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Seile 2.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
der Kapitalismus und seine Soldknechte und Soldschreiber noch mit den gleichen verächtlichen Mitteln. Ja, je mehr sich die Reihen der Ar⸗ beiter schließen, je mehr sie zur Erkenntnis kommen und dem Soztalismus sich zuwenden, um so gewalttätiger und hinterlistiger geht er gegen sie vor, sucht durch Polizeichikane, Rechts⸗ berdrehung, Klassenjustiz, Wahlentrechtung den Vormarsch des Arbesterheeres zu hindern. Ver⸗ 72 Die vereinigten Arbeiter aller zänder sind unbestegbar.
Einigkeit der Arbeiter! Ste soll unsere Maifeier in erster Linie zum Ausdruck bringen. In jedem zielbewußten Arbeiter soll sie den unbeugsamen Entschluß zur Reife bringen, in Gemeinschaft mit den Millionen Gleichdenkender, Gleichfühlender, Gleichstreben— der, die gleichzeitig in allen Ländern der Erde den gleichen Willen bekunden, an dem Werke der Befretung zu arbeiten. In der Einigkeit liegt die Macht.
Und was kann mehr zum Handeln stärken, als das Bewußtsein, daß Millionen zum gleichen Handeln entschlossen sind, ihre Kraft mit der unsrigen zu einer einzigen Summe von Kraft zusammenschmelzen, daß wir alle Soldaten sind einer großen Armee!
Unser Kampf gilt der Befretung der Arbeiter und damit des gesamten Volkes vom Joche des Kapltalismus. Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlfahrt aller Menschen ist unsere Losung.
In diesem Kampfe haben wir die Besten und Tüchtigsten der Menschen auf unserer Seite. Wer nur einlgermaßen um sich blickt, wessen geistiges Auge nicht durch Vorurteile, Egots⸗ mus und Herrschsucht getrübt ist, erkennt— und wenn er selbst der besitzenden Klasse
angehört—. wie die ganze menschliche Gesell⸗ schaft unter der kapitallstischen Herrschaft leidet und verberbt wird. Recht und Gesetz, Wissen⸗ schaft und Kunst, Sitte und Ordnung wird durch den unheilvollen Einfluß des Geldsacks korrumpiert und in das Gegenteil verkehrt. Uusere Zeitung würde nicht ausreichen, wollten wir hierfür nur die markantesten Beisplele aus der letzten Zeit anführen. Immer mehr Men⸗ schen zwingt der kapitalismus in sein Joch, unerträglicher wird der Druck.
Brauchen wir die Lage der arbeitenden Klassen, ihr menschenunwürdiges Dasein zu schildern? Jeder Arbeiter kennt sie und jeder sollte auch längst erkannt haben, daß nur die Verwirklichung des Soztalismus eine dauernde Besserung ihrer Lage verbürgt. Als Etappe zu diesem Ziele suchen wir den
Achtstundentag zu erringen, den der Pariser Kongreß als die zunächst zu berwirklichende Hauptforderung be— zeichnete und zu dessen Propagterung die Mai— feier eingesetzt wurde. Der Mensch lebt nicht um zu arbeiten, er arbeitet um zu leben. Oder es sollte doch so sein. Die Arbeit ist nicht Zweck, sie ist Mittel. Der Kapitalismus hat aber die Arbeit zur Sklavin gemacht, ste in seine Dienste gepreßt. Je länger die Arbeits- zeit dauert, desto größer die Ausbeutung.
Nimmersatte Geldgier suchte von jeher die Ar.
beitszelt ins Maßlose zu verlängern und scheute sich nicht, die Gesundheit und das Leben der Arbeiter zu opfern. Die Arbeiter müssen daher in erster Linie im Interesse ihrer Selbsterhalt- ung für Verkürzung der Arbettszeit kämpfen.
So grausige Zustände auch heute noch be⸗ stehen— man lese nur das Protokoll des letzten Hetmarbeiter-Kongrefses!— können wir doch bemerkenswerte Fortschritte verzeichnen, seildem der Weltfeiertag eingeführt ist. In einigen Berufen haben wir bereits den Acht⸗ stundentag, er besteht z. B. durchgängig in soztaldemokratischen Parteldruckereien. Was aber je und auf allen Gebieten für die Arbeiter er— reicht wurde, wem ist es zu danken? Wer hat sich je der Beladenen angenommen? Die Fürsten? Die Pfaffen? Die Reichen und Wohlhabenden? Nimmermehr! Von der Seite werden den Ar— beitern höchstens Bettelbrocken hingeworfen und dafür Dankbarkeit, Demut, Unterwürfigkeit. Nein, alles mußten sich die Arbeiter sel bst
erkämpfen. Hat der Kampf auch Opfer gekostet, so ist er doch nicht umsonst geführt wor den. Welche erfreuliche Entwickelung hat die Gewerkschaftsbewegung genommen! Jul Zeit der ersten Malfeter hätten wir für Zukunfts⸗ phantasten erklärt, was heute tatsächlich erreicht ist. Aber unendlich viel bleibt noch zu tun! Außer für den Achtstundentag demonstrieren wir am 1. Mai für den
Weltfrieden
und gegen den Militarismus. Und unser Protest gegen den Mordspatriotismus und den privilegierten Völkermord bedeutet eine Kultur⸗ tätigkeit ersten Ranges. Willenlos werden ganze Völker zur Schlachtbank geführt, unge⸗ heuere Kulturrechte fallen der Vernichtung an⸗ heim, während die Masse der Völker darbt und entbehrt! Immer vollkommener, raffinierter werden die Zerstörungsmaschinen, deren Her⸗ stellungskosten Milliarden verschlingen. Immer zahlreicher die Heere, für deren Unterhalt die Völker ihren Wohlstand opfern. Welcher Wahn⸗ sinn, welche Bestialität! Darum fort mit weltpolitischen Raubzügen! Nieder mit dem Militarismus und Marinismus!
Arbeiten wir alle, soviel in unsern Kräften steht, an der Beseitigung der Barbaret und Unkultur! Gegen Unterdrückung und Ausbeu⸗ tung in jeder Form heißt die Parole! Jeder kann, jeder muß mitarbeiten. Mann und Weib! Geloben wir uns heute wieder am Feste der Arbeit im Kampfe nicht nachzulassen, sondern tagtäglich einzutreten für
Wahrheit, Fretheit und echtes Menschentum!
Wirkung kürzerer Arbeitszeit.
Kürzere Arbeitszeit— höbere Löhne, bessere Ernährung— bessere Arbeit.
Der amerikanische Fabrikant Schönhof sagt in einem nattonal⸗ökonomischen Werk darüber:
„Der höhere Lohn pro Tag, der in den Vereinigten Staaten vorherrscht, ermöglicht den Arbeitern eine bessere Lebensweise und Er⸗ nährung an Körper und Geist. Sie essen mehr und besser als irgend welche Arbeiter Europas, und ihre allgemeine Lebenshaltung ist eine höhere. Sie bedienen mehr Spindeln und Web— stühle in der Textilindustrie. In der Stahl⸗ fabrikation, in den Kohlenbergwerken, beim Koken und dergleichen bringt eine Anzahl Ar⸗— beiter in derselben Zeit mehr Produkte hervor, als irgend welcher ihrer europäischen Konkur— renten. Sie arbeiten stetiger in jeder einzelnen Stunde ihres Arbeitstages. Die Stetigkeit des Arbeiters, das Hingeben seiner ganzen Energie an die Arbeit ist äußerst intensiv und nur möglich, wo gute Nahrung vorwiegt. Jeder Moment wird genutzt, um die größtmögliche Stückmenge zu erzielen, die seiner Maschine oder seinen Händen abgerungen werden kann. Dies allein erklärt den hohen Verdienst in einigen Bes häf⸗ tigungen bei einem Stücksatz von einer Niedrig, keit, der in Europa Erstaunen erregt.“
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Lange Arbeitszeit— schlechte Löhne, schlechte Ernährung— schlechte Arbeit.
Im abgelegenen Odenwald herrscht noch lange Arbeitszeit und schlechte Löhnung. Welche Folgen das zeitigt, sagt uns der badische Fabrik⸗ inspektor Wörishoffer in einem amtlichen Jahres⸗ bericht:
„Wie wichtig eine gute Ernährung für die Leistungsfähigkeit der Arbeiter ist, sieht man erst dann mit aller Deutlichkeit, wenn Arbeiter von dürftiger Ernährung in eine Fabrikarbeit eintreten, die etwas mehr Ansprüche macht. So zog eine Fabrik Arbeiter aus industrielosen und armen Gegenden des Odenwalds herbei. Ste waren meist von dürftigem Ernährungszustande und zeigten sich für die au sich nicht gerade schwere Arbeit nicht ausdauernd genug. Die Erwartung, daß sich dies bei dem höheren Verdtenste und der damit verbundenen reich⸗ licheren und kräftigeren Ernährung bessern werde, ging nicht in Erfüllung. Die Folgen der zu dürftigen Ernährung in der Jugend
Rr. 1. konnten nicht beseitigt werden. Der Versuch des Herbeizuges von Arbeitern aus den ge⸗
nannten Gegenden wurde daher auf gegeben.“ Politische Rundschau. Gießen, den 28. April 1904.
Spießbürger ⸗Angst.
Zur Maifeier wußten vorige Woche bürgerliche Blätter von„Sicherheits⸗N aß · nahmen“ der Behörden zu beichten. Da er— zählte man:
„Schon jetzt ist, jedenfalls nach einheitlichem Plane, in vielen Städten den soztaldemokratischen Verbänden ein Umzug in geschlossener Masse untersagt worden, da derartige Kundgebungen eine Demonst ra⸗ tion gegen den bestehenden Rechts zust and bedeuten und deshalb eine Gefahr für die öffent⸗ liche Sicherheit, Ruhe und Ordnung in sich bergen. Die Gendarmerie wird am Maltage voll zählig auf dem Plane erscheinen, um nötigenfalls ein⸗ greifen zu können. Auch das Militär wird am 1. Mai teilweise auf Ausgang verzichten müssen, da Ka⸗ sernenkonsignierungen vorgesehen sind.“
Welche blödsinnige Angst spricht aus diesen Sätzen! Umso blödsinniger, als noch nie bei der Maifeier— sie wurde schon dreizehn⸗ mal begangen!— auch nur das Geringste vorgekommen ist. In früheren Jahren bestand das Verbrechen der Matfeier des Proletariats aller Länder darin, meint dazu der„Vorwärts“, daß sich die Arbeiter erkühnten, aus eigenem Recht an einem Festtage, den sie sich selbst ge⸗ schaffen, der Fron zu entlaufen und Menschen zu sein. Das war, so erzählte man uns, die furchtbare Auflehnung gegen die Rechtsordnung, die mit starker Hand niedergehalten werden mußte.
Diesmal ist der 1. Mai gesetzlicher Feiertag. Der Kalender selbst ist revolutionär geworden und paktiert mit dem Umsturz. Der 1. Mai ist von Staats wegen in diesem Jahr ein Tag der Arbeitsruhe. Wenn das Prole⸗ tariat also diesmal sein Weltfrühlingsfest feiert, so verletzt es nicht das mindeste„Recht“, es stört um leine Minute den rastlosen Gang der göttlichen Profitmaschine.
Aber das stärkt nur die Mat⸗Angst der bürgerlichen Kreise. Sie fürchten nun, daß die Massen unter der Sonne für den Frühling demonstrieren und durch bloße Gewalt ihrer Zahl und die Tiefe ihres Gefühls beweisen, wie stark die Welt der Arbeit sei. Wir sollen nicht Feste feiern, damit wir nicht in dem Be— wußtsein unsrer Macht wachsen. Wir sollen dem Mai nicht huldigen, damit der Philister nicht mit eigenen Augen das Schreckliche schaudernd zu sehen braucht, wie gewaltig die brausende Frühlingskraft der Menschheit der Unterdrückten sei.— Aber die aufzebotenen Soldaten und Gendarmen werden keine Arbeit bekommen. Und je mehr Bewaffnete zur Rettung der Ord— nung aufgeboten werden, desto mehr geplagte Proleten werden sich der Maikeier freuen und ewaltige Kundgebungen veranstalten für Be— Frein aus der Kapitalsknecht⸗ schaft für den Weltfrieden!
Tatsächlich sind die Matfeierumzüge in ver⸗ schiedenen Orten, wo sie in früheren Jahren anstandslos stattfiaden konnten, verboten worden, so in Jena, Braunschweig und in mehreren badischen Städten. Unsere Genossen in der badischen Kammer haben denn auch eine Interpellation eingebracht, in der sie von der Regierung wegen dieser Verbote Erklärungen verlangen.
Geheimnisvolle Wahlkouverts.
Vor einiger Zeit teilte der„Vorwärts“ mit, daß möglicherweise die Auflösung des Reichstags geprant sei, was aber von den Re⸗ gierungsblättern als tolle Phantasie bezeichnet wurde. Sie wurden aber recht kleinlaut, als
der„Vorw.“ nachwies, daß Wahlkouverts in großen Posten bei verschiedenen Fabriken in Bestellung gegeben und strenge Geheimhaltung sowie möglichste Beschleunigung der Herstellung anbefohlen worden sei. Die Frage, weshalb das geschah, blieb unbeantwortet. Jetzt konnte unser Erfurter Parteiblatt bezüglich einer Fabrik in
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