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A. Liegler, Ph. Kreiling, dust. Schneider gerserrng, Erie d 50

Nr. 34.

Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite 5.

dienLeute den Dom aufbauen, die ihn brauchen. Wer keine kirchlichen Bedürfnisse hat und diese Steuern drückend empfindet, kann sich nur mit dem Austritt aus der Kirche davon befreien. Vielleicht finden sich dazu mehrere zusammen und sammeln das Geld für Er⸗ richtung eines Versammlungslokals auf, denn die hiesigen Wirte gehen lieber bankrott, als daß sie ihre Säle zu Versammlungen hergeben.

Ueber Wildschaden wurde uns von Bewohnern verschiedener Orte im Kreise Wetzlar öfters geklagt. Das Wild, besonders Hirsche und Rehe hat sich in der letzten Zeit ganz be⸗ deutend vermehrt und richtet auf den Hafer⸗ und Kartoffeläckern großen Schaden an. Wie derFrankf. Zeitung dieser Tage geschrieben wurde, findet man stellenweise Kartoffeläcker, auf denen fast die ganze Ernte vernichtet ist, was umso schmerzlicher empfunden wird, als die ganze Kartoffelernte schon ohnedies infolge der Dürre, wenig gute Aussichten bietet. Die Jagdpächter aber, die doch zur Zahlung eines entsprechenden Wildschadenersatzes verpflichtet sind, suchen die Geschädigten vielfach mit schönen Redensarten hinzuhalten, oder mit Geldent⸗ schädigungen abzufinden, die dem wirklich vor⸗ handenen Schaden keineswegs entsprechen. Auch suchen einzelne Jagdpächter sich große Jagdge⸗ biete auf längere Zeit zu erwerben, indem sie die Jagdgebtete einer ganzen Anzahl von Ge⸗ meinden zusammenpachten und durch Zahlung eines höheren Pachtpreises sich die Pachtzeit verlängern lassen. Um sich vor Wildschaden zu schützen, wird vielfach den Gemeinden alljährlich außer dem Pachtzins eine kleinere Summe gezahlt, wofür diese den Wildschaden zu tragen haben. Da diese aber nur sehr selten zur Zahlung einer Entschädigung an die Ge⸗ meindeglieder bereit sind und durch allerlei Ausreden sich ihrer Verpflichtung zu entziehen suchen, so stehen sich zwar die Gemeindekassen bei diesem Geschäft nicht schlecht, aber die ein⸗ zelnen Bürger, und nicht zum wenigsten der arme Mann hat unter diesen Verpachtungs⸗ bedingungen oft schwer zu leiden.

Aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn.

t. Von einer großen Brandkatastrophe wurde am Donnerstag(11. Aug.) Herborn heimgesucht. Gegen 8 Uhr morgens brach in der Schaafgasse, einem engen winklichen Teile des Städtchens, wo nur uralte Fachwerksbauten und Scheuern stehen, Feuer aus, das sich mit unheimlicher Schnelligkeit ausbreitete. Als die Feuerwehr auf der Brandstelle erschien, waren bereits vier Gebäude von den Flammen ergriffen worden. Infolge des Wassermangels konnte dem umsichgreifenden Feuer vorerst nur geringer Widerstand geleistet werden. Auf telefonischem Anrufe öffneten die Hüttenbetriebe in der Nach⸗ barschaft ihre Stauwerke. Nach kurzer Zeit waren fast sämtliche Feuerwehren des Dillkreises und der benachbarten Orte des Kreises Wetzlar, insgesamt 25 Wehren, zur Stelle. Sie arbei⸗ teten mit großer Energie; da aber die Gebäude ohne isolierende Brandmauern waren, so dehnte sich das Feuer immer weiter aus, sodaß gegen 11 Uhr vormittags, als dem Weiterschreiten endlich Einhalt getan werden konnte, zirka 30 Scheunen und 15 Wohnhäuser in Asche lagen.

bersichert. Und wie immer, sind die ärmeren Leute am meisten geschädigt. Bei den Rettungs⸗ arbeiten ging leider auch ein Menschenleben zu Grunde. Ein Schornstein stürzte um und er⸗ schlug den verheirateten Feuerwehrmann Kegel aus Hörbach. Der Verunglückte hinterläßt drei unversorgte Kinder und seine Frau liegt krank darnieder. Wie uns mitgeteilt wurde, wollte man den Schornstein niederlegen, der Bürger⸗ meister habe es jedoch untersagt. An der⸗ selben Stelle, brach letzten Donnerstag zum zweiten Male Großfeuer aus, das den ganzen uoch stehenden Teil der Schaafgasse in Asche legte. 12 Wohnhäuser und 23 Scheunen sind abgebrannt. Die Löschungsarbetten wurden durch den Wind sehr erschwert, obwohl wieder 25 Wehren in Tätigkeit traten. Pioniere aus Kastel trafen noch Abends ein. Es wird Brand⸗ stiftung vermutet.

Aus dem Nreise Marburg⸗Nirchhain.

r. Nette Zustände in bezug auf Lohn⸗ verhältnisse herrschen in der Tabak fabrik von Stephan Niederreh. Die Firma be⸗ schäftigt ungefähr 40 Personen, 30 davon sind Mädchen im Alter von 1420 Jahren. Die Arbeitszeit beträgt 10 Stunden. Ueberstunden werden sehr häufig gemacht, öfters bis abends 10 und 11 Uhr. Die Mädchen erhalten einen Stundenlohn von 5 bis 7 Pfennig, daher nehmen dieselben die Ueberstunden mit, um ihren Wochenverdtenst etwas höher zu bringen. Das weiß der Unternehmer ganz genau und hat selbstverständlich den Vorteil davon, da Ueber⸗ stunden nicht höher bezahlt werden. Die Mäd⸗ chen haben täglich einen Weg bis zu 3 Stunden zurückzulegen, was bei normaler Arbeitszeit 13 Stunden ausmacht, bei Ueberstunden 15 bis 17 Stunden. Ohne die Pausen! Die aschfahle Gesichtsfarbe der Mädchen zeigt, wie nachteilig die überlange Arbeitszeit auf die Gesundheit der Arbeiterinnen einwirkt. Die bei der Firma beschäftigten Männer sind meist seit ihrem 14. Lebensjahre in dieser Fabrik, haben also ihre besten Jahre, womöglich den größten Teil ihrer ganzen Lebenszeit da verbracht. Diese Jubi⸗ läumsarbeiter verdienen 20 bis 29 Pfennige. Feiert ein Arbeiter sein 25. Arbeitsjubiläum bei der Firma, so wird er mit einer silbernen Taschenuhr beschenkt und diese Wohltat selbst⸗ verständlich in den hiesigen Zeitungen breitge⸗ treten. An Organisation zur Verbesserung threr Lage, denken diese Arbeiter und Arbeite, rinnen natürlich nicht, sie kennen kein anderes Leben und verfügen nicht über die nötige Energie sich aufzuraffen.

1. Die Wahlvereins⸗Versammlung, welche am 27. August stattzufinden hätte, fällt aus. Dafür findet am darauffolgenden Samstag, am 3. September eine Versammlung statt, in welcher der Stadtverordnete Dr. Quarck⸗Frankfurt über Handelspolitik und Sozial⸗ demokratie sprechen wird. Zu dieser Versammlung wird

zahlreicher Besuch erwartet, ebenso sind auch Gäste will⸗ kommen.

r. Die Marburger Holzarbeiter feiern diesen Sonntag das 11 jährige Bestehen ihrer Zahlstelle durch ein Stiftungsfest in dem Restaurant Hildmann. Jedermann hat freien Eintritt.

Kleine Mitteilungen.

Ein großer Teil der erst eingebrachten Ernte ist vernichtet und war zum Teil noch nicht

k Mord in Offenbach. Die 24 Jahre alte

tag früh nahe der Offenbacher Gasfabrik ermordet. Als Täter wurde der erst 18jährige Geliebte des Mädchens verhaftet, der den Mord aus Elfersucht verübt haben soll.

eber fahren wurde in Großkarben der 13. jährige Sohn des Eisenbahnarbeiters Bohlert durch einen Mistwagen. Die Räder waren dem Jungen über Beine und Leib gegangen, so daß er schwer verletzt in die Gießener Klinik verbracht werden mußte.

Und wieder: Bergmannstod. Auf der ZecheDahlbusch bei Essen wurde der Bergmann Friedrich durch herabstürzende Gesteinsmassen erschlagen.

* Wegen Unterschlagung ist der Rendant der städtischen Armenverwaltung in Aachen, Josef Krückel verhaftet worden. Der durch jahrelange Fälschungen verursachte Betrag beläuft sich auf 150 000 Mk.

* Einen grausigen Tod erlitt der Arbeiter Steffen auf dem Hüttenwerke in Malstadt⸗ Burbach bei Saarbrücken. Er fiel aus einer Höhe von Metern in einen mit glühenden Schlacken gefüllten Kasten und verbrannte in wenigen Minuten bis zur Unkenntlichkeit. Er hinterläßt eine Witwe und drei Kinder.

Schlimmer Jugenderzieher. Der Schul⸗

direktor Schubert in Zwickau wurde wegen Sittlich⸗ keitsverbrechens, das er an einem Mädchen unter vier Jahren beging, zu 1 Jahr und 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Gebrochene Ordnungs- und Innungs⸗ st ü tze. Vom Dresdener Landgericht wurde der Innungskrankenkassenkassterer und Mineralwasserfabrikant Uhlig aus Pirna wegen Betrugs und Unterschlagung zu einem Jahr drei Monat Gefängnis verurteilt und ihm außerdem die Ehrenrechte aberkannt. Der Brave unterschlug Krankenkassen⸗Unterstützungen, indem er den Arbeitern nach Willkür von den Unterstützungen Beträge abzog, die Quittungen aber auf die vollen Beträge aus⸗ stellte. Einen Baumeister hatte er um dreitausend Mark geprellt.

* Ein Zusammenstoß zweier Gisenbahnzüge ereignete sich am Sonntag bei Zittau in Sachsen auf der Schmalspurbahn Zittau⸗Oybin. Zehn Reisende sind verletzt, darunter einige schwer, außerdem haben auch Bahnbeamte Verletzungen davongetragen.

* In Vilbel brannte am Mittwoch Abend die mit Futtervorräten angefüllte Scheuren des Schweinehändlers Klöß nieder.

Versammlungskalender.

Samstag, den 20. August.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof). Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbi g.

Montag, den 22. August.

Gießen. Schneider verband. Abends 9 Uhr

Versammlung bei Orbig.

Der heutigen Nummer liegt ein Prospekt des Kurinstituts Spirro⸗Sperro in Niederlößnitz bei Dresden bei.

Freie Turnerschaft Giessen. Mittwoch, 24. Aug., abends 8 ¼ Uhr

Mitglieder⸗ Versammlung

imPfau(Dreher).

Tages⸗Ordnung: 1. Abrechnung vom Sommerfest. 2. Stiftungsfest. 3. Betr. Standarte. 4. Obligat. Einführung der Turnzeitung. 5. Verschiedenes.

Da wichtige Tagesordnung, wird um zahlreiches Erscheinen gebeten.

Fabrikarbeiterin Reiß aus Gelnhausen wurde am Diens⸗

Der Vorstand.

Sonntag, den 21. und Montag, den 22. August

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B. Wacker, Karl Kreiling.

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