Ausgabe 
25.12.1904
 
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Nr. 52.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

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Seite 3.

Tage ein Mitglied des christlichen Verbandes der graphischen Berufe in der Tasche seines im Schranke hängenden Rockes ein Packet, dessen Inhalt sich als Menschenkot erwies. Hätte man nicht den Urheber dieser Schweinerei er⸗ mittelt, so wäre diese Geschichte ganz zweifellos in den nächsten Tagen in der 1 8 0 gewerk⸗ schaftschristlichen und zentrümlichen Skandal⸗ presse als neuester scheußlicher Terrorismusfall der freien Gewerkschaften in der bekannten Art breitgetreten worden. Der Kölner Lokal⸗Anzeiger hätte die stinkende Geschichte in der ihm eigenen Weise gegen diesozialdemokratischen Gewerk⸗ schaften ausgebeutet, und die Versammlungen der Siegerwald, Kurtscheid, Göbhard und an⸗ derer Märchenerzähler hätten einen neuen Schlager gehabt. Aber es hat nicht sollen sein. Die Nachforschungen ergaben, daß der Urheber des Attentats der christliche Werkstättenvertrauensmann war, ein Herr, der auch im katholischen Gesellen verein eine Rolle spielt. Die christliche Gewerkschafts⸗ größe hatte einen Lehrling zu dem infamen Streich verleitet, nachdem schon kurz vorher ein von ihm angestiftetes ähnliches Attentat auf den nämlichen Buchbinder fehlgeschlagen war. Er beabsichtigte, auf diese Art den Betreffenden aus dem Betriebe hinauszuekeln, weil dieser bei seinen Kollegen als Streber und Anträger gilt. Dabei gehört dieser letztere, was sehr bemerkenswert ist, zu den führenden Mitgliedern des christlichen Verbandes der graphischen Be⸗ rufe; es heißt sogar, er sei im Hauptvorstand dieser Zentrumsgewerkschaft. Wenn die Behrens, Burckhardt ꝛc. wieder mal ausziehen, um rückständigen Leuten von sozialdemokratischem Terrorismus vorzuschwefeln, sollten sie dieses christliche Stückchen auch mit in ihr Register aufnehmen.

Großherzog in der Finanzklemme.

Der Großherzog von Mecklenburg hatte eine Forderung um Erhöhung seiner Einkünfte um 350 000 Mk. bei dem Landtage eingereicht, dieser weigerte sich jedoch, die Summe dem Schweriner Landesvater zu begleichen und lehnte die Jorderung ab. Der Landtagsabg. Bürgermeister Susserot⸗Güstrow erklärte dazu:

Hier handelt es sich darum, ob wir Mittel für die Bezahlung der Schulden des Landesherrn bewilligen sollen. Dies können wir bei unserer eigenen bedrängten Lage nicht. Wenn ich nach Hause komme und meinen Bürgern sage, wir haben zwei Zehntel mehr bewilligt, das heißt für Güstrow 16 000 Mk., so würde sich eine allgemeine Entrüstung geltend machen.

Friedrich Franz will sich jedoch die Ab⸗ lehnung nicht gefallen lassen und hat dem Landtage eine neue Vorlage unterbreitet, in der erdie unbedingte Erwartung ausspricht, daß ihm die für die Führung des Landregi⸗ ments erforderlichen Mittel in voller Summ⸗ gewährt werden.

Der Landtag hat die neue Vorlage einst⸗ weilen einer Kommission überwiesen Wenn auch dieses Mal nicht bewilligt wird, bleibt Friedrich Franzen nichts weiter übrig als die Arbeit niederzulegen. Mecklenburg würde dann Republik werden, falls sich nicht jemand finden sollte, der es zu dem bisherigen Lohn weiter regiert.

Die Stichwahl in Jerichow,

dem Bismarck'schen Wahlkreise, hat mit dem Siege des Freisinnigen, Lehrer Merten, geendet. Derselbe erhielt 16302 Stimmen, unser Genosse Voigt nur 7105. Dieses Resultat war ja vorauszusehen und unsere Genossen werden daher bei der Stichwahl größere Anstrengungen nicht gemacht haben. Der ganze gegnerische Mischmasch hielt natürlich zusammen. Antise⸗ miten, Junkerpartei alles stimmte für den Freisinnsmann. Ist ja schließlich auch kein großer Unterschied zwischen ihnen.

Sozialistische Wahlerfolge.

Bei den Landtagswahlen in Lippe wurden zwel Sozialdemokraten gewählt. Im ersten Wahlkreis siegre Genosse Auderer mit

759 Stimmen über den Liberalen, im zweiten

Genosse Schmuck mit 876 Stimmen über den

Freisinnigen. In Heddernheim bei Frank⸗

furt waren am Freitag Gemeindewahlen. Von den dabei abgegebenen 332 Stimmen erhielten die sozialdemokratischen Kandidaten 180, siegten also glänzend. Die Sozialdemokratie hat also im Verlaufe von zwei Jahren in ihrer Stim⸗ menzahl 120 Prozent zugenommen.

In Norwegen hat die Sozialdemokratie bei den Gemeindewahlen erheblichen Stimmen⸗ zuwachs zu verzeichnen. So erschienen in der Hauptstadt Christiania 35000 Wahl⸗ berechtigte, darunter 15000 Frauen zur Wahl. Die Sozialdemokraten erhielten hier 9500 Stimmen gegen 4500 bei der letzten Wahl und da dort das Proportionalsystem besteht, wird auch die Zahl der sozialdemokratischen Gemeinde⸗ vertreter steigen. Aehnliche Ergebnisse brachten amefe norwegische Städte.

Geld Syveton.

Der Fall Syveton bedeutet für die Nationalisten das sind Gesinnungsverwandte unserer Antisemiten eine nRiederschmetternde Blamage. Die weitere Unter⸗ suchung hat nicht nur festgestellt, daß der Bursche tat⸗ sächlich Selbstmord beging, sondern auch, daß er ein ganz gemeiner Sittlichkeits verbrecher war, der seine Stieftochter und andere Mädchen vergewaltigt hatte. Außerdem soll er Gelder veruntreut haben. Als er keine Rettung mehr sah und ihm von seinem Schwieger⸗ sohne mit Enthüllung seiner Schandtaten gedroht wurde, beging er die Tat noch einer heftigen häuslichen Szene. Für das Hirschelblatt in Friedberg ist es be⸗ zeichnend, daß es diesen Hallunken weiß zu waschen sucht, und den Schwindel, als sei er von seinen poli⸗ tischen Gegnern ermordet worden, glauben machen will. Wir haben allerdings noch stets die Wahrnehmungen gemacht, daß dieses saubere Organ ehrliche Leute ver⸗ unglimpft und gewissenlose Lumpen herausstreicht.

Kleine politische Nachrichten.

Der Zentrumsabgeordnete Bachem hat sein Land⸗ tagsmandat niedergelegt, wie es heißt, um Herrn Spahn in der Führung der Zentrumsfraktion Platz zu machen. Das Reichstag smandat behält ee bei. Gegen den Reichstagsabg. Drees bach soll ein Strafverfahren ein⸗ geleitet werden, weil er sich eines Vergehens gegen das badische Vereinsgesetz schuldig gemacht haben soll, indem er bei der Pernerstorfer⸗Versammlung in Mannheim nach der erfolgten Auflösung über eine Resolution ab⸗ stimmen ließ. In Ludwigshafen wurde ein Sozialdemokrat, der Bäckermeister Binder zum Stellver⸗ treter des Bürgermeisters gewählt. Das dürfte der erste derartige Fall in Bayern sein.

Russisch⸗japanischer Krieg.

Bei der Belagerung Port Arthurs haben vorige Woche heftige Kämpfe stattge⸗ funden. Aus dem Hauptquartier wurde nach Tokio berichtet:Am 18. Dezember um Uhr nachmittags führte eine Abteilung in der Brust⸗ wehr des Nordforts von Tun⸗Kikwanschan eine große Explosion herbei und machte dann einen Sturmangriff, dem ein heftiges Gefecht mit Granaten folgte. Der Feind leistete hartnäckigsten Widerstand. Um 7 Uhr abends rückte General Samejtma vor, machte einen großen Sturm⸗ angriff und nahm das obengenannte Fort. Wir eroberten 5 Feldgeschütze, 2 Maschinen⸗ kanonen und eine Menge Munition.

Die baltische Flotte nähert sich. immer mehr. Die Japaner sollen nach einer Meldung vom Dienstag bereits ein mächtiges Geschwader nach dem Süden abgeschickt haben, um die Russen anzugreifen.

Aus der Mandschuret liegen nur Mel⸗ dungen über unbedeutende Scharmützel vor.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Wahlen zu den Kaufmannsgerichten haben in verschiedenen Städten stattgefunden. In Straßburg i. Els. stegte die Liste des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen, der auf den Standpunkt der freien Gewerkschaften steht. Die sozialdemokratischen Handlungs⸗ gehülfen in Leipzig brachten vier Beisitzer durch. In Hamburg wurden drei Zentral⸗ verbändler gewählt.

Lohnkämpfe. Der Bergarbeiter⸗Ausstand in den Habichtswalder Zechen bei Kassel ist

nach 14 tägiger Dauer beendet. Dagegen geht der Kampf in Neurode in Schlesten noch weiter. Die Gährung im Ruhrreptier ist eine ganz gewaltige unter den Bergarbeitern, doch gelang es den Führern des Verbandes bisher einen Ausstand zu verhüten. Ob es ihnen aber gelingt, ist sehr fraglich. Ueber das Vorgehen der Unternehmer, die bestrebt sind, die Schichtdauer zu verlängern, herrscht Erbitterung. Die Bergleute fordern: Achtstun⸗ denschicht einschließlich Ein⸗ und Ausfahrt, 5 Mk. Minimallohn für Hauer und 3.50 Mk. für Schlepper und für Ueberstunden 50 Proz. Aufschlag. Sämtliche Zahlstellen sollen zu diesen Forderungen Stellung nehmen. Holz⸗ arbeiter⸗Aussperrung in Berlin. Wie in einer Vertrauensmänner⸗Versammlung mit⸗ geteilt wurde, sind gegenwärtig 3284 Holz⸗ arbeiter ausgesperrt. Außerdem gibt es 532 Arbeitslose. Die Arbeitgeber beschlossen, noch vor Weihnachten die Aussperrung zu erwei⸗ tern, jedoch haben mehrere bedeutende Firmen Ausgesperrte wieder eingestellt. Die Vertrauens⸗ männer⸗Versammlung beschloß, an der bisherigen Taktik festzuhalten und den Ausgesperrten zu Weihnachten eine Extra⸗Unterstützung zu be⸗ willigen.

Warnung für Buchdrucker! Der Verleger der FrankfurterNeuesten Nach⸗ richten, Spandel, der auch in Nürnberg und Bamberg Geschäfte besitzt, hatte vor kurzem auf Drängen seines Personals den Tarif schriftlich anerkannt oder sich wenigstens dazu bereit er⸗ klärt. Dazu wurde der Frkftr.Volksstimme aus Nürnberg berichtet, daß dieses Nachgeben nur ein Scheinmanöber sei. In Provinzblättern, namentlich am Rhein, sucht Herr Spandel jetzt fortwährend Personal. Der Nürnberger Ver⸗ trauensmann der Buchdrucker erläßt eine War⸗ nung vor Spandel und bittet alle Gehilfen, erst mit den Vertrauensleuten Rücksprache zu nehmen, ehe sie in eines der Spandelgeschäfte eintreten. Wie weiter mitgeteilt wird, sucht Rudolf Mosse in den Lokalzeitungen in Hof i. B. Schriftsetzer für die Druckerer der Frank⸗ furter Neuesten Nachrichten unter ausdrücklicher Zusicherung der Rückerstattung des Fahrgeldes. Letztere Zustcherung ist im Buchdruckergewerbe

diesem Fall nur um Herstellung von Streik⸗ arbeit handeln kann.

Pon Rah und Fern. Hessisches.

Aus dem hessischen Landtage.

Die Zweite Kammer verhandelte am Freitag voriger Woche über die Gebühren Ordnung für die Notare. In der General⸗ debatte sprechen der Antisemit Wolf und der Zentrumsmann Brentano dazu, welche an⸗ erkennen, daß die Regierungsvorlage den Wün⸗ schen der Bevölkerung im allgemeinen entgegen komme. Abg. Korell wünscht Anfklärung von der Regierung, ob die Ortsgerichtsvorsteher verpflichtet seien, den Staatsanwälten und den Notaren unentgeltliche Auskünfte zu erteilen, worauf der Justizminister erwidert, daß man dies von dem Ortsgerichtsvorsteher, der staatlicher Stempelgelderheber sei, verlangen müsse. Voraussichtlich werde die Frage aber durch eine Novelle zum Stempelgesetz und eine Reviston der Gebührenordnung der Ortsgerichts⸗ vorsteher behandelt. Die einzelnen Artikel werden dann meist ohne Debatte genehmigt. Eine solche en spinnt sich jedoch bei Art. 37, der von den Gebühren für Abschriften handelt und 10 Pfg. pro Seite festsetzt. Der Ausschuß beantragt, diese Schreibgebühr auf 20 Pfg. resp. 30 Pfg. zu erhöhen. Abg. Gutfleisch tritt energisch für diese Erhöhung ein, da da mit Gelegenheit geboten sei, den Schreibgehilfen, die schon viele Petitionen gemacht hätten, endlich eine Gehaltsverbesserung zu bewilligen. Die Abg. Bähr und Wolf glauben nicht an diese Gehaltsaufbesserung, ebenso bezweifelt Ulrich, daß der Lohn heraufgesetzt werde, viel eher sei durch Mehrangebote der Schreibgehilfen eine

Preisdrückung zu erwarten. Die Mißstände,

so etwas außergewöhnliches, daß es sich in