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Nr. 5.
Mitteldeutsche Tountags⸗Zeitung.
scharf die angebliche Stellung unserer Fraktion zu dieser Frage an. Er schalt tüchtig auf die herrschsüchtigen„sozialdemokratischen“ Kassen⸗
beamten und forderte verblümt die Aufhebung
der Selbstverwaltung; aber schließlich kam es doch darauf hinaus, daß bei der jetzigen finan⸗ ziellen Grundlage der Kassengesetzgebung die freie Arztwahl ebensowenig etwas wirklich Be⸗ friedigendes leisten könne wle ein anderes System. Er kennt den Grund dafür genau so gut wie unsere Genossen:„Fast kein Proletarier ist im medizinischen Sinne gesund.“ Und nach⸗ dem Dr. Mugdan das festgestellt hat, feiert er den sozialen Frieden. Das Gemüt eines bie⸗ dern Freisinnigen merkt die soziale Kluft nicht, auch wenn er mitten darin steht. Schließlich sprachen noch zwet der bekanntesten sozialisieren⸗ den Scharfmacher, von Heyl zu Herrnsheim und Gamp. Ueber Arbeitskammern, Zehn⸗ stundentag und die Wirksamkeit vieler anderer Maßregeln auf sozialem Gebiet sind sie uneins, ein Herz und eine Seele aber bei den Repres⸗ stomaßregeln gegen die Arbeiterbewegung. Herr b. Heyl möchte durch exorbitant hohe Geld⸗ strafen die sozialdemokratische Provinzpresse ver⸗ nichten, das ist augenblicklich sein Spezialwunsch. Ganz nebenbei, anläßlich einer kleinen Polemik mit dem Zentrum, deckte v. Heyl dann wieder einmal den Untergrund der bürgerlichen Sozial⸗ heuchelei auf: Wenn man ihn den Zehnstunden⸗ tag nicht wenigstens beantragen lasse, erschwere man ihm den Wahlkampf. So sind's 5 wieder die Sozialdemokraten, die vorwärts treiben!
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politische Rundschau.
Gießen, den 28. Januar 1904.
Volksfeindliche Zentrums politik.
Eine Partei, die aufrichtig für das Wohl des Volkes und die Wahrung seiner Ehre ein⸗ tritt, wird das allgemeine, gleiche direkte und geheime Wahlrecht immer und überall als eine grundsätzliche Forderung ihres Programms be⸗ trachten müssen. Denn jedes Wahlrecht, das einen Teil des Volkes privilegiert und ihm einen größeren Einfluß auf die Gesetzgebung einräumt als dem„gemeinen Volke“, bedeutet nicht nur eine Ehrenminderung der großen Masse, sondern auch ihre schwerste wirtschaft⸗ liche Benachteiligung.
Das Zentrum pflegt zwar bei jeder Reichs- ee so zu tun, als ob es diesen Satz an⸗ erkenne, der auch für die große Masse seiner Wähler eine Selbstverständlichkeit ist. Kaum aber sind die Wahlen vorüber, so wirft es auch schon die demokratische Maske ab. Am Sonn⸗ abend erklärte Herr Bachem im preußischen Landtag:
Daran ist nicht zu denken, das Reichstags wahlrecht einfach auf das Land zu übertragen. Wir betrachten das Reichstagswahlrecht nicht als Ideal, und wir wissen alle, welch ein Mißbrauch mit diesem Wahlrecht getrieben wird.
Der Mißbrauch, der mit dem Reichstags⸗ wahlrecht getrieben wird, besteht nämlich darin, daß die Aeichstagswähler nach ihrer Ueber⸗ zeugung wählen und daß diese Ueberzeugung nicht immer den Ansichten des Herrn Bachem und seiner protestantischen Bundesgenossen von der konservativen und nationalliberalen Partei entspricht.
Wenn es in christlichen Arbeiterkreisen über⸗ haupt eine Spur von politischem Verständnis gibt, wird Herr Bachems Wort auch ohne weit⸗ läufige Erklärung seine Wirkung nicht verfehlen. Nur daran sei erinnert, daß das Zentrum in früheren Jahren einmal einem freisinnigen An⸗ trage auf Einführung des gleichen Wahlrechts zugestimmt hat. Das Zentrum ist bereit, für jede volkefreundliche Forderung zu stimmen, wenn es weiß, daß es damit in der Minderheit bleibt. Auf deutsch nennt man eine solche Po⸗ litik Falschspielen, Bet rügen.
Ueber die Sittlichkeit im Heere
peer richtiger das Nichtvorhandensein derselben
ist schon oft geklagt worden. Jetzt werden die
stttlichen Zustände in der Armee durch eine
Forderung der Militärverwaltung von Col⸗ mar i. E. wieder einmal grell beleuchtet. Diese hat nämlich bei der Stadtverwaltung von Colmar den eintrag gestellt, in gesund⸗ heitlichem Interesse für die Wiedereinführung der Kasernierung der Prostitution einzutreten. Begründet wird dieser Antrag mit dem Hin⸗ weise auf die stets wachsende sexuelle In⸗ fizierung der Garnison. Der Gemeinde⸗ rat von Colmar hat anfangs der neunziger Jahre die Kasernierung aufgehoben und den Prostituierten den Aufenthalt in der Stadt überhaupt untersagt. Klerikalerseits war man des Lobes voll uber diese tapfere Tat und konnte die guten Folgen nicht genug hervor⸗ heben. Diese guten Folgen haben sich nun ge⸗ zeigt: trotz der Aufhebung der Kasernierung und trotz der Verjagung der Prostituierten— ein stetes Zunehmen der Geschlechtskrankheiten beim Militär. Ein erneuter Beweis, wie machtlos der heutige Staat gegen diese so un⸗ angenehme Begleiterscheinung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist, aber auch ein Beweis dafür, daß es im Reiche v. Einems im Punkte der Stttlichkeit recht schlecht bestellt ist. Doch warum sollten die„gemeinen“ Marsjünger nicht auch Frau Venus opfern, wird ihnen doch von„oben“ herab mit gutem Beispiel voran⸗ gegangen. Siehe Forbach, Pirna usw. usw.
Mörderprinz Arenberg wird es schließlich doch noch fertig bringen, sich von der ihm zudiktierten Strafe ganz zu be⸗ freien. Das Reichsmilitärgericht hat den An⸗ trag auf Wiederaufnahme des Verfahrens für begründet erklärt und erneute Verhand⸗
lung angeordnet. Der Beschluß des Reichs⸗
militärgerichts stützt sich auf das Gutachten einer Kommission des wissenschaftlichen Senats bei der Kaiser Wilhelm⸗Akademie in Berlin, welches dahin geht, daß sich der Prinz zur Zeit der ihm zur Last gelegten Tat in einem Zu⸗ stand gestörter Geistestätigkeit be⸗ funden habe, durch die seine Willensbestimmung ausgeschlossen gewesen sei. Schon bei den ersten Verhandlungen bemühten sich die sehr reichen Angehörigen den Kolonialhelden als geistesgestört erscheinen zu lassen. Auch von einem Verteidiger wurde, wenn wir nicht irren, diese Frage aufgeworfen. Trotzdem ist die Verurteilung erfolgt ebenso zweifellos auf Grund der festen Ueberzeugung der Richter, daß der Verbrecher nicht geistesgestört sei. Wäre der Verbrecher ein armer Schlucker, so wäre es ihm resp. seinen Angehörigen jeden⸗ falls nicht gelungen, noch nachträglich den Be⸗ weis der Geistesgestörtheit zu erbringen. Man weiß, wie schwer es sonst hält, vor den Gerich⸗ ten ein Wiederaufnahmverfahren zu erzielen.
Zwischen Rußland und Japan
sind die Differenzen noch nicht beigelegt. Eine neuliche Meldung, die besagte, daß Rußland alle Forderungen Japans bewilligt habe, hat sich nicht bestätigt.
Soziales, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung.
„Göttliche Weltordnung“. In lako⸗ nischer Kürze melden bürgerliche Blätter aus Schönebeck an der Elbe folgendes erschüttern⸗ des Elendsdrama: Den Tod durch Erfrieren fand nachts der Arbeiter Kern von hier. In⸗ folge eines Unfalles, wie er sagte, war er auf einem Auge erblindet, so daß er keine Ar⸗ beit finden konnte. Eine Rente wurde ihm nicht bezahlt, da das fachmännische Gut⸗ achten die Erblindung auf andere Ursachen schob. Auf dem Rückweg von Magdeburg, wo er ver⸗ geblich Arbeit gesucht hatte, hat er sich— er⸗ müdet— auf den Wiesen niedergelassen, ist eingeschlafen und erfroren.— Und das trotz aller„Wohltätigkeitsbälle“ und„vollkommenster Armenfürsorge“!
Der Krankenkassenkongreß in Leipzig war von ca. 1200 Delegirten besucht, die etwa 2 274 000 Mitglieder vertreten. Einziger Gegenstand der Verhandlung war:„Die Stellung der deutschen Kranken—
Seite. kassen zu den Forderungen der Aerzteschaft“ wozu Cohn-⸗Berlin das
einleitende Referat hielt. Er schlug eine Reso⸗ lution vor, in der in zwölf markanten und präzis gefaßten Thesen die ganze Sachlage des bestehenden Kampfes zwischen Aerzten und Krankenkassen aufgerollt und die Angriffe und alle überhebenden Forderungen der Aerzte scharf und sachlich zurückgewiesen werden. Alle Ver⸗ treter, ob aus Arbeitgeber- oder Arbeitnehmer⸗ kreisen, ob von Ortskrankenkassen, Betriebs-, Innung⸗ oder Hilfskassen delegiert, ob sie nun kleine Kassen oder solche, deren Mitgliederzahl nach Zehntausenden zählt oder gar ganze Ver⸗ bände von Kassen hinter sich haben, waren sich einig in der Notwendigkeit, das Verlangen der Aerzte, die es belieben, der Oeffentlichkeit gegen⸗ über sich in der Rolle der unterdrückten und ausgebeuteten Lohnarbeiter zu zeigen, gebührend in die Schranken zu weisen und das Unberech⸗ tigte eines Vergleichs der Aerztebewegung mit dem Lohnkampfe der Arbeiterschaft darzutun. So fand die Resolution mit Einmütigkeit An⸗ nahme. Damit wird allerdings der Kampf zwischen Aerzten und Krankenkassen noch nicht zu Ende sein, doch hat der Kongreß Klarheit geschaffen.
Crimmitschau.
Nachdem die Textilarbeiter in Crimmitschau den Kampf aufgegeben, füllten Erörterungen über denselben die Spalten der Blätter aller Richtungen. Daß die Reptil⸗ und Scharfmacher⸗ presse in ein Jubelgeheul ausbricht und den Anlaß benutzt, um in ganz gemeiner Weise gegen unsere Partei zu hetzen, ist ja selbstver⸗ ständlich. g
Wir wollen demgegenüber einiges aus einem Artikel des Genossen Legien, des Vorsitzen⸗ den der Generalkommission der Gewerkschaften wiedergeben, der in ruhiger und sachlicher Weise die Gründe darlegt, die zu dem Be⸗ schlusse der Lohnkommission führten.
„Die Unterstützungsmittel waren auf Wo⸗ chen hinaus gesichert,— sagt Legien— die Zahl der Streikbrecher noch nicht so groß, um den Kampf verloren geben zu müssen. Alles sprach dafür, dem Unternehmertum, das rück⸗ sichtslos die Arbeiter und Arbeiterinnen auf das Pfaster geworfen hatte, bis zum äußer⸗ sten Widerstand zu leisten. Trotzdem entschied sich die Lohnkommission in Gemeinschaft mit den Obleuten der Fabriken, den Kampf anschei⸗ nend auf seinem Höhepunkt abzubrechen.
Zunächst sei bemerkt, daß die Arbeiterschaft, die im Kampfe stand, eine vorzüglich diszipli⸗ nierte, kampfgewohnte ist, daß in allen Sta⸗ dien, auch in den schwierigsten Situationen nicht augenblicklich aufwallende Leidenschaft, sondern ruhige Ueberlegung und sachliche Prüfung ent⸗ scheidend war bei allen Maßnahmen, die ge⸗ troffen wurden.
So handelte die Leitung der Ausgesperrten und diese selbst befolgten in vollem Vertrauen zur Streikleitung alles, was von dieser geraten wurde. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, unter dem Drucke des Belagerungszustandes den Kampf 21 Wochen zu fuhren, ohne daß der Wunsch der Scharfmacher in Erfüllung ging, die Gewaltmittel gegen die Ausgesperrten zur Anwendung bringen zu sehen, die auf das Pflaster Geworfenen zum aktiven Widerstand gegen die bewaffnete Macht zu reizen.
Ebenso ruhig und fachlich wurde beraten, als die Frage brennend wurde, ob es notwen⸗ dig sei, das Ringen jetzt abzubrechen. Ent⸗ scheidend waren zwei Momente. Es mußte ver⸗ hindert werden, daß ein allmähliches Abflauen des Kampfes eintrat, und zweitens, daß die Crimmitschauer Industrie zur Vernichtung ge⸗ führt würde. Beides stand zu befürchten, wenn die Ausgesperrten über Ende Januar hinaus Widerstand geleistet hätten.
Eine Saison hatten die Fabrikanten fahren lassen, wobei ihnen allerdings eine Reihe Mo- mente zugute kamen, die außerhalb ihrer Be— rechuung lagen. Mitte Januar mußte sich eut⸗ scheiden, ob die Fabrikanten auch die zweite Saison preisgeben wollten.
(Fortsetzung Seite 6).


