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Nr. 23.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeuung.
Seite 7.
„Dein Trunk hat mir wohlgetan!“ sagte ich.„Wir müssen bekannter werden.“
Er schlug Feuer, seine Pfeife zu zünden.
„Treibst du das Handwerk schon lange?“ f 17 sah mich fest an.„Was willst du damit agen?“
War das schon oft blutig?“ Ich zog das Messer aus seinem Gürtel.
„Wer bist du?“ sagte er schrecklich, und legte die Pfeife von sich.
„Ein Mörder, wie du— aber erst ein Anfänger.“
Der Mensch sah mich steif an und nahm seine Pfeife wieder.
„Du bist nicht hier zu Hause?“ sagte er endlich.
„Drei Meilen von hier. Der Sonnenwirt in L.. wenn du von ihm gehört hast.“
Der Mann sprang anf, wie ein Besessener. „Der Wildschütze Wolf?“ schrie er hastig.
„Der Nämliche.“
„Willkommen, Kamerad, Willkommen!“ rief er und schüttelte mir kräftig die Hände.„Das ist brav, daß ich dich endlich habe, Sonnenwirt! Jahr und Tag schon sinn ich darauf, dich zu kriegen. Ich kenne dich recht gut. Ich weiß um alles. Ich habe lang auf dich gerechnet.“
„Auf mich gerechnet? Wozu denn?“
„Die ganze Gegend ist voll von dir. Du hast Feinde, ein Amtmann hat dich gedrückt, Wolf! Man hat dich zu Grunde gerichtet, himmelschreiend ist man mit dir umgegangen.“
Der Mann wurde hitzig—„Weil du ein paar Schweine geschossen hast, die der Fürst auf unsern Aeckern und Feldern füttert, haben sie dich Jahre lang im Zuchthaus und auf der Festung herumgezogen, haben sie dich um Haus und Wirtschaft bestohlen, haben sie dich zum Bettler gemacht. Ist es dahin gekommen, Bruder, daß der Mensch nicht mehr gelten soll, als ein Hase? Sind wir nicht besser als das Vieh auf dem Felde?— Und ein Kerl wie du, konnte das dulden?“
„Konnt ichs ändern?“
„Das werden wir ja wohl sehen. Aber sage mir doch, woher kömmst dn denn jetzt und was führst du im Schilde?“
Ich erzählte ihm meine ganze Geschichte. Der Mann, ohne abzuwarten, bis ich zu Ende war, sprang mit froher Ungeduld auf, und mich zog er nach.„Komm, Bruder Sonnenwirt,“ sagte er,„jetzt bist du reif, jetzt hab ich dich, wo ich dich brauchte. Ich werde Ehre mit dir einlegen. Folge mir!“
„Wo willst du mich hinführen?“
„Frage nicht lange. Folge!“— Er schleppte mich mit Gewalt fort.
Wir waren eine kleine Viertelmeile gegangen. Der Wald wurde immer abschüssiger, unweg⸗ samer und wilder, keiner von uns sprach ein Wort, bis mich endlich die Pfeife meines Führers aus meinen Betrachtungen aufschreckte. Ich schlug die Augen auf, wir standen am schroffen Absturz eines Felsen, der sich in eine tiefe Kluft hinunterbückte. Eine zweite Pfeife antwortete aus dem innersten Bauche des Felsen. und eine Leiter kam, wie von selbst, langsam aus der Tiefe gestiegen. Mein Führer kletterte zuerst hinunter, mich hieß er warten, bis er wieder käme.„Erst muß ich den Hund an Ketten legen lassen,“ setzte er hinzu,„du bist hier fremd, die Bestie würde dich zerreißen.“ Damit
ging er. (Fortsetzung folgt.)
Rückgratsverkrümmungen der Schulkinder.
Die Rückgratsverkrümmung ist eine der häufigsten gesundheitlichen Schädigungen, die wir an Kindern beobachten. Im allgemeinen macht man sich keine rechte Vorstellung von ihrer Verbreitung; es ist deshalb nötig, einige Zahlen anzuführen. Dr. Eduard Quirsfeld in Rumburg, der im Verlaufe von mehreren Jahren nahezu 8000 Schulkinder sehr genau Untersucht hat, macht folgende Angaben: beim Schulantritt hatten nur 63,85 Prozent der Knaben und 67,92 Prozent der Mädchen eine
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— 6F77CFFFCFCPCPPTCT(TWTTT7TTT—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—... normale Wirbelsäule; alle anderen waren mehr oder weniger schief gewachsen.
Nun weiß man seit langer Zeit, daß die Hauptursache der Wirbelsäulenverkrümmung in einer allgemeinen Schwäche des Körpers zu suchen ist. Aber die außerordentliche Häufigkeit dieser Lageveränderung der Wirbelsäule drängt doch immer wieder zur Untersuchung der Frage, ob nicht auch noch andere Ursachen mitwirken. Das ist umso wahrscheinlicher, als sich heraus⸗ gestellt hat, daß neben muskelschwachen Mädchen gerade die muskelstarken Knaben sehr oft unter Skoliose e leiden. Dazu bemerkt Dr. Quirsfeld erklärend, daß jeder Arzt die Beobachtung machen könne, wie die Pflegepersonen alle schwachen Kinder, aber auch gerade die muskelkräftigen Knaben ausschließlich auf dem linken Arme tragen, um sich die rechte Hand zur Arbeit freizuhalten; das Kind liegt dann in der Regel mit seinem Kopfe auf der Brust der Pflegeperson und sein Körper beschreibt nach außen einen leichten Bogen. Dieses stete Tragen der Kinder auf einem Arme ist die Ursache vieler Fälle von Skoliose.„Es genügt nicht, zu sagen, das Knochengerüst des Kindes ist zu schwach, daher müssen Skoliosen ent⸗ stehen. Hier wird entschieden Ursache und Wirkung verwechselt: Besserung der sozialen Verhältnisse, Inslebenrufen von Krippen in allen größeren Orten, Belehrung der Bevölkerung über Kindererziehung und Kinderernährung— und die Skoliose ist zur Seltenheit gemacht!“
Gegen diese Darlegungen wird sich nichts ein⸗ wenden lassen; sie stimmen durchaus mit denen anderer Aerzte überein. Aber Dr. Quirsfeld vergißt, wie alle anderen Gelehrten, die sich mit der Frage beschäftigt haben, auf einen Punkt besonders aufmerksam zu machen, das ist auf die Art und Beschaffenheit der nächtlichen Lagerstätten der Kinder. Hätte jedes Kind, wie es aus hygienischen und sittlichen Gründen durchaus zu verlangen wäre, seine eigene Lager: stätte, als die nur ein ordentlich zusammenge⸗ setztes und gemachtes Bett angesehen werden kann, dann würde die Rückgratsverkrümmung zweifellos viel seltener auftreten. Aber wie steht es damit? Der Stuttgarter Stadtarzt Dr. Gastpar hat im Auftrage des Gemeinde⸗ rats eine Enquete aufgenommen, die sich auch auf die häuslichen Verhältnisse der Volksschul⸗ kinder bezog. Dabei wurde festgestellt, daß 3,6 Prozent der untersuchten Kinder überhaupt nicht in Betten schliefen, sondern sonstwo in der Wohnung, meist auf dem„Sofa“. Nicht einmal die Hälfte der Kinder hatte ein eigenes Bett: 5,9 Prozent schliefen bet den Eltern im Bett, 40,6 Prozent schliefen mit Geschwistern gleichen Geschlechts, 6 Prozent mit Geschwistern anderen Geschlechts zusammen. Fast ein ganzes Prozent der Kinder schlief bei fremden Personen des gleichen Geschlechts! Da auch noch wenigstens ein Drittel sämtlicher Kinder in überfüllten Räumen nächtigen muß, so kann man sich nicht wundern, daß nur 15,7 Prozent allen Anforde⸗ rungen in gesundheitlicher Beziehung entsprachen, während die anderen 84,3 Prozent irgend einen gesundheitlichen Schaden hatten! Unter diesen Schäden steht die Rhachitis mit 44,2 Prozent obenan; bei diesen rhachitischen Kindern ist die Gefahr der Rückgratsverkrümmung ohne Weiteres gegeben.
Die schauerlichen Wohnungsverhältnisse des Proletariats verwüsten geradezu die Gesundheit des her anwachsenden Geschlechtes. Sie nötigen es, die Nachtruhe in Formen zu suchen, die nicht dazu dienen können, den Körper natur⸗ gemäß zu entwickeln, sondern geradezu Miß⸗ bildungen herbeizuführen. Daher müssen wir immer und immer wieder auf Verbesserung im Wohnungswesen drängen.
Allerlei. Eine gemischte Familie.
In Eilendorf bei Aachen wird demnächst ein Brautpaar den Bund fürs Leben schließen, von dem Mann und Frau Kinder aus je drei Ehen mit in die neue Ehe bringen werden, da beide mehrfach verwitwet sind. Sollten dem verhältnismäßig noch jungen Paar auch noch
Kinder beschert werden, so wären in einem Haushalt nicht weniger als„siebenerlei“ Kinder
vorhanden, was gewiß nicht allzuoft vorkommen dürfte.
Ein interessantes Dokument aus dem Jahre 1848
gelangte jetzt durch eine Autographenversteige⸗ rung in einem Berliner Antiquariat zum ersten Mal an das Licht der Oeffentlichkeit. In einem umfangreichen Schriftstück zur Geschichte der Mission des Prinzen von Preußen, späteren Katsers Wilhelm J., nach England gibt der Historiker und Kampfgenosse Theodor Körner's, Hofrat Friedrich Förster einen eingehenden Be⸗ richt über die Szene, die sich in der Barrikaden⸗ nacht vom 18. zum 19. März 1848 zwischen König Friedrich Wilhelm IV. und seinem Bruder Wilhelm abgespielt hat. Förster teilt unter genauer Angabe seiner Gewährsmänner die auch schon anderweit bekannte Tatsache mit, daß der König den Befehl habe erteilen wollen, nicht länger auf das Volk schießen zu lassen, daß sich aber der Prinz diesem Befehl auf das Leidenschaftlichste widersetzt habe. Es wird dann wörtlich der erregte Wortwechsel ange⸗ führt, in dem die stärksten, kaum wiederzu⸗ gebenden Ausdrücke zwischen dem König und dem Prinzen fielen. Die Folge dieser Szene war die„Mission“ des Prinzen nach England. Es ist bekannt, daß der Prinz in jener Nacht seinem Bruder mit den Worten:„Unter Dir kann man nicht mehr mit Ehren dienen!“ den Degen vor die Füße geworfen hat.
Elende. „Elende“ nennt ihr uns— das rechte Wort! Das tönt in unsern Reihen grimmig fort; Es soll begleiten uns in allen Stunden, Das schöne Wort, das euer Haß gefunden.
Wir wollen es dem Mann der Arbeit sagen,
Wenn abends er nach Hause geht— zerschlagen;
Dem Greis, den auf das Pflaster ihr gesetzt
Und den der Hunger durch die Straßen hetzt.
Und jeder Mutter, die sich quält und schindet,
Weil sie kein Brot für ihre Kinder findet;
Dem Kinde selbst, das früh schon mit erwirbt
Und das durch euch verkümmert und verdirbt.
„Elende“ nennt uns euer guter Ton,
Doch nur euch selbst trifft euer ganzer Hohn:
Ihr mögt uns noch so sehr beschimpfen, hassen,
Ihr müßt euch doch von uns ernähren lassen! W. Cremer(W. Jakob).
Splitter. Der Furchtsame erschrickt vor der Gefahr, der Feige in ihr, der Mutige nach ihr. J. Paul.
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* Wir hoffen immer; und in allen Dingen Ist besser hoffen als verzweifeln; denn Wer kann das Mögliche berechnen? Goethe.
Humoristisches
Majestät.(Vorübergehender zu dem am Boden liegenden Betrunkenen, der ihn beschimpft):„Schimpfen Sie ruhig weiter, Männeken! Mich können Sie nicht beleldigen. Ste können höchstens noch eine Majestäts⸗ beieidigung begehen.“
Orientierung.„Du willst in den Himmel kommen und kennst nicht einmal die gebotenen Fasttage!“ —„Da feit se nix!'s ganze Jahr habe i a so nix als wia a Brot und a Wurscht z' Mittag! Aber wenn t beim Pfarrhof vorbei kimm und es riacht b'sonders fein, na woaß i's glei, daß Fasttag is, na kaf' i mir bloß an Kas.“
Die Kraft des Gebetes. Senator Harms hatte ein kurzes Bein und das vergällte ihm das Leben. Da kam eines Tages Frau Pape zu ihm und sagte, sie wolle ihn gesund beten für 20 Mark. Er gab ihr 50, weil sie ihm geeignet schien, denn sie hatte starke Kinn⸗ laden. Und Frau Pope betete. Dem Senator Harms wuchs das Bein nach, und alle Leute in Hamburg wunderten sich. Da ließ sich auf einmal Senator Harms nicht mehr erblicken, so daß seine Freunde in Sorge gerieten. Senator Schlüders besuchte ihn; er lag voll Verzweiflung in seinem Leynstuhl.„Aber lieber Harms, was fehlt dir?“ rief Schlüders.—„Mein Bein! Mein
Bein! Es wird jeden Tag länger, und sie betet und betet, und ich habe die Adresse der Frau verloren.“ f(Swmnpliz) —


