Ausgabe 
28.2.1904
 
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Seite 2.

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Mitteldeutsche Zountags⸗Zeitung.

Nr. 9.

bar. Der Vertreter des Zentralkomités, Sin⸗

dermann, wie auch die Vertreter des Chem⸗ nitzer Agitattonskomités wandten sich entschieden dagegen. Trotzdem erhielt Göhre die große Mehrheit. Wir sind auch der Meinung, daß die Genossen hier nicht den besten Griff ge⸗ macht haben. Das Verhalten Göhres konnte doch wirklich nicht dazu ermutigen, ihm ahn neue eine Kandidatur anzubieten. Ob für ihn sämtliche Genossen des Kreises mit demselben Eifer in den Wahlkampf gehen, wie sie es für Rosenow getan haben, ist fraglich. Als Kan⸗ didat der Ordnungsleute wird der viel durch⸗ gefalle ne Antisemiten⸗Häuptling Oswald Zim⸗ mermann genannt.

In Eschwege⸗Schmalkalden findet die⸗ Stichwahl am 1. März statt. Daß hier der Freistnn für den Sozialdemokraten ein⸗ treten wird, ist kaum anzunehmen, wenigstens hat diese Partei noch nichts über ihre Stellung⸗ nahme zur Stichwahl verlauten lassen. Es wird kommen, wie wir vor acht Tagen sagten, der Freisinn wird dem Judenfresser zum Siege verhelfen! 67

Sieg in Cassel! Bei den am Mittwoch in Cassel stattgefundenen Stadtverordneten⸗ wahlen der dritten Klasse siegte die sozial⸗ demokratische Liste. Bravo!

Deutsche Gerechtigkeit.

Kürzlich kam ein Terrorismusfall vor dem Landgericht in Beuthen zur Aburteilung, der wieder einmal mit aller Deutlichkeit beweist, daß es in Deutschland und besonders in den da für berühmt gewordenen Schlesien durchaus nicht dasselbe ist, wenn zwei dasselbe tun. Während des Beuthener Maurerstreiks im Juni vorigen Jahres wurde der Maurer Scholz beim Vorüberfahren an einem Bau von dem Bauunternehmer Bialas gezwungen, vom Rade zu steigen, und erhielt nach einem Wortwechsel von diesem mehrere Schläge mit dessen dickem Stocke. Der Fleischermeister Nawrath, der auch bauen ließ, kam dazu und nahm Bialas' Stock, um die Mißhandlungen gegen Scholz fortzusetzen; dieser ergriff aber die Flucht, da eine ganze Anzahl Arbeits⸗ williger von den nahegelegenen Bauten mit Kuüppeln und Steinen auf ihn losgingen. Von den Verfolgern war Nawrath der erste, er schlug nach der Bekundung eines Zeugen nach Scholz mit dem Stock, worauf dieser sich umdrehte und Nawrath den Stock entwand, wobei N. hinfiel. Als er wieder aufgestanden war, schlug Scholz nach seiner eigenen Angabe mehreremale mit dem Stock den Nawrath so, daß dieser blutete. Das Schöffengericht nahm seiner Zeit an, daß Scholz sich nicht in Not⸗ wehr befand, als er N. schlug und verur⸗ teilte ihn deshalb zu zwei Monaten Ge⸗ fängnis, während der gleichfalls angeklagte Nawrath freigesprochen, Bialas aber zu 21 Mark Geldstrafe verurteilt wurde.

Vor dem Landgericht wurde jetzt die Strafe des Scholz allerdings von zwet Monaten auf drei Wochen Gefängnis herabgesetzt; sein freigesprochener Verfolger aber noch nachträglich zu 21 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Damit ist an dem schreienden Miß ver⸗ hältnis in dem Urteil gegen den Unternehmer und dem Arbeiter nichts geändert:

Der verfolgte Arbeiter erhält zwei Monate bezw. drei Wochen Gefängnis.

Die verfolgenden Unternehmer er⸗ halten je 21 Mark Geldstrafe.

Dabei ist der eine Unternehmer schon zwölf⸗ utal, darunter fünfmal wegen Körperverletzung, 1 wegen Unterschlagung u. s. w. vor⸗

estraft!

Arbeiterfreundliche Geistliche

werden gemaßregelt. 12 sächstsche Pastoren hatten sich während des Crimmitschauer Streiks in einer Erklärung für die Textilar⸗ beiter ausgesprochen und sich gegen ihren Amts⸗ bruder Schink⸗Crimmitschau nebst Anhang gewandt, der bekanntlich den Unternehmern durchaus recht gab. Dafür hat jetzt das säch⸗ sische Kultusministerium das Disziplinar⸗

verfahren gegen jene zwölf eingeleitet. Der Fall zeigt deutlich, welche Aufg ibe die Geist⸗ lichkeit im christlich⸗kapitalistischen Staate hat. Tritt der Diener Gottes nicht für die Besitzenden und das Unternehmertum ein, so wird er einfach von der Krippe gejagt. Das wußte man zwar schon früher, aber hier wird doch die Situation wieder einmal recht klar beleuchtet.

Sozialistische Kundgebungen

wurden am Samstag in Budapest veran⸗ staltet, um gegen eine vom Ministerium er⸗ lassene, gegen sozialistische Versammlungen ge⸗ richtete Verordnung zu protestieren. Sonntag wiederholten sich die Demonstrationen und es beteiligte sich eine größere Volksmenge als am Tage zuvor daran. Man zog vor das Gebäude des liberalen Klubs, wo der Ministerpräsident Graf Tisza sich aufhielt und eröffnete ein Steinbombardement auf dasselbe. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Scher⸗ gen des Gräfleins Tisza gehen in geradezu unerhörter Weise gegen die sozialdemokratische Partei vor. Täglich werden die Parteiorgane konfisziert, Redakteure verhaftet, Versammlungen verboten usw., kurz die ungarische Polizei ver⸗ fährt ganz nach russischem Muster!

Börsenkrach in Frankreich.

Durch den russisch⸗japanischen Krieg ist in Frankreich eine Börsen⸗Panik ausgebrochen, die schlimmste, die es seit 1870 gegeben hat. In Frankreich ist ein großer Teil der russischen Anleihepapiere untergebracht, die im Werte ganz bedeutend gefallen sind, seitdem die Nach⸗ richten von den russischen Schlappen einliefen. Die Zeitungen berichteten, daß sogar der Wert der französischen Rente sich seit Anfang Februar um 875 Millionen Fres. verringert habe. DieLanterne fragt entsetzt:Was soll werden, wenn die Panik fortdauert? Frank⸗ reich besitzt ziemlich 10 Milliarden russischer Rente, deren größter Teil in den Wollstrümpfen der kleinen Rentner ruht. Wenn die Russen noch eine ernste Niederlage erleiden, werden die russischen Werte den Markt überschwemmen und eine furchtbare Baisse und eine unwider⸗ stehliche Panik herbeiführen, das wäre für tau⸗ sende braver Leute der Ruin und zugleich eine neue Kriegsgefahr, denn die Inhaber der russischen Werte würden die Versuchung ver⸗ spüren, unsre Regierung zu drängen, der ver⸗ bündeten Nation zu Hilfe zu eilen. Hier zeigt sich, wie die wirtschaftlichen Interessen der französischen Bevölkerung durch den Kampf auf der entgegengesetzten Erdhälfte, an dem Frankreich direkt unbeteiligt ist, in Mitleiden⸗ schaft gezogen werden. Dem franz. Volke wird die Russenfreundschaft teuer zu stehen kommen.

Ein Manifest, das von der allgemeinen Konföderation der Arbeit erlassen wurde, wendet sich energisch gegen jede In⸗ tervention Frankreichs zugunsten des einen oder des andern Landes. In gleich scharfer Weise spricht es sich gegen das Reich der Knute und gegen den japanischen Imperialismus aus. Beide, das offizielle Japan und Rußland repräsentteren die Barbarei, die kapitalistischen Interessen und die Ausbeutung des Menschen. Die Arbeiterschaft bekämpfe entschieden die Ein⸗ a zugunsten des einen oder des andern

andes.

Die russische Sozialdemokratie und der Krieg.

Das Organ der russischen Sozialdemokratie, dieJskra sprach sich kürzlich über den Krieg und seine möglichen Wirkungen auf die 5 Entwickelung Rußlands folgendermaßen aus:

Wie, immer das Drama, das jetzt im fernen Osten seinen Anfang nimmt, auf den Gang der Weltbegebenheiten einwirken wird, für unser Vaterland ist es von unermeßlicher Bedeutung. Die Nachgiebigkeit und Feigheit der zarischen Regierung, die sich in den letzten Wochen offenbarten, bezeugten uns die Schwäche der Regierung. Aber sie vermochte den schreck⸗ lichen Krieg nicht zu verhindern, die früheren

Verbrechen drängten die Selbstherrschaft immer

weiter auf den 2555 wo sie der Untergang er⸗ 1

wartet. Die Selbstherrschaft weiß, daß sie und nicht Japan dem Volk als der Feind gilt, sie weiß, daß in Millionen Herzen ein unauslöschlicher Haß gegen sie entflammt ist und daß nur durch Kugeln, Bajonette und

Galgen der Ausbruch des Volkszornes zurück⸗ 4 ö

gehalten wird. Nicht umsonst ist in vielen Städten ein Sturm auf die Sparkassen erfolgt. Die Spareinleger trauen dieser. Mute nicht, die sich nur durch schwindelhafte Anleihen und durch offenkundigen Raub am Volke halten kann, und sie verlangen darum die ihr anver⸗

trauten Groschen zurück. Nicht ohne Grund

spricht man von den kolossalen Diebstählen und förmlichen Plünderungen, die schon jetzt bei allen mit den Kriegsvorbereitungen zu⸗ sammenhängenden Aktionen offenbar wurden. Unter dem Drucke des Volkszornes, des allge⸗ meinen Mißtrauens und der eigenen Fäulnis muß dieses asiatische Regime zusammenbrechen,

das alles, was zum Licht, zur Entwicklung,

zum Leben strebt, zertritt und vernichtet.

Das ganze Volk und vor allem die arbei⸗ tenden Klassen müssen auf ihre ohnedies sch wer belasteten Schultern noch diese neue Last neh⸗ men, die die zarische Regierung ihnen auferlegt hat. Wir wünschen also, daß die Opfer nicht vergebens gebracht seien und daß uns der Krieg einen Sieg über die Selbstherr⸗ schaft bringe. Möge die zarische Regierung als Opfer ihrer Verbrechen fallen, möge unser Vaterland durch die Tränen und durch das Blut hindurch aus diesem Meer von Unglück seine Befreiung vom Joche des Zartis⸗ mus erringen.

In verschiedenen Orten Rußlands fanden Demonstrationen gegen den Krieg und die Regierung statt. So in Odessa, Charkow, Kiew und Petersburg. In Moskau zog am Sonntag ein Volkshaufe durch die Straßen unter Absingen der Marseillaise und mit den Rufen:Nieder mit der Selbstherrschaft!

Vom rusfisch⸗japanischen Kriege.

Bemerkenswerte Ereignisse haben sich in der letzten Woche auf dem Kriegsschauplatze nicht abgespielt und die Nachrichten-Bureaus gefallen sich darin, Berichte über die früheren Zusam⸗ menstöße dem Publikum immer wieder und in immer anderer Leseart zu servieren. Wahr⸗ scheinlich ist, daß die Japaner noch weitere Angriffe auf Port Arthur unternommen haben, doch liegen über die Erfolge derselben keine zuverlässigen Nachrichten vor. Doch scheinen die Japaner ungehindert Truppen in Korea zu landen, die sich nördlich nach dem Paluflusse zu(der zwischen Korea und der Mandschurei die Grenze bildet) in Bewegung setzen. Vor

Mitte März werden indessen keine größeren

Kämpfe erwartet. Unterdessen haben die Russen mit den größten Transportschwierig⸗ keiten zu kämpfen. Die sibirische Eisenbahn und das Eisenbahn material befindet sich im traurigsten Zustande, ebenso das Kriegsmaterial. Natürlich haben die Beamten die Gelder in die 2 Tasche gesteckt und schlechtes Material eliefert.

g Vonpatriotischen Kundgebungen in russischen Städten wurde mehrfach berichtet. Wie derartige Dinge zu Stande kommen, geht aus einem Briefe aus Moskau hervor, der in derLeipz. Volksztg. veröffentlicht wird. Da⸗ nach wird verlottertes Gesindel zu solchen

Demonstrationen gemietet, das zum Teil in Verkleidung als Studenten die patriotische Menge markieren muß!

Aus dem Reichstage.

Ueber den Postetat begann am Mitt⸗ woch die Beratung, nachdem der Rest des Etats des Reichsamts des Innern erledigt war. Hierzu sprach zuerst der Zentrumsabgeordnete Gröber, der die lange Arbeitszeit der Post⸗

unterbeamten zur Sprache brachte, die Eing 5

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