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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Ar. 9.
Der Kassenbestand hat sich um eiwas über 11,000 Mk. erhöht. Von den Ausgabeposten seien erwähnt: Arbeitslosenunterstützung, 21,045,80 Mk., Krankenunterstützung 1652 Mk, Reiseunterstützung 1387.40 Mk., Streikunter⸗ stützung an Berufsangehörige 2064.10 Mk., an andere Berufe 1316.68 Mk., Gemaßregelten⸗ unterstützung 2155 Mk., ꝛc. Die Mitglieder⸗ zahl ist von 5142 am Beginn des Jahres auf 6062 am Jahresschluß gestiegen.
pon Uah und zern.
Hessisches.
Landtag. Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer, die von der Budget⸗ Beratung ausgefüllt wurden, ist die Debatte über das Schulwesen bemerkenswert. elm Freitag voriger Woche ergriff Gen. Dr. David das Wort und unterzog das hessische Unter⸗ richtswesen einer eingehenden Kritik. Er ver⸗ langt die Einführung der Einheitsschule. Man solle den Seminaristen in möglichst weitem Umfange den Zugang zur Universität verschaffen. Die dahin gehende zuletzt erlassene Regierungsverordnung genüge nicht. Die Be⸗ dingungen seien zu hart und zu eng. Der pädagogische Ruf Gießens, der sich an den Namen Schiller knüpfe, habe in letzter Zeit bedentlich verloren. Redner fordert die Reform der Seminare dahin, daß deren Lehrpläne denen der Oberrealschule angepaßt würden. Ebenso verlangt er die Umwandlung der Präparandenanstalten in den höheren Bürger⸗ schulen. Die englische Sprache soll als obli⸗
gatortsches Fach im Lehrplan der höheren
Bürgerschulen und Lehrerseminaren eingeführt und den Naturwissenschaften ein weiterer Raum gewährt werden.— Ministeralrat Eisen huth bestreitet dem Abg. David die nötige Sach⸗ kenntnis und lobt das hessische Schulwesen. — Die Debatte setzte sich am Dienstag bei dem Kapitel„Volksschulen“ fort. David wies hier nach, daß für die Kinder der Reichen staatlicherseits höhere Aufwendungen als für die Kinder der Armen gemacht würden. Redner forderte hierbei die Uebernahme der Volks⸗ schullasten durch den Staat, dies liege im Interesse der Gesamtheit. Auf die Ausführungen Davids antwortete der Ministerialrat mit einigen Witzen, David erwiderte ihm jedoch, daß dies keine Art der Widerlegung sei. Parlamentarische Korruption? In der Zweiten Kammer kam es am Freitag zu einem Auf sehen erregenden Zwischenfall. Der Präsiden verlas eine vom Abg. Rein⸗ hau dt und 13 Genossen gestellte Anfrage, die folgendermaßen lautet:
„Für die Linie Butzbach⸗Vich ist s. Zt. ein Staatsbeitrag von 20000 Mk. pro Kilo⸗ meter bewilligt worden. Nach umlaufenden Gerüchten soll der Abgeordnete, der seiner Zeit für diese Linie lebhaft eingetreten ist, für die Pari⸗Unterbringung nicht börsengängiger Prioritäten bei den beteiligten Gemeinden eine Provision von 33000 M k., von dem Betriebs⸗ unternehmer erhalten haben. Wäre das Gerücht wahr, so würde das zeigen, daß der Staats⸗
zuschuß ohne Notwendigkeit bewilligt worden
wäre. Wir fragen daher an, was der groß⸗ herzoglichen Regierung über diese Angelegenheit bekannt ist.“
Die Anfrage richtet sich gegen den Abge⸗ ordneten Joutz, der während der Verlesung den Sitzungssaal verließ. Der gute Mann, der bei Wahrnehmung seines Amtes als Volks- vertreter seinen persönlichen Vorteil nicht ver⸗ gißt, war früher Bürgermeister in Butzbach. Er zählte sich früher zur freisinnigen Partei, weil er dabei aber auf keinen grünen Zweig kam, und bei dem in Oberhessen total schwind⸗ suchtigen Freisinn sein Streben nach einem Landtagsmandat niemals Erfüllung gefunden haben würde, wechselte er zu den Aukisemkten hinüber. Denen kündigte er ebenfalls die Freundschaft, vorsichtigerweise erst, nachdem er Abgeordneter geworden war. Jetzt zählt er zu den„Wilden“.
Obige Anfrage wurde am Dienstag vom
Finanzminister Gnauth beantwortet. Für die Bahn Butzbach⸗Lich wären seinerzeit 285 000 Mark Staatszuschuß bewilligt worden. Vor Erteilung der Konzession sei dem Finanzmini⸗ sterium bei Prüfung der Sachlage die Höhe der Kosten für Vorbereitungen aufgefallen. Abg. Joutz als Vorstand der Eisenbahn⸗Gesell⸗ schaft erklärte damals, die Kosten seien durch⸗ aus nicht zu hoch, eher zu niedrig bemessen. Die weiteren Nachforschungen ergaben, daß in dieser Summe auch 33 000 Mark ,für Kurs⸗ verlust“ enthalten waren und daß von der Unternehmerfirma Lenz u. Co. in Berlin am 30. April 1902 tatsächlich dieser Betrag an den Abg. Joutz ausbezahlt worden ist. Die Firma habe sich aber auf Anfrage dahin geäußert, daß es ihr gleichgültig sein könne, auf welche Weise Joutz die Obligationen bei den interessierten Gemeinden unterbrachte; die Papiere seien ihm einfach zum Kurs von 94 Prozent übergeben worden.
In eine Debatte über diese heikle Geschichte wurde vorläufig nicht eingetreten, nur Herr Joutz erhielt das Wort zu seiner Rechtfertig⸗ ung, die allerdings matt genug ausfiel. Er sagt, er habe sich um das Zustandekommen der fraglichen Bahn sehr bemüht, bei Unterbringung der Obligationen große Kosten gehabt, somit erblicke er in der Annahme der 33 000 Mark Provision nichts, was mit seiner Stellung als Abgeordneter unvereinbar wäre. Andere Abge⸗ ordnete verdienten durch ihre Beziehungen zu landwirtschaftlichen Organisa⸗ tionen.
Gießener Angelegenheiten.
— Kreiskonferenz. Diesen Sonntag kommen die Vertreter unserer Partetorte im Kreise zur regelmäßigen Frühjahrskonferenz zusammen. Es liegt ihr wieder ein ziemlich reichhaltige Tagesordnung zur Erlediaung vor und es ist zweifelhaft, ob bei der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit alles erledigt werden kann. Trotzdem nützt eine derartige Aussprache un⸗ gemein und die Zelt wird gut angewendet. Diesmal stehen wieder sehr wichtige Dinge auf der Tagesordnung. Da ist zum Beispiel die Organisationsfrage. Hier bleibt noch viel zu bessern übrig und wir zweifeln nicht daran, daß Beschlüsse gefaßt wer den, die weitere Fortschritte verbürgen. Auch bei„Gemeinde⸗ wahlen“ handelt es sich darum, Aufklärung zu schaffen über eine Reihe wichtiger Fragen und darum, unsere Taktik bei den Gemeinde⸗ wahlen einigermaßen einheitlich festzulegen. Im Ganzen: Es ist eine wichtige Beratung, wir wünschen den besten Erfolg und heißen alle Delegierten herzlichst willkommen!
— Vom Konsumverein. Nächsten Sonntag, den 6. März findet eine Generalver⸗ sammlung des„Konsumvereins für Gießen und Umgebung“ statt, in welcher der Geschäfts⸗ Bericht über das zweite Halbjahr 1903 den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildet. Wie erinnerlich, beschloß die letzte Generalversamm⸗ lung, daß im Jahre zwei Inventuren vorge⸗ nommen werden sollten. Das Ergebnis der am Jahresschluß stattgefundenen liegt nun vor und es kann nach den uns gewordenen Mitteilungen eine recht erfreuliche Entwick⸗ lung der Genossenschaft konstatiert werden. Der erzielte Ueberschuß ist in diesem halben Jahre schon erheblich höher, als im vorigen ganzen zu verzeichnen war und es ist sicher anzunehmen, daß auch in der andern Hälfte des Geschäftsjahres ein gleich günstiges Resul⸗ tat erzielt wird. Das gereicht natürlich allen Mitgliedern zum Vorteil und es müssen sich daher auch alle angelegen sein lassen, an dem weiteren Ausbau der Genossenschaft, soviel in ihren Kräften steht, mitzuarbeiten.
— Vor Schwindel⸗Krankenkassen muß wiederholt gewarnt werden. In der letzten Zeit sind wiederum eine ganze Anzahl behöord⸗ lich geschlossen worden, so die„Saxonia“, „Wettin“ und die„Deutsche Krankenversicher⸗ ungskasse“, sämtlich in Dresden. Schon viele Arbeiter sind dadurch in Nachteile geraten. Deshalb ist solchen Unternehmungen gegenüber,
durch die stch ihre Gründer blos bereichern
wollen, die größte Vorsicht am Platze. Man versichere sich in den Ortskrankenkassen oder den von Arbeitern geleiteten bekannten frelen
Hilfskassen.
— Ueberfahren. Am Mittwoch wurden auf dem Kirchenplatz zwei Kinder im Alter von 4 und 6 Jahren von dem Omnibus über⸗ fahren und schwer verletzt. Es ist eine höchst mißliche Einrichtung, daß die Kutscher dieser Wagen zugleich als Kondukteure fungieren müffen. Sie sind daher nicht in der Lage, 0 die nötige Aufmerksamkeit zuzu- wenden.
Aus dem Rreise gießen.
r. Umsturzbekämpfung in der Kirche. Aus Steinberg schreibt man uns: Ueber den Kranz mit der roten Schleife, der neulich bei der Beerdigung des Gen. Fett niedergelegt werden sollte, konnte sich unser Herr Pfarrer noch nicht sogleich beruhigen. Bei der Beerdigung erklärte er, daß er nicht dulde, auf dem Friedhofe Politik zu treiben; er selbst aber tat es in der Kirche am Sonntag recht ausgiebig. Statt
dort das Evangelium zu verkünden und im Sinne des
Nazareners wahre Nächstenliebe zu predigen, hielt er eine Vernichtungsrede gegen die Sozialdemokratie. Die Grundlage dazu mußte ihm der Dres dener Paytei⸗ tag abgeben und in seinen Ausführungen wußte er dem Genossen Bebel verschiedenes nachzusagen. Am Schlusse seines Referats forderte er jeden christlichen Menschen auf, ihm im Kampfe gegen den Umsturz zu unterstützen. Alle Andächtigen verließen die Kirche unter dem Eindruck, eine nationalliberale Wahlpauke gehört zu haben. Seiner Aufforderung können wir zu unserm Bedauern aber nicht Folge leisten. Die Gründe würden wir ihm sagen, wenn er uns in der Kirche das Wort gestatten würde oder zu uns in die Versammlung käme. Uebrigens wollen wir ihn aber in seiner Umsturzbekämpfung nicht stören. Bis er die Sozialdemokratie vernichtet hat, wird immerhin noch einige Zeit vergehen!— Der zurückge⸗ gewiesene Kranz mit der roten Schleife wurde am Sonn⸗ tag Nachmittag unter großer Beteiligung und im Bei⸗ sein eines Gendarmerie-Wachtmeisters aus Gleßen niedergelegt. Die bei uns ganz ungewöhnliche Anwesen⸗ heit des Gendarmen erregte natürlich allgemeines Auf⸗ sehen.—
Darauf fand im Saale„zum grünen Baum“ eine auch von Frauen stark besuchte Volksversammlung statt, in der als Referentin Frau Dr. Michels aus Marburg erschienen war. Sie sprach in einstündiger Rede über: Religion und Sozialdemokratie. Jede der zahl⸗ reichen Konfessionen— führte sie aus— suche recht viele Anhänger zu gewinnen und zu erhalten, wodurch eine, mauchmal sehr unlautere, Konkurrenz unter ihnen entstehe. Jede Richtung aber mache sich allerhand Vor⸗ stellungen über Himmel und Hölle, überirdische Mächte 2c. Dinge, die vor den Forschungen der Wissenschaft nicht standhalten könnten. Heute gilt die Religion als Mittel zum Zweck. Alle religiösen Richtungen suchen das Volk unter Hinweis auf das bessere Jenseits über seine schlechte Lage hinweg zu trösten. Meistens lebten aber die Verkünder solcher Lehren in recht guten Ver⸗ hältnissen. Nicht die Sozialdemokratie sei der Religions⸗ feind, sondern die Wissenschaft. Die Sozialdemo⸗ kratie verlangt nur, daß die Religion als Privatsache behandelt, für kirchliche Dinge keine öffentlichen Mittel verwendet werden.— Sie vertröstet ihre Anhänger nicht auf den Zukunftsstaat im Jenseits, sondern sie strebten danach, daß es hier im Gegenwartsstaate dem ganzen Volke gut gehe. Nur wenn der Sozialismus zum Siege gelangt sei, dann könne es heißen: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!— Unter stürmi⸗ schem Beifall schloß die Rednerin ihren lehrreichen und aufklärenden Vortrag.
— Langgöns. Mehr Sauberkeit in der Gemeinde! Diesen dringenden Wunsch haben die An⸗ wohner der Hunstadenstraße in Langgöns, die sich in einem höchst bedenklichen Zustande befin⸗ det. Eine schöne, breite Straße, die, wenn sie richtig in Stand gesetzt und etwa beiderseitig mit Bäumen be⸗ pflanzt wäre, jedem Orte zur Zierde gereichen würde. Statt dessen zieht ein ziemlich breiter Wassergraben an der einen Seite entlang, dem bei halbwegs wärmerem Wetter Dünste höchst unangenehmer und gefährlicher Art entsteigen. Das Wasser hat nämlich keinen regel⸗ rechten Abfluß: weil sich tiefe Löcher im Graben befin⸗ den, bildet es im Verein mit Abwässern un abgesetztem Schlamm stinkende Sümpfe. Die gesundheitlichen Ver⸗ hältnisse leiden darunter im höchsten Maße und tatsäch⸗ lich werden die Anwohner der Hunstadenstraße außer⸗ ordentlich häufig von Krankheiten heimgesucht.— Vor etlichen Jahren wurden wohl einmal 6000 Mk. für Neupflasterung des Grabens vorgesehen, jetzt hört man aber nichts mehr davon. Dagegen sieht man, daß Straßen⸗Ausbesserungen an Stellen vorgenommen wer⸗ den, wo es nicht so dringend notwendig wäre. Sollte
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