Ausgabe 
10.12.1905
 
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Nr. 50.

Mitteldeutsche Souutags⸗Zemung.

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Seite 7.

wenn ste artig waren, er sah sie langsam der Schule entwachsen und seinen ältesten Sohn das Alter erreichen, in welchem man einen Lebensberuf zu erwählen pflegt; er sah seine älteste Tochter, nachdem sie ein Examen ab⸗ gelegt hatte, eine Stellung suchen, wozu er seine Hilfe zwar versprach aber nicht gewährte; er sah, daß er immer tiefer in Schulden geriet; er sah, daß man ihm den Kredit verweigerte und doch blieb Werner ruhig auf dem alten Wege und schien immer mehr und mehr das zu sein, was seine Vorgesetzten in Bezug auf seine Ar⸗ beiten von ihm behaupteten: eine Maschine. Er war eine Maschine, die man jeden Morgen nach dem Bureau schickte, wo er seine Arbeit fortsetzte, und von wo er nach jedem Quartal mit der kleinen Summe nach Hause kam, mit welcher der Staat seine Zeit und seine Dienste bezahlte. Es war ein Glück, daß Frau Werner das schüchterne Mädchen nicht mehr war, als welches man ste in ihrer Jugend kannte. Wie aͤngstliche Kinder mutig werden, wenn sie andere Kinder bewachen müssen, so war Phine die mißlautende Verkürzung von Josephine nach und nach dahin gekommen, daß ste eigentlich das Haupt der Familie war und die Kinder fast alles ihr allein zu danken hatten. Sie war es denn auch, die darauf gedrungen hatte, daß endlich einmal eine Veränderung in das häusliche Leben kommen müsse und ob⸗ gleich der Abschied von der ältesten Tochter ihr vielen Kummer bereitete, durfte nicht länger damit gezögert werden. Der Hausherr und der Bäcker mit dem Schlächter hatte man schon längst gebrochen ließen sich durch keine Ver⸗ sprechungen mehr rühren; die Manufakturläden lieferten nichts mehr und der dritte Kleider⸗ macher hatte der Kundschaft bereits aufgesagt; was man beim Krämer schuldig war, vergegen⸗ wärtigte eine halbe Schiffsladung, aber Tauber⸗ mann war langmütig; Keller und Leinenschrank waren ausgeräumt, selbst der Schuhmacher hatte das Haus aufgegeben und das kleine Dienst mädchen wartete seid neun Wochen auf ihren Lohn. Wenn das arme Ding nicht ein schlimmes Auge gehabt hätte, würde sie gewiz

längst einen anderen Dienst gesucht haben, aber so fuhr sie fort, die Treppe zu der Werner'schen Wohnung auf und abzusteigen und je län er ste auf Geld warten mußte, um so lauter schtenen ihre Pantoffeln zu klappern, wie das Echo des Gewissens der guten Frau Werner.

Aber trotz ihrer Pläne, daß etwas für die Familie geschehen müsse, konnte Werners Gattin nicht vergessen, daß sie die Frau eines Beamten war und es kränkte sie tief, daß Malvine eine Stellung bei einer Familie annehmen sollte, die im Rang unter ihr stand und dieser Ge⸗ danke machte ihr fast mehr Sorge, als die Aussicht auf eine Trennung, worauf ste sich seit lange vorbereitet hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Splitter. Grundsatz.

Wer nicht arbeitet, darf wohl essen, wenn ich ihm etwas zu essen schenken will; aber er hat keinen rechtskräftigen Anspruch auf Essen. Er darf keines andern Kräfte für sich verwenden; ist keiner so gut, es frei⸗ willig für ihn zu tun, so wied er seine eigenen Kräfte anwenden müssen, um sich etwas auf⸗ zusuchen oder zuzubereiten, oder Hungers sterben, und das von Rechts wegen.

*

Man kann der Wahrheit sehr nahe kommen und dann sich stets im Kreise um sie herum

bewegen. **

* Zeigt den Hausgenossen Würde: Euren Frauen leid gesprächig, Gegen Fremde seid bescheiden, Gegen euch und eure Kinder U nachgebend streng und fest. Herder.

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Widerspruch.Na, so wacklig hab' ich den Schulmeister aber noch niemals nach Hause kommen sehen!Ja, wissen Sie, der ist heute fest angestellt worden! 8

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