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Nr. 27.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Jeitung.
Seite 7.
und sah nicht, was um sie geschah. Sie wartete auf den Blitzstrahl. 1
Es war schon dunkel als das Pärchen die Tenne verließ. Kein Blitz war niedergefahren. Martin war frisch und munter.
An jenem Tage hat Margareth den Glauben an Gott verloren. 0
Daß damals keine strafende, rächende Hand vom Himmel herablangte und den Frevler mindestens ein wenig beim Schopfe packte, das nahm ihr den Glauben.
„Seitdem ist sie die ungläubige Margareth“.
„Was geschah denn mit diesem Malefizkerl, dem Martin?“ fragte ich den Wirt.
„Das ist es ja eben,“ sagte der Wirt,„was ihr ganz den Text gab. Der Martin hat geheiratet...“
„Die Anna?“ unterbrach ich den Wirt.
„J wo!“ lachte der Wirt.„Eine reiche Bauerntochter. Hat eine Menge Kinder und lebt glücklich und zufrieden.“ g
„Und die Margareth?“ fragte ich.
„Die Margareth bat zuerst von Tag zu Tag gewartet, daß ihn doch noch die Strafe ereilt. Wie nichts dergleichen geschehen ist, hat ste's aufgegeben. Sie hat seitdem keinen Mann mehr angeschaut und ist so das alte Weiberl geworden, das Sie heute gesehen haben.“
„Sie ist aber, scheint mir, ganz lustig dabei geblieben,“ meinte ich.
„Ei ja, freilich,“ sagte der Wirt. Herr Pfarrer hat ihr wollen den Glauben wiedergeben und hat sie vertröstet, daß im Jenseits der Martin ganz gewiß noch seine Strafe bekommt. Da hat ste ihm in's Gesicht gelacht und gesagt:„Na, ist recht, ist recht!
„Der
Bis ich ihn in der Höll' braten seh', dann glaub'
ich 12 10 wieder!“ Seitdem sagt er ihr nichts mehr.“
Gerade kam die ungläubige Margareth die Straße herunter.
„Margareth“, rief ich sie an,„jetzt kenne ich auch Eure Geschichte!“
Fröhlich mit den Augen zwinkernd, sagte sie met ihrem zahnlosen Munde:„Na... und hab' ich nicht recht?“
Humoristisches.
Abgefü hrt. Unteroffizier:„Füsilier Becker, haben Sie noch mehr Brüder?“„„Jawohl, Herr Unter⸗ offizier, einen.“„Ist denn der auch so dumm wie Sie?“„„Noch dümmer!““„So, was ist denn der?“ „„Sergeant, Herr Unterofftizier!““
(Aus einer oberhessischen Garnison.)
Der Anfang zur Umkehr. Leutnant:„Oberst hat heute Rede jegen Ueberhandnahme des Luxus im Offizierskorps jehalten und Sitten der alten Spartaner zu Lektüre empfohlen. Lesen wir also, was dte alten Heldenonkels jetrieben.— Friedrich, rück' mir mal den Fauteuil her und stell nne Pulle Sekt kalt!“
„Elende!“ Schulze: Warum ist denn der Reichstag nicht vertagt, sondern ganz unverhofft gee⸗ schlossen worden? Müller: Wissen Sie— ich glaube, weil er kein Hochzeitsgeschenk gestiftet hat. Schulze: Die Elenden! Da geschiehts ihnen recht.
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