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Nr. 17.
Gießen, den 24. April 1904.
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Redaktion: Kirchenplatz 11. Schloßgasse.
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Kommunismus des Mammon.
Das Treiben des Kohlensyndikats und die von dem Unternehmertum jetzt mit Eifer betriebene Gründung des Arbeitgeberver⸗ bandes, die beiden neuesten Giftgewächse des Großkapitalismus, sind eng verwandtschaftliche Erscheinungen, beide fallen unter die Kategorie „Kommunismus des Mammon“— eine vom verflossenen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Cleveland, in den 90er Jahren geprägte Formel— in beiden wird das kulturschöpferische Prinzip„viribus unitis“, „Mit vereinten Kräften“, in kulturzerstö⸗ render Weise angewendet,„Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage“, wie auch sonst häufig im Klassenstaat, zu dessen Eigenschaften es ja gehört, mit den Errungenschaften der Zivili⸗ sation die Zivilisation zu vergiften, Mino⸗ ritäten zu erlauben, diese Errungenschaften zu Waffen der Ausbeutung und Unterdrückung der Massen zu mißbrauchen. Statt Vereinigung aller zum Besten aller— Vereinigung aller Usurpatoren der Lebensquellen: im Kohlen⸗ syndikate wirtschaftlich, im Arbeitgeber⸗ verband sozialpolitisch.
Wie verderblich schon jetzt der Kapitalisten⸗ kommunismus im Ruhrrevier für die Konsu⸗ menten wirkt, hat dieser Tage ein Mitglied des großen Stuttgarter Konsumvereins in einer Versammlung mitgeteilt, indem er konstatierte, daß die Einrichtung des Kohlenkontors diesen Konsumverein allein mit 30000 Mark jährlich belastet! Welche Riesensummen ergeben sich vollends beim Kohlenkonsum für die Pro⸗ duktion, eine horrende Verteuerung der Produktionskosten und der Produkte ist unaus⸗ bleiblich.
Seit lange arbeiten die Chemiker an dem Problem, Etweißzkörper, die Hauptsubstanz der Nahrungsmittel, auf künstlichem Wege her⸗
zustellen, und der berühmte Pariser Forscher
Berthelot hat erst neuerdings nachgewiesen, daß diese Idee längst keine Utopie mehr ist. So viel ist aber sicher: auch mit der vollen Verwirklichung dieser Idee wäre dem Elend nicht gesteuert, so lange die Produktions⸗ mittel nicht Gemeineigentum sind, und demgemäß eine Minderheit das Monopol besttzt, diese umwälzende Erfindung zu realisteren.
1 Könnten nicht schon heute Lebensmittel und
Gebrauchsartikel aller Art den Massen aufs
ver wenn nicht das Mo⸗ nopol des Grundbesitzes, der Fabrikation und des Transportes wäre und außerdem der Klassenstaat und die Klassengemeinde noch be⸗
sondere künstliche Nittel anwendeten(Zölle und indirekte Steuern), im Interesse ihrer Schoß⸗
kinder, der Monopolisten des Besitzes! Vielleicht kommen Chemie und Physik auch noch auf die Erfindung eines anderweitigen Ersatzes der Kohlenspeise für Maschinen; den Uebermut der Zechenbarone würde das dämpfen,
dafür würden andere Monopolisten in deren
Fußstapfen treten! g
Das ceterum censeo“ bleibt also immer „Nieder mit dem Klassenstaat!“ Wissenschaft und Technik mögen noch so große Wunder verrichten, das unerschöpfliche Füllhorn des
* Dem Sinne nach: Das stets zu Wiederholende, unablässig zu Fordernde.
Märchen verwirklichen: so lange das Privat⸗ eigentum an den Produktionsmitteln währt, kommt die ganze Herrlichkeit nur einer jämmer⸗ lich geringen Minderheit zu gute. Und wie es diese Minderheit versteht, die von ihr abhängigen Massen, die konsumierenden wie die produzieren⸗ den, im Schach zu halten, zeigen eben die neuesten Erscheinungen des„Kommunismus des Mammon“: das Kohlensyndikat und der Scharfmacherverband.
So gemeinschädlich aber auch beide sind: es ist der normale Verlauf der Ent⸗ wicklung, wie er von scharfsichtigen sozialisti⸗ schen Den zern längst vorausgesehen und vor⸗ ausgesagt wurde. Und wie hart auch die Massen davon betroffen werden mögen: wir dürfen darin eine bedeutsame Phase im Zesc⸗ setzungsprozeß des Klassenstaats erblicken, Vor⸗ gänge, die der letzten Entscheidung im Sturm⸗ schritt näher treiben!
Wie die Zentralisation der poli⸗ tischen Despotie im absoluten Königtum der großen Revolution vorausging, die es hin⸗ wegfegte, so muß auch die Zentralisation der Magnaten des Kapitalismus der großen sozialen Revolution(wie wir dieses Wort verstehen, ist bekannt) vorangehen. Denn der proletarische Klassenkampf wird dadurch notwendig gleichfalls mehrund mehr zentralisiert. An Stelle der Zersplitterung des Kampfes gegen die vielen Betriebsdynastien, was für den proletarischen Kampf von mancherlei Nachteilen war, tritt mehr und mehr Einheitlichkeit des Planes und der Aktion bei gesteigerter Inten⸗ sität der Energie, außerdem daß auch die vie⸗ len, unserer Fahne noch fernstehenden Arbeiter unsern Reihen scharenweise zuströmen werden, wenn der kapitalistische Wärwolf seiner Natur ungehindert die Zügel schießen lassen kann. Und auch in andern Schichten, wo das Treiben des Wärwolfs nach verschiedenen Richtungen gleichfalls empfindliche Verheerungen anrichtet, wird man keine anderen Aus wege sehen, sich vor ihm zu retten, als solche, die den unsrigen nicht fern liegen. Fordern doch bereits konser⸗ vative Organe gegen das Kohlensyndikat Ver⸗ staatlichung des Bergbaues.
Scharfmacher⸗Kartell und Kohlensyndikat— auch diese Bäume werden nicht in den Himmel wachsen, über sie wird die Organisation kom⸗ men, die Bellamy das letzte Kartell und Syn⸗ dikat im guten Sinne nennt, das universelle Monopol, von dem alle partiellen verschlungen werden: an Stelle des„Kommunismus des Mammons“ die so zialistische Gesell⸗ schaftsorganisation.
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Politische Rundschau. Gießen, den 21. April 1904. Vom Rückgang der Sozialdemokratie.
Der„Rückgang der Sozialdemokratie“ ist seit Jahrzehnten tausendmal von bürgerlichen Politikern und Preßorganen„festgestellt“ wor⸗ den und so auch neuerdings wieder nach dem Wahlausfall im Zschopauer Kreise. Das ver⸗ anlaßte den„Vorwärts“, eine kleine Schilder⸗ ung auszugraben, die Johann Most 1876 in seinen„Erlebnissen in der Bastille“ am Plötzen⸗ see gab. Da heißt es:
„Dagegen besuchen mich die Inspektoren und der Schulmeister öfters Meistens wird über Sozial ismus gesprochen, wobei natürlich die allergewöhnlichsten Zei⸗ tungsplattheiten herausgesteckt werden, was mich um so mehr amüsiert, als ich so Gelegenheit habe, die Leutchen gründlich ad absurdum zu führen. Ob mit solchen Diskussionen die angekündigte„Besserung“ erzielt worden soll, weiß ich nicht, vermute es aber. Wenigstens wüßte ich sonst nicht, zu welchem Zwecke man mir z. B. immer mit einem vor Freude strahlenden Gesichte vom „Rückgang der Sozialdemokratie“, wie er sich angeblich zusehends vollziehen soll, erzählt, obgleich ich stets erkläre, daß ich an keine Zeitungsenten glaube.“
1876 zählte die Sozialdemokratie erst 350 000 Stimmen und schon vollzog sich„zusehends“ ihr Rückgang! ö
Flotten⸗Wahnwitz.
Der Vorstand des Flottenvereins hat am Sonntag in Dresden eine Versammlung abge⸗ halten, in welcher geradezu tolle Flottenpläue ausgeheckt wurden. Ein Referat des Generals Keim forderte,„daß mindestens bis 1912 drei moderne Linienschiffsdoppelge⸗ schwader nebst den zugehörigen großen und kleinen Kreuzern fertig gestellt werden müssen“. Man will dafür eine„großzügige Agitation“ beginnen. Das bedeutet natürlich eine Milltar⸗ denausgabe, die dem hungernden Volke abge⸗ preßt werden soll. Dabei sehen wir im russ.⸗ japanischen Kriege, wie ein solcher Panzerkasten in wenigen Minuten in den Grund gebohrt wird und verloren ist!
Bei den Landtagswahlen in
Altenburg, die am Freitag stattfanden, hat unsere Partei ein Mandat an die Bündler verloren, das bet der letzten Wahl allerdings nur mit einer Stimme Mehrheit erobert wurde. Gewählt sind die Genossen Buchwald, Käppler und Horn. Unsere Stimmenzunahme ist aber eine ganz bedeutende, auch auf dem platten Lande. In dem verloren gegangenen Kreise stiegen die soztaldemokratischen Stimmen von 612 auf 1072; die vereinigten Gegner siegten mit 1300.
Zu der Reichstagsnachwahl, die am 29. April für die ungültig erklärte Wahl Buchwalds stattfindet, wird es von unserer Seite der größten Anstrengungen bedürfen, um den Kreis zu halten, denn der vereinigte Ord⸗ nungsbrei setzt alle Hebel in Bewegung, ihn uns zu entreißen, der Radauantisemit Sieber⸗ mann, der Pfaffe Bodelschwingh(Urheber der Zuchthausvorlage) und andere biedere Ord— nungskämpen krebsen in dem Kreise und arbeiten mit den erbärmlichsten Mitteln.
Wahlrechts bewegung in El saß⸗ Lothringen.
Zur Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für den Landesausschuß wollen die Sozial- demokraten in Elsaß⸗Lothringen eine leb⸗ hafte Agitation betreiben und in den verschie⸗ denen Teilen des Landes öffentliche Versamm⸗ lungen abhalten. Der Landesausschuß hat sich in nächster Zeit mit der Wahlrechtsfrage zu beschäftigen, so daß die Agitation von großer Wichtigkeit ist. Wie es scheint, wollen auch die Demokraten nach gleicher Richtung vorgehen.
In Straßburg fand am Dienstag be


