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Nr. 20.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeuung.
Seite 7.
Ueber Schillers Lebenslauf sesen im Nachstehenden einige Daten gegeben: Geboren am 10. November 1759 zu Marbach, Sohn des Militär⸗ Chirurgen, späteren Garten⸗ Inspektors Joh. Kaspar Schiller, studierte auf der Karlsschule zu Stuttgart zuerst Juris⸗ prudenz, dann Medizin und wurde 1780 Regi⸗ mentsmedicus. 1777 begann er seine„Räuber“ zu schreiben, die 1781 erschienen; 1782 folgte „Fiesko“. Um den unleidlichen Verhältnissen zu entrinnen, verließ er 1782 im September Stuttgart heimlich, lebte bis Juli 1783 zu Bauerbach bei Meiningen auf dem Gute der Frau von Wolzogen und dichtete hier sein drittes Drama„Kabale und Liebe“. Darauf ging er als Theaterdichter nach Mannheim, 1785 nach Leipzig, von dort zu seinem Freunde Körner nach Dresden, wo er den„Don Carlos“ vollendete. 1787 siedelte er nach Weimar über. 1789 ward er zum Professor der Geschlchte in Jena ernannt, 1790 vermählte er sich mit Charlotte von Lengefed. 1793 bis 1794 weilte er in Heilbronn, Ludwigsburg und Stuttgart. Während seines Aufenthaltes in Jena trieb er hauptsächlich historische und philosophische Studien. Seit 1795, angeregt durch den Verkehr mit Goethe, wandte er sich wieder der Poesie zu:„Wallenstein“(1799),„Maria Stuart“(1800),„Jungfrau von Orleans“ (18070,„Braut von Messina“(1803),„Wilhelm Tell“(1804), 1799 siedelte er nach Weimar über, 1802 vom Kaiser„geadelt“. Nach seiner Reise nach Berlin(1804) ward seine nie ganz wieder hergestellte Gesundheit immer hinfälliger; er starb am 9. Mat 1805. Im Jahre 1827 wurden seine Gebeine in der Fürstengruft zu Weimar beigesetzt. Er hatte zwei Söhne: Karl und Ernst, zwei Töchter: Karoline und Emilie. Von letzterer, die seit 1828 mit dem bayr. Kammerherrn v. Gleichen⸗Rußwurm ver⸗
mählt sind noch Nachkommen am Leben. Schillers erster Sohn Karl starb 1857 als Oberförster
a. D. in Stuttgart; Ernst 1841 als preuß. Appel lationsgerichtsrat in Vilich bei Bonn.
Allerlei.
Hunger. Von Karl Ewald.
Er konnte das Feld nicht bestellen, konnte die Tiere des Waldes nicht jagen, den Fisch im Wasser nicht fangen und das Boot nicht über die Wogen lenken. Er konnte dem Felsen sein Erz nicht abgewinnen, konnte es nicht in der Esse schmieden und es nicht umsetzen durch Kauf und Verkauf.
„Gott hat mir einen reichen und seltenen Verstand gegeben“, sagte er.„Ich bin zum Studieren geboren.“
Und er kam auf die hohe Schule, wo die Gelehrten waren.
Da konnte er sich auf den schwierigen Pfaden des Rechts nicht durchfinden, hatte nicht den kühlen Kopf und das warme Herz des Arztes, nicht des Forschers Geduld, nicht des Lehrers Selbstverleugnung, nicht des Erfinders Scharf⸗ sinn, nicht des Staatsmannes Klugheit.
„Gott hat mich zum höchsten bestimmt“, sagte er.„Ich bin zum Priester geboren.“
Und er bekam eine kleine Pfründe.
Es predigte Selbstverteugnung denen, die kein Brot hatten, aber er seufzte, daß der Braten auf dem eigenen Tische so klein sei. Er sprach mit gefalteten Händen, es sei leichter, daß ein Kamel durch das Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme, aber er klagte, daß sein Beutel leer sei.
„Gott, der Herr will, daß ich mich um die fette Pfründe bewerbe, die in diesem Jahre zu besetzen ist,“ sagte er.„Er sei mir Sünder gnädig, daß ich es erst heute sehe. Ewig sei er gepriesen, daß ich seinen Willen vollende.“
Da bewarb er sich um die Pfründe und bekam sie.(„Jugend.“)
Humoristisches Der ewige Kommandant.
Es war einmal eine Festung Hoch ragend im deutschen Land, Die hatte zur höheren Ehre Auch einen Kommandant.
Die Veste ist längst zerfallen,
Kein Stein mehr sern und nah,
Der Kommandant aber lebt noch— Im Militär⸗Etat!
Aus dem Ruhrrevier. Zechenbesitzer: Die„Arbeitswilligkeit“ hat doch auch ihre Schattenfeite! Da provoziere und schikaniere ich meine Bergleute seit dem letzten Streik nun schon bis aufs äußerste— und die Ludersch arbeiten immer noch!„(Südd. Postillon.)
Keine Menschen. In einer Hotelpension kommt eine Gräfin mit dem Wirt in Streit.„Gnädige ver⸗ zeihen“, sagt der höfliche Mann,„aber ich muß für Ansprüche aller Art vorbereitet sein. Zu mir kommen so vie le Menschen....„Wir sind keine Menschen,“ schnaubt ihn die Gräfin entrüstet an.(Igd.)
Litterarisches
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