Ausgabe 
24.1.1904
 
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des Turnvereins zu verstecken. schien selbst in Haiger, nahm sich die Vorstandsmitglieder

Nr. 4.

Mitteldeutsche Sonutags⸗ Zeitung.

Seite 5.

zu stören geeignet sei. Sogar der Landrat befaßte sich mit der Affaire und hinter ihm suchte sich der Vorstand Der Herr Landrat er⸗

vor und das Ende vom Liede war, daß Gen. Trott aufgefordert wurde, seinen Austritt zu erklären. Dem kam natürlich Trott nicht nach und so soll eine Ver⸗ sammlung über seinen Ausschluß befinden. Auf die Gründe, die man dafür in's Feld führen wird, darf man mit Recht gespannt sein. Denn Trotts sozialdemokra⸗ tische Gesinnung kann doch den Ausschluß nicht recht⸗ fertigen, mit Politik hat sich der Verein doch nicht zu befassen. Es ist auch nicht ersichtlich, weshalb sich der Land⸗ rat in die Vereinsangelegenheiten des Turnvereins mischt, was kümmern ihn denn diese? Wenn Herr Burckhardt wieder ma' von Terrorismus reden will, soll er diesen Fall nicht vergessen.

Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.

r. Eine Volks versammlung tagte am Freitag im Hildemannschen Saale, von der Gewerkschaftskom⸗ misston zu dem Zwecke einberufen, die Einwohnerschaft Marburgs über den wahren Sachverhalt des Kampfes Crimmitschau zu unterrichten. Dr. Qu arck⸗Frankfurt hatte dazu das Referat übernommen und die zahlreiche Versammlung folgte mit Aufmerksamkeit seinen Aus⸗ führungen. Redner bemerkte eingangs, daß wir es hier mit einem der größten Kämpfe zwischen Kapital und Arbeit zu tun hätten, die sich seit dem Falle des So⸗ zialistengesetzes abgespielt haben. Er ging auf eine Denkschrift ein, die ein königlich sächsischer Beamter vor einigen Jahren über die Lohn und Arbeitsverhältnisse in Crimmitschau herausgegeben hatte. Der Beamte be⸗ merkte in seinem Vorwort, daß er sämtliches Material nur von den Crimmitschauern Fabrikanten er⸗ halten habe. Nach der Denkschrift ist in Crimmit⸗ schau seit Jahren ein steigender Aufschwung der Industrie zu verzeichnen, an dem vor allem die große Ausnützung der Frauenarbeit viel beiträgt. Crimmitschau ist die erste Stadt im deutschen Reiche, in der die Frauen am meisten ausgenützt und am schlechtesten be⸗ zahlt werden. Alsdann geht die Denkschrift auf die Löhne derMeister ein. Danach verdiente ein Meister jährlich höchstens 1400 Mark. Mit Recht hob deshalb der Referent hervor, daß wenn ein Meister nur 1400 Mark verdient, wie dann erst der Verdienst eines Arbeiters sein muß.

Darüber giebt die Denkschrift Auskunft. Den Lohn eines Krempelarbeiters giebt sie mit 14 Mk. an, dav on kann eine Familie nicht leben und so ist die Frau ge⸗ zwungen, mitzuarbeiten. Beide zusammen bringen es dann höchstens 110 1350 Mark Jahresverdienst. Von der schlechten Lebenshaltung, welche die Crimmit⸗ schauer Weber unter solchen Umständen zu führen ge⸗ zwungen sind, legt die große Kindersterblichkeit Zeugnis ab. Von 100 Lebendgeborenen sterben 37 im ersten Jahre. Die am Leben gebliebenen haben eine trübe, traurige Kinderzeit vor sich. Einige Wochen alt wird das Kind zu fremden Leutenin die Ziehe gebracht, da die Mutter wieder in die Fabrik gehen und mitver⸗

dienen muß. So kommt es, daß die Eltern ihre Kinder

wöchentlich nur einmal zu sehen bekommen, von einem Ta nilienleben kann also keine Rede sein. Auf die Ursache des gegenwärtigen Kampfes übergehend, wies Referent darauf hin, daß schon 1899 sich die Weber mit einem sehr höflichen Schreiben an die Fabrikanten wandten und um ½istündige Verlängerung der Mittagspause baten. Damals erklärten sich die Unternehmer erst be⸗ reit, mit dem Textilarbeiterverband darüber zu ver⸗ handeln, dann lehnten sie aber das Gesuch mit dem Bemerken ab, daß sie es der Konkurrenz halber nicht bewilligen könnten. Ebenso wurden die Arbeiter in den folgenden Jahren vertröstet, bis sie im Frühjahr den 10 stündigen Arbeitstag forderten. Man verlangte inner⸗ halb 8 Tagen Antwort und als wieder Ablehnung er⸗ folgte, reichten einige hundert Arbeiter die Kündigung ein mit dem Vorbehalt, daß sie als zurückgenommen gelte, wenn die Fabrikanten inzwischen bewilligen. Aut⸗ wort der Fabrikanten war: Aussperrung sämtlicher Arbeiter und Arbeiterinnen. Durch diese brutale Maß⸗ nehme glaubten die Fabrikanten, die Arbeiter zur Rück⸗ kehr zu bewegen, Aber die Ausgesperrten hielten Stand. Weder gute Worte noch Prämien konnten dieselben ver⸗ leiten. Wußten sie doch, warum sie kämpften. Der Referent brachte darauf noch einige bereits bekannte Tatsachen über Aussperrung vor und stellte darauf die Frage, wie es komme, daß die Crimmitschauer Arbeiter⸗ schaft diesen Kampf in solch' einer musterhaften Weise bisher geführt habe. Die Antwort darauf sei leicht. Nur dadurch, daß sie aufgeklärt ist, daß sie vor allen Dingen Sozialdemokraten sind, dem Umstand haben wir es zu verdanken, daß Unruhen vermieden wurden. Die ausgesperrten Arbeiter in ihrem Kampfe zu unterstützen, ist die Aufgabe der Arbeiterschaft Deutschlands. Auch die Marburger Arbeiterschaft möge dafür sorgen, daß ihre gewerkschaftlichen und politischen Vereine immer kräftiger werden, denn nur eine geschulte und disziplterte Arbeiterschaft kann einen derartigen

Kampf führen, wie ihn unsere Brüder in Crimmitschau durchgefochten haben.

Damit schloß der Referent seinen mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag. In der Disku ssion sprachen noch die Gen, Dr. Michels und Wolf. Beide ermahnten die Marburger Arbeiterschaft zum Beitritt in die Gewerkschaften. Eine am Schlusse vorgenommene Sammlung ergab einen hübschen Betrag.

f. Wahl verein. Diesen Samstag findet im Lo⸗ kale Jesberg eine Mitgliederversammlung statt, zu der die Genossen zahlreich erscheinen wollen.

Die Denunziantenseuche. In erschreckender Weise mehren sich in letzter Zeit die Majestätsbeleidi⸗ gungsprozesse. Unter anderem wurden in Zwickau der Genossin Luxemburg 3 Monate Gefängnis auf⸗ diktiert, weil sie in einer Rede während der Reichstags⸗ wahl den Kaiser beleidigt haben sollte. Sechs Mo⸗ nate erhielt ein Händler in Mühlheim a. d. Ruhr, den ein frommer Hausbesitzer aus Rache denunzirt hatte. In Trier wurde der 63jährige Schreiber Schmidt gar zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Der Mann war betrunken, als er die majestätsbeleidigende Aeuße⸗ rung tat. Der letzte Fall erinnert an Burggräfenrode. Möchte doch die elende Denunziantensippe das Lied aus 1848 beherzigen:

Von allem Schlechten, was da ist,

Was wühlt im Schlamm, was kramt im Mist!

Voll Gift und Gall, voll Schmach und Schand,

Das Schlechste ist der Denunziant!

Wo Friede herrscht und Freude thront,

Gemütlichkeit und Frohsinn wohnt,

Da ganz verborgen und boshaft spannt

Die Netze aus der Denunziant!

Genau wird von ihm Buch geführt

Und jedes Wort schnell aufnotiert,

Gefälscht, gelogen, umgewandt

Kalfakterts dann der Denunziant!

Er drängt in Freundeskreis sich ein,

Steckt überall die Nas' hinein.

Das heiligste Familienband

Nicht schont der schuftige Denunziant!

So lange geht, vergiß es nicht,

Der Krug zum Brunnen, bis er bricht,

Bis heimgeschickt mit Schimpf und Schand,

Für alle Fäll' der Denunziant!

Ans dem Gerichtssaal.

Sauberer Chef. Die Strafkammer in Fulda verurteilte den inzwischen bankerott ge⸗ gangenen Kaufmann Joseph Edelmuth von dort wegen Sittlichkeitsvergehens(Verführung seines minderjährigen Ladenmädchens) zu einem Jahr Gefängnis. Ein anderer Prozeß schwebt noch gegen ihn. Mogelnde Bauer n. In Er⸗ langen bemerkte der städtische Wagenmeister in mehreren Fällen, daß beim Abwägen von Getreide ete. einzelne Bauern auf die Deichsel drückten, so daß sich das Gewicht erhöhte und der Geschäftsmann jedesmal um einige Mark geprellt wurde. Ein Kalchreuther Bauer, der auf diese Art einen halben Zentner Gerste im Werte von 3.50 Mark herausgedrückt hatte, wurde vom Schöffengericht zu 25 Mark Geldstrafe verurteilt. Zeigt, daß sich auch biedere Bauern aufjüdische Praktiken verstehen.

Kleine Mitteilungen.

* Schauerlicher Selbstmord. Ein Wirt in Oberin gelh eim der an Wassersucht litt, schlitzte sich am Sonntag Abend mit einem Messer den Leib auf, rieß sich die Eingeweide heraus und warf diese auf den Boden. Der Unglückliche verstarb alsbald unter den größten Schmerzen.

* Un vorsichtigkeit oder Totschlag? In Hachen burg hat der städtische Förster Carpent ier am Montag seine Frau in seiner Wohnung durch einen Schuß getötet. Nach der einen Darstellung liegt Fahrlässigkeit vor, nach der anderen ist die Tat im Jähzorn während eines ehelichen Streites verübt wor⸗ den. Der Förster befindet sich in Haft.

* Mord. Am Montag Nacht wurde in Heusen⸗ st am der Nachtwächter Karl Jakob von dem Knecht Friedrich Grimm niedergestochen. Jakob st arb wenige Minuten darauf. Grimm wurde noch in der Nacht verhaftet.

* Seine Frau aus Un vorsichtigkeit er⸗ schossen. Als am Samstag der Polizeisergeant Paneck in Derne bei Dortmund seinen Revolver lud, ging ein Schuß los, der die Frau Paneks tötete.

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Partei-Uachrichten.

Ein Monat Gefängnis wurde dem Genossen Zander von der Frankf.Volks⸗ stimme aufgebrummt für einen Artikel über militärische Gerechtigkeit. Er hatte das Urteil in Heidelberg, das einen Soldaten zu 10 Jah⸗ ren Gefängnis verurteilte, weil er einem Un⸗ teroffizier einen leichten Schlag auf die Schul⸗ ter gegeben hatte, einen andern in Ulm gefällten Urteile gegenüberstellt, wo ein Offizier nur 10 Wochen Festungshaft erhielt, obwohl er Sol⸗ daten so geohrfeigt hatte, daß einer von der Mißhandlung taub wurde. N

Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda.

Sonntag, den 23. Februar, vormittags 10 Uhr im Lokale Orbig in Gießen:

Kreiskonferenz.

Vorläufige Tagesordnung:

1. Bericht des Vorstandes des Kreis wahlvereins. 2. Neuwahl des Vertrauensmannes. 3 Unsere Kreis⸗ organisation. 4. Die Gemeinderatswahlen. 5. Unser diesjähriges Kr isfest.

Zu der Konferenz kann jeder Parteiort bis zu drei Delegierte entsenden, es können sich auch mehrere Orte auf einen Delegierten einigen. Auch solche Orte, wo ein Parteiverein nicht besteht, können Delegierte ent⸗ senden. Zu diesem Zwecke sollen die Vertrauensleute am Orte die Genossen zusammenberufen und die Wahl vornehmen lassen. Mandatsfor mulare sind bei dem Vertrauensmann A. Bock Gießen, Damm⸗ straße 22 erhältlich. Wir ersuchen die Genossen im Kreise, zu der Konferenz Stellung zu nehmen und etwaige Anträge rechtzeitig möglichst bis zum 20. Februar an den Vorsitzenden, Gg. Beckmann, Gießen Grünbergerstraße 44 einzureichen.

Der Vorstand des Kreis⸗Wahlvereins.

Versammlungskalender.

Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗ sammlungen! Samstag, den 23. Januar. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Vortrag von Vetters.

Gießen. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Abends

8 Uhr bei Wirt Aug. Riunzur Wilhelmhöhe. Sonntag, den 24. Januar.

Wieseck. Wahlverein. Nachmittags 4 Uhr Ver⸗ sammlung bei Adam Zjegler. T.⸗O.: die Uufall⸗ versicherung. Ref. Vetters.

Friedberg. Sozialdemokr.⸗Verein. Uhr Versammlung bei Ihl.

Montag, den 25. Januar.

Gießen. Schneiderverband. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Samstag, den 30. Januar.

Marburg. Soz.⸗dem.⸗Wahlverein. 9 Uhr Versammlung bei Jesberg.

Briefkasten.

F. in Wetzlar. Ueber die Fragen müssen wir erst Erkundigungen einziehen.

Quittung. Für die Crimmitschauer: Von ei⸗ nem Landmann Mk. 5.(Bei früheren Quittungen ver⸗ gessen worden.) Bock. S

Marktberichte.

Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 19. Januar: Butter per Pfd. Mk. 0,850,95, Hühnereier 1 St. 8 10 Pf., Enteneter 1 St. 89 Pf., Käse pr St. 68 Pfg., Käsematte 2 St. 56 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg.. Kartoffeln per 100 Kilo 5,50 6,00 Mk., Weiß⸗ kraut pr. Stck. 5 7 Pfg., pr Zentner 1,30 1,60 Mk. Zwiebeln per Ztr. Mt. 4,505,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,301,40 Mk., Hahnen per St. 0,80 1,70 Mk., Enten per St. 1,70 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00 70 Pfg.

Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 68 78 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 6266 Pfg., Schweinefleisch 66 bis 76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 80 Pfg., Kalb⸗ fleisch 70 76 Pfg., Hammelfleisch 6574 Pfg. 88

Die innerpolitischen Zustände des deut. schen Reiches und die Sozialdemokratie⸗ Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg.

Die Volksschule wie sie sein soll. Rühle. Preis 30 Pfg. 6

Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg.

Abends

Abends

Von Otto