Ausgabe 
27.11.1904
 
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Nr. 48.

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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

und Stelle. Obwohl auch der Kriegerverein und die Feuerspritze des Ortes in Tätigkeit traten, gelang es nicht, den Fenner in die Gewalt zu bekommen. Der offenbar Wahnsinnige hatte reichlich Munition und galt als sicherer Schütze. Man konnte auch nicht schärfer gegen ihn vorgehen, weil sich noch Kinder im Hause befanden. Schließlich, am Montag, erschoß sich der Belagerte.

g. In einer Holzarbeiter⸗Versammlung, die am Sonntag in Alsfeld stattfand, hielt der Gau⸗ vorsteher Buckendahl⸗ Frankfurt einen Vortrag über ⸗Arbeitgeber⸗Verbände und Arbeiter⸗Organisationen. Die Ausführungen wurden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und beifällig aufgenommen. Kollege Wiegand munterte in der Diskussion zu unablässiger Agitation unter den Holzarbeitern Alsfelds und der Umgebung auf, damit endlich einmal ein fester Zusammenschluß derselben herbeigeführt und die jämmerlichen Arbeitsver⸗ hältnisse gebessert werden könnten. Nach Wahl dreier Revisoren wurde noch aufgefordert, diejenigen Wirte zu besuchen, wo auch die Arbeiter freundliche Aufnahme finden: Johanichen(Vereinslokal), Gg. Grundberger und Fr. Hahn Wtwe. In der nächsten Versammlung wird voraussichtlich Redakteur Vetters Gießen einen Vortrag halten.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Bei der Stichwahl zur Stadtverordneten⸗ Versammlung wurde Mechaniker Michaeli mit 242 und Landwirt Reinhardt mit 286 Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat des letzteten, Marmorarbeiter Frei⸗ tag, unterlag leider mit 186 Stimmen, derjenige Michaelis, Mechaniker Schrader, erhielt 233. Freitag und Michaeli wurden von unsern Parteigenossen unter⸗ stützt. Michaelis Wahl wird überall mit Genugtuung aufgenommen, er genießt wegen seiner bedeutenden Kenntnisse allgemeine Achtung und es wird von ihm erwartet, daß er als Gemeindevertreter den Interessen der werktätigen Bevölkerung besondere Beachtung schenken wird.

h. Das Spielen mit Schießgewehren

hat wieder einmal ein Opfer gefordert. Am Samstag spielten die Gymnasiasten Amend und Cloos mit einem Revolver. Plötzlich ging ein Schuß los und Cloos stürzte tot nieder. Schuld an diesem für die Eltern des Getöteten fürchterlichen Unglücks ist jedenfalls der Umstand, daß den Jungen aller Wille gelassen wird. Herr Amend, Besitzer der Lahnmühle, der so schneidig gegen die Arbeiter aufzutreten weiß, konnte wohl dafür sorgen, daß sein Söhnchen nicht so gefährliches Spiel⸗ zeug in die Finger bekommt.

O Niedershausen. Ein Agitator des Bundes der Landwirte produzierte sich hier am Mittwoch in einer gutbesuchten Versammlung im Saale des Herrn Neu. Der gute Mann machte den in Niedershausen ganz ver⸗ geblichen Versuch, Mitglieder für den Junkerbund zu werben und bemühte sich, denSegen der Zollpolitik für den Kleinbauern darzulegen. Gen. Vetters⸗Gießen kennzeichnete in einer kurzen Entgegnung die volks⸗ feindlichen und die Gesamtheit schädigenden Bestrebungen des Junkerbundes, mit dem der kleine Bauer nichts zu tun haben dürfe. Weiter wies er an zahlreichen Bei. spielen die Belastung und Schädigung des Bauernstandes durch die Zollpolitik nach. Unter allgemeiner Zustimmung forderte er auf, dem Bunde der Landwirte nicht bei⸗ zutreten. Der Bündler-Agitator geriet durch diese Ausführungen in nicht geringe Aufregung. Er hielt den Genossen für den Pfarrer und rief entrüstet:Das ist ja sehr gut, Herr Pfarrer. Danke schön, Herr Pfarrer! Dann versuchte er aber doch zu erwidern und begann mit der Erklärung, daß er eigentlich

nicht wisse, was er den Ausführungen des Pfarrers seinen Irrtum

gegenüber sagen solle. Als er auf aufmerksam gemacht wurde, meinte er:Nun, der Herr hat gepredigt wie ein Pfarrer! Dann erzählte er allerhand Geschichten von amerikanischen Eisenbahnen. Vetters antwortete ihm nochmals und forderte zum Schluß auf, nicht dem Bunde der Landwirte, son⸗ dern der wahren Volkspartei, der Sozialdemokratie, bei⸗ zutreten. Die hiesigen Kleinbauern und Arbeiter wissen schon, was sie zu tun haben. Der sozlal⸗ demotratische Wahlverein zählt bereits 40 Mitglieder.

Aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn.

t. Opfer der Arbeit. Ein gräßlicher Unglücks⸗ fall ereignete sich am Freitag in dem Steinbruchbetrieb der Grubeonstanze bei Langen aubach. Der Stein⸗ brecher Schmidt lud ein Bohrloch. Beim Reinschieben der 8. Dynamit⸗Patrone explodierte auf unerklärliche Weise die ganze Ladung und richtete Schmidt gräßlich zu. Der ganze Körper war mit Steinen gespickt. A u schlimmsten sind die Hände zugerichtet. Aerztliche Hilfe war rasch zur Stelle, doch reichten die Verbandsmittel, die auf ber Grube sein sollten, nicht aus. Der Be⸗ dauernswerte wurde in die Klinik nach Gießen trans⸗ portiert.

Aus dem Rreise Marburg⸗Kirchhaun.

r. Stabtverordneten⸗-Versammlung. Die letzte Sitzung der Stadtverordneten beschäftigte sich u. a. wieder mit dem zu errichtenden Elektrizitäts⸗ werke. Das Stadtverordnetenkollegium unternahm bereits vor kurzem einen Ausflug nach Haina, um die dortige Einrichtung und besonders die Art der Kraft⸗ maschinen zu besichtigen. Viel scheint bei dieser Tour nicht herausgekommen zu sein, denn in der Stadtver⸗ ordnetensitzung wurde man sich über die Krafterzeugung nicht einig. Einer eingesetzten Kommission, die die Vorarbeiten betreiben soll, wurden 3 000 Mk, bewilligt. Die Gesamtkosten sind auf 5-600 000 Mk. veranschlagt. Fuhrwerksunternehmer E. Heppe, der die Marburger Pferdebahn übernommen hat, ist wieder mal darum ein⸗ gekommen, die Zinsen für das Anlagekapital 60 000 Mk. herabzusetzen, da er nitt auf seine Kosten komme. Bei früheren Debatten über das Kapital Pferdebahn wurde stets ihre gute Rentablität hervorgehoben, und jetzt stellt es sich heraus, daß dem doch nicht so ist. Das eine wird sich aber Marburg sagen können: wenn die Pferdebahn noch einmal gebaut werden sollte, würden die Kosten sicherlich nicht genehmigt werden. Der Magistrat hatte bei der Stadtverordneten⸗Versammlung angefragt, wann die noch zu erledigenden Stadtver⸗ ordneten⸗Wahlen vorgenommen werden sollten. Es sind zu wählen 2 in der 1. und 2 in der 3. Klasse. Be⸗ schlossen wurde, die Wahlen der 1. Klasse vorne zmen zu lassen, während die Wahlen der 3. Klasse erst dann vorgenommen werden sollen, wenn der Prozeß mit Spediteur August Heppe erledigt ist. In einer geheimen Sitzung faßten die Stadtväter Beschluß über Bewilligung von Mitteln zum Hochzeitsgeschenk für den Kronprinzen.

* Zurückgekehrter Durchbrenner. Bürger⸗ meister Kohmann in Gemünden an der Wohra, welcher durchgebrannt war, weil eine große Uuregelmäßigkeit in der Gemeindekasse entdeckt wurde, ist wiedergekommen. Er wurde vom Amte enthoben sagt die betreffende Zeitungsmeldung. Es wäre auch noch schöner, wenn man ihn seierlich wieder auf seinen Posten gestellt hätte.

Zum Raubmord iu Heldenbergen.

Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, den Mörder des Pfarrers Thöbes zu ermitteln. Ein Ausschreiben der Gießener Staatsanwalt⸗ schaft bezeichnet den Metzgergesellen August Marklein, geboren am 9. November 1873 zu Schönwiese(Kr. Preußisch⸗Eylau) und den Schlossergesellen Michael Reger geb. am 29. Juni 1975 zu Michelsfeld(Kreis Eichenberg) als nicht unverdächtig, zu dem Raubmord in Beziehung zu stehen. Um ihre Festnahme er⸗ sucht die Staatsanwaltschaft. In Langen⸗ selbold wurde ein 33 jähriger Betsler festge⸗ nommen, der etwa 40 Mk. bares Geld und einen Revolver bei sich trug. Auch diese Ver⸗ haftung wird zu dem Heldenbergener Morde in Beziehung gebracht.

An den Fall Krohsigk

erinnert eine Bluttat, die sich in Troppau in Schlesien ereignete. Dort schoß am Montag der Feldwebel Schwab vom 54. Infanterie⸗ Regiment seinen Leutnant Franz Gruß im Rausche nieder und tötete darauf sich selbst durch einen Schuß.

Kleine Mitteilungen.

* Einbruch in die Gemeindekasse. Bei dem Gemeinderechner in Petterweil b. Fries berg wurde in der Nacht zum Dienstag eingebrochen und aus dem Kassenschranke 3000 Mk. gestohlen. Merkwürdig, daß der Rechner nichts gehört hat, obwohl der Kassen⸗ schrank in seinem Schlafzimmer steht!

* Ein gräßliches Unglück ereignete sich auf dem bei Oberroßbach belegenen Eisenstein-Bergwerk. Dort stürzte am Donnerstag ein Maurerpolier in den einige 60 Meter tiefen Schacht und wurde vollständig zerschmettert. Der Verunglückte hinterläßt Fran und drei kleine Kinder.

* Automobil⸗Zusammenstoß. Auf der Straße von Niederlahnstein nach Ems stießen zwei Automobile zusammen. Der Chauffeur des einen, dem Rentier Hophé in Reims gehörigen Wagens erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er bald nach set er Ankunft im Krankenhause zu Oberlahnstein verstarb.

** Verschiedenes. In Lich sind viele Schul⸗ kinder von Keuchhusten und Scharlach befallen. In Stockheim wurde am Samstag ein Schreiner⸗ geselle unter dem Verdacht verhaftet, im vorigen Jahre den Mord an der Telephonistin Haas am Bügelberg bei Aschaffenburg begangen zu haben. Am Samstag erschoß sich der bei der 5. Schwadron des

Ulauenregiments Nr. 6 in Hanau dieuende Ulan Georg Glock aus Eltville auf einer Mannschaftsstube. Glock diente im zweiten Jahre. Beim Bahnbau Hersfeld⸗ Treysa wurde ein Arbeiter, Familienvater mit 5 Kindern, verschüttet und getötet. Gegen den evangelichen Pfarrvikar Jos. Herkert in Beilngries wurde ein Haftbefehl wegen Sittlichkeits vergehen erlassen.

Versammlungskalender.

Samstag, den 26. November.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Marburg. Parteiversammlung. 9 Uhr bei Jesberg. frage.

Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung imGambrinus bei Wacker. Tagesord⸗ nung: 1. Konsumgenossenschaften; Ref. M. Keßler⸗ Gießen. 2. Weihnachtsfeier.

Sonntag, den 27. November.

Sarnau. Erdarbeiter⸗Versammlung. mittags 4 Uhr,

Montag, den 28. November.

Gießen. Schneider verband. Versammlung abends 9 Uhr bei Orbig.

Marburg. Schneider. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Hillberger. Tapezierer. Abends 9 Uhr Versammlung bei Hildemann.

Briefkasten. g.⸗Alsfeld. Besten Dank für freundliche Be⸗ mühung. Wir konnten aber zu unserm Bedauern nicht den ganzen Bericht aufnehmen. Außerdem wurde der Inhalt, des Vortrags vor mehreren Wochen schon einmal in unserm Blatte wiedergegeben. Wollen Sie immer berücksichtigen, daß unsere Raumverhältnisse möglichste Kürze gebieten, lassen Sie sich aber trotzdem niemals abschrecken, über Dinge von allgemeinem Interesse Mit⸗ teilung zu machen. Das gilt für alle unsere werten Korrespondenten und Leser! H.⸗Mrbg. Soll in der

nächsten Nr. behandelt werden. g

Letzte Nachrichten.

Reichstagsersatzwahl in Schwerin. Endgültiges Resultat: Dr Dade(kons.) 7033, Büsing (natlib.) 7002, Antrick(sozdem,) 10,490 Stimmen. Stichwahl zwischen Dade und Antrick.

Abends Vortrag über die Schul⸗

Nach⸗

Ein Großmütiger.

Vor wenig Tagen feierte man die 400. Wiederkehr des Geburtstages des Landgrafen Philipp von Hessen, genannt derGroß⸗ mütige, der am 13. November 1504 in Mar⸗ burg geboren wurde. In ihm erblickt der Protestantismus einen seinen ersten Helden, den er daher auch anläßlich seines Geburls⸗ tages in überschwenglicher Weise verherrlichte. Zur Feier des Tages verfehlte natürlich auch die Ordnungspresse besonders die hessische nicht, den Landgrafen alle möglichen Tugenden anzudichten. Das gilt gewissen Blättern für ihrepatriotische Pflicht, nicht bloß den leben⸗ den, sondern auch den toten Fürsten gegenüber. Diese Lobhudeleien stehen aber fast immer mit der geschichtlichen Wahrheit in direktem Wider⸗ spruch. So auch bei Philipp, über den Wilh. Blos in der Leipziger Volkszeitung auf Grund der geschichtlichen Tatsachen folgendes schreibt.

Philipp wurde schon mit 18 Jahren vom Kaiser für mündig erklärt, und das mag seinen Eigendünkel nicht wenig gefördert haben. Seine erste Tat war, daß er als Mitglied des schwäbischen Bundes mit dem reaktionären Kur⸗ fürsten von Trier gegen Franz von Sickingen zu Felde zog und dessen Erhebung niederschlug. Der Protestantismus, der heute Sickingen uno Hutten Denkmäler setzt, hat gewiß keine Ursache, dengroßmütigen Philipp dafür zu preisen, und spricht darum heute nicht gerne von dieser Episode. Philipp war es beiläufig auch der den sterbenden Sickingen nach der Einnahme von kbessen Burg Landstuhl fragte, wo er seine Schätze verborgen habe, worauf er die bekannte Einladung erhielt, die Götz von Berltchingen im Goctheschen Drama an den kaiserlichen Hauptmann richtet.

Noch wenigergroßmütig zeigte sich Phi lipp zwei Jahre nachher im großen Bauer n⸗ krieg von 1525. Dort erscheint er unter den grimmigsten Verfolgern der aufstän⸗ dischen Baueun und als Teilnehmer an den blutigen und mutwilligen Grausamkeiten der

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