Soite 2.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
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Nr. 17.
reits eine von unsern Genossen einberufene und 600 Personen besuchte Versammlung statt, die nachdrücklich die Forderung des allgemeinen Wahlrechts erhob.
Nationalliberale Wahlrechtsfeinde.
Wenn im vorjährigen Wahlkampfe den nationalliberalen Mannesseelen gesagt wurde, daß sie besonders in Sachen des Reichstags⸗ wahlrechts sehr unsichere Kantonisten seien, konnten sie sich nicht genug über einen der⸗ artigen Vorwurf entrüsten. Daß aber die„Ver⸗ treter von Besiz und Bildung“ das Reichs⸗ tagswahlrecht im Innern zu allen Teufeln wünschen, ist bekannt und es sind dafür schon oft genug Beweise erbracht worden. Kürzlich hat der Nationalliberale Menck in Altona seine Wahlrechtsfeindschaft im Altonaer Tage⸗ blatt offen bekannt, welchem Blatte er u. a. schrieb:
„Wer sich von der Herrschaft dieser internationalen Mächte(der Sozialdemokratie und dem Zentrum) be⸗ freien will, der muß das allgemeine Sti m m⸗ recht opfern, und wer es nicht opfern will, der tritt bewußt oder unbewußt für die Abhängigkeit Deutschlands von der schwarzen und roten Internatio⸗ nale ein, selbst wenn er sich noch so sehr über die Auf— hebung des§ 2 entrüstet. Die Verhältnisse drängen dazu, daß das Bürgertum sich von dem allge⸗ meinen Stimmrecht abwendet, weil die Entwickelung der deutschen innerpolitischen Verhältnisse gelehrt hat, daß das allgemeine Stimmrecht für unsere besonderen deutschen Verhältnisse nicht paßt.“
Allerdings paßte der Führung der Dreh⸗ scheiben⸗Partei diese Offenheit ihres Parteige⸗ nossen nicht in den Kram und der Zentral- vorstand, der dieser Tage in Berlin eine Sitz⸗ ung abhielt, mißbilligte seierlich die Ausführ⸗ ungen des Herrn Muck und erklärte sich„mit Entschiedenheit“ gegen Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie und Abänderung des be— stehenden Reichstagswahlrechts. Den Erklär⸗ ungen der Nationalliberalen gegenüber ist er⸗ fahrungsgemäß immer das größte Mißtrauen am Platze. Und wenn der Zentralvorstand es ernst meint, dann müßte er schon Herrn Menck die Parteifreundschaft kündigen.
Gute Lehren für dle Polizei
predigte kürzlich der Dresdener Polizei— präsident seinen Untergebenen. Er sagte ihnen in einer Ansprache:„Ich habe es immer als einen dens gz der Polizei angesehen, daß sie neben dem Buchstaben des Gesetzes auch auf Zweckmäßigkeit und Billigkeit Rücksicht zu nehmen und so manche Kluft zu überbrücken in der Lage ist, die sich nur zu leicht zwischen Polizei und Publikum bildet. Darin, meine Herren, die Interessen des Staates in den Kompetenzen der Polizeidirektion mit den berech— tigten Wünschen der Einwohnerschaft und ins⸗ besondere des erwerbenden Teiles derselben jederzeit tunlichst in Einklang zu bringen, liegt die schwierige Kunst, aber auch die Aufgabe der Leitung der Polizei. Und was die Form in der Handhabung der Polizei anlangt, so werde ich einen ganz besonderen und hohen Wert darauf legen, und bitte dringend darum, daß die Beamten sich allenthalben dem Publikum gegenüber in der zuvorkommendsten und höflichsten Weise verhalten. Ueberhaupt, meine Herren, halten Sie, bitte, stets an dem Grundsatze fest, auf welchem ich voll und ganz stehe, daß die Polizei des Publikums wegen da ist, daß sie da ist zum Schutz und zur Unterstützung des Publikums, und daß das Publikum ein Recht hat, den Rat, die Hülfe und die Unterstützung der Polizet innerhalb ihrer Zuständigkeit überall und schnell und be⸗ reitwillig zu finden.“— Das ist die schöne Theorie! Damit vergleiche man die bedeutend weniger schöne Praxis, durch welche besonders die sächsische Poltzei im In- und Auslande „berühmt“ geworden ist.
Professor Eurico Ferri,
der Führer der italienischen Sozialdemokratie und Mitglied der Deputiertenkammer muß auf 14 Monate ins Gefängnis. Die wurden ihm wegen Beleidigung des früheren Marineministers Betholo zuerkannt, dem Ferri im„Avanti“
korrupte Verwaltung und Uuterschleife vorge⸗ worfen hatte. Seine und des zugleich mit ihm verurteilten Redakteurs Salustrie gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegte Reviston wurde verworfen.
Uebrigens macht in Italien seit Monaten noch ein anderer Ministerskandal von sich reden. Dem Minister Nasi werden ganz bedeutende Unterschleife und Verschleuderungen amtlicher Gelder vorgeworfen und sogar nachgewiesen. Der Biedere sucht die Schuld auf andere zu schieben. Dieser Tage wollte er sogar Selbst⸗ mord begehen, war aber so vorsichtig, einen Bekannten von seinem Vorhaben zu unterrichten, der ihn natürlich davon abhielt. Kurz, es herrscht in der italtenischen Bourgeois⸗Regierung die unheimlichste Korruption und wer sie auf⸗ deckt, kommt ins Gefängnis, geradeso wie es anderwärts der Fall ist.
Russisch⸗japanischer Krieg.
Der Untergang des Panzers„Pe⸗ tropawlowsk“ bedeutet für die Russen wiederum einen ganz empfindlichen Verlust. Es handelt sich auch hierbei keineswegs um einen Unglücksfall, wie das vorher in russischen De⸗ peschen behauptet wurde— es hieß nämlich, das Schiff sei unglücklicherweise auf eine russische Mine gestoßen— sondern um einen wohlvor⸗ bereiteten Angriff der Japaner. Der Bericht des japanischen Admirals Togo sagt darüber: Die kombinierte Flotte begann, wie vorher be⸗ stimmt worden war, am 11. ds. den Angriff auf Port Arthur und erreichte den Eingang um Mitternacht vom 11. zum 12. ds. trotz des feindlichen Scheinwerfers. Es gelang ihr, an verschiedenen Punkten Minen zu legen. Die zweite Torpe dojägerflottille entdeckte bei Tages⸗ anbruch am 12. ds. einen russischen Torpedo⸗ jäger, der den Hafen zu erreichen suchte. Nach einem Kampfe von 10 Minuten wurde dieser in den Grund gebohrt. Dann sagt Togo wei⸗ ter, daß die Japaner das russische Geschwader aus dem Hafen heraus und 15 Seemeilen nach Osten gelockt hätten.„Dann kam unser erstes Geschwader, das durch drahtlose Telegraphie benachrichtigt worden war, plötzlich heran und ging zum Angriff vor. Während des Versuches des Feindes, den Hafen zu erreichen, lief das Linienschiff Petropaw⸗ lowsk auf eine von uns in der vorherge⸗ gangenen Nacht gelegte Mine und sank um 10 Uhr 32 Min. vormittags. Ein zweites Schiff verlor anscheinend seine Manöbrierf ähigkett. Unser drittes Geschwader erlitt keinerlei Be⸗ schädigung.“
Noch schwerer als der Verlust des Schiffes wiegt für die Russen der Tod des Admirals Makarow mit seinem ganzen Stabe, der mit der„Petropawlowsk“ unterging. Als der fähigste russische Admiral leitete er die Ver⸗ teidigung und die Operationen zur See nach dem von ihm entworfenen Kriegsplane Man ist vielfach der Ansicht, daß durch die letzten Ereignisse die russische Flotte so gut wie vernichtet ist.
Am 14. April habe die japanische Flotte einen nochmaligen Angriff gemacht, wobei mehrere Minen zerstört, die Forts bombardiert und einige zum Schweigen gebracht wur⸗ den. Unterdessen konzentrieren sich die beider⸗ seitigen Armeen an den Ufern des Jalu. Man glaubt, daß die Japaner den Uebergang über den Fluß ohne große Verluste erzwingen werden.
„Russische Trauer ist deutsche Trauer“ soll Wilh. II. dem Zaren anläßlich des Unterganges des„Petropawlowsk“ tele⸗ graphtert haben. Das deutsche Volk wird ge— wiß die 700 oder 900 Menschen, die dabei zu Grunde gingen und jedenfalls fast sämtlich der arbeitenden Klasse angehören, bedauern, aber im übrigen wird es dem Zarentum die e gewiß gönnen und noch viel mehr
azu
Die Japaner haben jetzt Armeen in der Stärke von zusammen 60000 Mann in Korea und das ganze Land unter ihrer Kontrolle.
Das Hauptquartier ist in Söul, woselbst die
Garnison 4000 Mann stark ist. Das Haupt⸗
Welchen unheimlichen Grad der Vervoll⸗ kommung die Mord⸗ und Zerstörungswerkzeuge erreicht haben, die jetzt im Kriege angewendet werden, zeigt die Vernichtung des russischen Panzers„Petropawlowsk“. Innerhalb weniger Minuten liegt das Riesenschiff, der Stahlkoloß, dessen Herstellung viele Millionen Mark erfor⸗ derte, auf dem Meeresgrunde! Man höre den Bericht eines Augenzeugen über den Untergang dieses Schiffes, wie er in einem russischen Blatte veröffentlicht wurde. Dem Berichterstatter erzählte ein Geretteter:„Wir kehrten zum Hafen zurück, ich stand im Steuerradhause auf der Brücke der„Petropawlowsk“ und 2 im Signalbuch nach. Makarows letztes Signa hat gelautet, die Torpedoboote sollten in den Hafen zurückkehren. Die„Petropawlowsk“ hatte ihren Kurs verlangsamt und stand beinahe still. Plötzlich wurde das Schiff heftig erschüttert und ich hörte eine fürchterliche Exploston, und dann gab es noch eine und dann wieder eine. Sie schienen direkt unter der Brücke zu erfolgen. Ich eilte zur Tür des Radhauses, konnte aber am Steuermann nicht vorbeikommen; ich sprang durch das Fenster. Das Schiff senkte sich auf die Seite, ich fürchtete jeden Augenblick, es würde umschlagen. Auf der Brücke sah ich einen Offizier sich im Blute wäl⸗ zen. Es war unser Admiral Maka⸗ ro w. Er lag mit dem Gesicht nach unten. Ich sprang zu ihm, faßte ihn bei den Schultern und versuchte ihn aufzuheben. Das Schiff schien irgendwohin zu fallen, von allen Seiten flogen Trümmerstücke. Ich hörte furchtbares Geschrei und Getöse, Rauch stieg in dichten Wolken auf und Flammen schienen zur Brücke hin zu züngeln. Ich sprang auf das Geländer, wurde aber weggewaschen. Es gelang mir, mich an etwas anzuklammern. Ich erinnere mich an fallende Masten, aber sonst an nichts. Auf unserm Schiff war ein alter Mann mit wunderbarem weißen Bart. Er war sehr gut zu den Leuten. Er hatte ein Buch in der Hand und schien zu schreiben oder zu skizzieren. Es war Wereschtschagin.“
Aus dem Reichstage.
Bekanntlich beginnt das Etatsjahr mit dem 1. April und bis dahin müßte der Etat eigentlich auch erledigt sein. Diesmal hat ihn der Reichstag aber nicht fertig gebracht und der Regierung mußte deshalb der nötige„Vorschuß“ bewilligt werden. Vorige Woche beschäftigte man sich mit dem Etat des Reichs⸗ kanzlers. dessen Beratung noch die ganze Woche in Anspruch nahm. Ihre prinzipielle Höhe erreichte die Debatte am Donnerstag, wo Bebel als erster Redner das Wort erhielt“. Er lieferte in einer von frohem Kampfesmut erfüllten Rede, die voll von präch⸗ tigen Bosheiten war, dem nunmehr wieder akklimati⸗ sierten preußischen Junker Bülow dle verdiente Abrech⸗ nung. Unser Redner wies auf die Bedeutung des englisch⸗französischen Abkommens, dieser Verständigung zweier großer Kulturnationen ohne Säbelgerassel hin und bewertete es als eine Schwächung des Dreibunds. Er führte den Nachweis, daß Deutschland fast ganz isoliert dastehe, und betonte, daß an dieser Tatsache alle Reisen, Besuche, Empfänge und Toaste nichts ge⸗ ändert hätten. Dann wandte er sich dem ostasia⸗ tischen Konflikt zu und stellte fest, daß unsere
Partei mit der strikten Neutralität Deutschlands durch⸗
aus einverstanden sei. Aber diese Neutralität müsse auch wirklich durchgeführt werden. Als eine Verletzung der Unparteilichkeit bezeichnete unser Redner den Verkauf von Schiffen wie des„Fürsten Bismarck“ an die russische Regierung. Weiter ging Bebel aus⸗ führlich auf die Aus wei sungen russischer Studenten ein. Die Mitteilungen des Grafen Bülow aus den Bismarckschen Geheimakten nannte er kompromittierend für die deutsche Politik. In warmen Worten nahm er sich der jüngst ausgewiesenen Studenten Mandelstamm und Silberfarb an, von denen der letztere Zionist und orthodoxer Jude ist. Hierbei brandmarkte er die Rolle, die deutsche Universitätsbehörden in der
Aus weisungsfrage spielen, und schilderte dann eingehend die Umstände, unter denen sich die Ausweisung des Den Schluß der Rede bildete eine glänzende Polemik gegen die National⸗ ö
Herrn v. Wetschesloff vollzogen hat.
92 5 des Transportwesens ist in Tschemulpbpo. er Bau von Eisenbahnen und Straßen macht
schnelle Fortschritte.
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