Ausgabe 
25.9.1904
 
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anderen mit Entschiedenheit entgegengetreten.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 25.0

sicher können wir unserer Wähler doch erst sein, wenn

mindestens ein Drittel von ihnen Abonnenten unserer Presse sind. Dazu fehlen uns noch 220 000, die wir hoffentlic) bald gewinnen werden. Von den Anträgen bitte ich Sie, den, der eine besondere antimilitaristische Agitation unter den in's Heer eintretenden jungen Leuten verlangt, abzulehnen. Er ist unnütz und kann den jungen Leuten sehr gefährlich werden.(Sehr wahr!)

Pfannkuch teilt noch mit, daß der Parteivorstand in Uebereinstimmung mit der Kontrollkommission be⸗ schlossen hat, Parteisekretäre in den zurückgebliebenen Provinzen anzustellen, für die diese das Vorschlagsrecht haben sollen. Das Anfangsgehalt soll 2000 Mark be⸗ tragen. Weil Auer noch krank ist, schlägt Redner vor, den Genossen Molkenbuhr zur Vervollständigung in den Parteivorstand zu wählen, da die Arbeitslast außer⸗ ordentlich gewachsen ist.

Hieran schließt sich der Bericht der Kontrolleure, den Abg. Meister erstattet. Er erklärt, sich nicht so kurz fassen zu können, wie in den letzten Jahren und gibt eine ausführliche Darstellung einer Reihe von Streitigkeiten, welche die Kontrollkommission beschäftigten. Sie betreffen den Genossen Emmel in Mülhausen(Elsaß), ferner den Genossen Schweckendick in Bielefeld, ferner Streitigkeiten der Düsseldorfer und der badischen Partei⸗ genossen. Auf diese näher einzugehen, ist an dieser Stelle zwecklos. Meister beantragt schließlich, dem ge⸗ samten Parteivorstand für seine Tätigkeit Decharge zu erteilen. In der Diskussion beklagt sich Becker⸗ Dortmund, daß das Ruhrgebiet in der Agitation ver⸗ nachlässigt werde; Schul z⸗Posen schildert die behörd⸗ lichen Drangsalierungen, mit welchen die Partei in den polnischen Bezirken regaliert wird; Ullenbaum⸗Elber⸗ feld will nicht, daß die Parteigeschäfte Ueberschüsse machen sollen, sondern lieber die Preise der Broschüren herabsetzen; Wisky⸗Mülhausen geht auf die dortigen Streitigkeiten ein; Vetter s⸗Gießen begrüßt die Absicht des Vorstandes, Parteisekretäre für die rückständigen Gebiete anzustellen und wünscht, daß alljährlich ein kurzer Bericht der Fraktion zur allgemeinen Verbreitung herausgegeben werde und Wolf⸗Bochum verlangt, daß die Reichstagsabgeordneten mehr in der Provinz agita⸗ torisch tätig sein sollten.

In der Nachmittagssitzung begrüßt zunächst Schu h⸗ meier⸗Wien den Parteitag im Namen der österreichischen Parteigenossen, As kew im Namen der englischen.

Darauf erstattet die Mandatsprüfungs⸗ kommission durch Frau Zietz ihren Bericht. Es sind 225 Delegierte mit 258 Mandaten anwesend, 59 Abgeordnete, von denen 5 außerdem ein Mandat be⸗ sitzen und von denen 5 weitere auch als Funktionäre der Partei anwesend sind. Außer diesen Funktionären der Partei, die gleichzeitig Abgeordnete sind, sind noch 7 anwesend, entweder als Vorstandsmitglieder, Kontrol⸗ leure c. Im ganzen sind 279 Parteitagsbesucher an⸗ wesend, darunter 15 Frauen. Auf Antrag der Kommission beschließt der Parteitag alle Mandate mit Ausnahme desjenigen des Gen. Fend rich⸗Durlach für gültig zu erklären. Ueber Fendrichs Mandat soll erst später, nach Einlauf von Berichten über das Zustandekommen des⸗ selben beschlossen werden. Die weitere Debatte dreht sich um die Differenzen an den verschiedenen Orten. Nun⸗ mehr wird der PunktPresse als selbständiger des Vorstandsberichtes behandelt. Hier werden Wünsche vor⸗ gebracht, die auf Schaffung einer Jugendliteratur, Ausgestaltung derNeue Welt ꝛc abzielen.

Für eine antimilitaristische Agitation tritt ein Antrag ein, den Dr. R. Liebknecht begründet. Er sagt hierbei unter anderem: Man wird einwenden: Wozu ist eine derartige Agitation denn notwendig der Kampf gegen den Militarismus ist doch in unserm allgemeinen Kampf gegen den Militarismus einbegriffen? Aber ich sehe nicht ein, weshalb wir nicht diese besondere Art der Agitation, die ja nebenher schon betrieben wird, spezialisieren und betreiben sollen, gerade deswegen, weil der Militarismus unser schlimmster Feind ist, und weil der Kampf gegen ihn nirgends besser geführt werden kann als unter den Soldaten. Natürlich nicht, während sie Soldaten find. Aber wenn sie Sozialdemokraten sind, bevor sie Soldaten werden, dann werden sie richtige Erfolge erzielen. Natürlich ist eine solche Agitation in gewissem Sinne gefährlich, es sind überall kriminelle Fußangeln ausgelegt, aber wir brauchen doch diejenigen, die zum Mi, tar ausrücken, nicht zum Ungehorsam auf⸗ zuforbern, sondern wie wollen nur unsre Ideen propa⸗ gieren unter ganz besonderer Hervorhebung des Charakters des Militarismus, dann werden die Sozialdemokraten wissen, was sie beim Militär zu tun haben. Aber wenn wir den Antrag annehmen, so werden wir auch in Deutschland Erfolge aufzuweisen haben. Es wird speziell die Aufgabe der Gewerkschasten sein, denen ja die jungen Leute angehören, auf sie einzuwirken. Hoffent⸗ lich wird der Antrag einen Impuls geben zu einer nachdrücklichen Agitation gegen das Hauptbollwerk des Kapitalismus, gegen den Militarismus.

Dem Antrage und den von Liebknecht entwickelten Ansichten wird von Vollmar, Frohme und Vollmar

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bezeichnet den Antrag als eine gefährliche Spielerei mit Schießgewehren auf Kosten anderer Leute. Dienstag gab Ledebour den Fraktions⸗ bericht, an dem sich eine lebhafte Debatte und am Mitt⸗ woch derFall Schippel anschloß. *

Die dritte Konferenz 0 der sozialistischen Frauen Deutschlands tagte am Samstag und Sonntag vor dem Parteitage. Sie war von 38 Delegiertinnen besucht und nahm den besten Verlauf. Frl. Baader ⸗Berlin erstattete Be⸗ richt über die Entwickelung der sozialistischen Frauen⸗ bewegung, die einen recht guten Erfolg zu verzeichnen habe. Es gibt jetzt in Deutschland 106 Vertrauens⸗ personen der sozialistischen Frauen. Die Verbreitung der Presse zeigt einen geradezu enormen Fortschritt. DieGleichheit, die in München erst 4000 Abonnen⸗ tinnen hatte, hat jetzt 12 00 0. Das ist das beste Zeichen, wie rege agitiert worden ist, und ein Beweis, daß die Frau bei ordentlicher Auleitung auch für ernste Lektüre zu haben ist. Wir hören ja freilich noch aller⸗ lei Beschwerden, das und das müsse anders gehalten sein, das verständen die Frauen nicht. Aber es handelt sich hier um schwere Aufgaben. Der Frau, die bisher nur Kolportageromane gelesen hat, sind alle politischen

Dinge böhmische Dörfer: sie muß alles erst lernen.

An die Berichte schloß sich eine lebhafte Diskussion, in der sehr viel Nützliches und Gutes gesagt wurde. Hierauf, sowie auf die anderen Gegenstände, die noch auf der Konferenz verhandelt wurden, z. B. Kinderschutz, Zehnstundentag, Volksschule, Vereins⸗ und Versamm⸗ lungsrecht ꝛc. kommen wir noch später zurück.

U CN 5 Kuterhaltungs-CTril.

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Ein Berz ein Geist.

Immer noch brütet die alte Nacht Grauenvoll über den Völkern der Erde Aber schon seh ich rotlodernd entfacht Flammen des Geistes auf ewigem Herde. Freiheit und Gleichheit und Brüderlichkeit Jubelt die neugeborene Trias!

Freu dich, mein Herz, denn die goldene Seit Dämmert und predigen wird der Messias:

Lebt in Frieden und baut euer Selt, Viel, ach, müßt ihr noch lehren und lernen; Sin Herz schlägt durch die ganze Welt, Sin Geist flutet von Sternen zu Sternen. Ruft drum als Losung von Land zu Land: Sins sei die Menschheit von Sone zu Sone! Erst wenn sie staunend sich selbst erkannt, Dann erst ist sie der Schöpfung Krone! Arno Holz.

Die arme Mali. Eine trübe Geschichte von Ludwig Moritz.

Die Mali hatte große Augen, mit denen sie in die Welt schaute, ohne sie zu verstehen. In dem Dorfe, in dem ste heranwuchs, gab sich auch Niemand die Mühe, sie ihr zu er⸗ klären, und die Mali hätte auch nicht gewußt, was ste fragen sollte. Ste lebte eben wie ein Kind eines kleinen Dorfhandwerkers, wie ihre vielen Schwestern und Brüder lebten, bis der Vater siech und krank wurde und dem ältesten Bruder zur Last fiel. Da ging die Mali na⸗ türlich in die Großstadt in Dienst.

Sie hatte Glück; weil sie bescheiden war und etwas auf Nettigkeit hielt, fand sie eine Stelle bei einer alten Dame in der inneren Stadt, in einem jener alten Häuser mit den dunklen, An Zimmern, deren Möbel und spärliche Bilder in die ehrenfeste Zeit unserer ruhigeren Großeltern zurückweisen. Es war still im Hause, wenn nicht die Söhne der alten Dame aus fernen Ländern zu Besuch waren, und das Leben verlief regelmäßig, als ob es nicht anders sein könnte. Den Morgen ver⸗ brachte die alte, halb blinde Dame mit ihrer Vorleserin; dann machte ste am Arme der Mali ihren Spaziergang. Gegen Abend kamen drei andere alte Damen und spielten mit der Hausfrau Tarock und sprachen über Dinge, die die Mali nicht verstand, über Der und Menschen. Aber es mußten schone Dinge sein,

von denen die vier Alten zu erzählen wußten. Denn zu dieser Zeit sah die Mali ihre Herrin mitunter lächeln. Sonst klang die tiefe Stimme der alten Dame immer traurig; aber ste erzählte nicht, warum ste traurig war, wie die alten Leute im Dorfe, die auch der Mali erzählt hatten, welchen Schmerz sie hatten.

Einmal fragte die alte Dame die Mali, ob sie in ihrer freien Zeit nicht lesen wollte. Die Mali konnte zwar noch ein wenig lesen, aber sie verstand nicht, was in dem Buch stand. Die alte Dame mußte es aber doch gut gemeint haben; denn ste gab der Mali nie ein böses Wort. Wenn ste ihre Arbeit getan hatte, konnte ste mit der Köchin in der Küche sitzen; am Sonntag konnte sie in die Kirche gehen. Und es schien ihr ganz natürlich, daß Alles so eingerichtet war, wie es eben war, und sie konnte sich nicht denken, daß es anders sein könnte. Jährlich im Sommer zog die alte Dame aufs Land, und ihre Söhne und einige Freundinnen besuchten sie, und auf dem Lande war es ganz so, wie es im Winter in der Stadt war.

So war es auch im achten oder neunten Sommer. Da kam etwas Unerwartetes. Die alte Dame glitt bei ihrem Spaziergang aus und brach ein Bein. Sie mußzte ins Bett ge⸗ bracht werden und die Mali pflegte ste. Dann kamen auch die Söhne und fanden ihre Mutter schon schwach und elend. Nach einigen Tagen war sie tot. Die Söhne umstanden ihr Bett und weinten, wie nur Kinder weinen können. Auch sie konnten nicht glauben, daß ihre liebe Mutter nicht mehr war.

Die Mali aber wußte nicht mehr, was ste im Hause anfangen sollte; es war plötzlich so ganz anders geworden. Abends ging sie auf 5 und immer weiter und wußte nicht, wohin. N Mali! Malt! rief es da von der anderen Seite der Straße; aber ste achtete nicht darauf, bis sich ihr der Tischler⸗Sepp, der gerade Feier⸗ abend gemacht hatte, in den Weg stellte.No, was gehst wieder so alleini? Er hatte sie immer angesprochen, wenn sie des Morgens Einkäufe machte oder ihren Ausgang hatte. Heute ging er mit ihr, als ob es ganz natürlich wäre, und ließ sich durch ihre einsilbigen Ant⸗ worten nicht abschrecken. Dann fing ste an zu weinen und stützte sich auf ihn. Und er führte sie in seine Kammer, und sie wunderte sich gar nicht darüber

Am anderen Tage reiste sie mit der Leiche

ihrer Herrin in die Stadt zurück, in die öde Wohnung. Man gab ihr schwarze Kleider und sie war dabei, wie man die alte Frau in die Erde senkte. Die Söhne der alten Frau aber sagten ihr, daß jetzt die Wohnung geräumt

werden müsse, und schenkten ihr die alten merk

würdigen Möbel und eine Summe Geldes. Nun solle sie in ihre Heimat reisen und sich erholen, bevor sie wieder eine Stelle annehme. Dann reisten sie wieder in ferne Länder.

Die Mali aber fuhr nach ihrem Dorfe, zu

ihrem Bruder, der sich plagte wie in alter Zelt;

der Vater lebte noch, krank und siech in einem Holzverschlage neben dem Hause, in dem kaum die Werkstatt und die Familie des Bruders Platz hatten. Man nahm sie nicht eben freudig auf, und sie war kein fröhlicher Gast; denn ste dachte immer an die großen dunklen Zimmer in der Stadt und an ihr Schicksal und verstand nicht, wie Alles so gekommen war. Sie gab das Geld her, das sie bei sich hatte, weil der Bruder sagte, sie hätten nichts zu essen und der Vater koste so viel und verdiene nichts mehr und das Haus werde einfallen, wenn er kein Geld habe, um es zu reparieren. Im Frühjahr kam sie nieder, und es war ein ungebetener Gast mehr im Hause; als sie wieder gehen konnte, sagte man ihr, sie solle in die Stadt zurückreisen und sich eine Stelle suchen. Sie nahm aber das Kind mit sich, von dem sie sich nicht trennen wollte.

In der Stadt war Magazin, in dem die alten Köchin, mit der sie gedient hatte, sagte ihr, könne als Zimmervermieterin ihr Leben verdiene So nahm ste draußen in der Vorstadt eie Wohnung auf, löste mit dem Letzten, was

erter Gang zu den Möbel waren. Die

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