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Seite 10.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 22.
erlangen kann. War der einzige Erfolg Eurer Herrschaft nur der, daß alle Klöster und Stifte, alle Bischöfe und Pfarrer reich geworden sind? Ist für die sittliche Erziehung nichts übrig ge⸗ blieben an Geld, an Zeit, an Mühe?
Ihr braucht den Gendarm?
Ja, gute Herren, den habt Ihr doch gehabt!
Für Euch und mit Euch haben die Fürsten geköpft, gerädert, gehängt, gespießt, daß unser Erdteil in Blut geschwommen ist.
Ihr selber habt die lustigen Scheiterhausen angezündet und dafür gesorgt, daß durch Eure Kirche unendlich mehr Märtprer qualvoll ge⸗ storben sind als für dieselbe in den ersten Zei⸗ ten des Christentums.
Hat Euch die Blutarbeit nichts genützt?
Haben die Folterknechte den Menschen Eure Moral nicht einbrennen können?
Wenn Ihr zurückschaut auf die viehischen Zustände, die unter Eurer Herrschaft gewaltet haben, wenn jeder von Euch in einer ehrlichen Stunde sagen muß, daß die Menschheit erst wieder gottähnlich wurde, als man Euch die Gewalt aus den Fäusten riß, habt Ihr dann noch den Mut, zu sagen, daß Ihr das Volk zur Sittlichkeit erziehen könnt?
Das wäre eine Lüge, und Ihr habt ja nie gelogen.
Ihr gestehet heute— ehrlich und klöglich — daß nicht Eure Lehre das Volk erzieht, nicht das, was Ihr ihm gebt, sondern das, was ihm der Gendarm nimmt.
Wenn die Menschen nicht mehr vorwärts schauen dürfen, dann, meint Ihr, seien sie wieder zufrieden mit dem, was Ihr ihnen bietet.
Und das wäre die„Sittlichkeit“?
O nein, meine Herren, bekennt uns nur frisch von der Leber weg, daß Euch dieses schöne Wort nur als Kampfmittel dient. Was schert Ihr euch darum, ob das Volk sittlich ist?
Im Gegenteil, das ist Euch unlieb und muß Euch unlteb sein, denn die Sittlichkeit macht frei, und nur die Freiheit ist sittlich.
Und Ihr wollt, daß Euch die Völker unter tänig sind; je viehischer und roher sie bleiben, desto besser habt Ihr sie in der Gewalt.
Das zeigt die Gegenwart nicht weniger als die Vergangenheit.
Es gibt ja gesegnete Fluren in Bayern, in welchen Ihr das Eindringen aller Bildung glücklich verhindert habt. Dort leben Menschen unter Eurer liebevollen Fürsorge, für welche
die Güter des deutschen Volkes nicht gemehrt und nicht geschaffen wurden.
Dort leben Menschen, von der Kultur Euro⸗ pas weiter entfernt als die Negerstämme in Afrika; sie wissen nichts von dem, was Ihr
efährlich heißt. Keiner liest ein Buch, keiner iest eine Schrift, die Ihr verbietet.
Und sie glauben an den Teufel Bitru und an alles, was ein Kaplan ersinnen kann.
Sie stehen unter Euerm Einfluß, ste sind Euch gebunden und willenlos unterworfen, daß Ihr schrankenlos ihre Gedanken beherrscht.
Und ihre Sittlichkeit?
Wir wissen, daß sie um Pfennigswert Mein⸗ eide schwören, Nachbarn erstechen. Wir wissen, daß sie saufen, spielen, ihr Gut verprassen, ihre Eltern mißhandeln, ihre Kinder verwahrlosen.
Das ist Eure Erziehung.
Wir wissen, daß sie um Pfennigswert Mein⸗ eide schwören, daß sie nicht an Gott glauben, aber vor seinen Bildern die Hüte ziehen, daß sie meinen, um Geld sei alles feil, auch die Befreiung aus dem Fegefeuer, das Ihr ihnen schil dert.
Das ist Eure Erziehung.
Und hat jemals einer von Euch dafür ge⸗ redet, daß ein Lichtstrahl in diese Nacht dringt?
Hat jemals einer von Euch gesorgt, daß diese vertierten Menschen Anteil erhalten an der wahren Sittlichkeit?
Nein, Ihr Herren!
Hier wie überall zeigt Ihr, daß die Güter der Menschheit stets ohne Euch und oft gegen Euch errungen werden müssen.
Das ist wahr, und daran ändern die drei Abgeordneten nichts.
Nicht der Jurist, nicht der Kooperator und nicht der Abonnent der„Postzeitung“. Amen!
Allerlei.
Die sozialdemokratische Großstadt.
Nach den Ermittelungen des reichssta⸗ tistischen Amtes gab es in Deutschland bei den Reichstagswahlen 1903 34 Großstädte(über 100000 Seelen). Nun deckt sich bekanntlich oft der Wahlkreis nicht mit der Stadt, häufig kommen noch Landbezirke hinzu; es kommt aber auch vor, daß einzelne Teile der Stadt zu an⸗ dern Wahlkreisen gehören. Die sozialdemo⸗ kratischste Großstadt ist Altona, hier waren 70,1 Prozent der Stimmen auf die sozialdemo⸗ kratischen Kandidaten gefallen, dann kommt
Berlin, dessen 222386 sozialdemokratische Stimmen 66,9 Proz. aller Wähler repräsen⸗ tierten, an dritter Stelle rangiert Kiel mit 64,3 Prozent, denen sich Chemnitz mit 64.0 Prozent, Hamburg mit 63,3 Prozent und Dresden mit 62,4 Prozent anschließt. An unterster Stelle steht Posen mit 7,7 Prozent und Aachen mit 21,6 Prozent. Ju den übrigen Großstädten war die Prozentzahl die folgende: München 56,5 Prozent, Leipzig 60,6, Breslau 51,5, Köln 37,8, Frankfurt a. M. 50,4, Nürr⸗ berg 58,7, Hannover 50,8, Magdeburg 49,6, Düsseldorf 43,7, Stettin 56,2, Königsberg 49,5,
Charlottenburg 51,6, Bremen 52, Essen 29,9,
Stuttgart 53,1, Elberfeld 51,2, Halle 50,6, Straßburg i. E. 45,8, Danzig 29,7, Dortmund 35,3, Barmen 50,9, Mannheim 55,4, Gelsen⸗ kirchen 35,0, Braunschweig 59,5, Krefeld 334, und Kassel 46,8 Prozent. war in den Großstädten eine verhältnismäßig sehr starke, schwach war sie in Frankfurt a. M., wo nur 56,9 Prozent der Wähler von ihr: m Wahlrecht Gebrauch machten.
Rechtssprechung.
Das Versammlungsrecht der Frauen in Preußen hat wiederum durch Gericht eine Einschränkung erfahren. Auf dem vorjährigen Provinzialparteitag für Brandenburg fanden sich auch die Genossin Ihrer und Hofmann als Delegierte ein. Der überwachende Beamte verlangte im Hinblick auf§ 8 des Vereinsgesetzes die Entfernung der Frauen, da diese den Versammlungen politischer Vereine nicht beiwohnen dürfen und die von der sozialdemokratischen Agitations⸗ kommission einberufene Versammlung als poli⸗ tischer Verein anzusehen sei. Die beiden Frauen strengten gegen den Polizeipräsidenten Klage an. Der Bezirksausschuß hielt aber ebenfalls § 8 des Vereinsgesetzes für anwendbar. Das Oberverwaltungsgericht trat dieser Entscheidung mit der Begründung bei, der Par⸗ teitag sei als eine von der Agitationskommission d. h. einem politischen Vereine veranstaltete Versammlung anzusehen. Der§8 des Vereius⸗ gesetzes müsse aber dahin ausgelegt werden, daß das Verbot der Teilnahme von Frauen sich auch auf solche von politischen Vereinen veraustaltete Versammlungen erstrecke, welche nicht nur für Vereinsmitglieder, sondern auch für Nichtvereinsmitglieder zugängig seien.
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