Ausgabe 
1.5.1904
 
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N Ur. 18. Gießen, den 1. Mai 1904. 11. Juhrg. f Augertlaß 11. Schloßgasse Mitt eld eutsch E 8 Nachmittag 4 Uhr

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6⸗Jeitung.

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E⸗ hebt der Frühlingssturm die Flügel Und jedes Herz wird froh gestimmt: Er ist gekommen, der die Zügel

Der harten Hand des Winters nimmt; Der da zerbricht, was dürr geworden, Und Raum den jungen Trieben bringt; Der in gewaltigen Akkorden

Das Lied der Auferstehung singt.

Die Welle brach des Eises Schranken Und sprudelt schäumend himmelan

Und trägt den hohen Lenzgedanken

Vom Fels bis hin zum Ozean!

Ihr Völker in der weiten Runde,

Wer ist's, der euch verkünden mag Wann bricht nach mancher trüben Stunde Für euch herein der Maientag?

Der Knechtschaft Winter konnte biegen Ins Joch euch mit der eis'gen Faust, Und heulend kam in blut'gen Kriegen Der Wettersturm einhergebraust.

Es ist vorbei und selig werden Möcht' euer Herz im Sonnenschein Und bangend fragt ihr: wann auf Erden Wird endlich Völkerfrühling sein?

vslkerfrübling.

Ihr braucht die Sterne nicht zu fragen Mit kummerblassem Angesicht;

Es kann's euch jede Blume sagen: Das Leben ist allein im Licht! Ihr schaut vergebens auf nach oben, Solang' ihr euch im Traum behagt Und nach wie vor der Pfaffenroben, Der Purpurmäntel Schleppen tragt. Die Freiheit wird ihr eigner Henker Bei einem Volk, betört vom Wahn; Nur einer Welt der freien Denker Kann einst der Völkerfrühling nahn!

Das Licht ins Volk! Von allen Zinnen

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Gepredigt wider Lug und Trug,

Der gerne möcht' die Welt umspinnen, Wie er sie einst in Fesseln schlug.

Das Licht ins Volk, daß es die Flügel Des Geistes brauch' in stolzer Kraft; Daß es, entwöhnt von Joch und Zügel, Sich selbst die bessre Zukunft schafft! Zu einem Bunde fest zusammen, Die ihr der Arbeit Söhne seid:

So wahr der Sonne Strahlen flammen Es kommt der Völker Maienzeit!

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Prolefdrier aller händer bereinigt Euch!

Das Fest der Arbeit.

In reichlich zwei Monaten sind fünfzehn Jahre verflossen, seitdem der 1. Mai als Fest⸗ tag der Arbeit eingesetzt wurde. Zur Hundert⸗ 2 5 1 des Bastillesturmes 14. Juli 1899 trat in Paris das Parlament der Arbeit zusammen, um das Werk der Befreiung aus der Knechtschaft, das hundert Jahre zuvor be⸗ gonnen worden war, der Vollendung entgegen⸗ zu führen. Es galt, den Kampf zu führen und Sturm zu laufen gegen eine neue Bastille, gegen die Zwingburg des Kapitalismus, welche die Bourgeoisie errichtet hatte.

Den Kampf gegen die Bastille des Kapita⸗ lismus zu regeln und nachdrücklicher zu ge⸗ stalten, sollte die Aufgabe des internatio- nalen Arbeiter⸗Kongresses sein, zu dem aus allen Ländern die Vertreter der Ar⸗ beiterschaft zahlreich herbeigeeilt waren. Und

0 für diese gab es keinen bornierten Nationali

tätenhaß, sie kümmerten nicht dienationalen Unterschiede, für sie gab es nur zwei Na- tionen:

Hier Kapital, hier Arbeit! Hier die arbeitende, dort die besitzende Klasse. Hier die Unterdrückten, dort die Unter⸗ drücker!

Und um dem Bewußtsein der internatio⸗ nalen Solidarität, der Zusammengehörigkeit, der Einheit des Denkens, Fühlens und Stre⸗ bens einen würdigen Ausdruck zu geben, und das Bruderband fester zu schlingen, beschloß der Kongreß in seiner letzten Sitzung, am 20. Juli 1889 einstimmig das Maifest der Ar⸗ beit. Und die Arbeiter aller Länder haben jenen Beschluß zur Wahrheit gemacht.

Seitdem begehen wir unser Maifest. Aller⸗ dings fand jener Beschluß innerhalb der deut⸗ schen Arbeiterwelt, die damals noch unter dem

Drucke des schmachvollen Sozialistengesetzes, seufzte hier und da eine geteilte Aufnahme, das war aber nur vereinzelt, die Masse der zielbewußten Arbeiter jubelte mit Begeisterung dem Weltfeiertage des Proletariats zu. Und von Jahr zu Jahr wurde ganz besonders in Deutschland die Maifeier imposanter und ge⸗ waltiger, immer weitere Arbeiterkreise nahmen den Maigedanken in sich auf, mehr und mehr bürgerte sich das Weltfest der Arbeit ein. Trotz der wütenden Feindschaft der Gegner! Von den besitzenden Klassen und den Gewalt⸗ habern ist wohl kein noch so abscheuliches Mit⸗ kel unversucht geblieben, den Arbeiterfeiertag zu vernichten. Staatsanwälte, Gerichte, Gen darmen und Soldaten wurden gegen ihn in Bewegung gesetzt; mit Verboten, Hunger, Ker⸗ ker, ja sogar mit Flinte und Säbel suchte man die Kundgebung des internationalen Prole tariats zu unterdrücken. Auch heute operter