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Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
ban 6 Nr. 30
denen—
Emme hatte, die Möbel aus und war wieder in der bedzlte Umgebung, die sie kannte. Auch ein Mieter ie alten stellte sich ein, den sie bediente. Sie hungerte erzählt und war zufrieden, wenn das Kind seine Nahrung hatte. Sie kam immer mehr ins e Mal, Elend. Als es nicht mehr anders ging, schrieb bollte. sie auf den Rat einer Nachbarin an den Sohn keen, ihrer alten Herrin; er schickte ihr eine umme and. Geldes und antwortete, sie solle doch wieder in gemeint den Dienst gehen. Aber sie wollte sich von in böses ihrem Kinde und von den vertrauten Möbeln te, knnte nicht trennen. Als es nach einigen Wochen ben; am abermals nicht weiter ging, schrieb ste endlich U. Und in ihrer Verzweiflung an den Vater des Kindes, Ales so dem sie jetzt erst mitteilte, daß er Vater geworden sie konnte war, und schickte ihm eine Photographie ihres könnte. herzigen Kleinen ein. Sie wartete täglich und ine aufs stündlich auf die Antwort; nach Wochen kam undinnen ste. Der Tischler⸗Sepp meinte, daß er sie nicht es ganz heiraten könne, weil er selbst nicht genug ver⸗
bat. diene, aber er wolle ihr künftighin monatlich
neunten fünf Gulden, den vierten Teil seines Lohnes, eb. Die für das Kind schicken; ste aber solle wieder in ang au Dienst gehen. Das ungefähr war der Sinn Bett ge⸗ des für Mali schwer lesbaren Schriftstückes.
e. Dann Immer mehr drängte der Greisler, daß die te Mutter Mali ihn endlich zahle, immer mehr Wäsche n Tagen und Kleider trug sie ins Pfandhaus, immer ähr Bett häufiger verlangten die hellen, großen Augen können. des Blondköpfchens vergeblich nach Nahrung,
ihte lebe, bis sich die Nachbarin erbarmte und ihm einen Löffel Milch oder einen Teller Suppe gab.
bas ie Es kam der Sommer und der Zimmerherr ötlchso zog fort. Da standen die alten Möbel, von J se auf der Malti gepflegt und unbenützt. Und einige itt nich, Tage später kam der Exekutor und pfändete Alles bis auf ein Bett und die Kleider, die die anderen Malt und ihr Kind am Leibe trugen. Die 1 Mali sah zu und konnte nicht verstehen, warum 10. Far man sie von ihren Möbeln trenne. Der Haus⸗ lt. 0 meister wies ste auf die Straße, weil stie den butt it Zins schon zu lange schuldig war, und die Murg Nachbarin erbarmte sich der armen Mali mit 1 den großen gläsernen Augen, die nicht mehr 10 l 1 weinen konnten. Sie wollte das Kind in . 15 Verwahrung nehmen, während die Mali eine den Stelle suchte. Aber die Mali ließ nicht von 1 ihrem Kinde.
Nun mußte sie doch eine Stelle suchen. Sie
e sch an ging, wohin ste die Nachbarin wies, und lief gehe sich die Füße wund. In der Nacht ging ste 90 öde“ in eine Schlafstelle und Mittags gab die
Nachbarin ihr und dem Kinde eine Suppe.
ä 5 Aber wohin sie auch kam, niemand wollte die rau 9 Frau mit den abgerissenen Kleidern, die ein 1 un Kind an der Hand hatte, aufnehmen. Und die heren, Lebnute sahen sie alle so sonderbar an und dann lten, 1 schrien sie auch mit ihr: sie verstand nicht, ah warum. Es mußte einen besonderen Grund ud f haben. Als sie wieder zu einer Gnädigen kam, much. wies ihr die die Tür und schrie, sie brauchte ber. keine Närrin im Hause. Sahen die Leute ste Dorsten deshalb so sonderbar an? Es war ihr selbst, la e als ob ste nicht recht wüßte, was rings um sie in einen vorging, wo sie eigentlich war; es war ihr, als dem lun ob sie blind und taub wäre. Sie wußte nicht, babe“ warum sie nicht mehr bei ihrer alten Herrin en fre war, warum sie ihre Möbel nicht mehr hatte den und“ nicht in der Wohnung und nicht mehr Zune beim Bruder war. War es das, was die bab) Leute meinten, wenn sie sagten, die Mali sei eie t nicht bei Trost?
vel du Ohne zu sehen und zu hören, ging die 1 und 10 Mali durch die belebten Straßen und weiter 15 1 hinaus; sie merkte nicht, daß stie das Blond⸗ 1 l e Eköpfchen mit seinen hellen Augen ansah und die galhsch Mutter zupfte, daß ste mit ihr spielen solle. geben Da war sie vor der Tür der Nachbarin und el 0 schob das Kind hinein und sagte etwas Un⸗ e En berständliches, was, wie die Nachbarin meinte, en. 0 heißen sollte, daß sie noch weiter gehe, um sich in fie 0 nach einer Stelle umzusehen. Die Nachbarin f seufzte über die arme Mali und meinte, man 9 5% könne es Niemand verdenken, wenn er ste nicht ,% aufnehme, obwohl sie doch ein braves Mädel sei. 1 Da liefen die Leute im großen Hofe des 25 ö Vorstadthauses zusammen und schrien. Die
t, Na eilte mit dem Kinde ans Fenster. 100 f 1 95 dag bie arme Mall mit zerschmetterten Gliedern. Sie hatte sich vom dritten Stock
herabgeworfen und war tot. Das Kind rief immer wieder„Mama“ und wußte nicht, warum die Mutter nicht kam.
Das Kind wuchs auf dem Dorfe beim Bruder der Mali heran und blickte mit seinen berseht hellen Augen in die Welt, die es nicht versteht.
Und so erneut sich der Kreislauf des Lebens.
Entsesselte Mordwut.
Ein russischer Offizier gibt in einem Blatte seiner Heimat die Schilderung eines mörderi⸗ schen Bajonettkampfes, den sein Bataillon am 31. Juli zu bestehen hatte. Das Bataillon hatte Befehl erhalten, einen vom Feinde besetzten Berg zu nehmen.
Wir steigen immer höher und höher— heißt es in der Schilderung— wie ein Alpdruck legt es sich auf die Seelen, enger drängen sich die Mannschaften und Offiziere aneinander. Kurz vor dem Erreichen des Berggipfels machen wir auf einige Minuten Halt. Ein Kommando— und wieder geht es in wilder Hast vorwärts. Nun erreichen wir die Gipfel und sehen auf 30 bis 40 Schritt den Feind vor uns. Ein fürchterliches Feuer empfängt uns, das wir fünf bis zehn Sekunden erwidern. Noch wenige Sekunden, und in das Gestöhn der Verwundeten
mengen sich laute Hurrarufe. Es ist unmög⸗
lich, die Schrecknisse eines Bajonettkampfes zu beschreiben. Hier verteidigt sich ein über⸗ raschter japanischer Offizier verzweifelt mit dem Säbel. Nun dringt das scharfe Bajonett in seine Brust und röchelnd fällt er, schwer wie ein Sack, leblos zu Boden. Rings umher herzzer reißende Wehrufe. Doch niemand kümmert sich um das in Strömen fließende Blut, um die Klagelaute der Sterbenden. Ein Teil der überrumpelten Japaner sucht in der Flucht Rettung und stürzt, bald fallend und sich dann wieder erhebend, den Berg hinab. Aber auch in der Flucht ist keine Rettung. Wir holen den ermatteten Feind ein und stechen und schlagen wie Wahnsinnige auf ihn los. Von einer grimmen, tierischen Wut ist alles erfaßt, tief dringen die Bajonette in die Leiber, schwer sausen die Kolbenschläge auf den Kopf. Oft wird in blinder Wut noch auf die Toten eingehauen, mechanisch sticht und schlägt man weiter, ohne Berechnung, ohne Ueberlegung, nur der augenblicklich wilden Mordgier die Zügel schießen lassend. Zuweilen fährt das Bajonett durch den ganzen Körper und stößt knirschend an das Felsgeröll. Die Bajonette verbiegen sich. Zuweilen sieht man, wie der Kämpfer verzweifelte Anstreng⸗ ungen macht, das Bajonett aus dem Körper herauszuziehen. Ohne sich lange zu besinnen, läßt er die Waffe im Leibe stecken und ergreift das Gewehr des nächsten Toten und stürmt wieder vorwärts. Immer höher und höher türmen sich die Leichen— und schon glaubt man den Sieg errungen zu haben, sich etwas ausrugen zu können. Doch was ist das? Et⸗ was Neues— ein Regen von Kartätschen, Granaten und Kugeln erfüllt plötzlich zischend, summend, pfeifend die Luft. Die Reihen lichten sich mehr und mehr, bald hier, bald dort schlägt eine explodierende Granate klaffende Lücken. Hier fällt ein Offizier mit abgerissenem Kopfe lautlos zu Boden, dort wälzen sich im fürchterlich schweren Todeskampf mehrere entsetzlich verstümmelte Soldaten, etwas weiter stieht man einen Offizier, wie er plötzlich hoch in die Luft springt und unmittelbar darauf mit einem geradezu tierischen Schmerzensschrei zusammenbricht. Das Gestöhn der Sterbenden und Verwundeten ist schon nicht mehr hörbar, es wird von dem Gewehrgeknatter und den Kommandorufen übertönt. Wohin das Auge auch blickt— überall Ströme von Blut, Todeszuckungen Verwundeter.... Leider war der Kampf ungleich, das Bataillon schmilzt mehr und mehr zusammen, und todestraurig oder von dumpfer Gleichgiltigkeit erfaßt, er⸗ mattet bis zum äußersten, tritt das kleine Häuflein der Ueberlebenden den Rückzug an, verfolgt von Schrapnels und Granaten des
auf die friedlich nebeneinanderliegenden Leichen von Freund und Feind. Nur ihre Lage verrät, daß etwas Entsetzliches vorgegangen ist. Manche halten noch im Tode die Waffen umklammert. Und dazwischen das Gewimmer der Verwun⸗ deten, die herzzerreißenden Bitten um Hilfe, um einen Schluck Wasser, um einen Bissen Brot, um einen Fetzen Zeug— das entströ⸗ mende Blut zu stillen. Dumpf, gleichgiltig geht man an dem fremden Leid vorüber, so nauenlos groß es ist; weiter, schnell weiter — der Feind und in seinem Gefolge der Tod ist ja auf den Fersen 5
Das ist der Krieg— die herrlichste Blüte der bestehenden Gesellschaftsordnung.
Allerlei.
Praktische Zahnpflege
glauben auch viele Gebildete schon ausreichend zu treiben, wenn sie des Morgens leicht die Zähne putzen und wundern sich, daß trotz dieser „Sorgfalt“ ihre Zähne schlecht werden. Eine gründliche Zahnpflege und Zahnerhaltung ist die Vorbedingung einer guten Gesundheit. Dazu verhelfen einige einfache Vorschriften, wenn sie wirklich ausgeführt werden: 1. Man esse und trinke nicht heiß, d. h. nicht über 40 bis 42 C. heiße Speisen, denn der Mensch ist kein Feueresser. 2. Man verschlucke keine eis⸗ kalten Speisen und Getränke; auch die Eis⸗ temperatur zerstört, wie die Hitze, den Schmelz der Zähne. 3. Man hüte sich vor vielen weichen und breitgen Speisen und kaue zu jeder Mahl⸗ zeit ein Stück kerniges, nicht zu frisches Schwarz⸗ brot. 4. Nach jeder Mahlzeit spüle man den Mund mit kühlem Wasser aus und bürste die Zähne von oben nach unten und unten nach oben sorgfältig, besonders vor dem Schlafen⸗ gehen. 5, Mindestens entferne man sofort nach jeder Mahlzeit alle Speisereste aus den Zahn⸗ zwischenräumen mit einem Zahnstocher(Feder⸗ kiel, kein Metall). 6. Man spare sich den Gebrauch teurer Mundwässer oder Zahnseifen; diese sind sehr oft schädlich. 7. Man benutze einfach ein wenig weiße Schlemmkreide zum Bürsten, sowie höchstens etwas Salz oder Zttronensaftzusatz 8 wenig) zur Mundspülung. 8. Man sei dagegen nicht knau⸗ serig bei der Beschaffung der neuen Zahnbürste, wenn die alte abgenützt ist. 9. Frühzeitig fange man die Zahnpflege an und gewöhne die Kinder so früh als möglich an sie. 10. Zum Zahn⸗ arzt gehe man rechtzeitig, nicht erst wenn man heftige Zahnschmerzen hat, sondern zur Vor⸗ beugung alle Jahre ein⸗ bis zweimal. 11. Man lese diese Vorschriften nicht nur, sondern führe sie aus, so wird man sich viel Geld, Schmerzen und Krankheit sparen.
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Splitter.
Leben zu lernen ist die stete Aufgabe unseres Lebens, an der wir studieren und probieren bis an unser seliges Ende.
*
* Keine Ruhe ist etwas wert, als die er⸗ worbene. Der Mensch muß der Leidenschaften zugleich fähig und mächtig sein.
Reichel.
Jean Paul.
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Humoristisches. Hundert Schlösser hat der Zar.
Hundert Schlösser hat der Zar
Und der Bauer hört's verdrossen.
Hundert Schlösser hat der Zar;
Deshalb ist er so verschlossen
Manchem Rat, der sicherlich
Rußlands Lage könnte bessern,
Drum fühlt er geborgen sich
Nicht mal hinter hundert Schlössern.
(Ulk.“
Unberechtigter Vorwurf. Tante:„So geht's; heute habt Ihr nichts zu essen, ader als Ihr vor drei Monaten Hochzeit feiertet, da mußten fünfzig Personen im Hotel bewirtet werden; das Geld hättet Ihr sparen sollen!— Neffe:„Aber Tante, es ist ja
Feindes. Und auf dem Rückwege stoßen wir
auch noch gar nicht bezahlt!⸗
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