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Begleiter mit ruhiger Zuversicht und dem ge⸗
Nr. 19.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeuung.
Seite 7.
Ein Glückspilz. Erzählung von Robert Schweichel. 2(Schluß.)
Am nächsten Sonntage fuhr Otto Nach⸗ mittags auf seinem Rade nach der Villa hinaus. Rosalie mußte schon auf ihn gewartet haben, denn sie erschien in der Haustür, wie er durch das Straßengitter hereinkam und sein Rad an die Wand lehnte. Ihr Aussehen erschreckte ihn, so bleich und vergrämt war sie, und kaum, daß er fragte, was sie habe, als sie in Tränen ausbrechend ihm um den Hals fiel und klagte: „Ach Otto, es ist Alles aus!“
„Mut, Mut, liebes Herz,“ versuchte er sie zu trösten, nachdem sie ihm den von der Mutter erfahrenen Widerstand des Vaters gegen ihre Liebe mitgeteilt hatte.„Ist Dein Vater nicht willig, so brauch ich Gewalt. Jetzt gleich laufen wir Sturm auf ihn und Pardon wird nicht gegeben.“ Er faßte ihre Hand und zog ste mit sich nach der Veranda, die auf der Rückseite des Hauses lag und von der einige breite Stufen in den Garten hinunter führten. Hier, auf der Veranda saß der Onkel ganz so, wie er sich in seinem Zukunftstraum gesehen hatte: in Schlaf⸗ rock und Pantoffeln und die Zigarre im Munde bei dem Nachmittagskaffee. Nur eines fehlte, und zwar die Hauptsache: das erträumte Be⸗ hagen. Ueber die Weiber, daß sie keine Ver⸗ nunft annehmen wollten! Seit der Unterredung mit seiner Frau am Abend ihrer Ankunft sah er nur noch Gesichter, die ihm gar nicht gefielen; seine sonst so muntere Frau war ernst, einsilbig, kalt, und seine Tochter trübsinnig, bleich und hatte verweinte Augen.
Da stiegen Otto und Röschen Hand in Hand die Stufen zur Veranda hinauf; ste in roter Verlegenheit mit niedergeschlagenen Augen, ihr
wohnten, etwas spöttischen Lächeln.„Guten Tag, Onkel, guten Tag, Tantchen,“ grüßt er. „Na, wie ich sehe, gefällt's Euch gut auf dem Lande. Ja? Und da will ich Euch denn auch gleich meine Braut vorstellen. Ihr werdet ja gegen die Partie nichts einzuwenden haben, denk' ich.“
„Bist verrückt?“ schnob der Onkel, der wie eine Bildsäule dagesessen hatte.
„Wieso Onkel?“ fragte Otto ruhig und hielt die Hand des Mädchens, die an die Brust der erschreckten Mutter flüchten wollte, fest.„Ich finde, daß es eine sehr gute Partie ist. Wir lieben uns und von Deinem Gelde, Onkel, be⸗
gehren wir keinen Heller.“
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„Ha, ha, ha!“ gurgelte der Onkel und wurde im Gesicht blaurot.„Da Du mir denn die Ehre antust, mein Schwiegersohn werden zu wollen, so will ich Dir denn auch gleich sagen, daß ich dafür danke. Einem Sozialdemokraten geb' ich mein Kind nicht, niemals!“
„Und warum nicht, Onkel? Sind wir etwa schlechtere Menschen, als Ihr Reaktionäre? Um⸗ gekehrt wird ein Schuh daraus. Wir Sozial⸗ demokraten wollen nichts für uns selbst, Alles, was wir erstreben, soll der ganzen Menschheit zu Gute kommen. Ihr Reaktionäre wollt alles für Euch selbst. Ich, ich ich! schreit Eure Selbstsucht, und je mehr Ihr habt, je mehr wollt Ihr. Ob die ganze Menschheit darüber zu Grunde geht, Euch ist's Wurst.“
Der Onkel herrschte ihn an, er solle den Mund halten. Der Neffe aber rief mit blitz⸗ enden Augen:„Widerlege mich, wenn Du es kannst. Es ist heute vielleicht zum ersten Male, daß Du die Wahrheit zu hören bekommst. Ich fürchte mich nicht vor Dir. Bilde Du Dir nur nicht ein, daß Du Dein Kind liebst. Du denkst nur daran, auch aus ihm Deinen Vorteil heraus⸗ zuschlagen. Dein Herz ist ein Geldsack. Du siehst, daß die Rosa unglücklich ist, daß sie über Deine Härte Tag und Nacht weint, und die Tante auch. Aber was kümmert Dich das? Und es würde Dich nur ein Wörtlein kosten, um sie, die Tante, mich und Dich selbst glücklich zu machen. Sei kein Barbar, Onkel, sei einmal in Mensch und wir Alle werden Dich auf Händen tragen. Ach, soll das ein Leben werden!“
Er hielt dem Onkel die Hand hin, Rosa, die wieder zu weinen angefangen, warf sich an des Vaters Hals, die Mutter streichelte von der anderen Seite seinen Arm und bat:„Gieb nach, Gustav!“ Rosa schluchzte: O, Papa, ich hab' Dich ja so lieb!“ Der Alte wiegte sich hin und her, um sich von den Armen der Tochter zu befreien. Er sah alle Drei an, zuckte die Achseln, pu stete, schnaufte und endlich gurgelte er:„Na ja! Laßt mich nur los! Zum Donner⸗ wetter, ja!“
Die Tochter erstickte ihn fast mit ihren Küssen; dann küßte ihn seine Frau. Otto rief: „Hurra, der Onkel soll leben,“ worauf er ihn ebenfalls küßte. Dann warf sich Röschen jubelnd in die Arme des Geliebten und dann lachten ste Alle und der Papa schmunzelte. Und als später der Mond über den Kiefern und Fichten heraufkam und sie alle vergnügt um den Tisch herum sitzen und den Goldenen Wein in den Gläsern blinken sah, da schmunzelte auch sein
Vollgesicht, wie vorhin das des Bäckermeisters a. D. Nur war dieses jetzt rot, sehr rot.
So hatte denn Otto Lebrecht die Festung im Sturme glücklich eingenommen, und wenn der Rentier Gustav Adersen, da er auf der weiten Welt gar rein nichts zu tun hatte und zu schwerfällig war, ur sich tüchtig Bewegung zu machen, das ländliche Idyll nicht gar bald satt bekam und sich scheußlich langweilte, so hatte er es nur dem Humor und der Heiter⸗ keit des jungen Ehepaares zu danken, das im oberen Stock der Villa sein Nest baute.—
Humoristisches.
Der Prinz. Jetzt habe ich schon wieder den Befehl vergessen, ich kann mir das Zeug nicht merken. Schad nischt. In sechs Jahren kommandiere ich doch'ne Brigade.
Frech. Schusterlehrling(der von seinem Meister geohrfeigt worden ist):„Meester, wenn Ihre Stiebeln so säßen wie Ihre Maulschellen, dann wären Se, gloob' ich, bald'n gemachter Mann.“
Litterarisches
Das Maifest der Sozialistischen Monats⸗ hefte ist dem in wenigen Wochen zusammentreten den Gewerkschaftskongresse gewidmet. Aus seinem Inhalt seien folgende Artikel hervorgehoben: Karl Legien: In Köln am Rhein.— Adolph von Elm: Gewerkschaften und Genossenschasten.— Otto Hue: Zur Geschichte der christlichen Gewerkvereine.— Max Schippel: Bergarbeiter und preußischer Landtag. — Eduard Bernstein: Gewerkschaftswesen und so⸗ ztale Auslese.— Theodor Leipart: Die Gewerk⸗
schaften und die Maifeier.— Johannes Timm: Zur Konferenz der Arbeitersekretäre.— Robert Schmidt: Der Streit um die Rente.— Alwin
Körsten: Ist Akkordarbeit Dienst⸗ oder Werkvertrag. — Gustav Link: Die Aufgaben der Gewerkschafts⸗ kartelle und ihre Begrenzung.— Ernst D einhardt: Gewerkschaftliche Unterrichtskurse.— Em ma Ihrer: Die proletarische Frau und die Berufstätig keit.— Johannes Schlaf: Die Feldarbeiter.—& duard Reynolds Pease: Henry Broadhurst. Das Leben eines Gewerkschaftsführers.
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