Ausgabe 
1.10.1905
 
Einzelbild herunterladen

....

ie

1 lt

Nr. 40.

Mittel dentsche Sountaas⸗geitung.

Seile 7.

kann warten, bis ich in die Stadt komme und und mir meine Sachen im Konsumver⸗ ein mitnehme. So erspare ich Zeit und Geld und bekomme gute Ware und richtiges Gewicht.

Und so geht es immer und überall. Man kann da sparen und dort, ohne daß Mann und Kinder etwas entbehren müssen; man kann dabei überdies manches Stündchen für sich selbst heraussparen. So richte ich mir manchmal das Essen für zwei Tage vor, es ist dies sehr angenehm, wenn ich Wäsche und Putzeret habe, im Sommer aber erspart es Kohlen und be⸗ fördert die Kühlhaltung der Wohnung.

Gar viel ließe sich noch sagen, aber nicht wahr, Frau Nachbarin, wir haben beide jetzt keine Zelt mehr. Probieren Sie einmal, meinem Rate zu folgen. Geben Sie jedem Dinge seinen genauen Platz, so daß Sie alles leicht greifen können. Teilen Sie sich ihre Zeit und ihre Arbeit ganz genau ein und richten Sie alles so vor, daß es am rechten Orte und zur richtigen Zeit geschchen känn, sehen Sie zu, daß Sie überflüssige Gänge und Laufereien ver⸗ meiden, kurz: arbeiten Ste nicht nur mit den Händen, sondern vor allen Dingen mit dem Kopfe. Sie werden es dann gerade so gut haben wie ich, Ihre Möbel und Kleider werden mit viel weniger Mühe sauber und ordentlich zu halten sein, als Sie heute aufwenden müssen, der Mann wird nicht über ein halbfertiges oder schlecht zubereitetes Essen oder eine wüste Stube klagen, und Sie werden, so wie ich, immer fertig sein und für manches Zeit haben. Und

nun nichts für ungut, Frau Nachbarin! Das

nächstemal unterhalten wir uns ein bißchen über die Frauen, die selbst auf Arbeit gehen müssen und es nicht so gut haben wir.

Eine wahre Geschichte.

Monsteur de Varnetot war ein brutaler Laudedelmann, aber er hatte Geld, sonst hätte es nicht so kommen können. Seine Dienerin, ein junges Mädchen, hieß Rose. Sie liebte ihn, und wie es so kommt, sie trug ein Kind unter dem Herzen, dessen Vater er war. Er stammte aus adeliger Familie und fürchtete sich vor Skandal, auch hatte er das Mädchen niemals geliebt, nein, er hatte sich nur amüsieren wollen. Drum ging er zu einem groben Bauernsohn und wollte, daß er das Mädchen heirate. Aber was bekomme ich dafür? Der Edel- mann versprach ihm ein kleines Gütchen mit einem Häuschen drauf.Und das Mobilar? fragte der Bauer.-Nein.Aber ein Gütchen und ein Kind, das ist zu wenig. Da versprach der Edelmann auch das Mobilar. Und wenn ste stirbt, fragte der Bauer,wird alles mir gehören?Alles, sagte der Edelmann. Nun waren sie einig.

Rose weinte wohl und widerstand, denn sie liebte ihren Herrn, aber als er ihr drohte, er werde sie aus dem Hause werfen, da gab ste langsam, langsam nach. Und als ste Mutter war, da kam ste von Zeit zu Zeit, ihn zu sehen, abgehärmt und immer trauriger und oft mit Tränen. Ihr Mann, der Bauer, schlug sie so sehr und seine Mutter machte ihr das Leben so hart, daß sie sterben wollte. Der Edelmann fand es peinlich und ging auf Reisen.

Als er zurückkam, war Rose gestorben und auch ihr Kindchen, sein Kindchen war tot. Der Bauer aber halte das Gütchen geerbt. Er hatte geprügelt, bis er erben! konnte. Es ist eine

reine Eigentumsgeschichte, von der Heirat bis zum Tode der Frau und eine Menschenseele wurde geopfert.

Und wenn der Edelmann die Geschichte er⸗ zählte, dann pflegte er zu sagen:Es erinnert mich immer an Mirza, meine Hündin, die ich dem Grafen d'Haussnonel verkauft hatte und die immer wieder zu mir zurückkam, so oft man sie freilteß. So unmöglich war es ihr, mich e verlassen. Endlich ersuchte ich den Grafen, ste an die Kette zu halten und wissen Sie, was geschah? Die Hündin starb vor Kummer. Daß der Edelmann so sprach, hat auch mit dem Eigentumsrecht zu tun. Maupassant.

Allerlei.

Merkwürdige Wirkung der Nüsse. Nüsse sind Pflanzenspeck. Sie enthalten viel Fettstoffe und bilden daher für bleiche, schwäch⸗ liche, abgezehrte Personen eine sehr wichtige 1 9 Da sie auch sonst noch wertvolle Nähr⸗ stoffe besitzen, ist es nicht recht, daß man sie nur als wohlschmeckende Abwechslung zu genießen pflegt. Hoffentlich wird das nach den neuesten wissen⸗ schaftlichen Ergebnissen anders. Dr. Munoz hat nämlich in den Nüssen ein eigentümliches Alka⸗ loid gefunden, welches ganz merkwürdige Wirkungen auf den menschlichen Organismus ausübt. Alkaloide nennt man scharfe Stoffe, die in gewissen Pflanzen vorkommen und nach diesen ihren Namen haben; so findet sich z. B. im Tabak(Nicotiana) das Alkaloid Nikotin, welches dem Tabak seine spezifische Wirkung verleiht. Das Alkaloid der Nüsse zeigt nun folgende Wirkungen: Wenn ein gesunder Mensch mittags und obends regelmäßig je 8 große Wallnüsse verzehrte, so stellte sich nach einigen Tagen vermehrter Blutzufluß nach der Haut und den Schleimhäuten ein; Gesichtsfarbe und Lippen bekamen ein frischeres und tieferes Rot. Wurde die Menge der Nüsse weiter gesteigert, so trat bisweilen sogar Nasenbluten auf. Die Herztätigkeit wurde in vielen Fällen auffallend stärker. Die an verschiedenen Personen häufig wiederholten Versuche hatten stets dasselbe Re⸗ sultat: Vermehrung der Blutzirkulation im ganzen Körper, die namentlich in der Haut recht sichtbar wurde. Hieraus ergibt sich die wichtige Folgerung, daß der regelmäßige Genuß von Wallnüssen äußerst günstig wirken muß bei Blutarmut, Bleichsucht, Skrofulose, Ab⸗ magerung und zehrenden Krankheiten, wohl auch bei vielen Nervenleiden. Zu meiden da⸗ egen haben den Genuß von Nüssen solche Pilsonen, welche mit Blutfülle und Vollsaftig⸗ n stnd. ir befinden uns jetzt geradein der Jahreszeit der frischen Nüsse. Möchten daher alle Leidenden der ersten Kategorie sich dies zu nutze machen und eine mehrwöchentliche Nußkur gebrauchen. Bemerkt sei noch, daß Nüsse nur dann leicht verdaulich sind, wenn sie recht tüchtig gekaut und im Munde mit dem Speichel zu einer rahm⸗ ähnlichen Masse verarbeitet werden.

Unter aller Kanone sein.

Mit diesem Ausdruck wird bekanntlich gern der höchste Grad der Minderwertigkeit bezeichnet; die Redensart selbst aber entbehrt des rechten Sinnes und wird als Mißverständnis oder Verdrehung einer uns nicht mehr bekannten Wendung empfunden. Einen Hinweis auf ihre Entstehung, der die richtige Erklärung bieten dürfte, hat soeben in der!Zeitschrift für den

deutschen Unterricht Prof. Dr. Ernst Schabe in Leipzig mitgeteilt. Der Genannte fand nämlich gelegentlich schulgeschichtlicher Studien über das Kurfürstentum Sachsen in einem alten Aktenband einer städtischen Lateinschule folgende Erzählung: Die Schüler der Anstalt waren im 18. Jahrhundert im Latein besonders verwahr⸗ lost, und das erregte den berechtigten Ingrimm der Väter der Stadt. Auf ihre Veranlassung nahm daher der Oberpfarrer eine Visitation vor, indem er sie einExtemporale schreiben ließ, und machte sich dann an die Zensur. Das 1 war sehr unbefriedigend; denn in dem Bericht an den Stadtrat teilte er mit, daß er sicheinen canon(Maßstab) von fünf Zensuren gemachet(optime, bene, sie satis, male, pessime)(sehr gut, gut, genügend, schlecht, sehr schlecht), daß aber leider viele der Arbeiten so schlecht seien, daß sie nur alssub omni canon (unter jeder Kanone) bezeichnet werden könnten. Kanon war also die Staffel der Schülerzensuren, und aus diesem Sprachgebrauch hat sich also durch absichtliche oder unabsichtliche Verdrehung unsere Redensart entwickelt.

Flugblattlied.

Das ist ein lustig' Streiten: Ein Flugblatt in der Hand Und wandern in die Weiten, Erleuchtung zu verbreiten Ringsum in Stadt und Land!

Wenn dann die Knospen springen

Im Frühlingssonnenschein,

Dann ziehen wir aus mit Singen,

Die Feinde zu bezwingen:

Der Sieg muß unser sein!

Das geht von Schanz' zu Schanze,

Wenn rings die Aehre reift

Und goldig wird im Glanze,

Und aus dem Blätterkranze

Die Drossel lustig pfeift!

Und wenn in roten Gluten

Das Laub im Herbste fällt,

Als wollt' Natur verbluten,

Dann werben wir Rekruten

Doch ohne Werbegeld!

Und wenn die Flocken fallen,

Dann geht's von Saal zu Saal.

Begeist'rung füllt die Hallen,

Wenn Wort auf Worte schallen

Zu zündendem Signal!

Das Flugblatt bläst hien ieden

Gar lustige Schalmei,

Die nimmer läßt ermüden!

Das ist der Krieg im Frieden:

Wir waren auch dabei! Ludw. Lessen.)

) AusFackeln der Zeit von Lessen. Verlag

Vorwärts, Berlin. Preis 50 Pfg.

Das Uhren- und Goldwarengeschäft von D. Kaminka befindet sich jetzt Marktplatz 11

am Kriegerdenkmal. SS

Humoristisches.

Witte Triumphator. Der Zar: Julie⸗ witsch! komm an mein Herz! Du bist der einzig e meiner Getreuen, der einen Sieg heimbringt! Witte: Ich bin ja auch der einzige, den Ew. Majestät nicht gesegnet haben!

5 Für Arbeiter und Landleute

empfehle mein reichhaltiges

Schuhwaren Lager;

in gediegenen, soliden Oualitäten zu billigsten Preisen,

Arbeiterschuhe und Stiese! 3 sowie sämtliche Winterschuhwaren 3 Wasserkrüge

im jeder Preislage und reicher Auswahl.

Justus Benner, Gießen ö

Marktstrasse 34.

Kaffeegebäck L. Müller

Bahnhofstraße 61.

Packkörbe

kaufen

Benner& Krumm.

aa...

C. F. Schwarz Soͤhne

(Inh.: Heinrich Möller)

Reichhaltiges Lager in: Herren-, Knaben⸗ und Arbeitskleidern Stolle im Ausschnitt.* Anfertigung nach mass. Feste Preise!

Streng reelle Bedienung! marktstrasse und Ecke Wettergasse.