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Mitteldentschc Sonutags⸗Zeitung.
1 Ke. 17.
hemmenden Wälle ausgedrückt werden soll. Und diesen„Dank“ will man dadurch besonders be⸗ kunden, daß man unsern Genossen die Stadt⸗ halle verweigert, die doch der ganzen Mainzer B. völkerung gehört! Es ist das erste Mal, bemerkt unser Mainzer Bruderblatt, daß die Stadthalle, die sonst allen Parteien zur Ver⸗ fügung stand, den Sozialdemokraten verweigert wird. Was will man damit bezwecken? Fürchtet man etwa, die Maifeier könnte der sogenannten Huldigungsfeier Abbruch tun? Das kann es nicht sein, denn die Bürgermeisterei sowohl als auch die Hallekommission weiß ganz genau, daß die Leute, welche Maifeiern besuchen, si h von allem patriotischen Rummel fernhalten. Was also war der Beweggrund? Es bleibt nur eine Annahme, nämlich die, daß die Handlung diktiert war von einer Regung, die man im gewöhnlichen Leben Byzantinismus nennt. Nicht unerwähnt darf wohl die befrem⸗ dende Tatsache bleiben, daß in der Hallekom⸗ mission selbst der Vertreter der demokrati— schen Partei es nicht über sich brachte, für die Ueberlassung der Halle an die Sozialdemokratie zu stimmen. Jedenfalls hegte der„Demokrat“ dieselben Ansichten, wie seine nationalliberalen und ultramontanen Kommissionskollegen. Das ist wieder einmal ein Beweis, daß die Soztal⸗ demokratie bei einigermaßen wichtigen Anlässen lediglich auf die eigene Kraft angewiesen ist. Nun, unsere Mainzer Genossen werden ihre Maifeier auch ohne Benutzung der Stadthalle würdig zu begehen wissen.
—Eisenbahnbau-Projekte in Ober⸗ hessen. Die antisemitischen Abgeordneten Köh⸗ ler und Hirschel haben in der Zweiten Kam⸗ mer beantragt: 1. wegen Erbauung einer Eisen⸗ bahnstrecke, ausgehend von Station Friedberg, Bad⸗Nauheim, über Steinfurth, Oppershofen, Rockenberg, Griedel, weiter unter Benutzung der Strecke Butzbach—Lich, nach Ober-Hörgern, sodann über Eberstadt, Holzheim, Grüningen und Watzenborn⸗Steinberg nach einer zwischen dem Großherzoglichen Universitätsforstgarten im Gießener Wald und der Gail'schen Thon⸗ waarenfabrik an der Eisenbahnstrecke Gießen⸗ Gelnhausen einzurichtenden Zentralstation, und 2. wegen Erbauung einer Eisenbahnstrecke von diesem Zentralpunkte aus über Hausen, Stein⸗ bach, Albach, Burkhardsfelden, Hattenrod, Har⸗ bach, bei Ettingshausen oder Queckborn die projektierte Linie Lich— Grünberg durchkreuzend, über Wetterfeld und Lauter nach Laubach Er⸗ hebungen anzustellen.
Daß die Sozialdemokratie etwa verkehrs⸗ feindlich wäre, werden selbst ihre ärgsten Gegner uicht behaupten wollen. Und selbstverständlich würden wir jeden Vorschlag zur Hebung des Verkehrs unterstützen, von wem er immer aus⸗ gehen möge. Mit diesem sonderbaren Projekt können wir uns aber in keiner Weise befreun⸗ den. Die Zentralstation im Walde mag ja ganz idyllisch zu werden versprechen, welchen Wert aber das Ding dort draußen für den Verkehr haben soll, bleibt schleierhaft. Und wenn man die Linie des unter 2. bezeichneten Pro⸗ jektes zieht, so bekommt man eine Figur, die mit dem berühmten Reiseplan des Kandidaten Hyronimus Fur beide Linien dürfte kaum ein Bedürfnis vorliegen; zum allerwenigsten für die unter 2. Der Antrag schmeckt stark nach Popularitäts⸗ hascherei oder wollen die Antragsteller Herrn Joutz Konkurrenz machen?
— Die Wahl des Dr. Becker⸗Offenbach ist von der Mandatsprüfungskom mission des Reichstags wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten beanstandet worden.
Gießener Angelegenheiten.
— Aus der Stadtverordnetenver⸗ sammlung. 36 000 Mart kostet der Stadt das Kreuz auf der Friedhofskapelle! Diese Summe wurde für Gebäude(Leichenhalle usw.) bewilligt, die nun für die Israeliten auf dem Friedhof errichtet werden sollen. Unsere Ge⸗ nossen stimmten gegen die Forderung, ver⸗ langten vielmehr, daß von den Friedhofsge⸗ bäuden alle religtösen Abzeichen entfernt werden sollten, wie das für einen interkonfessionellen
Jobs einige Aehnlichkeit hat.—
Friedhof in der Ordnung sei. In den ursprüng⸗
lichen Zeichnungen ist bekanntlich ein Kreuz nicht vorgesehen gewesen, man weiß so recht nicht, wer veranlaßt hat, daß es angebracht wurde. Jetzt müssen nun die Steuerzahler 50 die unangebrachte Religiösität schwer blechen! — Der verlangte Zuschuß zu den Vorarbeiten für die zu erbauende Bahnstecke Gießen— Brandoberndorf, welche sich an die Bahn Usingen — Frankfurt anschließen soll, wird bewilligt. — Ferner ist noch eine Mitteilung des Ober⸗ bürgermeisters zu erwähnen, dahingehend, daß nicht er, sondern das Kreisamt die feuerpoli⸗ zeilichen Vorschriften für den Theatersaal er⸗ lassen habe.
— Zum Maifest werden die Vorbereit⸗ ungen von der Kommission mit Eifer betrieben. Hoffentlich dürfen wir bei unserm bekannten Schweineglück auch auf gutes Maiwetter rech⸗ nen. Den einzelnen Gewerkschaften bleibt noch übrig, in den Kreisen ihrer Berufskollegen für zahlreiche Beteiligung, besonders auch am Fest⸗ zuge zu wirken. Recht hübsch wäre auch, wenn eine Gruppe kleiner Mädchen im Maifestschmuck am Zuge teilnehmen würde. Vielleicht lassen sich das unsere verheirateten Genossen ein wenig angelegen sein. Besondere Aufwendungen sind ja dazu für die Eltern nicht nötig.
— Mailiteratur ist in reicher Fülle erschienen. Auf die Maizeitung haben wir bereits hingewiesen, wir möchten noch auf die sehr inhaltreiche und gut ausgestattete Mai⸗ uummer des„Wahren Jakob“ aufmerksam machen und sie unsern Freunden zur Anschaf⸗ fung empfehlen. Auch Matpostkarten hat die Buchhandlung Vorwärts in hübscher Aus⸗ führung herausgegeben.— Die nächste Num⸗
mer unserer„Mittel deutschen“ wird in erhöhter
Auflage— besser ausgestattet— gedruckt wer⸗ den. Unsere Freunde wollen sich die Agitation für das Blatt recht angelegen sein lassen und Agitationsexemplare von der Expedition ver⸗ langen.
— Auf die Tabakarbeiter-Ver⸗ sammlung, die Sonntag, den 24. April nachmittags 3 Uhr im„Wiener Hof“ stattfindet, sei nochmals aufmerksam gemacht. Die Berufs⸗ kollegen werden ersucht, sich zahlreich und pünkt⸗ lich einfinden zu wollen.
Aus dem Nreise gießen.
n. Wieseck. Zur Maifeier findet Sonntag, den 1. Mai eine Volksversammlung im Saale des„Gambrinus“ statt. Wer das Referat hält, wird in nächster Nummer bekannt gegeben.— Ferner set mitgeteilt, daß ebenfalls im„Gambrinus“ am gleichen Tage nach⸗ mittags von 3—7 Uhr ein„Preisschießen“ mit Zimmergewehren stattfinden soll, das an den darauffolgenden Sonntagen seine Fortsetz⸗ ung findet. Am zweiten Pfingsttage findet die Preisverteilung statt. Die Sache ist vom Wahl⸗ verein arrangiert und da der etwa sich ergebende, wenn auch nur geringfügige finanzielle Ertrag unserer Sache zu Gute kommt, wird erwartet, daß sich unsere Freunde dazu recht zahlreich einfinden.
— Aus Steinberg schreibt man uns: r. In
der Gemeinderatssitzung vom 16. April wurde
beschlossen, im Turme der neuen Schule eine Uhr mit Glocke anzubringen. Der Spaß kostet die Kleinigkeit
von 2000 Mk., für unsere Gemeinde wirklich kein Pappenstiel, denn es muß alles durch Umlagen gedeckt werden. auf den Turmbau selbst eingegangen werden. wir nämlich dafür sind, daß die Schulen nicht bloß hell, geräumig und luftig, sondern auch hübsch gebaut werden sollen, halten wir doch den Turm für sehr über⸗ flüssig. f meister gefragt wurde, wer denn eigentlich Urheber des Projektes sei, erklärte er, er wisse nichts davon. Jetzt stellt sich heraus, daß es der Pfarrer und der Bürger meister sind. Bürgermeister? Hat er damals die Zwecklosigkeit des Turmes selbst eingesehen? Herstellung des Turmes, sie sollte nicht gleich auf alles eingehen, was Pfarrer und Bürger meister wünschen!— In derselben Sitzung gelangte endlich auch der von uns vor einem halben Jahre gestellte Antrag auf Oeffent⸗ lichkeit der Gemeinderatssitzungen zur Erledigung, er wurde natürlich abgelehnt. Genossen und Philipp⸗Steinberg, während die Herren Sommer, Burk, Joh. Gg. Philipp, Schäfer⸗
Bei dieser Gelegenheit muß mit einigen Worten So sehr
Als im Iznuar im Gemeinderat der Bürger⸗ Weshalb verschwieg das der
Die Mehrheit bewilligte die
Dafür stimmten nur unsere
Watzenborn, der Beigeordnete und der Bürger⸗
meister dagegen waren. Hieraus können wir ersehen, getraut, die Gemeindeanoelegenheiten öffentlich zu ver⸗ bandeln. Der Bürgermeister wird es uns nicht verübeln, wenn wir ihm in Zukunft nicht mehr alles glauben. was er sagt. Denn trotzdem er erklärte, er habe nichts gegen die Oeffentlichkeit der Sitzungen, stimmte er mit der Mehrheit dagegen. Diese Beschlüsse zeigen wieder, wer das Gemeindeinteresse vertritt und wer nicht.
Aus dem Odenwald.
1. Maifeier in Erbach l. O. Sonntag, den 1. Mai nachmittags findet die Kreis⸗Maifeier in Erbach(in welchem Lokale? D. R.) statt, verbunden mit Musik⸗ und Gesangsvorträgen, Volksbelustigung und Kinderspielen. Die Festrede hat Genosse Eißnert⸗ Offenbach übernommen. Es ist dies das erste Male daß hier eine Maifeier abgehalten wird; wir ersuchen deshalb alle Partei⸗ und Gewerkschaftsgenossen recht vollzählig in Erbach zu erscheinen, damit die Demon⸗ stration für den Achtstundentag, Völkerbefreiung und Weltfrieden eine imposante werde. Versäume kein Ar⸗ beiter, dem Streben für die hohen Ziele der Arbeiter⸗ bewegung durch setne Beteiligung an der Maifeier Nach⸗ druck zu verleihen!
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. Im Kredit⸗ und Vorschuß⸗Verein kriselt es ziemlich bedenklich. Es sind in der letzten Zeit Mitglieder sehr zahlreich ausgetreten. Wie wir hören, hat die Mißstimmung darin ihre Ursache, daß zahlungs⸗ unfähigen Personen hohe Kredite gewährt wurden. Im
bald geordnete Verhältnisse eintreten.
r. Für den boshaften Streich, den der Brauer Ludwig Barth seiner Arbeitgeberin Wtwe. Abel in Krofdorf vor Kurzem spielte, inden er über 60 Hektoliter Bier durch Hineinwerfen von Brot und Seife verdarb, erhielt er von der Wetzlarer Strafkammer am Mittwoch eine sehr empfindliche Strafe. Anfangs März kam der Angeklagte Sonntags abends im ange⸗ trunkenen Zustande in die Wirtschaft der Frau Abel und verlangte Bier. Als ihm dies verweigert wurde, machte er Skandal, schimpfte auf die Wirtin und ihre Töchter, die eine schlug sogar. Nachts soll er dann das in den Kellern lagernde Bier in der angegebenen Weise verdorben haben. Er leugnet das zwar, doch hält das Gericht die Straftat für erwiesen und ver⸗ urteilte Barth zu zwei Jahren Gefängnis. Hin⸗ zugefügt sei noch, daß Barth sich gern als bayrischer Patriot aufspielte.
h. Einen H erero⸗-Hunnenbrief ver⸗ öffentlichte kürzlich der„Wetzl. Anzeiger“. Der Schreiber desselben, der später gefallene Feld⸗ webel der Reserve Wellstein, beginnt mit der Mitteilung:„Seit dem 15. Jannar bin ich zu den Waffen eingezogen. Schon um die Mitte Dezember 1903 hörte man gerüchtweise von dem beabsichtigten Aufstand der Hereros! Mein Nachbar erschoß um diese Zeit auf seiner Farm zwei rebellische Here⸗ ros.“ Solche Akte sind vielleicht noch mehr vorgekommen und haben sicher den später er⸗ folgten Aufstand mit veranlaßt. In den Ord⸗ nungsblättern wird erst immer mit den Hun⸗ nentaten renommiert und wenn sie dann von der sozialdemokratischen Presse kritisiert werden, sind natürlich die Deutschen Unschuldslämmer. So wars auch beim Chinakreuzzug.
Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.
r. Zur Maifeier. Die Maifestkommisston hat folgendes Programm zur Feier des
Mai entworfen: morgens 6 Uhr Sammel⸗ punkt bei Jesberg. Von dort gemeinsamer Aus⸗ flug durch die Kautsbach über Spiegelslust zur Moos eiche. Daselbst gemeinsames Frühstück um 10 Uhr. Getränke werden vorher zum Frühstücksplatz gebracht. Um 11 Uhr Rückkehr nach der Stadt. Nachmittags 4 Uhr Festver⸗ samul lung im Lokale von D. Jesberg. Nach der Versammlung Familienabend.— Wir er⸗ warten nun, daß sich die Genossen an der Maifeier recht zahlreich beteiligen werden so⸗ wohl am Morgenspaziergang wie an der Nach⸗ mittagsfestversammlung. Ferner wollen die Genossen auch der Presse gedenken und eine lebhafte Agitation sowohl für die Mittel deutsche Sonntagszeitung, als auch für die Maizeitung, treiben. Auf keinen Fall darf die diesjährige Maifeier hinter den früheren zurückstehen. Daß
dies nicht geschieht, dafür muß jeder Genosse und denkende Arbeiter sorgen!
daß die Mehrheit unseres Gemeinderats sich nicht einmal
Interesse der Mitglieder ist natürlich zu wünschen, daß
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