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1 Nr. 26.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
Nachdem der Zug auf dem Festplatze ange⸗
kommen war, begrüßte Gen. Häuse r⸗Steinberg die Festgäste, dankte für den zahlreichen Besuch und sprach die Hoffnung aus, daß auch durch dieses Fest unsere Bewegung gefördert werden möge. Dann erteilte er dem Genossen Abg. Scheidemann das Wort zur Festrede, der etwa ausführte:
„Mit uns das Volk, mit uns der Sieg“. So lautet der Refrain des herrlichen Sozialistenmarsches, den uns eben die Musik im Festzug vorgespielt hat. Dieses Wort erhält heute so recht seine Bedeutung. Denken wir nur zurück an die Verhältnisse hier vor 10—15 Jahren, wäre es damals möglich gewesen, ein solches Fest hier zu feiern? Damals feierten die Antisemiten die Feste, von deren Partei heute nur noch einige brüchige Reste vorhanden sind; damals jubelte man hier einem Böckel zu, dessen Name heute kaum noch genannt wird. Wir haben Fortschritte gemacht; die Zeit der Böckel und Hirschel ist vorüber. Wir freuen uns dieser Entwicklung, die jenen Aerger verursacht, der sich in ihrem Verhalten zu unserm heutigen Feste zeigt. Mag ihnen der Herr vergeben! Die heute hier versammelt sind, kennen das Wort Arbeit. Was bedeutet jene antisemitische War⸗ nung vor unserm heutigen Feste, als Verachtung der Arbeit? Redner führt dann weiter aus, wie die Bauern noch vor 100 Jahren in der Leibeigenschaft steckten, geschunden und ausgebeutet von denjenigen, deren Nachkömmlinge heute als Freunde zu ihnen kommen, um sie vor ihren Interessen⸗Wagen zu spannen. Weiter wies Redner auf die kleinbäuerlichen Verhältnisse hin; viele hessische Bauernsöhne müssen in der Industrie außerhalb Hessens Arbeit suchen und in Oberhessen arbeitet der Galizier, der die Lebenshaltung herabdrückt. Auf das geistige Ni⸗ veau der Galtzier will man die Arbeiter herabdrücken, will sie verdummen, vermuckern. Der Arbeiter soll nicht denken. Die Bündler bekämpfen uns, weil der Erfolg unserer Aufklärungsarbeit das Ende der Junkerherrschaft bedeutet.— Mit Freuden können wir in die Zukunft blicken. Wie töricht handeln die Wahlrechtsräuber! Das Wahlrecht ist ein Ventil, zeigt, wie das Volk denkt. Wenn die Uhr 12 zeigt, wird's nicht wieder 11, wenn man die Uhr zertrümmert, ebensowenig verschwin⸗ det die Sozialdemokratie mit der Beseitigung des Wahl⸗ rechts. Aber wir müssen die Folgen ablehnen, wenn die Politik des Wahlrechtsraubes der Anarchismus großzieht!— Wir wollen gerechte Zustände! Alle Menschen sollen frei und gleich sein. Nicht der Inhalt des Geldsacks soll den Wert des Menschen bestimmen. Bessere, schönere Zeiten wollen wir herbeiführen. Dazu soll das heutige Fest mithelfen; ermuntern und stärken wollen wir uns zu neuer Arbeit! Leiste jeder sein Teil! Das geloben wir, indem wir rufen: Hoch die inter⸗ nationale Sozialdemokratie!
Jubelnd stimmten die Zuhörer in das Hoch ein und spendeten der ausgezeichneten Rede Scheidemanns stürmischen Beifall.— Darauf folgten Gesangsvorträge der Arbeitergesang⸗ vereine Steinberg, Eintracht⸗Gießen, Eintracht⸗ Marburg, Heuchelheim usw., dazwischen wurde getanzt. Den Kindern bereitete man durch Verteilung einer Masse Bretzeln große Freude. Viel Heiterkeit erregte auch der Aufstieg zweier Luftballons; kurz, man vergnügte sich aufs all⸗ seitig beste, bis die Zeit der Abfahrt des Extra⸗ zuges wieder gekommen war. Jeder schied im Bewußtsein, einen herrlichen Tag verlebt zu haben mit dem Wunsche: Auf Wiedersehen im nächsten Jahre!
Aus dem Rreise sriedherg⸗Pü dingen
x. Der Bahnbau Vilbel⸗Stock⸗ heim macht gute Fortschritte, der Unterbau ist fast überall fertig gestellt. Mit dieser Bahn wird endlich ein Wunsch erfüllt, der von den Bewohnern der dabei interessierten Orte seit Jahren immer dringlicher wiederholt wurde. Jedenfalls wird dadurch eine bedeutend bessere Verbindung des Vogelsbergs, besonders des Büdinger Kreises, hergestellt als sie bisher vor⸗ handen war.— Wie berichtet wird, wendeten sich viele ländlichen Arbeiter dem Bahnbau zu, sodaß Arbeitermangel in den landwirtschaftlichen Betrieben bemerkbar werde. Das hat. in den Arbeitsverhältnissen in der Landwirt⸗ schaft seinen Grund; man kann es doch den Arbeitern nicht verübeln, wenn sie ihre Arbeits⸗ kraft dort verkaufen, wo ste den besten Preis dafür erzielen. 6
Aus dem Rreise Wetzlar.
* Gewerbegerichtswahlen. Für das Gewerbegericht Wetzlar finden, nachdem ein neues Statut dafür errichtet ist, die Beisitzer⸗
wahlen am 15. Juli statt. Es sind folgende 5 Wahlbezirke gebildet worden;
Der 1. Wahlbezirk, umfassend die Stadt Wetzlar einschl. Wetzlar⸗Niedergirmes, die Bürgermeistereien Rechtenbach und Schöffengrund und Garbenheim wählt 8 Beisitzer. Wahlzeit: von 12—1 Uhr mittags und 7—8 Uhr abends im Sitzungssaale des Kreishauses in Wetzlar.
Der 2. Wahlbezirk, umfassend die Bürger⸗ meistereien Braunfels und Greifenstein mit Ausnahme von Daubhausen, Greifenthal, Greifenstein und Edingen, wählt 6 Beisttzer. Wahlzeit: Von 11—1 Uhr mittags im Sitzungs⸗ zimmer des Bürgermeister-Amts zu Braunfels.
Der 3. Wahlbezirk unmfassend die Bürger⸗ meisterei Aßlar, ferner Daubhausen, Greifenthal, Greifenstein Edingen Oberlemp, Bermoll, Bellers⸗ dorf und Altenkirchen wählt 6 Beisitzer. Wahl⸗ zeit: vou 11—1 Uhr mittags im Sitzungs⸗ 1 des Bürgermeisterei⸗Amts zu Ehrings⸗
ausen;
Der A. Wahlbezirk Krofdorf, umfassend die Bürgermeistereien Atzbach und Launsbach mit Ausnahme Garbenheim und die Gemeinden Ahrdt, Groß⸗Altenstädten, Blasbach, Erda Hohensolms und Mudersbach wählt 6 Beisitzer. Wahlzeit von 11—1 Uhr mittags im Sitzungs⸗ zimmer des Bürgermeister⸗Amts zu Krofdorf;
Der 5. Wahlbezirk Rodheim, umfassend die Gemeinden Hermannstein, Naunheim, Wald⸗
irmes, Rodheim, Königsberg und Fellings⸗
haufen wählt 4 Beisitzer. Wah zeit: von 11—1 Uhr mittags im Saale des Gastwirts Stork zu Rodheim.
Die Beisitzer sind je zur Hälfte aus den Kreisen der Arbeitgeber und Arbeiter zu ent⸗ nehmen. Wählbar sind die Wahlberechtigten, welche das 30. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens 2 Jahren im Bezirk des Ge— werbegerichts wohnen oder beschäftigt sind.— Wahlberechtigt als Arbeitnehmer ist, wer seit mindestens einem Jahre im Bezirke wohnt oder beschäftigt ist. Zwecks Aufnahme in die Wählerlisten müssen sich die Wähler unter Vorlage eines Ausweises über ihre Stimm⸗ berechtigung spätestens bis Montag den 4. Juli bet der Bürgermeisterei ihres Wohn- oder Be⸗ schäftigungsortes anmelden.— Umständ⸗ licher, als es hier geschehen ist, konnte die Wahl kaum gemacht werden. Diese Einteilung der Wahlbezirke! Stundenweit sollen die Wähler verschtedener Orte nach dem Wahlort trotten; das ganz nahe bei Wetzlar gelegene Hermann⸗ stein z. B. wählt in Rodheim! Dann die un⸗ günstige Wahlzeit. Wenn man schon den Frei⸗ tag als Wahltag nahm, dann konnte man doch wenigstens die Abend⸗ und nicht die Mittags⸗ stunden als Wahlzeit festsetzen. Warum haben das die Beisitzer nicht beantragt? Unter solchen Umständen klingt es bald wie Ironie, wenn der Vorsitzende zu zahlreicher Beteiligung einlädt.
Aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn.
t. Auf der Minerva⸗Hütte in Haiger, mit deren Arbeitsverhältnissen wir uns leider schon öfters beschäftigen mußten, drohte vorige Woche in der Formerei ein Streik auszubrechen. Der neu eingetretene Formermeister versuchte, wahrscheinlich auf An⸗ weisung die ohnehin niederen Akkordlöhne her— rabzusetzen und zog auch tatsächlich einem jugendlichen Arbeiter von seinem verdienten Akkordlohn 9 Mk. ab, sodaß demselben statt 19 Mk. nur 10 Mk. ausbezahlt wurden.— Das ging aber selbst den rückständigen Ar- beitern über die Hutschnur; sie rückten dem Meister zu Leibe, drohten mit sofortiger Arbeits⸗ einstellung, 9 Mann reichten auch sofort die Kündigung ein. Die Betriebsleitung entging der Arbeitseinstellung diesmal dadurch, daß sie die alten Lohn⸗Akkordsätze weiter bestehen ließ. (Wie lange?) Da der Ausbruch neuer Differenzen nicht ausgeschlossen ist, bitten wir alle organisierten Former den Zuzug nach Haiger streng zu meiden. Unter der früheren Leitung gingen die Arbeits- und Lohnverhältnisse noch einiger⸗ maßen an, die heutige Leitung scheint die Arbeiter dafür haftbar machen zu wollen, daß der Wertbetrag des Versandes der Hütte, um tausende Mark im letzten Jahr zurückgegangen
ist. Sollen etwa die Arbeiter verantwortlich gemacht werden, wenn die Profite nicht reich⸗ lich genug ausfallen und die Finanzleute sich dem Unternehmen gegenüber zugeknöpfter zeigen. Den Herren Arbeitgebern scheint die bielge⸗ priesene Wohlfahrt ihrer Arbeiter nur am Herzen zu liegen, weun es sich um Knebelung und Ausbeutung der Arbeiterschaft handelt.
t. Eine nationalliberale Parteiver⸗ sammlung fand am Sonntag in Dillenburg statt, um über die Schulfrage zu beraten. Die lieben Christlich⸗Sozialen erhoben ein großes Geschrei darüber, daß die Sache in einer Versammlung in dez nur Nationalliberale Zutritt haben verhandelt wurde. Rich⸗ tiger wäre es freilich gewesen, wenn Herr Hofmann über seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter in einer öffent⸗ lichen Versammlung berichtet hätte, was, wie wir hörten, im Herbste geschehen soll. Eingangs seines Vortrags behandelte Abg. Amtsrichter Hofmann die Welt⸗ und Flottenpolitik durch die nationalliberale Begeisterungs⸗ Brille betrachtet. Dann setzte er die Ansicht der Natio⸗ nalliberalen in der Schulfrage auseinander. Ein Lehrer sprach sich für Anstellung der Lehrer als Staatsbeamte aus. Von den anwesenden höheren Schulmännern erhob keiner Widerspruch gegen das Verhalten der National⸗ liberalen in der Schulfrage, das schließlich zur Auslieferung der Schule an das Pfaffentum führt. Dadurch zeigen sie und die Mehrheit der nationalliberalen Wähler, daß sie kein Verständnis für die Schulpolitik besitzen und bereit sind, bewährte Grundsätze derselben preiszugeben. Genau wie beim Zolltarif haben sich die Nationallibe⸗ ralen in dieser für die Zukunft unseres Vaterlandes äußerst wichtigen Frage ganz in das Schlepptau der Konservativen und Rückschrittler begeben.— Am Schlusse der Versammlung sprach Herr Lehrer Weider gegen die Christlich⸗Soztalen die auch unfähig seien, die bösen Sozis zu bekämpfen, denn die haben sich auch in unserm Wahlkreis über 50% vermehrt. Wir können den Leuten der Drehscheibenpartei versichern, daß in unserm Kreise die Sozialdemokratie noch ganz bedeutend gewinnen wird. Dafür werden wir sorgen und dafür sorgen auch — unsere Gegner.
Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.
r. Von der Maurer⸗Aussperrung! Anfang der Woche verbreitete sich in Marburg das Ge⸗ rücht, die Aussperrung sei beendet. Dem ist jedoch nicht so. Zur Aufklärung diene folgendes: Die verschiedenen Unterhanolungen zwischen den Bauunternehmern und der Lohnkommission ergaben, daß die Unternehmer die 10 stündige Arbeitszeit und einen Lohn„je nach Leistung“ bis zu 38 Pfg. zahlen wollen. Vom 1. April 1905 ab, soll je nach Leistung 40 Pfg. ge⸗ zahlt werden. Die Lohnkommission wollte die Worte: „je nach Leist ung“ gestrichen haben und die Scheere dann sosort aufheben. Darauf ließen sich die Unternehmer jedoch nicht ein, und deshalb dauert die Aussperrung fort.
— Bekanntmachung der Gewerkschafts⸗ kommission. Zwecks Revision der Bibliothek müssen sämtliche Bücher diesen Sonntag, den 26. Juni a b⸗ geliefert werden. Die Ausgabe erfolgt wieder am nächsten Sonntag um 11 Uhr.
r Furchtbar verletzt wurde am Freitag ein bei dem Oberamtmann Flemming in Büdingen be⸗ diensteter Knecht, der bei der Mähmaschine auf der Wiese beschäftigt war. Jedenfalls wollte er bei der Maschine etwas in Ordnung machen, als die Pferde anzogen und der Knecht unter die scharfen Messer geriet. Der Verunglückte wurde in das Spital nach Büdingen gebracht, seine Verletzungen sind so schwere, daß an seinem lufkommen gezweifelt wird.
* Opfer der Arbeit. In der Hafenmühle in Oberlahnstein verunglückte vorige Woche der Arbeiter Johann Schmidt auf grausige Weise. Er kam bei Bedienung der Sichtmaschine mit den Kleidern in die Transmission, wurde mehreremal heruntergeschleudert und so schwer verletzt, daß er bald darauf im Kranken- haus starb. Der Verunglückte stand im 46. Lebensjahre und hinterläßt Frau und 3 Kinder.
Briefkasten.
Watzenborn. Lassen Sie doch die Kerle schimpfen. Es kann uns ja auch ganz gleichgültig sein, wer den Kaffee bei Bürgermeisters trinkt. Mag er ihnen gut schmecken!— Bei Zuschriften an uns dürfen Sie aber nie vergessen, ihren Namen darunter zu setzen.— Wetzlar. Mit anonymen Einsendungen können wir absolut nichts machen. Nur wenn Sie sich uns nennen, ihre Adresse angeben und die betr. Mißstände genauer schildern, können wir darauf eingehen. Sie brauchen sich gar nicht zu genieren, von uns wird Ihr Name keinem Menschen genannt, auch keinem Staatsan⸗ walt und keinem Gerichte. b.⸗Wetzlar. Ueber 20 gr. schwere Briefe kosten 20 Pfg. Porto; bei ungenügend frankierten wird Strafporto erhoben— das solltest Du für Dein Alter eigentlich wissen.— Fall Bieker
noch nicht erledigt.


