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Nr. 34.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 3.
nachstehendes Telegramm gesandt werden konnte: „Hauptmann Imgard tot, Oberleutnant Skrozi schwer verwundet, 30 Gefangene gemacht. Der
eind auf der ganzen Linie geschlagen, zieht ch in großer Unordnung zurück.“ So schildert die„Wittgensteiner Zeitung“ die Schlacht. An die Felddienstübung schloß sich Parade und Feld⸗ n worauf die durchnäßten und mit
ot bedeckten Krieger am Fest teilnahmen. Die Festrede hielt Herr Landrat v. Gersdorff, der Vorsitzende und Veranstalter des Ganzen. Sollte man nicht die sämtlichen Krieger mit⸗ samt dem Landrat in ärztliche Behandlung geben?
Ein Opfer des Löbtauer Prozesses,
der Bauarbeiter Schmieder, ist anläßlich des Geburtstages des Königs von Sachsen be⸗ gnadigt worden. Jetzt sa machtet nur noch der Bauarbeiter Zwahr, der zu der unerhörten Strafe von 11 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, im Zuchthause zu Waldheim.
Russisch⸗japanischer Krieg.
Die russissche Flotte fast vernichtet — das ist das Ergebnis der Kämpfe, die in der letzten Woche stattgefunden haben. Die Lage der Russen in Port Arthur wurde eine immer verzweifeltere, weshalb die dort einge⸗ schlossene Flotte am 10. August einen Durch⸗ bruchsversuch unternahm. So versuchten über Nacht sechs Linienschiffe, vier Kreuzer und die Hälfte der Torpedoboote aus dem Hafen zu entkommen. Der Zweck war offenbar, die Port Arthurflotte mit der Wladiwo⸗ stokflotte zu vereinigen und dann gemeinsam die japanische Flotte anzugreifen. Der japanische Admiral Togo bemerkte jedoch rechtzeitig das Auslaufen der Flotte und es kam zu einer Seeschla ht, die mit einer schweren Niederlage der Russen endete. Ihre Flotte wurde voll⸗ ständig auseinander gesprengt; einige Schiffe suchten in fremden Häfen Schutz, wo sie ent⸗ waffnet wurden, einige andere zogen sich wieder in den Hafen von Port Arthur zurück und mehrere sanken.— Die russ. Kreuzer„No⸗ wik“ und„Askold“ liefen nebst zwei Torpe⸗ dobootzerstörern in den deutschen Hafen Tsingtau ein. Von der deutschen Regierung wurde Weisung gegeben, diese Schiffe zuentwaffnen, was in Gegenwart des Gouverneurs von Tsingtau auch geschah. Ebenso wurde der Panzer „Cesarewitsch“, der nach einem schweren Kampfe schwer beschädigt im Hafen von Tsingtau Schutz suchte, entwaffnet. Dieses Schiff hatte am 10. August von mittags bis abends im Kampfe gestanden und war dem feindlichen Feuer fortwährend ausgesetzt gewesen. Der an Bord befindliche Admiral Witthöft wurde durch eine Granate zerrissen, man fand nur noch ein Bein von ihm. Mehrere andere Offiziere wurden getötet; im Ganzen verlor das Schiff 15 Tote und 40 Verwundete.— Das Torpedo⸗ boot„Retschitelny“ hatte in dem chinesischen Hafen Tschifu Schutz gesucht, die Japaner ver⸗ folgten es dorthin und forderten den russischen Kapitän zur Uebergabe oder zum Verlassen des Hafens auf. Beides wurde verweigert und ver⸗ sucht, das Schiff in die Luft zu sprengen. Es wurde jedoch nur beschädigt, sank nicht und die Japaner nahmen es weg und schleppten es nach den Elltot⸗Inseln.— Zwei weitere russische Torpedoboote strandeten in der Nähe von Weis⸗hai⸗ wei.
Die Wladtwostok⸗ Flotte, die offenbar Port Arthur zu Hilfe kommen wollte, stieß am Sonntag früh 5 Uhr mit dem japanischen Ge⸗ schwader unter Admiral Kamtmura an der koreanischen Küste zusammen. Es kum zum Gefecht, das bis gegen Mittag dauerte. Der russische Kreuzer„Rurik“ sank. 450 Mann der Besatzung wurden durch die Japaner ge- rettet. Die russischen Kreuzer„Rossija“ und „Gromoboj“ wurden beide stark beschädigt.— Das Resultat der ganzen Seekämpfe ist also, daß die russische Flotte in alle Winde zerstreut, außer Gefecht gesetzt ist. Die Japaner scheinen dabei sehr geringe Verluste gehabt zu haben.
Die Landkämpfe vor Port Arthur werden
unterdes immer heftiger, immer enger schließen die Japaner die Stadt ein. Sie sind bis dicht an die Festungswerke herangerückt und beschießen die Stadt und den Hafen fortgesetzt. Die Be⸗ lagerungsarmee soll 90000 Mann betragen und über 400 Geschütze verfügen. Auf beiden Seiten hat der Kampf um Port Arthur schon ungeheuere Verluste gekostet.
Aus der Mandschureti wird zwar von neuen Kämpfen nichts berichtet, doch dringen auch dort die Japaner stets weiter vor. Die Räumung Liaojangs durch die Russen und ihr Rückzug auf Mukden wird gemeldet. Es regnet fortgesetzt und die ganze Gegend gleicht einem Sumpfe.
Die Postsäcke, welche die Russen s. Z. auf dem deutschen Dampfer„Prinz Heinrich“ beschlagnahmten, sind in Nagasaki eingetroffen. Sie wurden in Gegenwart des deutschen, fran⸗ zösischen und englischen Konsuls geöffnet und geprüft. Viele eingeschriebene und gewöhnliche Briefe fehlen.— Ja, was den Russen durch die Finger geht..!
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Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.
Flieden im Baugewerbe des Main⸗ ebletes. Die Einigungs⸗ Verhandlungen des itteldeutschen Arbeitgeberverbandes mit den
Organisationen der Maurer und Zimmerleute haben zu einem günstigen Resultate geführt. Es wurden zwischen beiden Parteien Tarifverträge vereinbart, in denen die Arbeitsbedingungen bis 1908 festgelegt sind. In großen Ver⸗ sammlungen der Maurer und Zimmerleute, die in Frankfurt, Darmstadt, Mainz, Offenbach und Wiesbaden stattfanden, wurde den Verein⸗ barungen zugestimmt. Allerdings wurde hier und da zum Teil heftige Opposition dagegen gemacht.— Aber zweifellos haben die Arbeiter günstig abgeschnitten. Nicht nur gelang es ihnen den brutalen Gewaltstreich des Unternehmer⸗ tums, den dieses mit der elussperrung versuchte, abzuwehren, sie haben auch ganz erhebliche Zu⸗ geständnisse herausgeschlagen. Für die Maurer wurden die Verhandlungen von dem Vorsitzenden des Maurerverbandes Reichstagsabg. Bömelburg geführt, der darüber am Samstag Nachmittag in einer großen Versammlung im Gewerkschafts⸗ hause in Frankfurt berichtete. Er besprach ausführlich die in dem Tarifvertrage enthaltenen Bestimmungen. Bei der Lohnfrage sei nur ein Mindestlohn vereinbart; die Unternehmer können auch mehr zahlen. Jedenfalls könne man behaupten, daß alle Wünsche der Arbeiter in der weitgehendsten Weise berücksichtiat worden sind. Die einzelnen Bestimmungen im Vertrage sind so klar, daß es kaum zu Meinungsver⸗ schiedenheiten kommen dürfte. Mit der Be⸗ seitigung des Partieführerunwesens waren die Unternehmer selbst einverstanden. In Wiesbaden, Aschaffenburg und Friedberg⸗Nauheim, wo sich die Unternehmer zu weiteren Zugeständnissen nicht herbeilassen konnten, hat deshalb der Ver⸗ trag auch nur auf ein und zwei Jahre Giltigkeit. Aber auch in diesen Orten müßten die Verhält⸗ nisse in zufriedenstellender Wetse geregelt werden. Bömelburgs Ausführungen wurden von Hütt⸗ mann und dem Führer der christlichen Maurer, Becker, unterstützt.
Die Arbeitszeit beträgt 10 Stunden. Die Löhne sind für die in Betracht kommen⸗ den Orte um 1—2 Pfennig per Stunde erhöht worden und steigen für die folgenden 2 Jahre alljährlich um 2 Pfenuig. So kann man ruhig sagen, daß der große Kampf mit einem Siege der Arbeiter endete, den sie ihrer guten Orga⸗ nisation verdanken. Der jetzt geschlossene Friede liegt aber auch im Interesse der Unternehmer, die jetzt längere Zeit Ruhe im Gewerbe und viel leichter mit den vereinbarten Löhnen ihre Arbeit kalkulieren können, als es vordem der Fall war. Die mögen aber aus diesem Kampfe die Lehre ziehen, daß sich heutzutage die Ar⸗ beiter nicht mehr nach Willkür behandeln und durch Scharfmachereien nicht imponteren lassen. — Die Kosten des Kampfes betrugen allein für den Maurerverband 242 000 Mk.
Der Deutsche Bergarbeiterverband befindet sich fortwährend in erfreulicher Ent⸗ wicklung. Jetzt hat er sich ein eignes Heim gegründet und am 1. August bezogen. Dieses ist um so erfreulicher, als gerade der Berg- arbeiterverband sehr vielen Stürmen und Ver⸗ folgungen seitens der Gegner der modernen Arbeiterbewegung ausgesetzt war; hierbei braucht man u. a. nue an den Essener Meineidsprozeß zu denken. Sein eigentlicher Aufschwung datiert vom Jahre 1895. Damals hatte der Verband eine Jahreseinnahme von 11796 Mk. zu ver⸗ zeichnen und die Auflage des Verbandsorgans betrug 5400. Im Jahre 1903 weist dagegen die Abrechnung eine Gesamteinnahme von nicht weniger als 642890 Mk. auf und das Verbandsorgan erschien in 74000 Exemplaren! Jetzt dürfte die Mitgliederzahl etwa 8384000 betragen, während das Gesamtvermögen ohne den Immobilienwert auf 540000 Mk. ange⸗ wachsen ist. Das Gebäude des Verbandes in Bochum repräsentiert einen Wert von 300 000 Mark. Es sind darin außer den Verbands⸗ lokalttäten noch Redaktion und Druckerei der Bergarbeiterzeitung sowie das Arbeitersekretariat von Bochum untergebracht. Ferner hat der Arbeiterkonsumverein seine Lokalitäten darin und außerdem sind 20 Wohnungen und ein Laden für ein großes Schuhwarengeschäft ein⸗ gerichtet.
Pon Rah und Lern.
Hessisches.
— Ueber den Losholzbezug der Ortsbürger fällte der hessische Ver⸗ waltungsgerichtshof eine Entscheidung, die für viele Gemeinden von grundsätzlichem Interesse ist. Die Entscheidung betrifft den Losholzbezug der Ortsbürger in Heppenheim. Dort be⸗ zogen bisher 1000 Ortsbürger eine bestimmte ortsstatutarisch festgesetzte Holzmenge. Mit Rücksicht auf den steigenden Geldwert dieses Holzbezuges hatte nun die Verwaltungsbehörde in Aussicht genommen, diese Wertsumme ein für allemal zu fixieren und nur Holz in diesem Werte unter die Ortsbürger zu verteilen. Dies hätte zur Folge gehabt, daß jetzt schon nur 850 Ortsbürger statt 1000 Los- holz hätten erhalten können; bei weiterer Er⸗ höhung der Holzpreise hätte die Zahl der be⸗ zugsberechtigten Ortsbürger noch mehr herab⸗ gesetzt werden müssen. Demgegenüber hat der Verwaltungsgerichtshof, wie aus Darmstadt geschrieben wird, nunmehe auf den von der Stadt Heppenheim eingelegten Rekurs ausge⸗ sprochen, daß es bei dem seitherigen Los⸗ holzbezug der Ortsbürger sein Bewenden habe, daß also den Ortsbürgern, deren Zahl seit 1872 nicht gestiegen ist, ohne Rücksicht auf den inzwischen gestiegenen Holzwert dauernd dieselbe Holzquantität als Losholz zu verabfolgen ist, auf die sie damals bereits An⸗ spruch hatten. Das Gesetz vom 22. November 1872, die Gemeindeausgaben betreffend, hat nämlich zwar die seitherigen Rechte der Orts⸗ bürger auf den Genuß am Gemeindevermögen anerkannt, eine fernere Ausdehnung dieser Nutzungsrechte zum Nachteil der Steuerpflichtigen dagegen untersagt. Die Entscheidung des Ver⸗ waltungsgerichtshofs hat nunmehr festgestellt, daß in einer bloßen Wertserhöhung des Los— holzes eine unzulässige Ausdehnung der Nutzungs⸗ rechte nicht zu finden ist.
Gießener Angelegenheiten.
— Amtsblatt⸗Phantasien. Der „Gieß. Anz.“ schrieb in seiner Moutagsnummer: „Man fühlt den Pulsschlag sozialdemo⸗ kratischer Blätter, vornan den„Vorwärts“ und merkt die Anstrengungen zur Vor⸗ bereitung zum Parteitag. Diese Presse bemächtigt sich des„Stoffes“ und schlachtete ihn gründlich aus. Bedauerlich ist nur, daß andere Kreise hierauf zu viel eingehen, und erst in den letzten Stunden haben wir es erleben müssen, daß in der Frankfurter Angelegenheit des österreichischen Sozialdemo⸗ kraten Pernerstorfer, liberale und demo⸗


