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Nr. 1.. ö
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 7.
Ftehte in unbeschreiblscher Jeberde den dicken
f. Genau so wie sein Herr und Meister, 8 er in der Judenschänke die hübsche Dirne angesungen.
Man sah hier das merkwürdigste Paar der Welt; der Meister, der an den Windungen des Turbans malte; der Gimpel, der mit der Geste des Verliebten sein Liedchen pfiff.
Die Idylle wurde durch ein Geräusch unter⸗ brochen. Es war ein starker, munterer Männer⸗ 7 der sich vernehmen ließ. Der Meister ließ sich nicht stbren; er kannte den Schritt; denn manchen Tag hatte er ihn, um diese Stunde just, gehört.
or dem Türlein stapften sich zwei Füße den Schnee von den Sohlen; Hann klang das Schloß. f
Hammerklipp trat ein. Er trug seinen blauen Hüttenkittel und behielt die geschwärzte Mütze auf dem Kopfe. Ohne ein Wort zu sprechen, setzte er sich dem Maler gegenüber. Eben war der Turban fertig, und der Bart des Türken kam an die Reihe.
Der Gimpel ließ das Pfeifen. Mit einem Auge schielte er auf den stummen Gast. Der Mann, der da auf dem Stuhle saß, war offenbar in Sorge.
„Schneider!“ rief er plötzlich,„gestern Abend ist der Jüdlach gestorben.“ Dem Meister fiel das Blatt aus der Hand.
„Die Gäste drückten ihn nicht sehr in der letzten Zeit,“ fuhr Klipp fort.„Seit der Graf den„Hüttenmann“ bauen ließ mit der schönen Krone über dem Kopfe, mochte keiner mehr seinen Branntwein leiden. Ich war gewöhnlich allein mit dem Mädel. Wie ich hinkam, gestern in der Dämmerung, lag er auf der Ofenbank. Die Stube krachte vor Kälte, aber er ließ das Mädel kein Feuer machen. Als ich bei ihm stand, nannte er mich Elohim. Da wußte ich, daß es mit ihm zu Ende gehe. Denn die alten Juden sprechen immer das sonderbare Wort, wenn sie sterben wollen. Ich faßte an, um die Bank vom Ofentürchen bea zu rücken. Aber da wurde er wieder lebendig; er schrie und zeterte, bis ich ihn stehen ließ. Ich hängte dem Mädel meinen Rock um und ging in der Stube hin und her. Manchmal fing der Alte zu reden an. Er sprach auch von dem Kruge, den Du ihm noch schuldig bist. Es war sehr finster in der Stube. Nach einer Weile begann er zu röcheln. Das Mädel kniete nieder und weinte. Dann nahm das gute Ding ein Kreuz lein vom Halse, das ich ihr einmal gekauft habe, und hielt es ihm vor das Gesicht. Aber der Jüdlach sah es nicht mehr.“
„Und das war gut,“ fuhr jetzt der Meister auf, dem die Tränen über die Wänglein liefen. „Das Mädel ist wirklich noch recht unverständig.“
„Ich sagte ihr das auch,“ bemerkte Klipp. „Wir rückten die Bank weg, und ich bückte mich, um Feuer zu machen. Da lag ein Packet im Ofen. Es war das Geld des Jüblach, das er bis zum Tode behütet hatte. Es fehlte nicht viel, so wäre der Schatz durch den Kamin gefahren. Ich hab's nicht gezählt, aber es kam mir schwer vor. Ich trug's zu unserem Hütten⸗ meister, der's mit dem gräflichen Siegel einschloß.“
Der Meister, der bei diesem Teile des Be⸗ richtes etwas bänglich gehorcht hatte, machte eine plötzliche Bewegung und fuhr mit der Hand, die den Pinsel führte, dem halbfertigen Türken über das Gesicht. Der arme Musel⸗ mann verlor Turban und Bart in einem ein⸗ zigen Augenblick. 5
„Klipp!“ rief das Schneiderlein in jenem rätselhaften Tone, der aus Lachen und Weinen zusammengesetzt ist,„ich habe den Türken ver⸗ dorben; aber jetzt male ich auf den Bilderbogen
einen Hüttenmann; einen Hüttenmann in Kittel und Pantoffeln, und statt der Grafenkrone kommt ein Heiligenschein über seinen Kopf!“
Aber Klipp schien von dieser Verherrlichung seines Standes nicht sehr erbaut zu sein. Mit sichtlicher Befangenheit erhob er sich und trat ans Fenster, um eine Röte zu verbergen, die er in seinem Gesichte aufsteigen fühlte.
(Fortsetzung folgt.)
Die Bekämpfung des Gebärmutter⸗ krebses.
Ein Merkblatt aus der„Gleichheit“, Organ der sozialdemokratischen Frauen. Von Dr Kurt Freudenberg und Dr. J. Zadek⸗ Berlin.
Alljährlich sterben im Deutschen Reiche 10000 bis 15000 Frauen am Gebärmutterkrebs, und diese Zahl steigt anscheinend noch beständig an; die meisten könnten gerettet werden, wenn die erkrankten Frauen rechtzeitig ärztliche Hilfe aufsuchten und diejenige Behandlung ein⸗ geleitet würde, welche ven der modernen Frauenheilkunde verlangt wird. Der Leiter der Königsberger Frauen⸗ klinik, Professor Winter), hat das Verdienst, in ebenso nachdrücklicher wie geschickter Weise den Kampf gegen den mörderischen Feind eröffnet zu haben, indem er sich mit belehrenden Flugblättern an sämtliche Aerzte und Hebammen der Provinz Preußen und durch auf⸗ klärende Artilel in der Tagespresse der Provinz an die Frauen selbst wandte. Das energische Vorgehen des menschenfreundlichen Arztes verdient alle Anerkennung und Förderung auch seitens der Arbeiterpresse, und ins⸗ besondere die„Gleichheit“ als das für Arbeiterinnen geschriebene und von Arbeiterinnen gelesene Organ ist berufen, für weiteste Verbreitung der Veröffentlichung Winters, für möglichste Aufklärung über Entstehung und Bekämpfung dieses schrecklichen Frauenleidens in ihrem Leserkreis zu sorgen.
Die Heilkunde kennt zurzeit nur ein radikales Heil⸗ mittel für den Krebs, die frühzeitige Operation, ein innerliches Mittel gegen das tötliche Leiden besitzen wir bis jetzt nicht. Es kommt alles darauf an, mög⸗ lichst frühzeitig den Krebs zu erkennen und zu entfernen.
Ist der Krebs festgestellt, so ist keine Zeit zu ver⸗ lieren, es muß sofort operiert werden. Die Aussicht auf dauernde Heilung wird mit jeder Woche, die gezögert wird, schlechter; sind erst die Nachbarorgane eckrankt, so ist die Operation überhaupt nicht mehr vorzunehmen und die Kranke verloren.
Leider wird dieser günstige Termin für die Heilung des Gebärmutterkrebses in den meisten Fällen versäumt und die Zahl der Dauerheilungen ist darum eine so geringe: 90 Prozent der erkrantten Frauen kommen so spät zum Operateur, daß eine Hilfe nicht mehr möglich ist, und zwar sind es in der weitaus größten Zahl der Fälle die„Sünden der Frauen selbst gegen ihren eigenen Körper“(Winter), welche die Verschleppung verschulden.
Die Frauen holen ärztlichen Rat zu spät ein oder befolgen den Rat zur Operation gar nicht oder nicht rechtzeitig genug. Von 1061 von Winter zusammen⸗ gestellten Fällen von Gebärmutterkrebs in Deutschland säumten 927, also 87 Prozent, zu lange, von einem Monat bis zu über einem Jahre nach dem Auftreten der ersten Symptome des Leidens, bevor sie ärztlichen Rat einholten. Neben Unkenntnis und Gleich⸗ gültigkeit für alles, was am eigenen Körper vor sich geht, sind es das Schamgefühl vor dem männlichen Arzte, die Furcht vor der Untersuchung und der Mangel an Zeit und Geld für die Konsultation, welche diese schwere Unterlassungssünde verschulden. Es ist darum kein Wunder, daß die Städterin und insbe⸗ sondere die wohlhabende Dame nach den Feststellungen Winters auch hierbei viel günstiger gestellt ist, gegenüber der Landbewohnerin und insbesondere der armen Frau; die letztere entschließt sich ungleich schwerer, zum Arzte zu gehen, und hat sie's endlich getan und den Rat erhalten, sich schleunigst operieren zu lassen, so treten wieder Mangel an Zeit und Geld störend dazwischen.
10„Die Bekämpfung des Uteruskrebses.“ Stuttgart 1904, Ferd. Enke.
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„Erst wenn jede Frau weiß, daß der Krebs durch eine Operation heilbar ist, und zwar nur dann, wenn unmittelbar nach den ersten Zeichen der Erkrankung operiert wird; erst wenn jede Frau diese ersten Zeichen des Gebärmutterkrebses kennt und wenn jede Frau es als ihre Pflicht gegen sich und ihre Angehörigen be⸗ trachtet, sich bei den ersten verdächtigen Symptomen ärztlich untersuchen zu lassen, erst dann sind wir am Ziele(Winter), der Ausbreitung der Krebserkrankung unter unseren Frauen wirksam zu begegnen.“
Welches sind aber diese ersten verdächti⸗ gen Symptome des Krebses?
Schmerzen, das ist vorauszuschicken, fehlen im Beginn der Krebserkrankungen fast stets; sie pflegen sich erst einzustellen, wenn das Leiden unheilbar(„inoperabel“) geworden ist, und zwar dann in einem Maße, daß allein hierdurch schon das Leiden der Krebskranken sich zu einem der qualvollsten und furchtbarsten gestaltet.
Ausfluß tritt dagegen häufig schon sehr frühzeitig auf; er hat durch Blutbeimengungen nicht selten eine
rötliche Farbe— sieht„fleischwasserartig“ aus— und
hat meist schon sehr früh einen recht unangenehmen Geruch.(Schluß folgt.)
Allerlei.
Langsingereien in„besseren“ Kreisen.
In der englischen Monatsschrift„Boudoir“ erzählt, wie wir im„Hamb. Echo“ lesen, eine bekannte Schriftstellerin, es sei heutzutage bet vornehmen Hochzeiten der Brauch, die Juwelen unter den Brautgeschenken auf Tischen in wohlverschlossenen Glaskästen auszu⸗ stellen, weil andernfalls einige Geheimpolizisten zur Bewachung in Dienst gestellt werden müßten. Es ist merkwürdig, bemerkt die Dame— wie leicht Schmuckstücke sich bei solchen Gelegenheiten in Muff, Taschentuch oder selbst in Aermel verfangen. Und sie bleiben nicht nur hängen, sondern befestigen sich sogar. Wie heute die Dinge liegen, scheuen sich sogar die Besitzerinnen wertvoller Kleidungsstücke aus Furcht vor Irr⸗ tümern, sie in der Garderobe zur Aufbewahrung zurückzulassen. Die Möglichkeit solcher unan⸗ genehmen Zufälle wird so allgemein vnerkannt, daß die Dtenerschaft selbst sich wundert, wenn eine unerfahrene Persönltchkeit ihr einen mit Zobel besetzten Mantel oder einen Spitzen⸗ überwurf zum Abendanzuge zur lufbewahrung einhändigt.
Humoristisches
Prosessoren.„Es ist mir wirklich unbegreiflich, wie dieser Studiosus Süffel sein Examen so glänzend bestehen konnte!“
„Lieber Kollege, was war da zu machen! Der Kan⸗ didat brachte nach jeder an ihn gerichteten Frage ein dreifaches Hurra auf seine Majestät aus. Da mußten wir natürlich stets mit einstimmen und konnten ihn doch unmöglich durchfallen lassen. Das wäre uns sonst als Illoyalitätskundgebung schlecht bekommen!“(W. Jak.)
Steh stramm!
Steh stramm! wenn auch im Rausche wild Ein Vorgesetzter auf Dich schilt. Die Hände an der Hosennaht, Vergiß Dich nicht zu einer Tat,
Steh stramm! Steh stramm! wenn, Wahnsinn im Gesicht, Ein Vorgesetzter nach Dir sticht, Indes der Walzer lieblich klingt Und hold die Braut zum Tanze winkt,—
Steh stramm! Steh stramm! wenn jach der Säbel zuckt Und Dich durchbohrt. Nur nicht gemuckt! Und hast Du Deine Pflicht getan Und bist Du tot, als braver Mann:
Lieg stramm!(Aus dem Ulk“)
rr rr Meinen werten Gästen, Freunden und Be—
4 kannten 4
herzlichste Glückwünsch
zum Jahreswechsel!
August Albold„Zum Gambrinus“.
Empfehle
A
la. Korubrot
sowie sämtliche andere
in nur guter Qualität.
Perzlichen Glückwunscsi
Wieseck.
zum Jahreswechsel! Karl Post und Frau.
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L. Müller
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Gießen, Bahnhofstraße 61 g
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