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Nr. 32.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeuung.
Seite 7.
„Und wenn sie ihrer beburstig ut, dann kann man ihr ja das Häuschen verkaufen. So viel wird dabet herauskommen, daß man die Frau, ohne der Gemeinde eine neue Steuer auflegen zu müssen, erhalten kann. Was meint Ihr?“ wußte nun noch einer zu sagen.
Nach einigem Hin⸗ und Herreden wurde der Beschluß gefaßt, die Witwe Lisbeth Faden⸗ schneider solle, falls sie sich in wirklich traurigen Verhältnissen befinde, ein schriftliches Gesuch um Unterstützung an den Gemeinderat einreichen. Das Weitere soll dann später besprochen und beschlossen werden.
Die Lisbeth Fadenschneider bekam diesen Gemeinderatsbeschluß schriftlich zugestellt. Fürs erste konute ste nun nicht lesen, und als ihr eine Nachbarsfrau das Schriftstück plausibel gemacht hatte, da konnte sie nicht schreiben. Sie rief sich deshalb, als sie noch ein paar Tage ge⸗ hungert hatte, einen oft an ihrem Häuschen vorbeigehenden Gertchtsvollzieher in die Stube. Der schrieb ihr in säuberlicher stracker Schreib- gehilfenschrift auf einen Bogen Kanzleipapter folgendes:
„Untertänigste Promemoria der Witwe Elisa⸗ beth Fadenschneider an den hochlöblichen Ge⸗ meinderat in Talkirchen.
Ich bin siebzig Jahre alt und es fehlt mir an jeglicher Substanz. Sechs Kinder habe ich, die haben nichts; ein Häuschen habe ich, das trägt nichts, deswegen ich demütigst suppliciere um Suspension seitens des hochlöblichen Ge⸗
meinderats. A 4.15 Statt des Namens.
Der hochlöbliche Gemeinderat kraute stch in den Haaren. Der Bürgermeister gab jedem das Schriftstück der Reihe nach in die Hand, denn er fürchtete sich, die vier sonderbaren Worte auszusprechen. Als alle gelesen hatten, fragte er:„Nun, Ihr Männer, was ist Eure Antwort auf dieses— Christtan, Du hast's ja noch in der Hand, les' einmal die Ueberschrift.“
Der Schippelrunde reichte dem Bürgermeister das Schreiben hin:„So weit reicht meine Ge⸗ scheithett nicht,“ sagte er,„da wird wohl schon ein Gescheiterer hermüssen.“
„Das Weibsbild, das unglückliche!“ rief das Ortsoberhaupt.„Jetzt macht sie's gar noch französisch. Wer ihr nur den Wisch auf⸗ gesetzt hat. Wissen möcht' ichs. Jetzt sind wir so fang wie zuvor— oder hat's einer be— griffen?“
Die Männer schwenkten die Mützen.
„Wer ihr wohl den Zettel aufgesetzt hat, der Schullehrer vielleicht?“
Einer der Gemeinderäte kannte die Hand⸗ schrift des Gerichtsvollziehers, aber er hielt den Mund. Denn wer wird auch sagen, daß er die Pfote des Gerichts vollziehers kennt!
„Wenn man nur wüßte, ob sie was will, oder ob sie nichts will, die Lisbeth? So weiß man aber gar nichts. Was fangen wir nun an?“ fragte der Bürgermeister.
„Geben wir das Schreibwerk einem Stu— dierten,“ empfahl einer.
„Um Himmelswillen! Wir werden ausge⸗ lacht, wenn wir unsere Unkenntnis an den Tag legen. Wir müssen's anders anfangen.“
„Ich wüßte was,“ sagte Bäbbler.„Da haben wir einen Buben daheim, der geht in die Schul'. Wenn man dem einen Zettel mitgeben würde, auf dem die vier Worte geschrieben ständen— der Schullehrer könnte die Geschichte vielleicht verdeutschen.“
Der Vorschlag fand Anklang. Der Ge⸗ meinderat Bäbbler trug die Weisheit des Ge⸗ richtsvollziehers in der Tasche heim, und sein Enkelkind fragte den Schullehrer, ob er ihm nicht die Worte verdeutschen wolle?
Die Amtssprache hatte der Schullehrer auch nicht studiert: er ging deshalb zum Pfarrer. Dieser sah in einem Fremdwörterbuch nach und übersetzte glücklich: Merkzettel, Wesen, beantragen, einstweilige Amtsentsetzung. g
Dem in der Amtssprache ebenfalls nicht kapitelfesten Gerichtsvollzieher war es passiert, daß er statt Subsistenz— Substanz und statt Sustentation— Suspension geschrieben hatte.
Als dem Gemeinderat dermaßen der Sinn der merkwürdigen Eingabe klar gemacht worden war, geriet er fürchterlich in Aufregung. Also
— die alte ungerleider'n wollte man unter⸗ stützen, und statt das gütige Vorhaben dankbar anzunehmen, macht sie sich über den Ortsvor⸗ stand lustig.„Wart' nur, alte Hexe, das soll Dir eingetränkt werden!“ schrien die Männer. Und sie erbosten sich dermaßen, daß sie allso⸗ gleich eine Beschwerdeschrift an das Gericht aufsetzten, in welcher sie die alte Lisbeth der Beleidigung beschuldigten.
Die Antwort des Gerichts wirkte etwas sehr abkühlend auf die erhitzten Gemüter der wohl⸗ weisen Väter von Talkirchen. Ein findiger Amtsschreiber hatte die Fehler der streitigen Eingabe der„Petentin“ korrigiert und gleich eine verbesserte und verdeutschte Abschrift der⸗ selben mitgeschickt.
Die Herren Gemeinderäte zogen die Köpfe ein und schämten sich. Die Lisbeth Faden⸗ schneider aber war inzwischen sachte des Todes verblichen. Die sechs Männer, die sie auf den Kirchhof trugen, sagten, daß sie noch nie eine leichtere Leiche getragen hätten.
Allerlei. Winke für Obstesser.
Wie alle Samen, so enthalten auch alle Früchte ihre nahrhaftesten und schmackhaftesten Bestandteile, die Nährsalze und das für den Aufbau des Körpers und die Blutbildung so wichtige Eisen, dicht unter der Schale gelagert. Deshalb ist es unzweckmäßig, das Obst zu schälen. Man esse es vielmehr, um ihres vollen Wohlgeschmacks und Nährwerts teilhaftig zu werden, mit der Schale, deren Oberfläche durch wiederholtes eintauchen in Wasser und nachheriges Abreiben mit einem Tuch von etwa darauf gelangten Verunreinigungen, wie Staub und Bakterien aller Art, gesäubert werden kann. Trauben und kleinere Früchte können durch Schwenken in Wasser von etwa anhaf⸗ tenden Schmutzteilen gereinigt werden. Damit genügt man den Forderungen der Reinlichkeit, ohne gegen die Zweckmäßigkeit zu verstoßen. Allerdings soll man die Säuberung der Früchte erst kurz bevor man sie genießt, vornehmen, weil die allzu lange feucht gehaltenenen Früchte leicht unansehnlich oder gar schimmlich werden.
Mütter und Pflegerinnen kleiner Kinder
sollben folgende zehn Mahnungen beherzigen, dann werden ihre kleinen Kinder auch im heißen Sommer gesund bleiben: 1. Die beste, gesündeste Nahrung für den Säugling ist die Mutter⸗ milch, darum sollte jede Frau ihr kleines Kind slillen. 2. Reicht ihre Milch nicht aus, so sollte sie wenigstens teilweise stillen; feder Tropfen Muttermilch ist wertvoll für das Kind. 3. Muß ein Säugling künstlich ernährt werden, so soll er nur Kuhmilch bekommen. 4. Die Kuh⸗ milch wuß im Sommer ganz besonders sorg— fältig behandelt werden, damit sie nicht ver⸗ dirbt und das Kind krank macht. 5. Die Milch muß gleich, wenn sie im Hause ist, in einem sauberen Topf aufgekocht werden; nach dem Kochen muß sie sofort im fließenden Wasser so lange gekühlt werden, bis der Milchtopf ganz kalt ist; dann wird der Milchtopf zugedeckt und in kaltes Wasser gestellt. Erst bevor das Kind trinken soll, wird die Milch in der Trinkflasche erwärmt. 6. Gleich nach dem Trinken muß die Flasche ganz sauber gewaschen werden; der Sauger muß auch gewaschen und in reines Wasser gelegt werden. 7. Sauberkeit und kühle Aufbewahrung sind also die wichtigsten Mittel, um die Milch gut zu erhalten. 8. Eine Mutter oder Pflegerin, die mit der Kindermilch im Sommer nachlässig umgeht, ist selbst schuld, wenn die Milch verdirbt und wenn dann das Kind an Brechdurchfall erkrankt und stirbt. 9. Sobald ein Kind an Erbrechen oder Diarr⸗ hoe erkrankt, darf es keine Milch mehr bekommen, sondern nur Tee und gekochtes Wasser und muß sofort zum Arzt gebracht werden; eine Ver⸗ zögerung kann den Tod des Kindes herbeiführen. 10. Der Brech durchfall im Sommer ist lebens⸗ gefährlich für kleine Kinder; er kann vermieden werden, wenn die Mütter und Pflegerinnen die obigen Mahnungen beherzigen.
Splitter.
Der unbedingte Verbrauch ist vielmehr der Endzweck, die Krone und Vollendung der Pro⸗ duktion, und weise Konsumtion ist eine viel schwierigere Kunst, als weise Produktion.
John Ruskin. 1 1*
Nichts erbittert die Menschen mehr, als
wenn man ihre Bosheit nicht spürt.
Hermann Bahr. **
*
Einer der seltensten Glücksfälle, die uns werden können, ist die Gelegenheit zu einer gut angewendeten Wohltat.
M. v. Ebner⸗Eichenbach. *
*
* Wo hört die Heimat auf? Wo fängt die Fremde an? Es liegt daran, wie weit Das Herz ist aufgetan.
Humoristisches.
Cordiales aus Oldenburg. Assessor: Aeh— äh— Kellner! Könnten Sie mir nicht die 5 Mark, die ich Ihnen vorhin als Trinkgeld an den Kopf geschmissen habe, wieder pumpen? Habe sonst morgen früh nichts zum Frühstück!
Kapitalistenstandpunkt. Kommerzienrat: Unverschämtheit von den Arbeitern, sich über das Gruben⸗ unglück auf der„Borussta“ zu beklagen! Kerle sollten doch froh sein, wenn ihnen auf so bequeme Weise so eine Menge Konkurrenz vom Halse geschafft wird!
Südd. Postillon.
Versöhnung mit Frankreich.„Jetzt hamm ma koan Erbfeind aa nimma. Da müssen ja d' Vete⸗ ranaperein' mit G'walt z' Grund gehn!“
Literarisches.
„Die Hohenzollern Legende“ von Max Maurenbrecher. Diese reich illustrierte Kulturgeschichte des preußischen Staates ist nunmehr bis zum 15 Heft erschtenen. In diesem Heste führt der Verfasser eine Stelle aus Droysen an, die ein eigenartiges Licht auf die damaligen Zustände des Brandenburgischen Staates unter der Regierung des„Großen Kurfürsten“ wirft, zugleich aber auch treffend illustriert, wie der Adel den Staat zu berauben verstand. Es heißt da:
Diese„große Werbung“ ist das Jämmerlichste und Furchtbarste, was das Land im ganzen Kriege erlebt hat. 25000 Mann sollten zusammengebracht werden und wurden besoldet; aber nur 6000 waren wirklich vor⸗ handen.„Die 23 Obristen, ihre Leutnants und Haupt⸗ leute, fast durchgehend Brandenburger und preußische Edelleute, leisteten Unglaubliches in Betrügerei und Gaunerei bei der Werbung. Freilich noch ärger verstanden sie zu prellen und Gewinn zu machen, nachdem sie ihre Kompagnien und Regimenter bei ein⸗ ander hatten, Obrist von Kehrberg ließ sich für 1200 Mann Sold und Verpflegung anweisen und hatte nicht 80 unter den Fahnen. Des General von Klitzing Regiment sollte 2000 Mann und 600 Dragoner haben und war nicht 400 stark. Konrad von Burgsdorf hatte statt 2400 Mann nicht ganz 600.“(Droysen), und so geht es weiter, die Liste ist noch lange nicht erschöpfi. Wie furchtbar immer das Land gepreßt werden mußte, um den Sold für die Truppeu auch nur teilweise auf⸗ zubringen, wie unsagbar die Verarmung der Bürger und Bauern war, die großen Herren auf dem Lande halten doch auch jetzt noch mit dem Blute des Landes ihr Ge⸗ schäftchen gemacht. So rettete der Adel auf seine Weise den Staat.
Alle Parteigenossen sollten auf das Werk abonnier n In jeder Woche erscheint 1 Heft für 20 Pfg. das in jeder Parteibuchhandlung zu haben ist.
„Das neue Ausnahmegesetz gegen die Berg arbeiter“ ist der Titel des vierten Heftes der„Sozial⸗ demokratischen Agitations⸗ Bibliothek,, welches soeben bei der Buchhandlung Vorwärts, Berlin erschienen ist. Es ist eine aktenmäßige Schelderung des vom preußischen Klassenparla gent und vom Zentrum gegen die Bergarbeiter verübten Verrats. Die Broschüre enthält eine ausführliche Darstellung der früheren Ver⸗ hältnisse und der Versuche, die Verhältnisse der Berg⸗ arbeiter reichsgesetzlich zu regeln, eine Kritik der Regie- rungsvorlage den Wortlaut und eine eingehende Er⸗ läuterung des im Reichstage eingebrachten sozialdemo⸗ kratischen Gesetzentwurfes und endlich an der Hand der Preßäußerung den Verrat des Zentrums an den Berg⸗
arbeitern. Der Preis der Broschüre, die in aller Partei⸗ buchhandlungen erhältlich ist, beträgt 20 Pfg.


