Ausgabe 
24.1.1904
 
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des LokalsBunter Bock, den

Seite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 4.

im Reichstag brachte, gesellt sich aller Wahr⸗ scheinlichkeit auch noch die Niederlage ihrer Agi⸗ tation in Crimmitschau. Das Odium des gan⸗ zen, für Crimmitschau verhängnisvollen Kon⸗ flikts fällt ann auf die Agitatoren, die mit hohlen Siegesversprechungen eine blühende Industriestadt ver⸗ ödet, Tausende in Not und viele Arbeiterfamilien dauernd um ihr Brot gebracht haben. DieVorwärts Journalisten werden freilich schon dafür sorgen, daß die Arbeiter nichts aus dem Streik lernen und der fester Ueberzeugung bleiben, daß nur die Per fidie des Staates, der die Arbeitswil⸗ ligen vor den Mißhandlungen der armen Strei⸗ kenden schützte und die Bosheit der Unterneh⸗ mer daran schuld waren, daß ste unrecht be⸗ kommen haben.

Daß die sozialdemokratische Partei nicht den mindesten Einfluß darauf hat, ob irgendwo in eine Lohnbewegung eingetreten oder eine solche beendigt werden soll, weiß heutzutage bald jeder Schuljunge. Uaser Parteivorstand erlaubt sich eine derartige Einmischung in die gewerkschaft⸗ lichen Dinge nicht und ist schließlich froh, daß er es nicht braucht. Die Gewerkschaften wür⸗ den aber auch jeden Versuch nach dieser Richtung mit Enischiedenheit zurückweisen. Wir halten die Redaktion desGieß. Anz. nicht für so veschränkt, daß ihr diese Sachlage nicht bekannt sei. Wider besseres Wissen sucht man aber nach bekannter Methode die sozialdemokratische Partei für den Konflikt in Crimmitschau ver⸗ antwortlich zu machen. Also nickt die Textil⸗ barone sperrten 8000 Arbeiter aus, sondern die Sozialdemokratie! Jeder nur halb⸗ wegs rechtlich Denkende wird für solche unehr⸗ liche Verdrehungen nur einPfui übrig haben. Daß sich das Blatt dabei auch noch die säch⸗ sischen Polizeipraktiken verteidigt, sei nur nebenher erwähnt. Man kann sich das für spätere Fälle merken, wo es sich das arbeiter⸗ freundliche Mäntelchen umzuhängen für gut findet.

Sozialdemokratische Ausbeu⸗ tung. Das ist ein Lied, was christlich⸗soziale Agitatoren beständig auf der Walze haben. Auch in der neulichen Versammlung im Felsen⸗ keller wußte der Herr Pfarrer Bernbeck aus Okarben zu erzählen, daß im Gewerkschafts⸗ hause in Kassel ein Angestellter während der Feiertage eine 16⸗ oder ga: 20 stündige Arbeits⸗ zeit gehabt habe. Das zitierte der Herr Pfarrer nach dem wegen seiner Wahrheitsliebe sattsam bekanntenEvangelischen Sonntagsblatt. Das hatte eine rührselige Geschichte darüver erzählt, natürlich nicht etwa um der Sozialdemokratie eins auszuwischen, sondern aus lauterer christ⸗ lichen Nächstenliebe. Nach unsern Erkundigungen handelt es sich da um den Geschäfts führer Genossen Hedderich. Dieser führt im Verein mit dem Wirt Weddig das Geschäft im Gewerkschafts⸗ haus, eine von den Kasseler Gewerkschaften ge⸗ wählte Kommission führt die Aufsicht. Weder der sozialdenokratische Verein, noch das Gewerkschaftskartell haben etwas mit der Verwaltung zu tun. Hedderich kaun sich seine Arbeit nach seinem Ermessen

einteilen und Hilfskräfte einstellen, wenn es

nötig ist. Allerdings soll er sich während der Feiertage mehr, als er nötig gehabt hätte an⸗ gestrengt haben. Daraus aber der Sozialdemo⸗ kratie einen Strick drehen zu wollen, ist ebenso unsinnig, als es von Herrn Behrens war, von schlechten Arbeitsverhältuissen in derVor⸗ wärts-Druckerei zu reden, obwohl ihm sehr genau bekannt ist, daß dort die Arbeitsverhält⸗ . besser wie in jeder andern Druckerei ud.

Bäckermeisterliches. Die Ritter vom Backtrog tragen sich mit saubern Plänen. In einer am Mittwoch stattgefundenen Ver⸗ sammlung der Bäckerzwangsinnung kündigte der Obermeister Pfeifer an, daß nach Be⸗

schluß des Innungsvorstandes eine Aussperr⸗

ung der Gesellen, soweit ste Verbandsmitglieder stud, möglichst sofort stattfinden solle. Er for⸗ derte die Meister auf, dem Beschlusse des Vor⸗ standes gemäß zu handeln. Diese unerhörte

praktisch bemängelt.

Maßregel begründete der Vorsitzende damit, daß 1 2 von Seiten des Bäckerverbandes in Umlauf gesetzt seien, zur Ermittelung der Zustände in den Bäckereien. Einige Meister wandten sich entschieden dagegen. Herr Link betonte, daß man doch den Gesellen nicht das Recht, sich zu vereinigen, verkümmern dürfe, die Meister beanspruchten dasselbe. Die Gesellen behaupteten, keine Lohnbewegung zu beabsichti⸗ gen; die ausgegebenen Fragebogen haben nur den Zweck, sanitäre Mißstände in den Bäckereien zu bekämpfen, und dies liege im Interesse der Gesellen, wie nicht minder in dem des gesam⸗ ten Publikums. Diese Ausführungen sanden aber nicht den Beifall der Innungsleute, viel⸗ mehr wurden diese Redner mit allerhand un⸗ liebenswürdigen Zurufen, wieRaus!Schluß usw. überschüttet. Besonders traten die Herren Hahn, Frei und Deibel für sofortige Maß⸗ regelung ein. Es wurde dem Beschlusse des Vorstands zugestimmt; ferner sollen noch Ver⸗ sammlungen in Wetzlar, Marburg usw. statt⸗ finden, damit die Gemaßregelten in der Um⸗ gebung keine Arbeit bekämen. Das sind ja recht wohlwollende und arbeiterfreundliche Ar⸗ beitgeber, die Herren Zunft⸗Bäcker! Sie scheinen alle Veranlassung zu haben, daß gewisse Backstuben⸗Geheimnisse nicht offenbar werden! Wir haben davon übrigens noch einiges in unserer Mappe und können gelegentlich damit aufwarten.

Der Wahlverein hielt am Samstag seine Generalversammlug ab, zu der die Par⸗ teigenossen ziemlich zahlreich erschienen waren. Der vom Kassierer erstattete Kassenbericht weist eine Einnahme von Mk. 261,38 und eine Ausgabe von Mk. 163,12 nach, so daß 98,26 Mark Bestand für das laufende Jahr vorzu⸗ tragen sind. Resultat der Vorstandswahl ist solgendes: Beckmann, Vorsitzender; Pe⸗ tersen, Kassierer; Gg. Baum, Schriftführer; Hohmeyer und Schmidt, Beisitzer. Nachdem der Kartelldelegierte noch über die letzten Sitz⸗ ungen des Gewerkschaftskartells berichtet und eine kurze Debatte über agitatorische und organisatorische Fragen erledigt war, wurde beschlossen, auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung ein Referat des Gen. Krumm über Kommunalpolitik zu setzen.

Die Gewerkschaftsversammlung am Sonntag hatte einen recht zahlreichen Besuch aufzuweisen. Nach Verlesung des Protokolls der letztjährigen allgemei⸗ nen Versammlung wird zum ersten Punkte der Tages⸗ ordnung: Geschäfts⸗ und Kassenbericht des Gewerkschafts⸗ kartells übergegangen. Bock berichtete über die Tätigkeit des Kartells. Er erwähnt zunächst die letzten Gewerbe⸗ gerichtswahlen, die zum erstenmale nach dem Proportio⸗ nalsystem stattfanden. Unsere Liste erhielt 763 Stimmen, während sich die der Christlichen mit nur 69 begnügen mußte. Auch auf der Arbeitgeberseite erhielten wir 2 Bei⸗ sitzer, so daß wir deren im ganzen 13 im Gewerbegericht haben. Die Maifeier mußte mangels eines geeigneten Lokals in Wieseck stattfinden. In zwei Brauereien entstanden Lohndifferenzen, die jedoch gütlich beigelegt wurden. Jetzt haben sich die Brauereien zu einem Ring vereinigt. An die Eisenbahner sind wiederholt Auffor⸗ derungen zum Eintritt in den Eisenbahnerverband ergangen, bis jetzt jedoch mit wenig Erfolg. Ferner weist Bock noch auf die vom Kartell veranstalteten Vorträge hin, womit man den Wünschen der Mitglieder entgegenzukom⸗ men hoffte. Mit der Aufforderung an die Delegierten pünktlich und regelmäßig in den Kartellsitzungen zu er⸗ scheinen schließt Redner den Vericht. Kassierer Baum giebt hierauf den Kassenbericht. Die Gesamteinnahme, einschließlich des Streikfonds betrug Mk. 1588,17, die Ausgabe Mk. 1405, bleibt also ein Bestand von 183,01. Für Streikunterstützung wurden im Ganzen Mk. 712.05, hauptsächlich nach Crimmitschau und Schlierbach abge⸗ sandt Außer diesem Betrag ist noch von einzelnen Gewerkschaften Geld direkt nach verschiedenen Streik⸗ orten geschickt worden. Der Bibliothekar führt die Zahl der Bücher an, die von den Mitgliedern der ein⸗ zelnen Gewerkschaften entliehen wurden, beklagt aber im übrigen die geringe Benützung der Bibliothek. Bock erwähnt noch, daß das Kartell bei der Stadt Beteiligung an dem Gewerbegerichtskongreß beantragte, die Stadtverordneten lehnten jedoch eine Vertretung ab. In der Diskussion wird besonders gewünscht, daß in Zukunft darauf geachtet werden müsse, daß die Vor⸗ träge nicht allzu kostspielig würden, wie das z. B. mit dem über die Entstehung der Erde der Fall gewesen sei. Ferner wird die Beschaffung eines Bibliothek⸗Katalogs gewünscht, der neuangeschaffte Bibliothekschrank als un⸗ Auch über die Verteilung der Ko⸗

sten der Vorträge werden mehrere Beschwerden vorges

bracht, die vom Kassierer als unbegründet zurückgewiesen werden. Zum zweiten Punkte:Saalbaufrage weist der Vorsitzende auf die Lokalschwierigkeiten hin, die für die Gewerkschaften wie auch für die Partei bestehen, wenn sie hier größere Versammlungen abhalten wollen. Es müsse endlich ernsthaft die Errichtung eines eigenen Hauses in's Auge gefaßt werden. Das Kartell habe bereits in anderen Städten, wo Gewerkschaftshäuser bestehen, Erkundigungen eingezogen und ersuche nun die Versammlung weitere Beschlüsse zu fassen. In einer sehr eingehende Debatte wird die Frage nach jeder Richtung hin ventiliert und schließlich ein Antrag angenommen, wonach dem Kartell anheimgegeben wird, eine Kommis⸗ sion mit weiteren Schritten in dieser Angelegenheit zu betrauen. Hierauf erfolgt Schluß der Versammlung. Auf den Vortrag von Opificius aus Frankfurt, der am Dienstag Abend in

Lonys Bierkeller stattfindet, machen wir noch⸗

mals aufmerksam.

Aus dem Rreise gießen.

Aus Leihgestern berichtet man uns: Allgemeinen Unwillen verurscachte kürzlich die Verhaftung eines jungen Menschen, der auf dem Bergwerk arbeitete. Er war als Waisenkind bei einem Schuhmacher in Großenlinden unter⸗

Faubrachn hatte sich aber von dort entfernt, wo⸗

zu er auch allen Grund gehabt haben soll. Ruhig ging er seiner Arbeit nach und wohnte bei seiner Schwester in Grüningen, als er plötz⸗ lich verhaftet und geschlossen in die Er⸗ ziehungsanstalt Dillenburg gebracht wurde. Der Fall beschäftigte den Gemeinderat. Daß man den armen Burschen geschlossen abführte, wird als eine harte und unnötige Maßregel bezeich⸗ net. Der Krofdorfer Bürgermeister wurde per Chaise abgeführt!

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Gewerbegericht. Nach dem Bericht des Vorsitzenden des Gewerbegerichts waren vor diesem im verflossenen Jahre 33 Streit⸗ sachen anhängig. Davon wurden nicht weniger als 28 durch Vergleich oder Zurücknahme er⸗ ledigt und nur ein einziger Fall durch Urteil unter Zuziehung der Beisitzer. Hoffentlich wird beim Zustandekommen von Vergleichen nicht allzusehr nachgeholfeu, denn dabei ist in den meisten Fällen der Arbeiter der Leidtragende. Auffällig ist noch, daß vier Schriftsetzer, eine ver⸗ hältnismäßig große Zahl, Klagen anstrengten.

h. Herr Reichstagsabgeordneter Krämer erstattete am Sonntag vor 8 Tagen Bericht über seine Reichstagstätigkeit, aber nicht, wie es sich gehörte, in öffentlicher Versammlung, sondern in einer Mitgliederver⸗ sammlung des nationalliberalen Vereins. Er beschäftigte sich nach dem Bericht desWetzl. Anz. besonders mit dem Ausfall der letzten Wahl. Dabei habe sich gezeigt, daß der natio⸗ nalliberale Gedanke noch eine tüchtige Werbe⸗ kraft besitze. Ach du lieber Gott! Ohne Bür⸗ germeister und Polizeidiener wäre es mit der Werbekraft gründlich Essig!

h. Eine recht anstän dige Lohnerhöhung haben die Aerzte der Ortskrankenkasse erreicht. Während bisher das Honorar 900 Mk. betrug, ist es jetzt auf 2000 Mk. erhöht worden. Wir gönnen den Aerzten gewiß ein anständiges Einkommen. Was würde sich aber für ein Geschrei erheben, wenn Arbeiter eine gleiche prozentuale Erhöhung ihres Lohnes forderten?(Auch in Offenbach verlangen die Aerzte 100 Prozent Honorar⸗Erhöhung. Weiteres über die Aerzte Forderungen siehe unter Gieß. Angel.)

Aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn.

*Terrorismus. Ueber sozialdemokratischen Terrorismus wissen dieStaatserhaltenden und ihre Presse nicht genug zu erzählen; auch christlich⸗so⸗ ziale Agitatoren faseln in Versammlungen davon und machen mit solchen Märchen ihren Schäflein bange. Am Sonntag war eine Metallarbeiterversammlung nach Haiger in die dortige neuerbaute Turnhalle einberufen. Die Halle war für diesen Zweck von uaserm Genossen Trott für den Metallarbeiterverband gemietet worden. Am Samstag Abend wurde Trott vom Vorstand des

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Turnvereins benachrichtigt, daß die Halle nicht zur

Verfügung stehe, weil der Metallarbeiterverb andsozial⸗ demokratische Tendenzen verfolge. In der Agnesen⸗

Minervahütte wurden die Arbeiter durch Anschlag ge⸗

warnt, die Versammlung zu besuchen, well sie das

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gute Einvernehmen() zwischen Arbeiter und Unternehmer.

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