Ausgabe 
28.2.1904
 
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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite.

schränkung des Sonntagdienstes in den Post⸗ ämtern forderte, gegen die Willkür in der

Verleihung dergehobenen Stellen polemisterte und nach Beseitigung der schlechten Finanz⸗ lage des Reichs eine Erhöhung der Gehälter

der Unterbeamten verlangte. Auch trat er ener⸗

ischer, als es bisher das Zentrum getan hat, für die Vereinsfreiheit der Unterbeamten ein. Herr Kraetke, der Staatssekretär der

solgt. 0 Reichspost, hatte für den Wunsch auf Erhöhung

der Beamtengehälter nur ein Nein übrig schon mit Rücksicht auf Preußen, das seine Unterbeamten ebenso schlecht bezahlt, als die Reichspostverwaltung. Natürlich ist er auch ein Gegner des Koalitionsrechtes seiner Beamten, weil die Disziplin leide und sich die Vereine der Unterbeamten von ihm nichtkommandieren lassen würden. Dazu würden sie allerdings nicht gegründet werden. Genosse Singer hielt dem Staatssekretär seine Rückständigkeiten kräf⸗ tig vor und forderte im Gegensatz zum Zentrum die sofortige Erhöhung der Gehälter der unteren Beamten, die durchLitzen und Schnüre nicht satt werden. In scharfer Weise zog er gegen die fiskalische Plusmacherei der Postver⸗ waltung zu Felde.

Bei der Fortsetzung der Debatte am Don⸗ nerstag zeigte es sich, daß unter den bürger⸗ lichen Parteien ein wahres Wettlaufen um die Gunst der Postunterbeamten im Gange ist, das selbst die Konservativen, für die die Abgg. Dr. Dröscher und Dr. Stockmann sprachen, nach Kräften mitmachen. Das ist auch eine in⸗ direkte Wirkung der Sozialdemokratie. Wären wir nicht da, und gäbe nicht das geheime Wahlrecht den untern Beamten die Möglichkeit, an einem Tage freie Männer zu sein, kein Hahn würde nach ihnen krähen, wie traurig es ihnen auch ginge. Danach ist die mehr oder mindere große Begeisterung abzuschätzen, die Zentrum, Konservalive, Antisemiten und Liberale für eine Erhöhung der Gehälter der untern Beamten, für eine besondere Bezahlung der Nachtdienststunden, für eine Einschränkung ihrer Sonntagsarbeit an den Tag legten. Auf Herrn Kraetke machte diese Einmütigkeit der Parteien freilich keinen sonderlichen Eindruck. Der Chef der Postverwaltung muß hohe Ueber⸗ schüsse herauswirtschaften und darum setzt er jeder Anregung auf Gehalts ver besserung fein Nein entgegen. Jede selbständige Regung der Unterbeamten ist ihm unbequem und so schränkt er ihr Vereinsrecht ein und geht mit Maß⸗ regelung gegen jeden Beamten vor, derver⸗ dächtige Versammlungen besucht, obwohl ihm die Kurzsichtigkeit dieser Politik recht deuf lich nachgewiesen wurde.

Auch Freitag ging die Postdebatte noch weiter und es trat zunächst Zubeil leb⸗ haft für die unteren Postbeamten ein, deren Gehälter und Ortszulagen er für vollkommen unzureichend erklärte. Besonders rügte er, daß den Briefträgern keine ausreichende Mittags⸗ pause gewährt wird, und daß fie für ihre Ueberarbeit während der Weihnachts⸗ und Neu⸗ jahrbestellung keine besondere Entschädigung er⸗ hielten. 0

Dann gerieten der Abg. für Marburg, von Gerlach und der Staatssekretär Kraetke scharf aneinander. Herr v. Gerlach sprach für das Koalitionsrecht der unteren Beamten, wo⸗ runter er ihr freies Vereins⸗ und Versamm⸗ lungsrecht versteht. Herr Kraetke scheint es für einen Haupttrumpf gegen Herrn v. Gerlach zu halten, wenn er diesem borwirft, daß er von einem Sozialdemokraten in Schutz ge⸗ nommen worden sei, denn er wiederholte diese Bemerkung fast mit denselben Worten. Die Hilfsboten und Unterbeamten erfuhren von ihrem Chef, daß ihre Bezahlung sich nach den allgemein üblichen Sätzen richte. Dafür wird ihnen mit einem Federstrich das Vereins⸗ und Versammlungsrecht genommen. Sie dürfen an solchen Vereinen und Versammlungen nicht teilnehmen, die dieDisziplin untergraben, und was solche Vereine und Versammlungen sind, sagt ihnen die vorgesetzte Behörde.

Nach der Auseinandersetzung zwischen Kraetke und Gerlach folgte ein Zwischenfall, der für die geträumteEinigung aller Liberalen be⸗

deichnend ift. v. Gerlach wird von dem grotzen Se een naß Eugen Richter seit langer

eit bitter gehaßt, der ihn fast in jeder Num⸗ mer seinerFreis. Ztg. herunterreißt. Unter anderem hatte er in seiner verdächtigenden Art auch geschrieben, v. Gerlach hetze in Versamm⸗ lungen die Postbeamten auf. In dieser Sitzung setzte ein eingeschworener Knappe Eugens, Herr Kopsch, ein richtiger Berliner Phrasenheld, diefes Geschäft fort. Er stellte alsliberalen Grundsatz auf, die Verbesserung der Lage der Beamten dürfe nicht durchHetzen nach unten, sondern müsse durchUeberzeugen nach oben erreicht werden. Hieran schlossen sich rüpel⸗ hafte Ausfälle gegen Herrn v. Gerlach, der vom Liberalismus abgeschüttelt werden müsse, wie er vom Antisemitismus abgeschüttelt wor den sei. Diese Ausführungen machten den Jun⸗ tern viel Vergnügen. v. Gerlach ist gewiß nicht unser Mann, aber auf sozialpolitischem Gebiete ist er doch zehnmal mehr wert, als die Frei⸗ sinnsleute, die vielfach ebenso borniert rück⸗ ständig sind, wie die Konservativen. Und wenn er in so rüpelhafter Weise angegriffen wird, weil er für die Postbeamten eintrat, so muß sich ihm unsere Sympathie zuwenden. Uebrigens verstand es v. Gerlach ganz gut, den Freisinns⸗ helden abzuführen. Schließlich redete Stöcker noch einemchristlich⸗ nationalen Postbeamten⸗ verband das Wort, der jedenfalls seine ver⸗ krachte Parteigründung wieder auf die Beine bringen soll.

Der Konflikt zwischen Kopsch und Gerlach spielte auch bei der Samsta g8⸗Verhandlung, die sich noch immer um den Postetat drehte, eine große Rolle. Herrn Kopsch sagte unser Genosse Molkenbuhr sehr gründlich seine Mein⸗ ung, indem er den Wahlspruch dieses Richter⸗ Zöglings:Nicht nach unten hetzen, sondern nach oben überzeugen ins rechte Licht rückte und die Freisinnige Zeitung als Scharfmacher⸗ organ verdientermaßen zwischen Hamburger Nachrichten und Post einrangterte. Ebenso treffend war die Erwiderung, die unser Redner dem Staatssekretär zu teil werden ließ. Gerlach fand erst in seiner zweiten Erwiderung gegen Kopsch den richtigen Ton auf die schulmeister⸗ lichen Tiraden des Richter'schen Knappen.

Die Beratung dieses Kapitels ging erst am Montag zu Ende. Unser Genosse Singer brachte wieder Beschwerden der untern Post⸗ beamten zur Sprache und wies namentlich auf den angestrengten Dienst der Telephonistinnen hin. Kraetke mußte anerkennen, daßseine Postbeamten unsere Genossen im Reichstage als ihre Fürsprecher ansehen. Eine längere Debatte setzte bei den Ostmarkenzulagen ein, die bekanntlich der Bekämpfung des Po⸗ lentums dienen sollen. Um so befremdlicher ist die Schwächlichkeit, mit der der Pole Dr. v. Jazdzewski gegen diese Vorlage auftrat. Man will sich eben die Freundschaft des Zen⸗ trums erhalten und hofft, bei einer gelegent⸗ lichen Wendung im Zickzackkurs der Regierung auch bei dieser wieder lieb Kind zu werden.

Ohne solche Rücksichten kämpft nur unsere Partei. In ihrem Namen erklärte Genosse Singer der jetzigen preußischen Polenpolitik den Krieg. Zugleich als Protest gegen das Dreiklassenparlament forderte er Ablehnung der Regierungsvorlage. Seine Kritik wurde wirksam durch den Vizepräsident Grafen Stol⸗ berg unterstützt, der dem Genossen Singer ver⸗ wehren wollte, von der Dummheit der preußi⸗ schen Politik zu sprechen; alle Abgeordneten lachten herzlich über diesen unfreiwilligen Witz.

Sonst sorgte noch der Abg. Gamp(Rp.) durch eine unglaublich komische Sozialisten⸗ fresser⸗Rede für die nötige Heiterkeit. Die Re⸗ gierungsvorlage wurde schließlich mit den Stim⸗ men der gesamten Linken und des Zentrums abgelehnt.

Beim Etat des Reichseisenbahnamtes am Dienstag stand vorwiegend der Antrag unserer Fraktion auf Uebernahme der Eisen⸗ bahnverwaltung auf das Reich im Vorder⸗ grunde. Zwei Gründe sind es vorwiegend, die nach den Ausführungeu unserer Genossen Hil⸗ denbrand und Dreesbach zu dieser Maß⸗

regel drängen. Einmal die schrankenlose Kon⸗

Mark, die

kurrenz, die sich jetzt die eigzelstaatlichen Eisen⸗ bahnverwaltungen machen. Natürlich stegen auch dabei die wirtschaftlich Stärkeren, so daß Preu⸗ ßen mit seinem Großbetrieb die mittleren und kleinen Betriebe der andern Staaten völlig zu verschlingen droht. Andererseits leidet unsere anze Volkswirtschaft, insbesondere die Arbeiter⸗ lasse unter dem heutigen Wirrwarr der Tarife und der Klasseneinteilung auf den Eisenbahnen ganz ordentlich schwer. Die Bürgerlichen waren gegen den Antrag.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Unternehmer⸗Organisation. Kürzlich fand in Friedberg eine außerordentliche Ge⸗ neralversammlung des Mitteldeutschen Arbeit⸗ geberverbandes statt, der in Frankfurt seinen Sitz hat. Es waren etwa 60 Delegierte aus Frankfurt, Darustadt, Höchst a. M., Wiesbaden, Mainz, Offenbach, Hanau, Friedberg und Gießen erschienen, außerdem noch etwa 80 andere Mitglieder. Den Vorsitz führte Herr Lüscher⸗Frankfurt a. M., welcher alsbald nach Eröffnung der Versammlung den Geschäftsbe⸗ richt des abgelaufenen Jahres bekannt gab. Danach hat der Vorstand eine Eingabe an die hessische Regierung und an den hessischen Land⸗ tag gerichtet wegen Nichtanstellung von Baukontrolleuren aus Arbeiterkreisen. Diese Eingabe kam mit der Vorstellung des Zimmerers F. Wolff III und Genossen zu Darmstadt am 16. Dezember v. J. zur Be⸗ ratung im hessischen Landtag und wurde auf Antrag des Abg. Frenay der Regierung als Unterlage bei Ausarbeitung einer Normalbe⸗ stimmung für den Arbeiterschutz überwiesen. Nach Ausführungen des Ministerialrats Braun sei angeblich anzunehmen, daß die hessische Re⸗ gierung keine besondere Sympathie für Bau- kontrolleure aus Arbeiterkreisen hat. Im Laufe der weiteren Verhandlungen werden ver⸗ schiedentliche Aenderungen der Statuten be⸗ schlossen. Unter anderem wird bestimmt, daß während der Dauer von Ausständen oder Sperren das Recht der Austrittserklärung ruht. An die Statutenberatung schlossen sich mehrere Berichte über verschiedene Lohn⸗ kämpfe an, bei denen angeblich stets günstige Resultate für die Arbeitgeber erzielt worden seien; auch sei mit christlichen Arbeitern tellweise eine Einigung erzielt worden. Schließ⸗ lich weist der Vorsitzende auf die Gefahr von drohenden Streiks im kommenden Früh⸗ jahre hin; ferner auf das Flugblatt in der Fachzeitschrift, welches durch die Maurerorga⸗ nisation verschickt wurde und an die Väter, Mütter und Schwestern gerichtet sei. Die Streikklausel sei Lebensfrage geworden; daher sollte dieselbe in alle Submissionsverträge auf⸗ genommen werden. Die sozialdemokratischen Arbeiter agitieren bereits eifrigst. Damit schlossen die Verhandlungen.

Die Frankfurter Gewerbegerichtswahl

wird nächsten Montag, den 29. Februar vor⸗ genommen. Hierbei kommt das Proportio⸗ nalsystem zur Anwendung und es werden daher auch diechristlichen und sonstigen Or⸗ ganisationen Anstrengungen machen.

Wachstum der deutschen Gewerk⸗ schaftsbewegung. Bereits jetzt läßt sich aus den Berichten der einzelnen Berufsvereine feststellen, daß die Mitgliederzahl von 19 Ge⸗ werkschaften im 3. Quartal 1903 um beinah 40000 gestiegen ist im Vergleich zu der Mit' gliederzahl des gleichen Quartals im Vorjahre Daraus läßt sich auch schon der Schluß ziehen, daß die im Sommer zu erwartenden Jahres- übersichten eine erfreuliche Aufwärtsbewegung der deutschen Gewerkschaften zu verzeichnen haben werden.

Bäckerverbaud. Der Vorstand dieser Organisation hat schon seinen Geschäfts⸗ und Kassenbericht über das Jahr 1903 veröffentlicht. Die Gesamteinn ahme inkl. eines Kassenbe⸗ standes von 32,448.07 Mk. betrug 128,930.64 Gesamtausgabe 82, 238.16 Mk.