Ausgabe 
29.5.1904
 
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Nr. 22.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

Er mußte sich deshalb selbständig machen. Man geht wohl nicht fehl, wenn man dieser Hetze mit die Schuld an seinem frühen Tode gibt. Der Haß des Spießertums steigerte stch noch, als W. bet den letzten Stadtverordnetenwahlen als Kandidat der Arbeiter auftrat. Umsomehr erwarb er sich die Anerkennung und das Ver⸗ trauen der Marburger Arbeiterschaft, die ihm ein 15 und dauerndes Andenken bewahren wird.

r., Um das tägliche Brot ist jetzt in Mar⸗ burg ein besonders heftiger Kampf entbrannt. Als näm⸗ lich der Konsumverein, dank seiner erfreulichen Entwickelung dazu überging, Brot und andere Backwaren in eigener Bäckerei herzustellen und zu mäßigem Preise auch an Nichtmitglieder abzugeben, gab es große Entrüstung bei den Herren Bäckermeistern, die sich in demselben Maße steigerte, als der Absatz bei der Kon⸗ sumbäckerei wuchs. Da mußte unbedingt etwas zur Rettung des vermeintlich bedrohten Bäckerprofits ge⸗ schehen. Die Herren Bäckermeister fingen das aber auf die unklugste Art von der Welt an; sie verkündeten, daß sie den Preis des 4pfündigen Brotlaibes um 6 bis 8 Pfg. herabgesetzt hätten, auch noch eine weitere Sorte Brot liefern würden,um den Wün⸗ schen des Publikums entgegen zu kommen. Natürlich fragte sich jeder, woher der plötzliche Preisabschlag; und kalkulierte weiter, daß dann bis her die biederen Ritter vom Backtrog dem Publikum unerhört hohe Preise ab⸗ genommen haben müssen, denn bet den jetzigen Preisen wollen sie doch auch noch verdienen. Fraglich ist aller⸗ dings, ob gehalten wird, was in der Bekanntmachung angekündigt war; zum Beispiel dürfte in vielen Bäcker⸗ läden der 36 Pfennig⸗Laib selten zu haben sein, viel⸗ leicht liefern auch nicht alle die versprochenen 12 Bröt⸗ chen für 30 Pfg., doch das merkt wohl das Publikum nicht. Hauptsache ist, den Konsumverein zu vernichten und das ist der Zweck des ganzen Bäcker⸗Manövers. In einem gutabgefaßten Flugblatte betiteltDer Brotkrieg in Marburg, das der Konsum⸗ verein in Tausenden von Exemplaren in Marburg und Umgebung verbreiten ließ, wurde dies denn auch ein⸗ gehend und überzeugend klargestellt. Und das Flugblatt hat seine Wirkung nicht verfehlt. Jedenfalls haben die Bäckermeister zu spät eingesehen, welch' törichten Streich sie ausgeführt haben. Der Konsumverein hat den Schaden davon sicher nicht.

r. Eine öffentliche Maurerversa m m⸗ lung beschäftigte sich am Samstag mit der Loh n⸗ bewegung. Der Gauvorsteher Hüttmann vom Zentralverband und der christliche Becker besprachen die Bewegung und bedauerten, daß die Unternehmer bis jetzt noch keine Antwort gegeben haben. Man einigte sich dahin, daß man den Unternehmern noch bis zum 28. Mai Zeit gebe und an diesem Tage eine bestimmte Antwort erwarte. Sollte dieselbe ablehnend lauten, so sollen Montag weitere Maßnahmen beschlossen werden. Eine diesbezügliche Resolution fand einstimmige An⸗ nahme. Anwesend waren 140 Personen. Inzwischen haben die Unternehmer Maßregelungen vorge⸗ nommen. Sie glauben auf diese Weise abschreckend auf die übrigen Kollegen zu wirken. Dadurch wird der Stand der Lohnbewegung in ein sehr ernstes Stadium geführt. Auch die Maler, Lackierer und Weiß⸗ binder haben Forderungen an die Unternehmer ge⸗ stellt und zwar: Einführung der 10stündigen Arbeits⸗ zeit und Erhöhung der Stundenlöhne. Es bleibt abzu⸗ warten, wie die Antwort der Unternehmer, die bis zum 1. Juni erwünscht wird, ausfällt. Da beide Organisa⸗ tionen zu Unterhandlungen bereit sind, so wird hoffent⸗ lich ein allgemeiner Bauarbeiter⸗Ausstand in Marburg vermieden werden. Und die Schreiner?

r. Wegen zahlreicher Sünden hatte sich der Buchdruckereibesitzer und Dütenfabrikant Daniel Sömmering, eine ehemaliger MarburgerGröße, vor der Marburger Strafkammer zu verantworten. Ihm wurden Konkursvergehen, Erpressung, Pfandbruch, Be⸗ trug und Unterschlagung zur Last gelegt. Im Laufe der Verhandlung stellte sich heraus, daß er sein Ge⸗ schäft in höchst unordentlicher Weise führte, von einer geregelten Buchführung keine Rede war. Durch ver⸗ schiedene betrügerische Manipulationen sucht er seine Gläubiger zu trösten und zu schädigen. Er wurde zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Sömmering ist bei den Buchdruckerngut bekannt.

Gegen ihr Todesurteil

haben die in Frankfurt verurteilten Raub⸗ mörder Groß und Stafforst Revtston ein⸗ gelegt. Das Rechtsmittel wird in diesem Falle nicht viel helfen, wie schon der Vorsitzende des Schwurgerichts bet Schluß der Verhandlung betonte. Diese Bemerkung des Vorsttzenden wurde allerdings mit Recht kritistert, sie bedeutet für die Angeklagten eine Verschärfung der Todesstrafe.

0 Neues von Konitz.

Zu der Winter'schen Mordsache, welche die Antisemiten zu einemRitualmord aufputzen wollten, wird mitgeteilt, daß die Staatsanwalt⸗ schaft der Annahme zuneige, daß der Gym⸗ nastast Ernst Winter am 11. März 1900 vor 4 Uhr nachmittags das Opfer eines Renkontres mit einem Manne geworden ist, zu dessen Frau er Beziehungen unterhielt. Die Behörde nimmt nicht an, daß es sich um einen mit Ueberlegung vorsätzlich verübten Mord handelt, sondern um einen im Affekt begangenen Tot⸗ schlag, oder eine Körperverletzung mit tötlichem Ausgang. Die Untersuchung richtet sich gegen den Schlosser Berg, dessen Frau eine Tochter der Gestndevermieterin Roß ist. Die Roß und der Ehemann ihrer zweiten Tochter, Masloff, haben in der Angelegenheit schon eine traurige Rolle gespielt. Um den Verdacht der Täter⸗ schaft auf den Schlachtermeister Levy zu lenken, haben sie Meineide geschworen und kamen des⸗ wegen ins Zuchthaus. Ob die Untersuchung genügendes Material zu Tage fördern wird, um die Erhebung einer Anklage zu rechtfertigen, wird abzuwarten sein.

Ein Träger des vornehmsten Rockes.

Das Kriegsgericht in Chemnitz verurteilte den Hauptmann Freiherrn v. Halkett vom 10. Pos. Inf.⸗Regt. Nr. 134 wegen öffentlich 57 50 unzüchtiger Handlungen zu drei Monaten Gefängnis. Sieben Damen waren als Zeugen abgehört worden.

Zum Leipziger Aerztekrieg.

Fünf große Versammlungen der Leipziger Orts⸗ krankenkassenmitglieder, die am Mittwoch stattfanden, beschlossen, die Familien behandlung nicht wieder einzuführen, sondern die Gründung eines Sani⸗ täts vereins vorzubereiten. Für einen solchen hätte das Mitglied 10 Pfg. pro Woche zu entrichten, wofür die Familienbehandlung geleistet würde. Der Beschluß bezweckt, die früheren Kassenärzte nicht in den Genuß des erhöhten Pauschale treten zu lassen und die neuen Distriktsärzte, welche die Kasse während des Aerztestreiks unterstützten, vor Schädigung zu schützen.

Wegen Verrats von Geschäfts⸗ geheimn issen

wurden kürzlich in der optischen Zeißschen

Werkstatt in Jena vier Arbeiter sofort ent⸗

lassen. Drei von ihnen strengten daraufhin

gegen die Geschäftsleitung wegen unberechtigter

sofortiger Entlassung Klage auf Entschädigung

beim Gewerbegericht an. Die Geschäftsleitung (Fortsetzung auf Seite 6).

Kleine Mitteilungen.

* Ein Lustmord wurde in Weidenau bei Siegen von dem Bäcker Hesse an einem 11jährigen Mädchen verübt. Die Leiche hatte er in einem Schrank in seinem Zimmer versteckt. Der Unmensch wurde ver⸗ haftet.

* Mieder Einer! Pastor Plock in Hage(Pro⸗ vinz Hannover) wurde von der Auricher Strafkammer wegen Sittlichkeitsverbrechens zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

* Mordtaten. Am zweiten Pfingsttage wurde in Köln ein Diensrmädchen, dessen Herrschaft verreist war, ermordet aufgefunden. Die Wohnung der Herr⸗ schaft war erbrochen und ausgeraubt. Bei Altenessen wurden zwei Männer in einem Graben mit klaffen⸗ den Wunden tot aufgefunden. Die Mörder sind noch nicht bekannt.

* Ein gräßlicher Unglücksfal lereignete sich in der Nacht zum Dienstag in der Reenschen Bäckerei in Mainz. Dort geriet der Bäcker Fritz in das Getriebe der Teigmaschine und wurde voll⸗ ständig zermalmt. Sein furchtbares Gessprei rief die Hilfe zum Abstellen der Maschine zu spät herbei. Der Tod des gräßlich Verstümmelten war schon einge⸗ treten. Fritz war 35 Jahre alt, verheiratet und Vater von fünf Kindern.

* Opfer der Arbeit. Auf der ZecheGer⸗ mania bei Essen wurden am Dienstag drei Bergleute verschütt et. Zwei sind tot.

* Beim Einsturz eines alten Hauses in dem Dorfe Sillegny bei Metz wurden am Samstag sechs Kinder verschüttet, die aus der nahen Schule kamen. Die Kinder wurden als Leichen unter den Trümmern hervorgezogen. Die Bewohnerin des Hauses, eine 80 jährige Frau blieb unverletzt. Warum läßt

dle Gemeinde ein so baufälliges Haus nicht niederlegen?

Partei-Uachrichten.

Gefallene Kämpfer. In Bochum starb der im Bureau des Bergarbeiter⸗Verbandes beschäftigte Ge⸗ nosse Gustav Gladewitz. Er war ein alter Mit⸗ kämpfer unserer Partei, stand seit mehr als 30 Jahren in der Bewrgung und hat viel gestritten und gelitten. Schon anfangs der siebziger Jahre als Webergeselle agitierte er für die Partei und gründete in Burgstädt und Mittweida die Parteizeitungen mit. In den Jahren 1889/90 war er Parteiselretär beim Genossen Bebel, ging dann als Redakteur an die Chemnitzer Parteipresse denBeobachter. Später übernahm er die Redaktlon der Bergarbeiterzeitung und war seit fünf Jahren, wie bemerkt, auf dem Bureau des Verbandes tätig. Gustav Defnet, einer unserer hervorragendsten Genossen in Belgien und Abgeordneter für Namur ist am Sonntag vor 8 Tagen einem Schlaganfall er⸗ legen. Er hat nur ein Alter von 45 Jahren erreicht. In ihm verliert die belgische Sozialdemokratie einen ihrer tüchtigsten und eifrigsten Organisatoren. Von Be⸗ ruf war Defnet Setzer und ist als solcher in hervor⸗ ragendem Maße für seine Gewerkschaft tätig gewesen. Schon frühzeitig wurde er Lunhänger des Sozialismus und Mitbegründer der belgischen Arbeiterpartei.

Unsere Parteipresse zählt jetzt 81 Blätter, davon erscheinen 55 täglich, 7 wöchentlich dreimal, 4 wöchentlich zweimal, 9 wöchentlich einmal(darunter die Neue Welt und die Freien Stunden), 3 alle 14 Tage (die Gleichheit, der Wahre Jakob und der Süddeutsche Postillon), 1 monatlich einmal, 2 monatlich zweimal Gewerkschaftsblätter gibt es 66; 31 davon erscheinen allwöchentlich.

Versammlungskalender. Samstag, den 28. Mai

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). T. O.: Die Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse der Holzarbeiter. Ref. Vetters. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Orbig. Transportarbeiter. Abends 9 Versam lung imWiener Hof.

Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Wirt Heinrich Volk⸗ mann.

Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr sammlung bei Wirt Philipp Walter. Tagesordnung.

Montag, den 30. Mai.

Gießen. Schneider verband. Versammlung bei Orbig.

Samstag, den 4. Juni.

Lauterbach. Soz.⸗de m.⸗Wahl verein. Abends 8 ½¼ Uhr. Versammlung bei Gastwirt Keutzer.

Briefkasten. 1 Br.⸗Staufenberg. Jedenfalls wird Genosse B. kommen.

Empfehlenswerte Schriften.

Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins Gießen, Wirtschaft Orbig empfiehlt:

Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg.

Die Volksschule, wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg.

Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg.

Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg.

Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg.

Grundsätze und Forderunen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Brun o Schönlank. Preis 10 Pfg.

Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung bes Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen!

Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg die Nummer.

Freie Stunden. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft.

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DieMitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung erscheint wöchentlich ein mal und kostet nur 2s Pfg. den Monat 78 Pfg. das Vierteljahr.

Hierzu eine Beilage.

Ver Wichtige

Abends 9 Uhr

Beste Romanlitteratur. à 10 Pfg.