1 0 — ——
5
ä—..
—ꝛ
—— 2— SSS
—— . ů——-——— ———
—
„
9
— — ———ů——
—ñ—ů—
—
„ 4—.—— ——
—
ä——— „..————
* — ——¾
——
ä————— ———
Seite 4.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 5.
Von Nah und Fern.
Gießener Angelegenheiten.
e— Die beleidigten Hessen. In den vor einiger Zeit von Frau Lily Braun ver⸗ öffentlichten Kriegsbriefen des Generals v. Kretschmann, ihres Vaters, war unter andern erwähnt, daß die Hessen in Sens nicht wenig geplündert hätten. Unser Mainzer Parteiorgan druckte die Briefe ebenfalls ab und dadurch fühlen sich die tapferen hessischen Krieger be⸗ leidigt. Sie wollens nicht gewesen sein und beschuldigen damit den alten General, der durch und durch Soldat und Patriot war, der Un⸗ wahrheit. Und wirklich, die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die Mainzer Volkszeitung erhoben! Dieser blüht nun die Aufgabe, den Wahrheitsbeweis für die Angaben in den Briefen Kretschmanns zu führen. Jedenfalls wollten die Hessen bloß auf Besuch in Sens gewesen sein und den Leuten dort Zuckerzeug
itgebracht haben!— Von anderer Seite, 3. B. in der„Frkftr. Ztg.“ sind dagegen die Briefe Kretschmanns anders beurteilt worden. Da hieß es in einem Artikel darüber.
„ein ehrlicher und echter Mann sprich:
da zu uns, ein Mann, der nach oben sehr
kritisch schaute und sich nicht scheute, die
Dinge beim Namen zu nennen, und
ein Mann, der nicht nur einmal das Wort
sprach, daß alle und seine höchste Verehrung und Liebe dem„gemeinen“ Soldaten galt.“
— Zu Hetzereien gegen die Sozial⸗ demokratie giebt der Ordnungspresse der Crimmitschauer Streik willkommene Veran⸗ lassung. Mit den ungeheuerlichsten Fälsch⸗ ungen und Verdrehungen wird gegen unsere Partei operiert. In gleicher Weise arbeitete auch der„Gießener Anzeiger“, worauf wir schon in voriger Nr. hinwiesen. Dieser Tage plapperte das edle Blatt der„Nordd. Allg. Ztg.“ diese Gemeinheit nach:
„Daß aber der Streik so ungewöhnlich lange sedauert und beiden Teilen so außerordent⸗ iche Opfer auferlegt, insbesondere aber eine fleißige Industriestadt der äußersten Gefahr wirtschaftlichen Ruins preisgegeben hat, ist das eigenste Werk der Sozialdemo⸗ kratie, deren Organe nicht müde wurden, die Ausständigen zum hartaäckigsten Wider⸗ stande aufzustacheln, und zu diesem Zwecke selbst die handgreiflichsten Lügen nicht scheuten.“
Daß von Seiten der Arbeiter wiederholt Versuche zur Beilegung des Streiks gemacht wurden, daß diese aber stets an dem Starrsinn der Unternehmer scheiterten, ist allgemein bekannt. Was da von dem Amtsblatt erzah“ wird, sind bewußte Lügen.
Viel vernünftiger als man es bei Amte blättern gewohnt ist, bespricht die„Butzbacher Zeitung“ den Crimmitschauer Streik. Es heißt da nach einer sehr objektiven Darstellung des Verlaufes der Bewegung:
„Deshalb Gerechtigkeit in der Behandlung der Arbeitergewerkschaften! Keine Parteinahme des Staates gegen diese Organisationen für die Unternehmerorganisationen! Wie unser Volk und alle anderen zivilisterten Völker aus der gefährlichen Enge des Absolutismus hinaus unter harten und opfervollen Kämpfen sich hindurchgerungen haben zu den menschenwür⸗ digeren konstitutionellen Verfassungsformen, so muß auch aus dem Fabrikabsolutismus heraus der Weg zu höhere! wirtschaftlichen Rechtsver⸗ hältnissen führen. Zu ohnmächtig steht der einzelne besitzlose Arbeiter dem Unternehmer oder gar einer Unternehmerorgantsation gegen- über, als daß wir ihm das Recht beschneiden dürften, sich auch seinerseits zu organisieren. Und wenn unsere Unternehme erbände vor⸗ länfig noch ihre Macht nicht besser zu gebrauchen wissen, als die Vernichtung der Arbeiterver⸗ bände zu versuchen, so hat der Staat wahr⸗ haftig wenig Veranlassung, sie darin noch zu unterstützen. Was bedeutet die„Freiheit des Arbeitsvertrages“ auf dem Papier, wenn die⸗ ser Vertrag zwischen dem wirtschaftlich absolut ohumächtigen Einzelarbeiter einerseits und der
allmächtigen Unternehmerorganisation anderer⸗ seits abgeschlossen wird? Einmal müssen es Vertreter der Unternehmerorganisationen doch lernen, mit den Vertretern der Arbeiterorgani⸗ sationen als mit einigermaßen Gleichberechtigten, als Mensch mit Menschen zu verhandeln. An Stelle des individuellen muß der kollektive Ar⸗ beitsvertrag treten.“
Wie gesagt, ganz richtig und vernünftig. Wird aber eine Stimme in der Wüste bleiben!
— Christlich⸗soziales. Zu der Ge schichte im Casseler Gewerkschaftshaus, die Herr Pastor Bernbeck in der neulichen Versammlung vorbrachte und die wir in voriger Nr. bespra⸗ chen, haben wir noch einiges hinzuzufügen. Zu⸗ nächst, daß dem„Evang. Sonntagsblatt“, das die Schauergeschichte von der unerhörten„sozial⸗ demokratischen Ausbeutung“ erzählte, eine Be⸗ richtigung von seiten der Kommission des Ge⸗ werkschaftshauses, wie auch des Genossen Hed⸗ derich zuging. Das wahrheitsliebende Blatt nahm aber die Entgegnung nicht auf.— Und etwas anderes passierte noch. Als Verfasser des Artikels in dem christlichen Blatte bekannte sich der Hausbesitzer, bei dem Hedderich zur Miete wohnt. Dieser christliche Mann kün⸗ digte nun unserm Genossen die Wohnung, weil er im„Volksblatt“ angegriffen worden war und diese Angriffe auf Informationen von Hedderich zurückführte. Es lebe die christliche Nächstenliebe!
— Bäckermeisterliches. Zu unserer Notiz über die Innungsversammlung der Bäcker in voriger Nummer wird uns vom Vorstand der Bäckerinnung ge⸗ schrieben:
„Der Antrag(die Verbandsgesellen auszusperren, D. R.) ist nicht vom Vorsitzenden selbst, sondern aus der Mitte der Mitglieder gestellt worden und zwar we⸗ der auf Aussperrung noch auf Maßregelung. Eine Aufforderung an die Versammlung, dem Beschluß des Vorstandes gemäß zu handeln, ist schon deshalb unwahr, als der Vorstand überhaupt einen diesbezgl. Beschluß garnicht gefaßt hat, sondern nur der Versammlung den Vorschlag unterbreitet hat, zusammen mit Gießen, Wetzlar und Marburg eine gemeinsame Versammlung einzuberufen, um die Verhältnisse in genannten Städten besprechen zu können und um evtl. Einflüssen auf unsere bessergesinnten Arbeiter vorzubeugen.“
Weiter wird in der Zuschrift noch gesagt, daß Herr Link keineswegs die Bestrebungen der Gesellen in Schutz genommen, sondern nur erklärt habe, daß er seinen Gesellen, wit dem er zufrieden sei, nicht ent⸗ lassen werde, wie ihm von einem Meister angesonnen worden sei. Auch wären gegen Link Rufe wie„Raus!“ oder„Schluß!“ nicht erfolgt.
Demgegenüber haben wir nur zu erklären, daß unsere in voriger Nummer über die Versammlung ge⸗ brachte Notiz im allgemeinen zutreffend ist, wie uns von mehreren Seiten bestätigt wurde. Tatsache ist, daß auf der Tagesordnung„Herbergswesen und Gesellen bewegung“ stand und daß dazu von Vorstands mitgliedern der Innung Ausführungen wie wir sie angedeutet haben, gemacht wurden. Besonders Herr Frei spielte den Scharfmacher, er trat für ener⸗ gisches Vorgehen gegen die Gesellen ein, man solle die Verbandsmitglieder kurzerhand entlassen. Auf der zu errichtenden Innungsherberge sollten den„gutgestunten“ Gesellen Vergünstigungen gewährt werden und so würde man den Verband bald wieder los sein. Ob nun ein Beschluß des Vorstandes vorliegt oder nicht, ist sehr nebensüchlich. Eine formelle Abstimmung in der Ver⸗ sammlung hat allerdings nicht stattgefnnden; die Mehr⸗ heit der Versammlung zeigte aber eine zustimmende Haltung zu den Maßregelungsreden.— Mißbilligende Zurufe sind Herrn Link entgegengeschleudert worden, ob sie nun„Raus“„Oho“ oder sonstwie lauteten, darauf kommt es auch nicht an.— Jedenfalls würden die Herren Bäckermeister in ihrem eigenen Interesse klüger handeln, wenn sie die Organisation der Gesellen förderten, anstatt ihr in zunftzöpfig⸗beschränkter Weise Schwierig⸗ keiten zu machen. Ebenso bedauerlich ist, daß es noch Gesellen gibt, die dem Verbande fern stehen und Ver⸗ gnügungsvereinen nachlaufen, die keineswegs zur Wah⸗ rung der Gesellen⸗Interessen geeignet sind, sondern, in denen sich nur gewisse Leute auf Kosten jüngerer Kollegen Vorteile zu verschaffen suchen.
— Ueber die Bedeutung der Me⸗ talle für den Kulturmenschen hielt am Diens⸗ tag abend auf Einladung des Gewerkschafts⸗ kartells Herr Chemiker Opificiu s⸗Frankfurt einen sehr interessanten Vortrag in Lony's Bierkeller. Leider war der Besuch nur mäßig; bei derartigen Gelegenheiten sollten die Gewerk⸗ schaftsmitglieder zahlreicher am Platze sein.— Eingangs seiner Darlegungen wies der Vor⸗
tragende daraufhin, daß Einrichtungen der Neuzeit, die heute jedermann als selbstverständ⸗ lich betrachtet, ohne die man sich das Leben kaum denken könne, doch erst möglich waren, nachdem die Gewinnung und Produktion der Metalle, besonders des Eisens, eine gewisse Höhe erreicht hatte. Der Redner warf einen Blick auf die Gewinnung der Metalle in früheren Zeiten und mit Einrichtungen, die gegenüber den heute angewendeten vollkommenen Appa⸗ raten fast lächerlich erscheinen. Jeder Fortschritt aber, der hierin gemacht wurde, brachte die menschliche Kultur ein Stück vorwärts. In
fesselnder Weise besprach Redner weiter die
verschiedenartigen Legierungen, wo durch Verbindung mehrerer Metalle wieder andere, neue hergestellt werden, die ganz andere Eigen⸗ schaften aufweisen. Hierin seien in neuester Zeit ungeahnte Fortschritte gemacht worden, obwohl diese Art der Metallverarbeitung schon seit früher Zeit bekannt ist. Reines Gold und Silber z. B. könnte man wegen der Weich⸗ heit dieser Metalle nicht zu Schmucksachen oder Geldstücken verarbeiten, erst durch Zusatz von Kupfer erhalten sie die notwendige Härte.— Wie nützlich für die Menschen sich die Metalle erweisen, bringen sie aber auch Schaden. Die mit ihrer Gewinnung und Bereitung beschäf⸗ tigten Arbeiter leiden unter den giftigen Gasen, welche dabei entstehen; zahlreiche Berufskrank⸗ heiten sind auf Metallstaub usw. zurückzuführen. Am schädlichsten und kulturfeindlichsten aber treten uns die Metalle in Form von Mord⸗ waffen entgegen, zu deren Vervollkommung alle Völker ungeheuere Aufwendungen machten. Hoffentlich— schloß der Redner unter leb⸗ haftem Beifall— erreichen wir endlich die Kulturhöhe, wo der Völkermord beseitigt ist!
* Die„Freie Turnerschaft Gießen“ hält auch in diesem Jahre eine große Kappensitzung ab und zwar am Samstag den 6. Februar auf Lony's Bier⸗ keller. Wie aus dem uns vorliegenden Programm zu ersehen. beabsichtigt der Verein, seinen Mitgliedern und Gästen einige recht gemütliche, humorvolle Stunden zu bereiten, so daß ein Besuch dieser Veranstaltung schon zu empfehlen ist.(Siehe auch Inserat.)
Aus dem Rreise gießen.
ch. Wieseck. Nächsten Sonntag abend, den 7. Februar, wird im Saale des„Gam⸗ brinus“ eine allgemeine Versammlung statt⸗ finden, in der Frau Dr. Michels einen Vor⸗ trag über„Die soziale Frage“ halten wird. An die Parteigenossen ergeht das Ersuchen, für recht zahlreichen Besuch, besonders auch der Frauen wirken zu wollen.—
Vor zirka 6 Wochen wurde ein Wiesecker Wirt aus dem sozialdemokratischen Wahlverein ausgeschlossen, weil er bei der Reichstagswahl für die Nationalliberalen agitiert hatte. Diese Selbstverständlichkeit erschien dem Gieß. Anz. so wichtig, daß er sie vor kurzem mehrere Mal hintereinander seinen Lesern als Neuigkeit vor⸗ setzte. Nicht mit Unrecht mißt das Blatt einem derartigen Ausschlusse eine größere Bedeutung bei, als wenn ein solcher bei einem Krieger⸗ oder Patrioten⸗Vereine wegen Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie erfolgt. In letzterem Falle kümmert sich niemand viel darum und wenn ja, so steigt der Betroffene in der allgemeinen Achtung, während im anderen Falle das Gegen⸗ teil zutrifft.
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. Hohe Polizeikosten hat die Stadt Wetzlar zu zahlen. Dieselben betragen nach dem Haushaltsetat nicht weniger als 37 500 Mk. Für eine Stadt von der Größe Wetzlars ist das eine sehr bedeutende Aufwendung. Wenn soviel blos für Schutz und Bewachung der kaum 10000 Einwohner aufgewendet werden muß, was soll da noch für andere Zwecke übrig bleiben?
h Un parteiischer Abonnentenfang. Ein Frankfurter sog. unparteiisches Blatt, Neueste Nachrichten nennt es sich, betreibt eine höchst plumpe Reklame. Durch Riesen⸗Plakate kündigte es auch in Wetzlar an, daß es den Hinterbliebenen seiner Abonnenten, die durch Un⸗ fall den Tod erleiden 500 Mk. zahle. Jedenfalls wird das Versprechen nicht so glatt eingelöst werden, sondern die Sache wird ihre verschiedenen Haken haben; diese
Art Reklame ist für Leute, die nicht alle werden, be⸗
e e
. „
Wut Non ub lch 6 0 Ton fn
Walt


