorie dabei zu kurz kommt, das Hauptgewicht auf die Praxis, es bildet gewissermaßen ein Gegenstück zu dem sozialdemo⸗ kratischen Reichstagshandbuch und zum Landtagshand⸗ buch, wie sie von unsern Genossen in einer Reihe von Einzelstaaten herausgegeben sind. Es arbeiten durchweg Parteigenossen mit, denen eine langjährige praktische Erfahrung auf dem kommunalen Gebiete zur Seite steht.

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In Vorbereitung befinden sich weitere Abhandlungen über kommunaleWohnungspolitik undSteuern und Gebühren, Abhandlungen über die kommunale Schul⸗ politik, über die öffentliche Gesundheitspflege, über Armen⸗ und Waisenpflege u. a. m. Von Mitarbeitern seien u. a. Hugo Lindemann, Max Quarck Emanuel Wurm und Paul Singer genannt.

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