Ausgabe 
24.1.1904
 
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eine Freiheitsstrafe zu nehmen, während der

Nr. 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite.

Ein älterer Stabsoffizier hatte die Aeußer⸗ ungen gehört, forderte weitere Erklärungen und nun kam die Geschichte heraus. Der betrogene Ehemann wurde unterrichtet und die Folge davon war, daß er seine Frau aus dem Hause jagte und eine Anzahl seiner lieben undtreuen Kameraden vor die Pistole forderte. Krohn soll ein sehr guter Pistolenschütze sein und alle seine Gegner schwer verwundet haben; einer soll so⸗ gar den Wunden erlegen sein. Nach alledem hätten die Ordnungsleute mit dem Reichskanzler und dem Kriegsminister an der Spitze alle Veranlassung, sich mehr um die Verhältnisse in Offiziers⸗ und sonstigenbesseren Kreisen u bekümmern, als um den sozialdemokratischen Parteitag und den Zukunftsstaat!

Wenn ein Minister vor Gericht steht.

Dieser Tage wurde in Oldenburg eine Peivatklage des Redakteurs Biermann vom Residenzboten gegen den Justizminister Ruh strat verhandelt. Es handelte sich darum, daß der Minister gegen die Frau Biermanns die Aeußerung gebraucht haben soll:Ihr Mann ist ein Lump! Der Angeklagte war nicht erschienen; für ihn war Rechtsanwalt Wißner als Verteidiger anwesend.

Frau Biermann als einzige Zeugin bekunc

det, daß sie auf Rat ihres Anwalts zu dem Minister gegangen sei, um ihn um Zurück⸗ nahme der Privatklage gegen ihren Mann zu bitten. Er habe sie angefahren und Aeuße⸗ rungen wie:Der Mann ist mir viel zu wenig, der ist mir weniger als der Kot an meinen Stiefeln, er hat's zu schlimm ge⸗ macht ihr entgegengehalten. Auf ihre Ent⸗ gegnung, ihr Mann könne unvorsichtig gewesen sein, habe der Minister gesagt:Ihr Mann ist ein Lump, ein Jahr muß er haben. Pri⸗ vatkläger Biermann beantragt, den Minister in

Verteidiger auf Freisprechung plaidirte. Das Urtetl des Gericht lautet auf ganze 20 Mark Geldstrafe. Dieses Urteil ist mit einer ge⸗ schraubten Begründung versehen. Was würde dem Redakteur aufgebrummt worden sein, wenn er den Minister einen Lump genannt hätte?

Eine Ersatzwahl

hat am Montag im Wahlkreise Osnabrück für den verstorbenen Abg. v. Schele(Welfe) stattgefunden. Für den Zentrumskandidaten wurden 12 686, den Nationalliberalen 11 927 und für unsern Genossen Schrader 4974 Stimmen abgegeben. Bei den letzten Haupt⸗ wahlen wurden 6371 sozialdemokratische Stim⸗ men abgegeben. Es ist sehr begreiflich, daß unsere Genossen in geringerer Anzahl zur Wahl gingen, da ein Erfolg ausgeschlossen ist. Ob nun in der Stichwahl der Nationalliberale a der Zentrümler siegt, ist ebenfalls gleich⸗ gültig.

Ausland.

Schandtaten der russischen Regierung.

Zahlreiche politische Prozesse haben in der letzten Zeit stattgefunden, die der Regierung sehr unbequem werden. Trotzdem die Prozesse meist hinter geschlossenen Türen verhandelt wer⸗ den, werden doch die Reden der Angeklagten und ihrer Verteidiger allgemein bekannt und tragen zu der allgemeinen Agitation sehr wesent⸗ lich bei. Die Reden der Rosto wer Demon⸗ stranten, die Plaidoyers der bekannten russischen Anwälte vor den Gerichtsschranken in Kischi⸗ new, Odessa, Nischni⸗Noworod und anderen Städten bilden die besten Flugschriften der revolutionären Massenliteratur. Die Regierung scheint nunmehr beschlossen zu haben, gegen die Anwälte in den politischen Prozessen Repressivmaßregeln zu er greifen. In Ufa wurden zwei Advokaten, die freiwillig den wegen des Streiks im vorigen Frühjahr angeklagten Arbeitern der Slatouster Waffenfabriken ihre Unterstützungen angeboten hatten, wegen Verdachts der Sympathie für die revolutionäre Bewegung verhaftet und nach

verbannt. Viel 1 7 5 noch sist das Vor⸗ gehen des Polizeiminssters Pleh we gegen einen Verteidiger der Kischinewer Juden, den in Kischi⸗ new wohnenden Rechtsanwalt Sokolow, der in dem Prozeß durch sein mutvolles Auftreten sehr viel zu der Entschleierung der wirklichen Schuldigen an den Greueln beigetragen hat. Plehwe will sich nun rächen und er besorgt es auf dem kürzesten Weg. In der Nacht vom 22. anf den 23. Dezember wurde Sokolow auf ein Telegramm von Petersburg verhaftet. Jeden⸗ falls wird es ihnen gehen, wie seinen Kollegen in Ufa. Aehnliche Fälle sind noch in anderen Orten zu verzeichnen.

Japanische Sozialisten gegen den Krieg.

Kürzlich gab ein französisches Blatt einen Artikel des japanischen Genossen Katayama wieder, worin sich dieser im Namen seiner Partei gegen einen Krieg mit Rußland erklärt. Allerdings gebe es in Japan eine Kriegspartei; das seien neben der Militärkaste die Unter⸗ nehmer, die als Lieferanten von Kriegsartikeln interessiert seien. Die Regierung scheine selbst nicht sehr für den Krieg zu sein; sie habe aber Angst vor der Kriegspartei. Die arbeitenden Klassen von Japan hätten vom Kriege keinen Gewinn; siege Japan, würden der Arbeiterklasse doch nur neue Steuern aufgebürdet werden. So habe auch der chinesische Krieg dem Volke neue Lasten für die Erhaltung und Vergrößer⸗ ung der Marine und der Armee gebracht. Ein neuer Sieg würde den Militarismus noch mehr stärken. Die Arbeiter haben kein Interesse an der Besetzung der Mandschurei und haben nicht das Verlangen selbst nicht um Koreas willen, sich mit den russischen Ar⸗ beitern gegenseitig hinzuschlachten. Weiter weist Katayama auf die Ungerechtigkeiten des Militärdienstes in Japan hin, von dem sich die Besitzenden befreien könnten. So zahle das Volk auch den hauptsächlichsten Teil der Blut⸗ steuer und sei deshalb gegen den Krieg, der nur im Interesse der herrschenden Klasse liege.

Im Uebrigen ergeht man sich sowohl auf Seiten Rußlands wie Japans in Friedensbe⸗ teuerungen beide Teile betreiben aber trotz⸗ dem die Kriegsrüstungen auf das eifrigste. Eine entscheidende Wendung ist noch nicht erfolgt.

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Pon Nah und Fern.

Hessisches.

Aus dem Landtage. Der Finanz⸗ ausschuß der Zweiten Kammer beendete die Verhandlungen über das nächstjährige Staats⸗ budget mit der Regierung und wird in dieser Woche dazu übergehen, seine Beschlüsse im Ein⸗ zelnen zufassen. Von Interesse bei den Ver⸗ handlungen war die schließliche Erklärung des Finanzministers Gnauth, daß die Rechnung für das laufende Rechnungsjahr weit günstiger abschließt als im Voranschlag an⸗ gesetzt, sodaß ein Vermögensrest von mehr als 1 000 000 Mk. vorhanden sein wird, statt der angesetzten 285720 Mk. 21 Pfg. Das ist eine ganz bedeutende Verbesserung der Finanzen des Landes. Im Anschluß an diese steigende Tendenz der Finanzverhältnisse hat die Regie⸗ rung das Gesetz betreffend die Bildung eines Ausgleichsfonds eingebracht. Dieser Ausgleich⸗ fonds will aus den Einnahmen der Eisenbahnen, Staatslotterie etc., nur einen bestimmten Be⸗ trag 2000 000 Mark in das Budget einstellen, die darüber hinausgehenden Einnahmen in die⸗ sen besonderen Fonds abführen, bis er 6000 000 Mark beträgt, von welchem Augenblick an diese Ueberschüsse zur Deckung außerordentlicher Aus⸗ gaben der Vermögensrechnung, für Ergänzungs⸗ und Erweiterungsbauten bei Eisenbahnen sowie zu Staatszuschüssen für Nebenbahnen verwendet werden sollen. Der Finanzausschuß war ein⸗ stimmig im Prinzip für den Ausgleichfonds, doch stellte sich der Abg. Ulrich auf den Standpunkt, daß in dem Gesetze auch die Mög⸗ lichkeit einer außerordentlichen Schul⸗ dentilgung gewahrt werden sollte.

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einem entfernten Gouvernement im Norden

Gießener Angelegenheiten.

5 Eim allgemeiner Krankenkassen⸗ kon greß findet Montag, den 25. Januar in Leipzigestatt. Einziger Beratungsgegenstand ist:Die Stellung der deutschen Krankenkassen zu den Forderungen der Aerzte. An vielen Orten Deutschlauds sind Differenzen zwischen den Aerzten und den Krankenkassen wegen Einführung der freien Arztwahl und höherer Honorierung ausgebrochen und vielerorts steht solches leider noch bevor. Dem geschlossenen Vorgehen der Aerzte soll nunmehr ein solches der Krankenkassen entgegengesetzt werden.

Jeder verständige Arbeiter wird gewiß den Wunsch haben, daß die Aerzte anständig be⸗ zahlt werden. Was aber jetzt die Herren for⸗ dern, das geht wirklich ins Aschgraue. Sie haben sich organisiert und handhaben die Waffe des Streiks besser wie irgend eine Arbeiter- organisation. In vielen Orten haben sie ihre Tätigkeit eingestellt und warnen ihre Kollegen vor Zuzug und das in einer Art, die sie ins Zuchthaus bringen würde, wenn die berühmte Zuchthaus vorlage Gesetz geworden wäre. Bei der Leipziger Ortskrankenkasse haben die Aerzte ebenfalls ihre Verträge auf 1. April gekündigt. In verschiedenen bürgerlichen Blättern wurde behauptet, daß den Aerzten in LeipzigHunger⸗ löhne von der Ortskasse bezahlt worden wären. Demgegenüber stellte der Vorstand der Kasse fest, daß im letzten Jahre 26 Aerzte Honorare von je 6000 12000 Mark er⸗ zielten. Das wird man wohl nicht gut als Hungerlohn bezeichnen können. In Wetzlar wurde ebenfalls das Aerzte-Honorar ganz er⸗ heblich gesteigert, um 140 Prozent. Tatsache ist ja auch, daß sich die materielle Lage der Aerzte seit Einführung der Krankenverstcherung bedeutend gebessert hat. Allerdings ist in den letzten Jahren eine Ueberfüllung im Aerztebe⸗ ruf eingetreten und infolgedessen eine starke Konkurrenz unter ihnen entstanden. Daran sind aber die Arbeiter und ihre Kassen nicht schuld; und jedenfalls muß verhütet werden, daß aus der Arbeiterversicherung eine Aerzte⸗ Versicherung wird.

Die Gießener Ortskasse beteiligt sich eben⸗ falls an dem Kongreß in Leipzig und zwar entsendet sie die Herren Dahmer, Winn, Judt und Fourier als Delegierte. Hoffentlich werden die Delegierten genauen Bericht über die wich⸗ tigen Verhandlungen des Kongresses in öffent⸗ licher Versammlung erstatten, damit die Mit⸗ glieder über diese Dinge unterrichtet werden. Ob es nun unbedingt nötig war, vier Dele⸗ gierte zu entsenden, möchten wir dahingestellt sein lassen.

Mit dem Wunderdoktor Becker von Sprendlingen, dem der bürgerliche Misch⸗ masch in Offenbach zu dem Reichstagsmandat verhalf, glauben die nattonalliberalen Ord⸗ nungsseelen eine ganz bedeutende Acquisttion gemacht zu haben. Trotzdem er sich mit seinen Reden, besonders mit der über die Zwangs⸗ versicherung für Handwerker ganz gehörige Blamagen holte, feiern ihn nationalliberale und Amtsblätter als großes Licht. Für den Gießener Anz. ist Beckerein gewandter Redner, kenntnisreicher und mit frischer Initiative begabter Sozialpolitiker. Nach seiner zweiten Rede, die gerade von heilloser Unkennt- nis der Versicherungsgesetze zeugt, könnte man eher sagen: In Dr. Becker hat die liberale Partei einen neuen Schwadroneur gewonnen, dessen Fähigkeit sich in Phrasendrechseln und Schimpfen über die Sozialdemokratie erschöpft. Für Amtsblattschreiber allerdings so schreibt man uns mag Dr. Becker schon einen Geistesriesen darstellen. Unter Blinden ist der Einäugige König.

Amtsblatts⸗Schwindeleien. Mit welchen lügnerischen Unterstellungen und bewußten Verdrehungen Kreis- und sonstige Ordnungsblätter gegen die Sozialdemokratie arbeiten, davon legen einige Auslassungen Zeugnis ab, die sich derGießener Anzeiger in seiner Montagsnummer über den Kampf in Crimmitschau leistet. Er schreibt da: Zu der moralischen Niederlage, die den Get nossen die Debatte über die Wurmkrankhei⸗