Ausgabe 
31.7.1904
 
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Einteilung zeigt nun gewiß bedeutende Mängel,

Seite 4.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 31.

Die Vertrauensmänner der Freisinnigen Volkspartei, grundsätzlich auf dem Boden des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts stehend, protestieren hierdurch energisch gegen die vollständig einseitige, zu Gunsten einer einzelnen Partei, nämlich der Zentrums⸗ partei, willkürlich gemachte Wahlkreiseinteilung des neuen Landtagswahl⸗Gesetzes. Die versammelten Vertrauensmänner bitten daher die Regierung, dieser Einteilung ihre Zustimmung zu versagen und darauf bestehen zu wollen, daß die Wahlkreiseinteilung eine gerechte, keine Partei bevorzugende, der geographischen Zusammengehörigkeit und der Bevölkerungszahl entspre⸗ chende wird.

Die Sozialdemokratie hat vornherein ver⸗ langt, daß die Wahlkreise nach der Bevölkerungs⸗ ziffer abgegrenzt werden sollen. Die jetzige

besonders zu ungunsten der Arbeiter, aber sie entspricht wenigstens einigermaßen der Bevölke⸗ rungsziffer. Nit dem jetzigen Verlangen der Freisinnigen stimmt ihr früheres, auf Erhaltung des besonderen Wahlrechts der drei Kleinstädte gerichtetes nicht überein. Von der Regierung verlangen sie, einem Majoritätsbeschlusse der Volksvertretung Widerstand entgegen zu setzen, das ist auch nicht besonders demokratisch.

Gemeindewahlen. Einen glän⸗ zen den Sieg erkämpfte unsere Partei bei der am Samstag in Langen stattgefundenen Gemeinderats ahl. Sämtliche sozial⸗ demokratische Kandi)aten wurden gewählt! Von insgesamt 845 ab jegebenen Stimmen fielen 471 auf unsere Liste. Auch in Oberts⸗ hausen(Kr. Offenbach) wurden die sozial⸗ demokratischen Kandidaten mit großer Mehrheit gewählt. Fast sämtliche Wähler machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch, es wurden 277 Stimmen abgegeben. Unsere Kan⸗ didaten erhielten 167, 165 und 138 Stimmen, während es die Gegner trotz intensipster An⸗ strengung nur auf 112125 brachten.

Unser Parteitag für Hessen. DieLandeskonferenz beginnt diesen Samstag in Pfungstadt ihre Verhandlungen, für die zum ersten Male zwei Tage vorgesehen sind. Es wird sich zeigen, daß zwei Tage für den vorliegenden Beratungsstoff unbedingt nötig sind. Zwar unterscheidet sich die Tages⸗ ordnung nicht viel von derjenigen früherer Landeskonferenzen, aber der Geschäfts⸗ bericht des Landeskomitees wird voraus⸗ sichtlich eine eingehende Debatte hervorrufen. Ausgestaltung unserer Organisation, Schaffung des Wochenblattes, Kalender ꝛc. sind Punkte, welche nach jeder Seite hin erörtert werden müssen. Außerdem sind in zahlreich eingelaufenen Anträgen Wünsche aller Art in bezug auf die innere Organisation enthalten, deren Er⸗ örterung geraume Zeit beanspruchen wird. Weniger wird über den internationalen Kongreß und den Parteitag in Bremen zu sagen sein, desto mehr jedoch bei dem Bericht über die Tätigkeit des Landtags, welchen Punkt das Landeskomitee erfreulicherweise diesmal auf die Tagesordnung gesetzt hat. Hier werden wir uns mit der Wahl reform und unserer künftigen Landtagswahlagitation beschäftigen müssen. Jedenfalls liegt Arbeit in Fülle vor, aber sie wird geleistet werden zur weiteren Förderung unserer Sache! Mit diesem Wunsche unsern herzlichsten Gruß der Vertretung der hessischen Sozialdemokratie!

Gießener Angelegenheiten.

In der Stadtverordneten-Ver⸗ sammlun gam Donnerstag fragte unser Genosse Krumm an, wegen der Löhne der städtischen Arbeiten. Der Oberbürgermeister versprach, nach den Ferien Erhebungen anzustellen und Erhöhung der Löhne erwägen zu wollen. Die Freie Turnerschaft Gießen halt Sonntag auf der Pulvermühle ihr Sommerfest ab. Das reichhaltige Programm ist aus dem Inseratenteil ersichtlich. Wir sind überzeugt, daß bei dem Feste der Arbeiter⸗ Turner, deren Leistungen erst auf dem Offen⸗ bacher Wettturnen anerkannt wurden, die übrige

Turnerlieder aus voller Brust und Ueber⸗ zeugung gesungen.

und Polizeidiener Nauheim hatte vor dem Schöffengericht in Bad Nauheim zu verantworten. Die Beleidigung soll in einem Versammlungsbericht aus Rödgen der Mitteld. Sonnt.⸗Ztg. Nr. wurde gesagt, daß mehrere Redner in der Ver⸗ sammlung dem vergehen vorgeworfen hätten. noch drei Einwohner aus Rödgen ebenfalls wegen Beleidigung angeklagt. weisaufnahme, bei welch r sich u. a. herausstellte, daß in der Gemeindeverwaltung eine großartige Schlamperei herrscht, beschloß das Gericht auf Antrag des Verteidigers, Rechtsanw. Kaufmann⸗ Gießen die Verhandlung zu vertagen und die Akten der zwecks Untersuchung gegen Fink wegen Meineids.

Blatt in Friedberg lügt, daß die Wirte in Steinberg in großer Aufregung seien, Einbuße erlitten hätten.

Mensch hat sich beschwert.

Wegen Beleidigung des Flurschützen Fink in Rödgen bei Bad⸗ sich unser Redakteur Vetters

13 enthalten sein. Darin Fink wiederholte Eigentums⸗ Zugleich waren

Nach der Be⸗

Staatsanwaltschaft einzusenden

Antisemitischer Schwindel. Hirschels

weil sie bei dem Kreisfest Das ist Schwindel, kein

Aus dem Rreise gießen.

r. Kommunales aus Steinberg⸗ Watzenborn. Die Erledigung unser Ge⸗ meindeangelegenheiten geht neuerdings in recht eigentümlicher Weise vor sich. Da war z. B. kürzlich die Stelle des Wasenmeisters zu be⸗ setzen. Statt die Vakanz, wie das richtig ist, ortsüblich und geschäftsordnungsmäßig bekannt zu machen, schrieb der Bürgermeister einen Vorschlag auf einen Zettel nieder und schickte damit seinen treuen Polizeidiener bei den Ge⸗ meinderatsmitgliedern herum, die durch ihre Unterschrift ihre Zustimmung erteilen sollten. Das taten sie auch, das heißt die Mehrheit der Gemeinderäte. Unseren Genossen im Gemeinde⸗ rat den Zettel zur Unterschrift ebenfalls vorzu⸗ legen hielt der treue Polizeidiener nicht für nötig, er hatte ja die Mehrheit zusammen, was brauchte er da noch die Arbeitervertreter? Ob⸗ wohl wir nun gegen die Anstellung des Vor⸗ geschlagenen nichts einzuwenden haben, halten wir die Behandlung der Sache durchaus nicht für richtig, sie mußte vielmehr, wie das Artikel 36 der Landgemeinde⸗Ordnung vorschreibt, in der Gemeinderatssitzung erledigt werden. Auf dieselbe Art wie dieser Fall wurde auch die Anstellung eines Gänsehirten vom Bürgermeister erledigt. Solche Vorkommnisse zeigen, wie man über die Vertreter der Arbeiterschaft glaubt hinweggehen zu können, weil sie noch in der Minderheit sind. Daß das anders werde, da⸗ für müssen unsere Genossen sorgen und übrigens werden unsere Gemeindevertreter ihr Augenmerk darauf richten, daß der Vetter⸗ und Verwandten⸗ wirtschaft, welche hier zum Schaden der Ge⸗ d noch eine Rolle spielt, ein Ende bereitet wird.

aus dem Nreise Iriedberg⸗Püdingen

Nette Ordnungshüter. Am vorigen Donnerstag brachen der Nachtwächter Blech er und der Feldschütz Launhardt in Oberroßbach im Verein mit einem dortigen Bäckermeister in das Schulhaus ein und mißhandelten die beiden Lehrer Harth und Presser, so⸗ wie die Frau des Letzteren in äußerst roher Weise. Die Ueberfallenen mußten sich in ärztliche Behandlung begeben. Vom Kreisamt Friedberg wurde auf die Bitte um Schutz von Seiten der Mißhandelten sofort Gen⸗ darmerie nach Oberroßbach geschickt und die sofortige Entlassung der gefährlichen Gesetzes⸗Feld⸗ und Nacht⸗ wächter verfügt. Die Angreifer sollen nicht den gering⸗ sten Grund zu ihrem Vorgehen gehabt haben; sie wollten einige größere ungezogene Jungen, welche Schul⸗ arrest abzubüßen hatten, befreien. Dieser Scherz dürfte für die beiden Gemeindediener noch ein unangenehmes Nachspiel haben.

aus dem Nreise Alsfesd-Cauterbach

Wegen Meineids wurden am Montag früh vier Männer verhaftet und nach Gießen abgeführt. Sie hatten in einem Prozeß gegen Schlitt in Leusel be⸗ schworen, daß sie mit einem Mädchen aus Angersbach, das als Nebenklägerin auftrat, geschlechtlich verkehrt

der damalige Angeklagte die Zeugen zu dieser falschen Aussage verleitete. 5

Aus dem Rreise Wezlar.

h. Bei der Gewerbegerichtswahl am 15. Juli sind nach der Bekanntmachung des Vorsitzenden des Gewerbegerichts folgende Personen als Beisitzer gewählt worden:

Als Arbeitnehmer:

im Bezirk Wetzlar: Hermann Kothe, Robert Hilde⸗ brand, Jakob Reinhardt, August Beck, sämtlich in Wetzlar; im Bezirk Braunfels: Zimmermann H. Berghäuser, Obern⸗ dorf, Maschinist Fr. Rech, Burgsolms, Schmied Fr. Faber, Braunfels; im Bezirk Ehringshausen: Aufseher H. Messer⸗ schmied, Ehringshausen, Bergmann W. Schmidt III., Ehringshausen, Bergmann J. Stützel II., Dillheim; im Bezirk Krofdorf: Maurer Wilh Mandler, Krofdorf, Zimmerer Ph. Pfaff, Krofdorf, Maurer Wilh. Winter, Gleiberg; im Bezirk Rodheim: Maurer L. Hasselbach, Rodheim, Maurer W. Keller, Rodheim.

Als Arbeitgeber:

im Bezirk Wetzlar: Handschuhfabrikant D. Diedrich, Dachdecker H. Kottmann, Hüttendirektor Jantzen, Bäcker⸗ meister Kyrmse sämtlich in Wetzlar; im Bezirk Braun⸗ fels: Maurermeister Weitz, Braunfels, Bergwerksdirektor Foelling, Braunfels, Ingenieur Spoerer, Burgsolms; im Bezirk Ehringshausen: Maurermeister Gernand, Ehringshausen,, Maurermeister Schweißer, Ehrings⸗ hausen, Zimmermeister P. Schmidt. Aßlar; im Bezirk Krofdorf: Pflastermeisrer A. Grumbach, Krofdorf, Zigarren⸗ fabrikant K. Stork, Krofdorf, Schreinermeister Chr. Käs, Krofdorf; im Bezirk Rodheim: Zimmermeister L. Krauskopf, Maurermeister L Steinmüller II. beide in Rodheim. Wie wir neulich schon bemerkten, war in⸗ folge der ungünstigen Wahlzeit und Wahlbezirks⸗ einteilung die abgegebene Stimmenzahl eine recht geringe.

aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn.

Dr. Burckhardt und seine Leute. Herr Dr. Burckhardt sagt in seiner Erklärung gegen mich weiter:Trott schreibt: Die Sozialdemokraten treten für billiges Fleisch ein. Wenn man gerecht sein will, so muß man aber nicht nur für die Arbeiter gute Löhne verlangen, sondern auch den Viehzüchtern gute Preise gönnen. Mittlere, ständige Preise sind daher er⸗ strebenswert. Höhere Löhne und niedere Preise sind ein⸗ fach nicht zu vereinigen.

Ich frage, was wird denn die Wirkung der Lebens mittel⸗ zölle sein? Als Wirkung des Fleischbeschaugesetzes ist anzusehen, daß die Einfuhr von Büchsenfleisch, die 1898 rund 40 000 Doppelzentner, 1899 39 100 und 1900 55 000 Doppelzentner betrug, für das erste Halb⸗ jahr 1901 aber nur noch 500 Doppelzentner ergeben. Die Einfuhr von Würsten betrug 1899 53 600, 1899 48 600, 1900 38 600 Doppelzentner, im ersten Halb⸗ jahr 1901 aber erst 500 Doppelzentner. Vom 1. April 1903 ab ist auch die Einfuhr von Lungen, Herzen, Lebern und dergleichen verboten, wovon noch 1901 für 29 Millionen Mark eingeführt wurden, dies ist für die deutsche Wurstfabrikation ein ungemein harter Schlag. Außerdem wird der Industrie⸗ und Arbeiterbevölkerung, deren Fleischgenuß hauptsächlich in Wurst besteht, die Ernährung verschlechtert, während, wenn die Einfuhr gestattet wird, die Wurstqualitäten besser sind. Den Schaden der ganzen Zollpolitik hat in erster Linie die deutsche Industrie und speziell deren Arbeiter, die zu schlechteren Löhnen arbeiten müssen oder auch brodlos werden. Es findet eine Auswanderung von Kapital und die Errichtung von Konkurrenzfabriken im Aus⸗ lande statt. Mit sinkenden Löhnen sür die Arbeiter tritt sinkende Konsumtionsfähigkeit und schlechtere Ernäh⸗ rung ein. Das gleiche tritt ein, durch Verteuerung der Lebensmittel. Der Arbeiter wird sozusa gen mit doppelten Ruten gepeitscht. Ebenso wirkt die verschlechterte Lage auf die Handwerker und Gewerbetreibende zurück, deren Kunden die Arbeiter sind. Schließlich wird die Landwirtschoft selbst geschädigt, die ihre eigenen Kousumenten, die Industriearbeiter und die Stadtbevölkerung schwächt.

Steigende Unzufriedenheit in den weitesten Kreisen ist die unausbleibliche Wirkung dieser Maßregeln. Die sogenannteMittelstandspolitik, die man mit der Zoll⸗ politit angeblich treiben will, wird ein Ruin für den gesamten Mittelstand. Wenn B. nun folgert, hohe Löhne und niedere Pneise sind nicht zu vereinigen, da hat er Recht, das tritt aber cuch nie ein. Burckhardt will aber hohe Preise und niedere Löhne, denn in seiner Jungfernspeech, gönnt er ja den Agrariern sich er den höchsten Lohn. Wenn er mit den wirtschaft⸗ lichen Verhältnissen unseres Wahlkreises einigermaßen vertraut wäre, so würde er unter Beobachtung unserer Krisen⸗ und Prosperitätsjahre zur Einsicht kommen, daß bei hohen Löhnen auch höhere Preise, für landwirtschaft⸗ liche Produkte selbstverständlich sind; ja, man kann ruhig hohe Preise als eine Begleiterscheinung hoher Löhne an⸗

Arbeiterschaft recht zahlreich vertreten sein wird. Jedenfalls werden auch diedummdreisten

hätten. Dies bestritt das Mädchen unter Eid, worauf es verhaftet wurde. Jetzt hat sich heraus gestellt, daß

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