Ausgabe 
6.8.1905
 
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Nr. 32.

Gießen, den 6. August 1905.

12. Jahrgang.

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Mitteldeutsche

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Sterblichkeit in Arbeiterkreisen.

Zu zwei Abhandlungen von Regierungsrat Knöpfel über hessische Sterblichkeits verhältnisse macht H. S. in der Frkftr. Ztg. folgende bedeutsame Anmerkungen:

Wenn ich die Bedeutung der Knöpfel'schen Abhandlung voll anerkenne, so kann ich dem Verfasser doch in einem wichtigen Punkt nicht zustimmen, nämlich in dem was er über die Ursachen des Unterschiedes in der Stadt⸗ und Landsterblichkeit sagt.(Kn. schreibt, die höhere Stadtsterblichkeit sei zum größten Teil bedingt durch die ungünstige Einwirkung des städtischen Berufs.) Wenn wirklich die indu⸗ strielle Arbeit Gesundheit und Leben mehr ge fährdet, als die land wirtschaftliche, dann wäre es doch höchst sonderbar, daß grade in dem Zeitraum(1863-1900), in dem die Indu striealisierung der Bevölkerung die größten Fortschritte gemacht hat, zugleich die auffal lendste Besserung der Sterblichkeits verhältnisse der Gesamtbevölkerung eintreten konnte(wie Kn. selbst nachweist). Dieser herrschenden Ansicht widersp richt auch das Ergebnis der zweiten Knöpfel'schen Ab

handlung, worin die Sterblichkeitsverhältnisse,

der Gemeinden Lampertheim und Neu. Isenburg miteinander verglichen werden(die industrielle Bevölkerung von Neu-Isenburg weist eine viel geringere Sterblichkeit auf, als die land wirtschaftliche von Lampertheim). Wir gehen sicher nicht fehl, wenn wir die Erklärung in den Einkommensverhältnissen suchen. Denu darüber sind sich heute doch wohl alle Nationalökonomen und alle Aerzte einig, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Bevölkerungsklassen auf die Sterblichkeit einen ungeheuern alle andern in Betracht kommenden Faktoren an Bedeutung weit überragenden Einfluß haben. Daher ist es durchaus not⸗ wendig für die Sterblichkeitsstatistik nicht nur nach Alter und Geschlecht und Stadt und Land zu differenzteren(unterscheiden), sondern auch nach den Einkommensverhältnissen, nach der Lebenshaltung der einzelnen Volksschichten. H. S. zeigt dann an Beispielen, daß diese

Unterscheidung möglich ist. Er führt dabei u. a. folgende interessante Zahlen aus Kopen⸗ hagen an: Im Alter von 35 45 Jahren starben dort jährlich(1865 1874) im Durch⸗ schnitt von tausend Männern:

1. der wohlhabenden Klassen 9

2. des Mittelstandes 10

3. der Arbeiterbevölkerung 19

Für das folgende Lebensjahrzehnt von 45

bis 55 Jahren stellen sich die Zahlen wie folgt:

1. in den wohlhabenden Klassen 16 2. im Mittelstand 17 3. bei den Arbeitern 36

Für das Alter von 55 65 Jahren:

1. bei den Wohlhabenden 317 2. im Mittelstand 37 3. bei den Arbeitern 64

H. S. fährt dann fort:Der Tod fordert also während der Zeit, in der der Einfluß der Berufstätigkeit sich naturgemäß am stärksten

eltend machen muß, im Alter von 3565 ahren von der Arbeiterbevölkerung noch ein⸗ mal so viel Opfer als vom Mittelstand und gar erst von den wohlhabenden Klassen, und

selbst noch in den höchsten Lebensjahren(über 65) besteht zwischen arm und reich noch ein gewaltiger Unterschied zu ungunsten der Armen.

Es werden dann die Unterschiede zwischen Stadt⸗ und Landsterblichkeit und zwischen der Sterblichkeit der wohlhabenden Klassen und der Arbeiterbevölkerung in Prozenten ausgerechnet und miteinander verglichen. Daraus ergibt sich, daß auf 100 Sterbefälle auf dem Lande 143 in der Stadt kommen. Freilich schon ein Unterschied! Aber wie unbedeutend ist er gegen⸗ über dem andern: Auf 100 Todesfälle in den wohlhabenden Klassen kommen 224 bei den minderbemittelten. Gegen frühere Zeiten be⸗ deutet diese Zahl noch einen Fortschritt, eine Besserung:Dies ist die von Caprivi gewollte und vorausgesagte Wirkung seiner Handels⸗ verträge.Die durch die neuen Han⸗ delsverträge in Aussicht stehende Verschlechterung der Lebensbverhält⸗ nisse wird die Sterblichkeits-Unter⸗ schiede zwischen den untern und obern Einkommensteuerstufen noch vergrößern.(Das sind die Erfolge, zu denen Fürst Bülow gratuliert bekommt!) Eine genaue Aufhellung dieses Gebietes würde hoffentlich dazu beitragen, das soziale Gewissen der Nation zu schärfen!

Ob diese Hoffnung des Arttkelschreibers sich erfüllen wird? Man wird es uns gewiß nicht verdenken können, wenn wir uns auf sie jeden⸗ falls nicht verlassen. Zu breit macht sich in unsern Tagen das moralisch so rasch befriedigte Philisterrum mit dem Reichskanzler an der Spitze. Wie klein war das Häuflein der Bürgerlichen, das in den Zolltarifdebatten fest blieb! Wie lächerlich schwer hält es den Liberalen, die Vorurteile zu überwinden, die sie trennen und ohnmächtig machen! Wie schreitet dagegen umgekehrt die Zusammen koppelung derStaatserhaltenden, derGut gesinnten überall mächtig fort, deren ganze tiefgründige Einigkeit und politische Weisheit in derErkenntnis liegt, daß man in der Sozialdemokratie den gemeinsamen Feind zu bekämpfen habe! Der Kampf des bequemen denkträgen Alten gegen die Zukunft!

Nein, wir wollen lieber nicht darauf warten, bis ihnen die Erleuchtung kommt, bis ihnen das Herz gerührt wird von der großen sozialen Not! Wir setzen auf euch unsre Hoffnungen, Arbeiter und Arbeiterinnen, auf euer Verständnis, auf euer Gefühl der Zusammengehörigkeit. Was euch diese Zahlen lehren, es ist ja nichts Neues für euch. Geahnt, gefühlt, gewußt habt ihr's ja läugst. Aber ste machen's euch deutlicher, sichtbarer noch als das Gefühl: daß ihr gradezu für euer Leben kämpft, wenn ihr dieser Zollpolitik von heute, diesem indirekten Steuerwesen, dieser gedanken⸗ und herzlosen Spießbürgersattheit den Krieg erklärt. Denkt an eure eigne Zukunft und, ihr Mütter, denkt an die Zukunft eurer Kinder! Wollt ihr euch uns in den Weg stellen, wenn wir um bessre Lebensbedingungen für euch ringen? Wenn wir euer Leben und eurer Kinder Leben um Jahre und Jahrzehnte zu verlängern streben? Wenn wir euch dieses Leben auch nach Möglichkeit lebenswert zu machen wünschten? Oder wollt ihr auch nur untätig bei Seite stehen, da es sich um euer J Dasein handelt? Was aber könnt ihr, was

wollt ihr an all den Mißverhältnissen ändern und bessern, wenn ihr euch nicht stark macht durch Einigkeit? Ihr habt ja sonst nichts, ihr seid in allem den herrschenden Klassen uater⸗ legen, ihr habt nicht ihr Geld, nicht ihre Schulbildung, nicht ihr Ansehen, nicht ihre Zeit, nicht einmal die Länge ihres Lebens! Was also wollt ihr gegen sie, wenn ihr nicht das einzige aufbietet, worin ihr ihnen gewachsen seid: eure Zahl? Nur wenn wir ste aufbieten können, das ganze Heer der Werktätigen, der Unterdrückten in den Fabriken wie auf den Aeckern draußen, nur wenn euer aller Fäuste vereint an die Tore des Lebens donnern, nur dann gibt es für euch, für eure Kinder, für euern Stand eige Hoffnung auf die Zukunft! Darum seid Schmiede eures Schicksals! Hinein in die Partei des arbeitenden Volkes, in die Gewerkschaften, in die Genossenschaften, in die große Arbeiterbewegung eurer Zeit hinein in den Kampf um's Dasein! K. Wbr.

Politische Rundschau.

Gießen, den 3. August 1905.

Politisches von der Woche.

Das reinste Aussperrungsfieber scheint das Unternehmertum ergriffen zu haben. An allen Enden Aussperrungen! Die Diffe⸗ renzen im rheinisch-westfälischen Baugewerbe sind noch nicht beigelegt und schon hat sich in der Textiliudustrie im Vogtlande und Thüringen ein neuer Kampf entsponnen. Die Färber in Glauchau und Merane verlangten eine kleine Aufbesserung ihrer erbärmlichen Löhne, doch machten die Arbeitgeber nur lächerliche gering fügige Zugeständnisse. Mit diesen Vorschlägen erklärte sich eine große Versammlung der Aus⸗ ständigen in»Keerane nicht einverstanden, worauf der sächstsch⸗thüringische Färbereiverband am Montag 12000 Arbeiter aussperrte. Ende der Woche dürfte sich die Zahl der Aus- gesperrten auf 30000 belaufen. In Bres⸗ lau wurden am Dienstag in 14 Fabriken die Metall⸗ und Eisendreher ausgesperrt. Bis 9. August wurde die Aussperrung sämtlicher Metallarbeiter angedroht. Auch in Erfurt wurden Metallarbeiter ausgesperrt. Ange⸗ sichts dieser vielen und schweren Kämpfe muß die Arbeiterschaft auf dem Posten sein und ihre Organisationen ausbauen und widerstands⸗ fähig gestalten!

Freisinnige Gesinnungslumperet schlimmster Sorte spricht aus einem Dank⸗ schreiben, das der Vorstand des Frei⸗ innigen Vereins in Fürth an den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozial⸗ demokratie gerichtet hat. Darin wird dem Sozialistenvernichtungs-Verbande und seinen Agitatoren, also käuflichen Subjekten, wärmster Dank und Anerkennung ausgesprochen! Schlimmer kann der Freistun nicht mehr auf den Hund kommen! Uebrigens, wenn dieser sogenannte Reichsverband überall mit dem Erfolge wie in Fürth⸗Erlangen arbeitet, wo unsere Stimmenzahl eine bedeutende Steige⸗ rung, die bürgerliche dagegen Rückgang auf⸗ weist, dann kann ihm unsere Partei bald Dankschreiben schicken.

Die Landtagswahlen in Baden sind auf den 19. Oktober festgesetzt. Unsere Partei⸗